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2.000 Euro steuerfrei: Hunderttausende Rentner profitieren von Neuerung

Berlin, Deutschland, 18.06.2025: Bundeskanzleramt: Ministerpräsidentenkonferenz: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
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Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) setzt sich für die Aktivrente ein.

Rund 230.000 Rentner könnten die „Aktivrente“ bekommen. Dem Staat gehen dadurch Steuern durch die Lappen – und nicht jeder profitiert von der Neuerung.

Dortmund – Die neue Regierung will erwerbstätige Rentner steuerlich entlasten. Eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW) in Berlin zeigt: Vor allem Gutverdiener würden profitieren – und der Staat verliert womöglich erst einmal Milliarden.

2.000 Euro steuerfrei: Hunderttausende Rentner profitieren von Neuerung

Die geplante Aktivrente der neuen Regierungskoalition könnte für viele Rentner eine spürbare finanzielle Entlastung bringen. Wer das gesetzliche Rentenalter erreicht hat und freiwillig weiterarbeitet, soll künftig bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen können. Das entspricht 24.000 Euro im Jahr – eine beträchtliche Summe. Auch „Selbstständigen wird man die Aktivrente nicht vorenthalten können“, vermutet Stefan Bach vom DIW.

Von der Neuregelung würden zunächst rund 230.000 erwerbstätige Rentner profitieren, wie eine aktuelle Analyse des DIW vom 18. Juni zeigt. Dabei handelt es sich hauptsächlich um sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ab 66 Jahren. Minijobber gehen dagegen leer aus, da sie ohnehin keine individuelle Lohnsteuer zahlen.

Aktivrente: Fast 1 Million Menschen arbeiten im Rentenalter

Die Zahlen verdeutlichen das Potenzial: Im Jahr 2022 arbeiteten laut DIW-Daten 313.000 Menschen ab 66 Jahren sozialversicherungspflichtig – meist in Teilzeit mit gut 20 Wochenstunden. Zusätzlich hatten 645.000 Personen einen Minijob. Damit waren insgesamt fast eine Million Menschen im Rentenalter noch erwerbstätig.

Die Aktivrente kommt jedoch nicht allen Rentnern gleichermaßen zugute: „Vor allem profitieren aktive Rentner*innen mit hohen Gesamteinkommen, deren Lohneinkommen hohen Grenzsteuersätzen unterliegen“, stellen die DIW-Analysten fest. Auf die Mütterrente müssen Rentnerinnen allerdings noch lange warten.

  • So viele Rentner arbeiteten in 2022:
  • Minijob: 645.000 Personen
  • Teilzeit: 313.000 Personen
  • Selbstständige: 272.000 Personen

Aktivrente würde Staat laut DIW rund 770 Millionen Euro an Steuern kosten

Die Auswertung zeigt deutliche Unterschiede: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Rentenalter gehören überdurchschnittlich oft zur obersten Einkommensgruppe. Bei Minijobbern dominieren dagegen die unteren und mittleren Einkommensschichten. Männer stellen etwa zwei Drittel der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Rentner, während bei den Minijobbern das Geschlechterverhältnis ausgeglichen ist.

Und die steuerliche Entlastung hat ihren Preis. Die Aktivrente würde dem Staat zunächst jährlich 770 Millionen Euro an Steuereinnahmen kosten, berechnet das DIW. Diese sogenannten Mitnahmeeffekte entstehen, weil bereits erwerbstätige Rentner künftig weniger Steuern zahlen müssen.

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Aktivrente könnte zunächst Geld kosten – dann aber Mehreinnahmen bringen

Ob sich die Reform langfristig rechnet, hängt auch davon ab, wie viele zusätzliche Rentner dadurch zum Weiterarbeiten motiviert werden. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hatte im Wahlkampf von mindestens 50.000 zusätzlichen Arbeitskräften gesprochen.

Der CDU-Generalsekretär hofft auf viele Rentner, die länger arbeiten.

Die DIW-Forscher haben verschiedene Szenarien durchgerechnet: Bei 75.000 zusätzlichen Beschäftigten würden die Mindereinnahmen auf 440 Millionen Euro sinken. Gleichzeitig entstünden Mehreinnahmen von 640 Millionen Euro bei Sozialbeiträgen und 320 Millionen Euro bei Unternehmens- und indirekten Steuern –insgesamt ein Plus von 520 Millionen Euro.

Bei 150.000 zusätzlichen Beschäftigten könnte der Staat sogar 1,8 Milliarden Euro Mehreinnahmen erzielen. Im Gegensatz dazu soll die Frührente aus Sicht der Bundesbank eher teurer werden.

Effekt der Aktivrente unklar: „Beschäftigung schwer zu prognostizieren“

Kritik an der Aktivrente kam bereits aus der Opposition: „Schaut man auf Rentnerinnen und Rentner, dann sieht man, dass immer mehr Menschen eine Frührente mit Abschlägen in Kauf nehmen, weil sie bis zum Erreichen des gesetzlichen Rentenalters einfach nicht durchhalten“, schreiben die Grünen in einem Facebook-Beitrag.

„Wie stark die Beschäftigung tatsächlich steigt, ist schwer zu prognostizieren“, warnen die Wissenschaftler in der Analyse (PDF). Inwiefern Rentner auf finanzielle Anreize reagieren, lasse sich nur schwer vorhersagen. Bisher arbeiten nur wenige Menschen über die Minijob-Grenze hinaus im Rentenalter. Auch aus anderen Ländern gebe es dazu nur wenig Erfahrungen, die sich auf Deutschland übertragen ließen.

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