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Fußball-Drama bei NK Croatia und 1860 Rosenheim

„Es war wild“: Schlägerei in Rosenheim – ein Spielabbruch, der besonders weh tut

Auf dem Platz des ESV in Rosenheim kam es am Freitagabend (23. Mai) zu einer Gewalteskalation.
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Auf dem Platz des ESV in Rosenheim kam es am Freitagabend (23. Mai) zu einer Gewalteskalation.

Ein Fußballabend in Rosenheim sollte auch im Zeichen der Trauer und des Zusammenhalts stehen. Doch kurz vor Schluss eskalierte die Partie zwischen NK Croatia und 1860 Rosenheim II – und aus einem Benefizspiel wurde ein Fall für Polizei und Sportgericht.

Rosenheim — Am Tag danach deutet an der Hochgernstraße kaum noch etwas auf die Szenen hin, die sich hier am Freitagabend (22. Mai) abgespielt haben sollen. Keine Blutlachen. Keine sichtbaren Spuren einer Massenschlägerei. Der ESV-Platz, welcher auch von NK Croatia für Heimspiele genutzt wird, liegt ruhig da, auf dem Gelände ist am Samstagvormittag (23. Mai) niemand zu sehen. Nur vom Kinderspielplatz nebenan ist gelegentlich Lachen zu hören.

Es ist ein fast unwirklicher Kontrast zu dem, was wenige Stunden zuvor passiert sein soll. Bei der Kreisklassen-Partie zwischen NK Croatia Rosenheim und der U21 II des TSV 1860 Rosenheim kam es kurz vor Schluss zu einer heftigen Eskalation. Nach Angaben der Polizei führte ein grobes Foul zunächst zu einer Rudelbildung auf dem Rasen. Daraus entwickelte sich ein Handgemenge, ehe rund 20 Zuschauer den Platz gestürmt und sich beteiligt haben sollen.

Mehrere Menschen wurden verletzt, ein Mann musste mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung.

Ein Spiel, das eigentlich unter einem anderen Stern stand

Sportlich ging es an diesem Abend nur noch bedingt um viel. Die zweite Mannschaft des Rosenheimer Bayernliga-Aufsteigers steht in der Kreisklasse 2 längst an der Spitze – feierte bereits die Meisterschaft und den Aufstieg in die Kreisliga. NK Croatia Rosenheim steht mit 32 Punkten im Tabellenmittelfeld, rechnerisch aber noch nicht völlig losgelöst von der Abstiegsrelegation.

Vor allem aber stand die Partie in einem Rahmen, der weit über Fußball hinausgeht. Das Spiel sollte nämlich auch als Benefizspiel für Grujo Ilic verstanden werden. Ilic, der bei NK Croatia Rosenheim erst als aktiver Fußballer, später als Teil der Vorstandschaft engagiert war, war nach einem Radsturz gestorben. Die Trauer im Verein und in Rosenheim ist groß. Croatia-Vorsitzender Stipan Klaric sagte in einem Nachruf über Ilic: „Einen Menschen wie den Grujo kann man sich eigentlich nur wünschen.

Gerade deshalb wirkt der Abend so bitter. Ein Spiel, das auch Erinnerung, Zusammenhalt und Unterstützung ausdrücken sollte, endete in Polizeiermittlungen, Verletzungen und einem Abbruch.

Enges Spiel, dann Eskalation

Auf dem Platz hatte sich zuvor ein enges Spiel entwickelt. Croatia ging in Führung, Rosenheim drehte die Partie mit einem Doppelpack. Rund 20 Minuten vor Schluss fiel der Ausgleich für die Gastgeber, ehe in der 84. Minute die Rosenheimer U21 II erneut zur Führung traf. Wenig später eskalierte die Situation. Der BFV führt die Begegnung inzwischen als Abbruch. Über die sportliche Wertung dürfte nun das Sportgericht entscheiden.

Was genau in diesen Minuten passiert ist, bleibt Gegenstand der Ermittlungen. Sicher ist nach aktuellem Stand nur: Laut Polizei kam es nach einem gröberen Foul zu einer Rudelbildung, anschließend zu einer Schlägerei zwischen Spielern und Anhängern.

Mehrere Beteiligte wurden durch Faustschläge im Kopf- und Oberkörperbereich verletzt, andere erlitten Prellungen und Schürfwunden. Die Rosenheimer Polizei rückte mit Unterstützungskräften an, trennte die Gruppen und nahm Personalien auf. Zeugen sollen sich bei der Polizeiinspektion Rosenheim melden. Laut Aussagen von vor Ort soll die Gewalt vor allem von einem bestimmten Zuschauer ausgegangen sein, das ist aber nicht bestätigt.

„Wilde Szenen“ auf ESV-Gelände

Ein unbeteiligter Zuschauer sagte im Gespräch mit beinschuss.de: „Es waren wilde Szenen“ Eine Anwohnerin, die ein Reporter am Vormittag nach dem Vorfall auf dem Gelände traf, schilderte zurückhaltend: Sie habe nicht viel mitbekommen. Es sei viel Gebrüll zu hören gewesen, das komme bei Fußballspielen aber häufiger vor. Als dann Blaulicht vor Ort gewesen sei, habe sie gewusst, dass etwas nicht stimme.

Am Tag nach dem Vorfall erinnert nichts an die wilden Szenen des Vorabends.

Vereine kündigen Aufarbeitung an – Hintergründe weiter offen

Der Vorsitzende von NK Croatia Rosenheim, Stipan Klaric, kündigte gegenüber beinschuss.de bereits ein Statement an. Auch die Rosenheimer Seite zeigte sich gesprächsbereit. Bis zur vollständigen Aufarbeitung bleiben viele Fragen offen: Wie konnte die Lage so schnell kippen, was war der Auslöser? Wer war konkret an der Schlägerei beteiligt?

Fest steht: Gewalt hat auf einem Fußballplatz keinen Platz. Das gilt in jedem Spiel. An einem Abend, der auch im Zeichen eines verstorbenen Vereinsmenschen stand, schmerzt es besonders.

Gleichzeitig ist Vorsicht geboten. Die Ermittlungen laufen, die Beteiligten müssen gehört werden, voreilige Schuldzuweisungen helfen niemandem.

Für den regionalen Fußball ist es nicht der erste Fall, der nachwirkt. Schon 2017 war ein Spiel zwischen dem SV Prutting und Türk Spor Rosenheim nach massiven Tumulten in die Schlagzeilen geraten; damals schaltete der BFV einen Konfliktmanager ein.

Am Samstag herrscht an der Hochgernstraße vor allem Stille. Der Rasen ist leer, der Lärm der Nacht verklungen. Was bleibt, ist Fassungslosigkeit über einen Fußballabend, der eigentlich anders gedacht war – und nun sportlich wie strafrechtlich aufgearbeitet werden muss. (red)

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