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Kommentar von Markus Zwigl

Willkommen im Turnier, Deutschland: Die bittere Wahrheit über das DFB-Team

Deutschland ist keine Fußball-Großmacht mehr, sagt Redakteur Markus Zwigl.
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Deutschland ist keine Fußball-Großmacht mehr, sagt Redakteur Markus Zwigl.

Das 1:2 gegen Ecuador holt die DFB-Elf zurück auf den Boden. Wer Deutschland noch immer als Fußball-Großmacht sieht, sollte dieses Spiel noch einmal nüchtern anschauen. Ein Kommentar von Redakteur Markus Zwigl.

USA – Deutschland ist im Turnier angekommen. Nur leider nicht so, wie es sich viele nach zwei Siegen und der ersten kleinen Sommermärchen-Stimmung im Land erträumt hatten.

Das 1:2 gegen Ecuador war kein klassischer Ausrutscher. Kein Spiel, in dem Deutschland 90 Minuten anrennt, fünf oder sechs Großchancen vergibt und der Gegner aus dem Nichts zwei Konter setzt. Nein. Das war über weite Strecken ein Spiel auf Augenhöhe. Gegen Ecuador. Gegen den 27. der Weltrangliste. Gegen eine Mannschaft, in der eben nicht elf Premier-League-Stars auf dem Platz stehen, sondern zum Beispiel mit John Yeboah ein Spieler aus der zweiten italienischen Liga.

Und genau das ist die unbequeme Wahrheit: Deutschland ist keine Fußball-Großmacht mehr, die solche Spiele automatisch gewinnt. Deutschland ist eine gute Mannschaft. An guten Tagen vielleicht sogar eine sehr gute. Aber eben keine, die sich erlauben kann, nur halbwegs sauber zu verteidigen, vorne auf individuelle Momente zu hoffen und dann zu glauben, der Name auf dem Trikot werde es schon richten.

Ecuador war nicht glücklich, Ecuador war verdient

Wer sich die Zahlen anschaut, findet keine deutsche Dominanz. Elf zu sieben Torschüsse, zwei zu drei Ecken – das ist kein Sturmlauf, das ist kein Klassenunterschied. Das ist ein Spiel, das kippen kann. Und es ist gekippt.

Ecuador war griffig, unangenehm, mutig. Deutschland war nach dem frühen Tor nicht souverän, sondern seltsam zufrieden. Als hätte man das Gefühl gehabt: Das läuft schon. Tat es aber nicht. Nilson Angulo glich aus, Gonzalo Plata traf spät zum 2:1 – und plötzlich war aus einem Gruppenspiel ohne ganz große Angst ein sehr klarer Warnschuss geworden.

Dass Deutschland trotz der Niederlage Gruppensieger bleibt, ist schön für die Tabelle. Für das Gefühl vor der K.o.-Runde hilft es nur bedingt. Natürlich ging es für die DFB-Elf um nichts, für Ecuador um alles, aber naja …

Die zweite Reihe ist keine Luxusabteilung

Besonders bitter ist: Dieses Spiel hat noch einmal gezeigt, dass Deutschland in der Spitze und vor allem in der Breite nicht so stark ist, wie man sich das gerne einredet. Die erste Elf hatte schon genug Probleme, auch gegen die Elfenbeinküste. Dahinter wird es nicht automatisch besser.

Pascal Groß ist ein solider, intelligenter Spieler. Aber wenn ein Spieler vom Tabellenachten der Premier League die große Steuerungsfantasie nach Rückstand sein soll, ist das eben auch ein Zeichen. Maximilian Beier hat Talent, Tempo und Perspektive – aber mit zwei Champions-League-Toren in 21 Spielen bisher nicht die Aura, ein WM-Spiel zu drehen. Leroy Sané hat früh getroffen, bleibt aber trotzdem ein Spieler, bei dem man nie weiß, ob gleich Weltklasse oder Leerlauf kommt. Und Deniz Undav? Der vermeintliche Heilsbringer war nach seiner Einwechslung kaum existent. Acht Ballkontakte in über 30 Minuten sind keine Bewerbung für eine größere Rolle.

Das ist nicht böse gemeint. Es ist nur der Boden der Tatsachen. Deutschland hat gute Spieler, leider nur nicht so viele. Und nicht mehr diese selbstverständliche Tiefe, bei der von der Bank drei Spieler kommen und der Gegner sofort merkt: Jetzt wird es erst richtig unangenehm.

Weniger Gerede von Talent, mehr Arbeit

Jetzt kommen sie wieder, die alten deutschen Tugenden. Kampf. Wille. Mentalität. Arbeiten. Zweikämpfe führen. Diese Floskeln sind so abgedroschen, dass man sie kaum noch hören mag. Aber manchmal sind sie eben trotzdem wahr.

Diese DFB-Elf darf sich nicht auf ein Talent verlassen, das in dieser Form gar nicht omnipräsent ist. Sie muss sich Spiele erarbeiten. Sie muss verteidigen, als wäre jeder Ballverlust ein Problem. Sie muss Standards verteidigen, zweite Bälle gewinnen und aufhören, Phasen einfach wegzuschenken.

Denn genau das ist der Unterschied zwischen einer Mannschaft, die nett Fußball spielt, und einer Mannschaft, die in einem Turnier weit kommt.

Die gute Nachricht? Niemand marschiert durch

Und trotzdem ist nicht alles kaputt. Das ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis dieser WM: Kein Favorit spaziert hier einfach durch die Gruppe. Viele große Teams haben Probleme. Viele Spiele sind enger, wilder und unangenehmer als erwartet. Die Aufstockung auf 48 Teams hat das Turnier nicht leichter gemacht, sondern unberechenbarer.

Das macht Mut. Aber es ist auch eine Warnung.

Nach den zwei Siegen war die Stimmung in Deutschland plötzlich wieder da. Fahnen, Public Viewing, Autokorsos, Sommermärchen-Gefühl in der Light-Version. Das ist schön. Fußball lebt davon. Aber dieses 1:2 gegen Ecuador zeigt: Euphorie schießt keine Tore und verteidigt keine Standards.

Im Sechzehntelfinale wartet nun ein vermeintlich schwächerer Gruppendritter. Nur sollte Deutschland spätestens jetzt wissen, was dieses Wort bei dieser WM wert ist: gar nicht so viel.

Ecuador ist auch ein Gruppendritter. Und Ecuador hat Deutschland nicht unverdient geschlagen. Willkommen im Turnier, Deutschland. Jetzt wird es ernst. (mz)

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