Fritten-Frust
„Der Mann hat alles richtig gemacht“: Pommes-Preise an Freibad-Kiosk sorgen für Wut – Debatte eskaliert
Freibad-Zoff: Der Pommes-Preis teilt die Gemüter. Der Betreiber reagiert entschieden – das schmeckt nicht allen.
Kassel – Viele Schwimmbäder in Deutschland haben in diesem Jahr ihre Preise erhöht. Das zeigt eine Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) unter 113 städtischen Betreibern. Auch das Statistische Bundesamt (Destatis) bestätigt den Trend: Im Mai 2025 kostete ein Schwimmbadbesuch durchschnittlich 5,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.
Doch nicht nur das Schwimmen wird teurer. In einem Thüringer Freibad entbrannte um den Preis einer Portion Pommes eine hitzige Debatte. Während manche ihn für fair halten, ist er anderen schlichtweg zu hoch.
Ärger um Freibad-Fritten: Kiosk-Besitzer sorgt mit 3,50 Euro-Pommes für Diskussion
Pommes gehören für viele zum Freibadbesuch einfach dazu. Der salzige Snack aus der Pappschale ist längst ein Stück Sommer-Nostalgie. Und ausgerechnet dieser beliebte Klassiker wurde im Freibad Eisenberg zum Auslöser einer Debatte. 3,50 Euro kostet dort die Portion. Für viele Badegäste offenbar zu viel, wie Kiosk-Betreiber Manfred Stiehl der Ostthüringer Zeitung (OTZ) schilderte.
Wegen ständiger Anfeindungen und Gemecker will er seinen Kiosk nach rund 30 Jahren am Ende der Saison schließen. Die Entscheidung sei überwiegend mit „großer Resonanz und viel Zuspruch“ aufgenommen worden – besonders von jungen Stammgästen. Tatsächlich scheiden sich am Pommes-Preis die Geister. „Badegäste aus Jena und Gera sagen, dass wir günstig seien. Hiesige dagegen scheinen zu glauben, dass ich mir von den 3,50 Euro ein neues Auto kaufen kann“, so Stiehl gegenüber der Tageszeitung. Unterm Strich bleiben ihm eigenen Angaben zufolge nur „50 bis 70 Cent Gewinn“ pro Portion. Denn vorher gehen Beiträge an die IHK und Berufsgenossenschaft, diverse Steuern, Strom- und Wasserkosten sowie Ausgaben für Einkauf und Warenlieferungen ab. Kürzlich sorgten die Freibad-Preise bei einem Familienvater ebenfalls für einen Aufreger.
Pommes-Preis spaltet Gemüter auf Facebook – „Das Genöle ist nicht mehr zu ertragen“
Doch über die Freibad-Pommes wurde auch online, auf der Facebook-Seite der OTZ, hitzig diskutiert. Viele User zeigten wenig Verständnis für die lautstarke Kritik am Kiosk-Betreiber. „Gängiger Preis. Nicht günstig, nicht teuer. Der Verkäufer muss auch leben“, schrieb ein User. „Natürlich ist der Preis ok. Aber bei Einheimischen ist das eigentliche Problem nicht der Preis, sondern der Neid. Das einer vielleicht zu viel verdient und eventuell mehr im Monat hat, als der Einheimische selber. Nun zieht er sich zurück. Das kommt vom Gemecker“, kommentierte ein anderer.
Anderen Facebook-Usern platzte hingegen die Hutschnur: „Das Genöle ist nicht mehr zu ertragen. Zu teuer, zu teuer. Viele der Nöler rauchen sicher nach dem Baden eine Kippe aus Ihrer 10/12 Euro-Schachtel. Der Mann steht dort, wenn alle anderen Relaxen und Spaß haben – das auch bei 38 Grad. Keiner will das machen“, schimpfte ein User und fügt hinzu: „Menschen, die noch bereit sind anzupacken, sollten sich das gut bezahlen lassen. Der Mann hat alles richtig gemacht“. „Im Freibad Camburg kosten die Pommes 5 Euro. 3,50 Euro ist doch wohl ein guter Preis“, so ein anderer Nutzer. Auch beim Besuch in der Eisdiele muss man tiefer in die Tasche greifen. Da es vielen Deutschen zunehmend zu teuer ist, fordern Grüne die Eispreisbremse.
Kiosk-Betreiber will aufhören – User äußert Kritik an Schließung
Nicht alle glauben, dass 3,50 Euro zu viel sind. Im Gegenteil. Ein User vermutet, dass der Preis sogar zu niedrig angesetzt sei und der Betreiber deshalb nicht davon leben könne. „Warum nicht die Preise erhöhen?“, fragt er. Darauf meldet sich die Tochter zu Wort und hat dazu eine klare Antwort. „Weil jetzt schon gemeckert wird. Was heißt nicht davon leben? Er kommt über die Runden, aber immer wird behauptet, er wäre reich. Das geht gar nicht. Schön wäre es!“
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Kritik kam auch aus einer ganz anderen Richtung: Eine Userin zeigte wenig Verständnis für den angekündigten Rückzug des Betreibers: „Gastro ist kein einfaches Gewerk. Trotzdem finde ich es nicht richtig, als Pächter den Kiosk in der Hochsaison nicht zu betreiben. Dann eher Preise anpassen. Ein geschlossener Kiosk spricht sich schnell herum und viele weichen dann auf Freibäder aus, wo der Kiosk geöffnet ist (wir auch). Und ganz ehrlich: welcher Angestellter möchte am Wochenende nur 12,82 Euro verdienen? Kein Wunder, dass kein Personal gefunden wird“. Kürzlich schimpfte indes ein Bademeister über Freibad-Eltern – aus Sorge um die Kinder. (vw)
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