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Der Fußball gegen die FIFA
Eine WM unter noch nie dagewesenen Umständen
Die Fußball-Weltmeisterschaft steht unmittelbar vor der Tür. Doch vor dem XXL-Event kommen eine Vielzahl an Fragen auf.
Wie die am Donnerstag beginnende Fußball-WM wohl in Deutschland aufgenommen wird? „Hängt davon ab, wie wir abschneiden“, hat Bundestrainer Julian Nagelsmann gesagt. Damit liegt er sicher richtig. Das ist einfach ein Erfahrungswert: Auch wenn die Erwartung verhalten war wie etwa 2002 in grundsätzlich dunklen Zeiten des deutschen Fußballs oder 2010 nach dem Ausfall des als zentral erachteten Spielers Michael Ballack – die Deutschen waren bereit, sich mitreißen zu lassen.
Absolut hautnah. Absolut fundiert: Absolut Fussball berichtet für euch von der WM 2026. Unsere Reporter sind in Amerika vor Ort und versorgen euch mit News, Videos und exklusiven Einblicken.
Es entwickelten sich eben neue Geschichten: Die von Rudi Völler als Volksheld und acht Jahre späterdie einer neuen Generation in einer multikulturell geprägten Mannschaft. Deutschland hing an den Bildschirmen, begeisterte sich über Wochen; diese Sommer fühlten sich großartig an, es herrscht auch jetzt noch eine Sehnsucht nach ihnen. Daher: In einem Turnier können sich Dynamiken entwickeln, warten wir also ab.
Selten ist einer WM mit so wenig Vorfreude begegnet worden
Allerdings ist der Blick, den man auf Großereignisse wie eine Fußball-Weltmeisterschaft hat, nicht nur durch die sportliche Perspektive der eigenen Mannschaft bestimmt. Ein wahrnehmbarer Teil der Fans schaut auch auf andere Aspekte wie: Findet das Turnier in einem Land statt, das es verdient hat und das es ehrlich meint mit dem Sport?
Das Misstrauen ist gestiegen: Russland konnte 2018 seine geopolitischen Ambitionen kaum noch verhehlen. Katar 2022 hat die Menschen nicht nur mit den erwartbaren logistischen Themen (Klima, wenig Fläche, geringe Unterbringungskapazitäten) aufgewühlt, sondern mit der verächtlichen Haltung der Herrschenden gegenüber der Arbeitsressource Mensch. Die vergangenen beiden Turniere hatten eine schlechte Reputation – in Deutschland verstärkt noch durch das sportliche Versagen.
Die finalen Teilnehmer der WM 2026 – Mehrere Debütanten und historische Türkei
Vielleicht auch wegen dieser Vorgeschichte, aber gewiss wegen vieler hinzugekommener schwieriger Themen: Die Erwartungen an das vorwiegend in den USA stattfindende Welt-Turnier 2026 sind gering. Selten ist einer WM mit so wenig Vorfreude begegnet worden. Früher nahm man den Jahresurlaub, um sich vor dem neu angeschafften Fernseher vollständig der „Pille für den Mann“ zu widmen.
Macht das heute noch jemand? Geht es noch um den Fußball? Kann man den angesichts der massiv gestiegenen Zahl an Spielen von 64 auf 104 überhaupt noch fassen, genießen – oder wird das nach wenigen Tagen eine einzige graue Masse? Wird aus den Stadien in den USA, Kanada und Mexiko Stimmung transportiert werden, wenn die Ränge nicht so voll sind, wie die FIFA es in ihren superlativen Ticketverkaufs-Meldungen vermuten lässt?
Die Anbiederung des Fußball an die Politik hat ein neues Level erreicht
Die allermeisten WM-Konsumenten sind zwar nicht vor Ort, sondern bleiben in ihren Heimatregionen – aber auch sie werden sich nicht freimachen können von all den Nachrichten: absurde Preise für Tickets, Transport, Hotels, Fußball nur noch für die Reichen. Einreiseerschwernisse für Akteure aus den USA missliebigen Staaten. Dazu diese politisch fragwürdigen Klüngeleien zwischen den Präsidenten Donald Trump (USA) und Gianni Infantino (FIFA). Die Anbiederung des Fußballs an die Politik hat eine neue „Qualität“ erreicht.
Russland und Katar fügten sich letztlich noch dem Grundsatz, dass der Fußball für alle ist und zugänglich sein muss. Bei der WM 2026 ist das nicht mehr der Fall. Zum ersten Mal muss der Fußball gegen die antreten, die ihn beschützen sollten. Das kann böse enden und das vermeintlich sichere Geschäft WM zu einem geschäftlichen Flop werden.
Was die deutsche Mannschaft betrifft: Wer den Spielplan mal durchgerechnet hat, kommt zu der Konstellation eines Achtelfinals gegen Frankreich. Die realistsich gewordenen Fans würden über ein Ausscheiden unter diesen Umständen nicht böse sein – aber es wäre dann noch reichlich WM übrig. Ob das dann noch interessieren würde?