„Besser kann man es sich nicht ausmalen“
Transfer-Coup am Deadline-Day: Wasserburg holt Ex-Profi – dank eines kuriosen Zufalls
Während andere Vereine am Deadline-Day noch fieberhaft um neue Spieler pokerten, blieb es beim TSV 1880 Wasserburg ruhig – bis plötzlich ein Ex-Profi bei den Löwen landete. Ein Transfer, den so niemand geplant hatte.
Wasserburg am Inn – Wenn der 1. September kommt, herrscht in vielen Vereinen Ausnahmezustand. Der sogenannte „Transfer-Deadline-Day“ ist im Amateurfußball zwar nicht so grell wie in der Bundesliga, aber auch hier wird bis zur letzten Minute geschachert, gehofft und gerechnet, wie es auch beim TSV Ampfing der Fall war. Im Fall des TSV 1880 Wasserburg in der Fußball-Landesliga Südost blieb es allerdings vergleichsweise ruhig – bis der Freistaat Bayern ins Spiel kam.
Denn während anderswo noch fieberhaft Spielerpässe übermittelt wurden, flatterte in Wasserburg eine Nachricht ins Haus, die mit Fußball zunächst gar nichts zu tun hatte: Die Zuteilung der Referendare. Und damit begann die Geschichte von Danilo Dittrich, 30 Jahre alt, Mittelfeldspieler mit reichlich Erfahrung, künftig Lehrer in Wasserburg – und ab sofort auch Löwe im Landesliga-Kader, wie der Landesligist am Dienstag (9. September) auf seiner Homepage bekannt gab.
Wasserburg: Kurioser Deadline-Day-Transfer von Ex-Profi Dittrich
„Der Spielort ist direkt neben der Realschule. Besser kann man es sich doch gar nicht ausmalen“, sagt Dittrich, der künftig die Anton-Heilingbrunner-Schule verstärkt und auf der Landwehrstraße nun Beruf und Leidenschaft vereint. Schule und Sportplatz, nur wenige Schritte voneinander entfernt: ein Doppelleben, wie es im Amateurfußball so nur der Zufall schreibt.
Gebürtig aus Ansbach, durchlief Dittrich die Jugend beim 1. FC Nürnberg, ehe er es in die 3. Liga schaffte. 40 Einsätze dort, dazu 80 Spiele in vier Regionalligen – Wolfsburg II, Trier, Erfurt, Kornburg. Stationen, die zeigen, dass er nicht nur den Ball streicheln, sondern auch harte Fußballarbeit verrichten kann. Mit Wasserburgs Trainer Florian Heller stand er einst bei Unterhaching sogar gemeinsam auf dem Platz.
Zuletzt hielt er sich beim TSV Kornburg fit. Ein Spieler mit dieser Vita weckt Erwartungen. Standardspezialist, Linksfuß, zentraler Taktgeber – aber entscheidend war für die Verantwortlichen nur eine einzige Frage: „Brennst du noch?“ Dittrichs Antwort: ein klares Ja.
Wasserburg verpflichtet Ex-Drittliga-Profi Danilo Dittrich
Beim 4:2-Sieg gegen Wacker München stand er noch neben dem Feld. Aber schon da wurde klar: Er hat Lust auf das Projekt. „Die Jungs sind fit und legen definitiv die richtige Einstellung an den Tag. Der Ball läuft gut zwischen den eigenen Reihen. Auch der Teamgeist war direkt zu spüren. Ich freue mich schon sehr darauf, die Jungs besser kennenzulernen“, lobt er nach seinem ersten Eindruck.
Der Teamgeist habe ihn sofort überzeugt. Am Montag (8. September) stieg er selbst ins Training ein – mit dem Blick, bald mehr als nur Zuschauer zu sein. Für Wasserburg bedeutet die Verpflichtung mehr als nur ein sportlicher Bonus. Dittrichs Erfahrung kann jungen Spielern helfen, seine Präsenz auf dem Feld wird Struktur bringen. Für ihn selbst ist der Wechsel ein Stück Heimat auf Zeit: neuer Job, neue Stadt, neuer Verein.
Im Amateurfußball sind Transfers oft Geschichten über kurze Wege, schnelle Lösungen, pragmatische Entscheidungen. Doch in diesem Fall ist es eine Geschichte, die zeigt, wie eng Beruf und Leidenschaft miteinander verschmelzen können. Deadline Day, einmal anders: Nicht das Faxgerät entscheidet, sondern der bayerische Staat. (mck)