„Und dann hast du plötzlich viel Pech“
A8-Stau, Verspätung, Eigentor: Freilassing verschenkt 2:0-Führung gegen den Tabellenführer
Die Überschrift dieser Partie war bis zur 81. Minute eine ganz andere: „Typisch Fußball, Spitzenreiter stolpert ausgerechnet in Freilassing“ oder „ESV stellt großem Favoriten ein Bein“. Doch die Grenzstädter belohnten sich für ihren starken Auftritt gegen Landesliga-Spitzenreiter SpVgg Unterhaching II nicht. Am Ende gingen die Eisenbahner nach einer durchaus verdienten 2:0-Führung sogar komplett leer aus, ein höchst bitteres Eigentor besiegelte die fünfte Niederlage in Folge – 2:3.
Freilassing – Statt um 19.30 Uhr begann die Partie mit 47-minütiger Verspätung erst um 20.17 Uhr: Die Unterhachinger, mit mehreren Fahrzeugen angereist, blieben im Vorfeld des verlängerten Wochenendes auf der verstopften Autobahn A8 hängen – ein Unfall bei Anger leistete sein Übriges. Einige Pfiffe begleiteten die Gäste schließlich auf den Platz, der Vorwurf der Fans: Angesichts der ohnehin angespannten Verkehrslage wäre eine frühere Abreise aus dem Südosten Münchens freilich angeraten gewesen. Auf dem Grün war sofort die spielerische Klasse der Gäste erkennbar, Freilassing benötigte einige Minuten, um damit klarzukommen. Erfreulich: Max Streibl durfte nach seiner Sieben-Spiele-Rekordsperre wieder mitwirken und war sofort ein belebendes Mittelfeld-Element. Zwei längere Verletzungsunterbrechungen für die Gäste, Marinus Spann und Nino Hodzic, der nach einem zweiten Schlag eine Platzwunde am Hinterkopf erlitt, mit Verbandsturban jedoch weiter- und durchspielte, prägten die Startphase einer sofort rasanten Partie.
A8-Stau, Verspätung, Eigentor: Freilassing verschenkt 2:0-Führung
Unterhaching kombinierte sich wiederholt gefährlich in die Box, allein die Abschlüsse blieben aus. Gegenüber verbuchte stattdessen der ESV die ersten beiden – jedoch zu harmlosen – Torschüsse durch Timo Portenkirchner (10.) aus 18 und Felix Bischoff (12.) aus 20 Metern. ESV-Goalie Tom Unterhuber musste dann Kopf und Kragen riskieren, um gegen Gabriel Freimuth zu retten, der die Querkugel vom sich sehenswert durchtankenden Tim Hannemann erhalten hatte (27.). Die Gastgeber-Führung hätte nach exakt einer halben Stunde Daniel Aschauer erzielen müssen, nachdem er das Spielgerät per No-Look-Pass von Streibl erhalten hatte – unbedrängt schoss der Oberteisendorfer jedoch knapp rechts vorbei. Überhaupt präsentierte sich die SpVgg-Zweite gegenüber diesen Tiefen-Zuspielen erstaunlich anfällig, was die Platzherren rasch und klug erkannten. In der letzten Viertelstunde vor der Pause agierte die Elf von Coach Albert Deiter richtig stark, ließ die Münchner Vorstädter, für die das 0:0 zur Pause latent schmeichelhaft daherkam, nicht mehr zur Entfaltung kommen. Eine Möglichkeit hatte die Viertliga-Reserve aber doch noch: Tom Unterhuber war gegen Samuel Weiß allerdings erneut bärenstark auf dem Posten (45.+1).
Hatten rund 300 Zuschauer bislang bereits eine unterhaltsame Tempo-Partie inklusive hoher Ereignisdichte beobachten dürfen, nahm sie in Durchgang zwei so richtig Fahrt auf. Der ESV riss das Geschehen zunächst nochmal an sich und ging folgerichtig in Führung: Es kam zudem logisch daher, dass die beiden Auffälligsten, Vorlagengeber Timo Portenkirchner und der cool ins lange Eck abschließende Kapitän Simon Schlosser, für das 1:0 (53.) sorgten. Die folgende Slapstick-Szene von SpVgg-Keeper Jose Kohler nutzte das ESV-Duo acht Minuten drauf erneut im Verbund: Schlosser eher „unfreiwillig“, da er die Kugel des Goalies, der die Partie mit einem Abwurf flott fortsetzen wollte, an den Rücken bekam. Von dort sprang sie direkt vor die Füße Portenkirchners, der blitzschnell antizipierte und via Heber aus 18 Metern das 2:0 (61.) ins leere Tor besorgte.
Freilassing-Coach Deiter: „Und dann hast du plötzlich viel Pech“
Die Sensation lag in der Luft, der Regisseur der Begegnung hatte jedoch einen anderen Plan: Unterhaching machte nun ernst, und Freilassing gab den möglichen Dreier durch drei Flanken unglücklich aus der Hand. Die erste Hereingabe von Gäste-Kapitän Leo Kainz köpfte Tim Hannemann ins kurze Eck (2:1/77.). Die zweite kurz drauf versenkte der abstaubende Marcel Martens zum 2:2-Ausgleich am rechten Pfosten (81.), nachdem es noch ein unübersichtliches Getümmel vor Schlussmann Unterhuber gegeben hatte. Letztlich blieb den Grenzstädtern nicht mal ein Punkt, der hochverdient gewesen wäre: Denn die letzte scharfe Hereingabe wollte Innenverteidiger Georg Wieser klären, die Kugel rutschte dem Pidinger jedoch unglücklich über den rechten Span und rauschte an Unterhuber vorbei ins eigene Netz – 2:3 (90.+2).
2:0 geführt – und doch verloren: Freilassing erleidet Eigentor-Pleite gegen den Spitzenreiter




Albert Deiter (ESV-Coach): „Das war ein sehr guter Auftritt von uns. Man hat deutlich gesehen, dass wir die reifere Mannschaft auf dem Platz waren – auch wenn wir vor der Pause bei ein oder zwei Aktionen der Unterhachinger auch mal Glück hatten. In der zweiten Hälfte führen wir nicht unverdient mit zwei Toren. Und dann geht uns gefühlt die Puste aus. Mit dem Anschlusstreffer war’s noch in Ordnung, aber wir haben es dann nicht mehr geschafft, das agierende Team zu sein – und uns nur noch aufs Verteidigen verlassen. Und dann hast du plötzlich viel Pech, wie es halt in so einer Situation, in der wir uns gerade befinden, nun mal ist. Man hat dann auch gesehen, wer Erster ist und wer gerade eine schlechte Phase hat. Wir stecken den Kopf trotzdem nicht in den Sand und schauen nach vorne.“ (bit)