Fußball-Region unter Schock
„Schmerzt enorm“: Seeon-Seebruck und Breitbrunn-Gstadt trauern um Trainer Liri (†36)
Der plötzliche Tod von Liridon „Liri“ Bushrani hat den Amateurfußball in der Region tief erschüttert. Der SV Seeon-Seebruck und der TSV Breitbrunn-Gstadt trauern gemeinsam um einen Menschen, der weit mehr war als nur ein Trainer.
Es ist einer dieser Momente, die selbst im sonst so lauten Amateurfußball schlagartig für Stille sorgen. Kein Anpfiff, kein Jubel, kein Wortgefecht an der Seitenlinie. Stattdessen ein kurzer Post, unscheinbar im Format, aber von gewaltiger Wucht im Inhalt. Am Mittwochabend (21. Januar) veröffentlichen der SV Seeon-Seebruck und der TSV Breitbrunn-Gstadt nahezu zeitgleich eine Nachricht auf Instagram. Wenige Zeilen, ein schwarzer Hintergrund, ein Name: Liridon „Liri“ Bushrani. Tot. Mit nur 36 Jahren.
Was folgt, ist Betroffenheit. Und etwas, das man im Amateurfußball selten so deutlich spürt: ein kollektives Innehalten. Liridon Bushrani starb bereits am Samstag (17. Januar) an Herzversagen. „Viel zu früh“, wie es die beiden Vereine gegenüber beinschuss.de formulieren.. Zu früh für einen Menschen, der noch mitten im Leben stand. Zu früh für zwei Vereine, die ihn nicht nur als Trainer oder Funktionär kannten, sondern als festen Bestandteil ihres Alltags. Zu früh für eine Fußballfamilie, die nun ohne ihn weitermachen muss.
Seeon-Seebruck und Breitbrunn-Gstadt trauern um Trainer Liri (†36)
Bushrani lebte zuletzt allein in Amerang. Der Fußball aber war nie weit weg. Seit 2015 trug er das Trikot des TSV Breitbrunn-Gstadt – zunächst als Spieler, später in immer mehr Rollen. Wer ihn kannte, wusste: Liri war keiner, der Nein sagte, wenn Hilfe gebraucht wurde. Spieler der ersten Mannschaft, Co-Trainer, Betreuer der Zweiten, Jugendtrainer – Bushrani war überall dort, wo man ihn brauchte. Und oft auch dort, wo man ihn nicht offiziell eingeplant hatte, aber froh war, dass er da war. Ähnlich wie bei „Kare“, der legendären Linienrichter-Figur aus der Region, deren Tod Ende vergangenen Jahres viele erschütterte.
Besonders am Herzen lag ihm die Nachwuchsarbeit. Mehrere Jugendmannschaften betreute er über Jahre hinweg, formte nicht nur Fußballer, sondern Persönlichkeiten. Stolz war er vor allem auf jene Generation, die er bis in den Herrenbereich führte – Spieler, die heute das Gerüst der ersten Mannschaft des TSV bilden und zunächst 2023 den Aufstieg in die A-Klasse und ein Jahre später die Rückkehr in die Kreisklasse schafften. Es ist ein Vermächtnis, das bleibt, auch wenn sein Urheber viel zu früh gegangen ist.
Im Sommer 2023 zog sich Bushrani aus dem aktiven Spielbetrieb zurück. Zwei Jahre Pause, in denen der Fußball nie ganz verschwand. Denn wer ihn beschrieb, sprach schnell vom „wandelnden Fußballlexikon“. Einer, der mehr wusste als viele andere. Einer, der das Spiel liebte, aber nie laut darüber sprach. Große Worte waren nicht sein Stil. Wichtige schon. Im Sommer 2025 dann der nächste Schritt: der Wechsel zum SV Seeon-Seebruck. Bushrani übernahm die zweite Herrenmannschaft als Trainer – und war auch dort sofort mehr als nur der Mann mit der Taktiktafel. Freundlich, hilfsbereit, zugewandt. Einer, der zuhört. Einer, der integriert, statt auszusortieren. Das gemeinsame Kapitel war kurz. Viel zu kurz.
Große Anteilnahme aus der Fußball-Region
Nun treten die beiden Vereine gemeinsam an die Öffentlichkeit – über beinschuss.de – und versuchen, Worte für etwas zu finden, das sich kaum erklären lässt. „Der Verlust schmerzt enorm“, heißt es da. Liri werde eine große Lücke hinterlassen. Aussagen, die oft verwendet werden – und hier doch eine besondere Schwere tragen. Weil sie spürbar ehrlich sind.
Wie sehr Bushrani über die Vereinsgrenzen hinaus geschätzt wurde, zeigt sich unter den Instagram-Beiträgen. Vereine aus der Region melden sich zu Wort, senden Beileid, drücken Mitgefühl aus. Der TSV Bad Endorf spricht von einem wertgeschätzten Sportkameraden und Freund. Der TSV Rimsting würdigt ihn als leidenschaftlichen Fußballer und Trainer, der Spuren hinterlassen habe. SV Pang, TuS Prien, viele andere: kurze Worte, große Anteilnahme. Es ist diese stille Solidarität, die den Amateurfußball ausmacht. Keine Schlagzeilen, keine Kameras – aber echte Nähe. Wenn einer geht, spüren es viele. Weil man sich kennt. Weil man sich am Sonntag begegnet ist. Weil man gemeinsam auf nassem Rasen stand, nach Spielen zusammensaß, diskutierte, lachte.
Liridon Bushrani war nie der Mann im Mittelpunkt. Und doch steht er nun genau dort. Nicht wegen eines Tores, nicht wegen eines Aufstiegs. Sondern wegen der Lücke, die er hinterlässt. In zwei Vereinen. In mehreren Mannschaften. In vielen Erinnerungen. Der Fußball wird weiterlaufen, wie er es immer tut. Trainings werden stattfinden, Spiele angepfiffen werden. Aber etwas fehlt. Jemand fehlt. Einer, der da war, wenn man ihn brauchte. Einer, der nicht viele Worte machte – aber die wenigen wichtigen. Und genau deshalb schmerzt es. Enorm. (mck)