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„Das waren schon drei schwache Spiele…“

Kurz vor Paraguay-Spiel: So hart rechnen Trainer aus der Region mit dem DFB-Team ab

Enttäuschung und Ratlosigkeit: Nach der 1:2-Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Ecuador steht dem Team um Kapitän Joshua Kimmich (stehend) Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Wie geht es jetzt weiter: Ist die Euphorie verflogen oder wird Deutschland trotzdem Weltmeister? Diese Fragen beantworten Trainer aus der Region gegenüber der OVB-Sportredaktion.
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Enttäuschung und Ratlosigkeit: Nach der 1:2-Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Ecuador steht dem Team um Kapitän Joshua Kimmich (stehend) Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.

Nach dem lustlosen 1:2 gegen Ecuador ist das Viertel- oder Halbfinale für die deutsche Elf plötzlich in Gefahr. War die anfängliche WM-Euphorie nur ein Strohfeuer? Die Trainer aus der Region schonen Bundestrainer Julian Nagelsmann und die DFB-Elf vor dem Paraguay-Spiel in unserer großen Umfrage nicht:

Rosenheim/Mühldorf – Eine lustlose deutsche Mannschaft, ein bockiger Bundestrainer im TV-Interview und haufenweise Kritik seitens der Fans. Nach den beiden Siegen zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 schien die Euphorie grenzenlos. Am späten Donnerstagabend folgte der Dämpfer mit der 1:2-Pleite gegen eine schnelle, giftige und willensstarke Mannschaft aus Ecuador. Ist die Begeisterung nun verflogen oder werden wir trotzdem Weltmeister? Die OVB-Sportredaktion hörte sich bei den heimischen Fußballtrainern um und stellte folgende Fragen:

1. Wie ist Ihre Meinung zum 1:2 gegen Ecuador?
Matthias Ostrzolek (SV Wacker Burghausen): Ich denke schon, dass die Niederlage in Ordnung geht. Man hat deutlich gesehen: Eine Mannschaft muss unbedingt gewinnen und hat den Willen und die Einstellung auf den Platz gelegt, und die andere Mannschaft hat ganz locker aufgespielt. 2.
Matthias Ostrzolek (Wacker Burghausen).
Wolfgang Schellenberg (TSV 1860 Rosenheim): Ich habe das Spiel nur in Ausschnitten gesehen, deswegen kann ich dazu nichts sagen. Ich würde das Ergebnis aber nicht überbewerten, da man ja vorab als Gruppensieger qualifiziert war.
Gerald Straßhofer (SB Chiemgau Traunstein): Aufgrund des Spielverlaufs haben wir verdient verloren. Die Ecuadorianer wollten es einfach mehr.
Moritz Bauregger (FC Bischofswiesen): Ich finde schon, dass die Niederlage verdient war. Ich finde, gegen die Elfenbeinküste ist es ein bisschen hochgeschraubt worden. Da war es auch schon glücklich. Alles wurde so hochgepusht. Auch dieses 7:1. In der Vergangenheit war das eine Selbstverständlichkeit.
Michael Wirth (TSV Babensham): Unsere DFB-Philosophie habe ich nicht ganz raussehen können. Keine Abschlüsse, keine gefährlichen Szenen im letzten Drittel, also eigentlich mau. Mei, da sind wir wieder bei den 84 Millionen Nationaltrainern in Deutschland, im Nachhinein weiß es immer jeder mehr und besser. Aber das, was man gesehen hat, also wenn ich jetzt das Spiel analysieren müsste, dann muss ich ganz ehrlich sagen: Das wäre ein tolles Lernvideo dafür, was man alles verbessern könnte – weil für mich war es furchtbar.
Michael Wirth (TSV Babensham).
Manuel Neubauer (SG Reichertsheim-Ramsau/Gars): Wenn eine Mannschaft wie Equador ums Überleben kämpft und es bei Deutschland um nichts geht, ist doch die Situation klar, das Spiel darf man daher nicht überbewerten.
Hannes Jenewein (TuS Raubling): Ecuador war viel bissiger. Die waren speziell gegen den Ball brutal gut. Auch offensiv hatten sie mutige Offensivspieler vor allem außen auf beiden Seiten auch.
2. War’s das mit der großen Euphorie?
Ostrzolek: Bei mir nicht. Ich glaube, bei der Masse in Deutschland war das jetzt ein Dämpfer.
Straßhofer: Meiner Meinung nach nicht. Ich glaube, dass das jeder ganz gut einschätzen kann. Das war das dritte Gruppenspiel und wir waren zuvor schon Gruppensieger.
Bauregger: Nein, das glaube ich jetzt nicht. Jetzt geht es in die K.o.-Spiele. Ich glaube schon, dass sich die Euphorie weiter so hält. Bei uns auf dem Dorf ist es zwar ruhiger, aber in den Großstädten beim Public Viewing war ja richtig was los.
Moritz Bauregger (FC Bischofswiesen).
Neubauer: Wenn wir von Weltmeister sprechen, dann muss es auf dem Platz brennen, genauso wie auf der Bank, das sehe ich aktuell leider nicht immer so.
Jenewein: Ähm, ja, das ist in Deutschland so. Da reichen ein, zwei Spiele, dann wird himmelhoch gejauchzt. Dann liefert man einmal nicht so gut ab, dann ist wieder alles zu Tode betrübt. Ich glaube, das ist gar nicht ganz verkehrt, wenn man so ein bisschen auf den Boden runterkommt.
3. Was hätten Sie aus Trainersicht anders gemacht?
Ostrzolek: Kann ich nicht beurteilen, weil ich ja nur die Spiele sehe und nicht weiß, welche Idee dahinter ist und ich die einzelnen Spieler zu wenig kenne, um mir da ein vollkommenes Meinungsbild zu schaffen.
Straßhofer: Ich bin der Meinung, ein Kimmich muss ins Zentrum. Das ist das Einzige, was ich verändern würde.
Gerald Straßhofer (SBC Traunstein).
Bauregger: Wenn ich jetzt den Sané beobachte, den würde ich nicht spielen lassen. Der hat zwar das Tor gemacht, aber das waren schon drei schwache Spiele. Und der Undav, der macht wenigstens seine Tore. Ich weiß nicht, warum man den dann nicht gleich von Anfang an bringt. Du hast gemerkt, dass uns die Verletzung vom Schlotterbeck wehtut. So viele Alternativen haben wir eigentlich nicht.
Wirth: Also ich hätte auf alle Fälle gehofft, dass er eine von zwei klaren Linien verfolgt: Also entweder hätte er, das wäre für mich jetzt nachvollziehbar gewesen, dieses Spiel einfach noch einmal genutzt fürs nächste Spiel. Dass er sagt: Ich möchte jetzt nichts ändern, ich möchte jetzt einfach einen Automatismus reinkriegen. Oder ich gebe wirklich der B-Mannschaft das Vertrauen mit einem klaren mentalen Leitfaden. Hätte er mit der B-Mannschaft so gespielt, dann wäre ihm wahrscheinlich weniger auf die Füße gefallen, als wenn er mit der ersten Startelf anfängt und dann eigentlich punktuell irgendwelche Sachen verändert und probiert. Und wenn man jemanden einwechselt, der zwei Tore macht und dann nicht von Anfang an spielt, verstehe ich nicht ganz. Also das ist für mich jetzt nicht nachvollziehbar. Es sollen immer die Besten spielen und da gehört Undav aktuell dazu.
Neubauer: Ja, aber das soll der Trainer entscheiden, er trainiert ja auch täglich mit ihnen. Lediglich ein Gedanke: Kimmich ist einer der besten Sechser der Welt.
Jenewein: Thema Sané, Was ist die Grundaufgabe von einem offensiven Außenbahnspieler? Das ist Chancen zu kreieren, das ist sich außen durchzusetzen, das ist Torgefährlichkeit auszustrahlen – immer wieder kreativ sein. Und ich find ganz interessant, woran der Sané aktuell beim Nagelsmann gemessen wird. Da wird seine defensive Arbeit hervorgehoben. Nach vorne kann er nicht performen, weil der Boden, weil der Rasen zu stumpf ist. Wenn das das Kriterium ist, was wichtig ist für die Position, könnte er ja mit zwei Außenverteidigern spielen. Und Undav: Er hat der Bundesliga bewiesen, dass er einfach aktuell der beste deutsche Stürmer ist.
Hannes Jenewein (TuS Raubling).
4. Was muss die deutsche Mannschaft mit Blick auf das Sechzehntelfinale verändern?
Ostrzolek: Eine höhere Passgeschwindigkeit, eine höhere Laufgeschwindigkeit, ein höheres Tempo im Spiel mit dem Ball und Aggressivität gegen den Ball. Aber das wissen die Spieler selber, und wenn dann wieder der volle Fokus da ist, denke ich, dass sie das auch hinbekommen.
Straßhofer: Die Schlampigkeit ablegen, das bisschen Leichtsinnige. Und einfach geradliniger, zielstrebiger spielen. Aber ansonsten glaube ich, sind Finalspiele noch mal anders vom Fokus wie jetzt so Gruppenspiele, wenn man weiß, da geht es um was.
Bauregger: Das, was man halt einfach sieht: Diese kleinen Nationen, die haben so viel Emotionen und so viel Leidenschaft. Die mögen vielleicht spielerisch nicht so gut sein, aber da geht viel über den Teamgeist. Was die Deutschen brauchen, ist dieser Kampf, dieser Einsatz, dieser unbedingte Siegeswille – wie früher. Wir haben auch nicht immer schön gespielt, aber wir waren eine kompakt starke Mannschaft und fit über 90 Minuten. Dieser Biss hat mir gegen Ecuador gefehlt. Dass ich einfach sage, ich lege noch einmal eine Schippe drauf – vor allem die Ersatzspieler. Ich muss mich ja zeigen. Und du spielst eine Weltmeisterschaft. Also, was gibt es denn mehr für eine Motivation? Ich finde schon, die Einstellung fehlt ein bisschen. Aber ich glaube, dass das auch leicht gesagt ist.
Wirth: Also primär glaube ich, dass sie das Spiel noch mal gefühlt 270 Minuten anschauen und jeder sich selbstkritisch hinterfragt, ob das wirklich alles war, was sie können. Da kann Nagelsmann die nächsten Tage oder Stunden super dran arbeiten.
Neubauer: Die Mannschaft muss brennen – wie der Trainer von Ecuador. Qualität ist vorhanden, reicht aber nicht alleine. Somit sind der Trainer und die Spieler gefragt, gemeinsam das Maximum rauszuholen und mit den Fans im Rücken alles zu geben. Und Vorsicht: Es darf auch im Sechzehntelfinale kein Gegner unterschätzt werden, die können alle kicken.
Manuel Neubauer (SG Reichertsheim-Ramsau-Gars)
Jenewein: Sie werden automatisch alles anders machen. Man darf das Spiel jetzt nicht auf die Goldwaage legen.
5. Nach drei Spielen, um sich einen Eindruck zu verschaffen: Wie weit kommt Deutschland?
Ostrzolek: Nach Montag kann der nächste Gegner schon ein echter Brocken sein und dann sind es 50-50-Duelle. Möglich ist der Weltmeistertitel rein von der Qualität, aber im Fußball spielen so viele Kleinigkeiten eine Rolle.
Schellenberg: Ab der K.-o.-Runde wird sich zeigen, was realistisch möglich ist. Auch andere größere Nationen haben in der Vorrunde nicht immer Konstanz in ihren Leistungen gehabt.
Wolfgang Schellenberg (1860 Rosenheim).
Straßhofer: Ich hätte gesagt sehr, sehr weit – wenn Frankreich nicht wäre. Wenn man das Spiel übersteht, dann ist alles offen.
Bauregger: Das kommt auf den Gegner drauf an. Also ich glaube, dass, wenn wir das Achtelfinale schaffen, es schon gut ist. Dann ist meiner Meinung nach Schluss.
Wirth: Ich hoffe natürlich so weit wie möglich. Ich meine, wenn man jetzt die anderen Gegner angeschaut hat, die waren auch nicht so souverän. Das ist mal der Punkt eins. Wir wollen ja alle die Deutschen im Finale sehen. Und wie gesagt, das glaube ich auch. Ich meine, da ist ja Manpower dahinter, da sind die Besten der Besten. Wenn es der Trainer mal schafft, dass er aus dem Haufen eine Mannschaft macht, ist einiges möglich. Ich glaube, das ist eigentlich das größte Problem.
Neubauer: Wir brauchen nicht darüber sprechen, wie weit Deutschland kommt, oder was war. Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen. Es wird schon oft von einem möglichen Gegner im Achtelfinale geredet und was passiert, wenn man auf Frankreich trifft. Wir haben aber jetzt erst einmal ein schweres Spiel vor uns. Leider werden wir durch unsere Medien beeinflusst, wir müssen alle wieder positiver werden, und dann kommt auch der Erfolg.
Jenewein: Halbfinale ist möglich, ob realistisch ist dann wieder eine Sache, aber das trau ich Deutschland zu. (les)

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