Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies.
Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen
Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.
Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für
. Danach können Sie gratis weiterlesen.
Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.
Das sagen Experten im Bundestag
WM-Boykott wegen Trump? „Bundesregierung sollte ihren Job machen“
„Unsinnig“ oder „letzte Konsequenz“ wegen Trump: Die Sport- und Außenpolitikexperten im Bundestag haben eine klare Meinung zu einem WM-Boykott – und erinnern an Katar.
Donald Trump ist bislang nicht gerade als Fußball-Fan in Erscheinung getreten; der US-Präsident geht bekanntlich lieber golfen. Von der anstehenden Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko ist Trump dennoch hellauf begeistert. Er und die Fifa versprechen die größte WM aller Zeiten, „the greatest World Cup ever“. Weniger als ein halbes Jahr vor Turnierstart macht Trumps US-Regierung aber kaum Schlagzeilen bezüglich der WM, vielmehr steht sie aufgrund des Angriffs auf Venezuela, der Drohungen gegenüber Grönland oder ihres rigiden Vorgehens gegen Einwanderer in der Kritik. Daher werden erste Forderungen nach einem WM-Boykott der Nationalmannschaft laut. Was sagen die Sport- und Außenpolitikexperten im Bundestag dazu?
Eine breite Mehrheit für einen Boykott gibt es bislang nicht. „Einen WM-Boykott halte ich für unsinnig“, sagt der SPD-Politiker Adis Ahmetović auf Anfrage der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Deutschland müsse vor Ort in den USA präsent sein und „die Chance ergreifen, am Rande des Turniers neue Partnerschaften mit politischen Akteuren und der Zivilgesellschaft in D.C. zu knüpfen.“
Boykott der Fußball-WM 2026 in den USA? Experten im Bundestag skeptisch
Boykottforderungen anschließen wollen sich auch die Grünen nicht. „In der aktuellen Lage sind ganz andere politische Schritte vonnöten“, sagt uns die sportpolitische Sprecherin Tina Winklmann. „Die Bundesregierung sollte lieber ihren Job machen und gemeinsam mit den europäischen Partnern eine umfassende politische Strategie entwickeln, wie man mit Donald Trumps Drohungen umgeht und wie wir unabhängiger von den USA werden.“ Ähnlich äußert sich die verteidigungspolitische Sprecherin der Fraktion, Deborah Düring.
Gegen einen Boykott spricht sich auch CSU-Politiker Stephan Mayer aus. „Bei allem Verständnis für die Besorgnis über die Politik der US-Administration: Ein Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer würde sicherlich nicht zu einer grundlegenden Änderung dieser Politik führen“, sagt der sportpolitische Sprecher seiner Fraktion. „Zudem trifft er die beteiligten Fußballer und Millionen Fans, die diesem sportlichen Großereignis entgegenfiebern.“
Sportereignisse sollten nicht als Form des Protests genutzt werden, sagt Mayer und verweist auf die Boykottdebatte vor vier Jahren. „Es sei nur an die letzte WM in Katar 2022 erinnert, als die damalige Bundesregierung durch ihr Agieren letztendlich nur den WM-Gastgeber brüskiert hat“. Was Mayer meint: Beim vergangenen Turnier, der Winter-WM in Katar 2022, waren die Boykott-Forderungen lauter. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) trug in Katar demonstrativ eine „One-Love“-Binde als Zeichen für Vielfalt und Toleranz, deren Tragen der deutschen Mannschaft zuvor von der Fifa als politisches Statement verboten wurde. Daraufhin zeigte sich das DFB-Team mit Hand-vor-dem-Mund-Geste, worüber sich die Kataris öffentlich lustig machten.
Das DFB-Team beim WM-Spiel gegen Japan. Man lasse sich nicht den Mund verbieten. Bei der WM 2026 wird es derartige politische Äußerungen vermutlich nicht geben. Der amtierende DFB-Kapitän Joshua Kimmich (1. Reihe, 1. v.l.) hat angekündigt, Boykottforderungen nicht zu kommentieren. „Ich nehme nicht mehr teil an der politischen Diskussion.“
Neben Politikern äußerten sich damals etliche andere Personen und Gruppen, darunter Prominente oder die aktiven Fanszenen. Sie prangerten Menschenrechtsverletzungen in Katar an und riefen dazu auf, dem Turnier fernzubleiben beziehungsweise die Spiele nicht zu verfolgen. Eine flächendeckend organisierte Boykottbewegung gegen die WM 2026 gibt es bislang nicht.
Am deutlichsten ist die Kritik in den Reihen der Linkspartei. „Der Sport wird als Bühne für Autoritarismus missbraucht“, sagt uns der sportpolitische Linke-Sprecher Christian Görke. Wer die US-Politik kritisiere, „kann sie nicht gleichzeitig durch eine WM‑Teilnahme widerspruchslos legitimieren“, glaubt Görke. Doch: „Ein Boykott wäre für mich die letzte Konsequenz und ich will nicht verheimlichen: Für die Fußballer und die Sportwelt wäre das dramatisch.“ Als Alternative nennt der Linke-Politiker daher „klare politische Positionen gegenüber den USA“, darunter etwa eine Digitalsteuer für große US-Digitalkonzerne. Die außenpolitische Sprecherin der Linken, Cansu Özdemir, sagt: „Persönlich stehe ich einem Boykott eher kritisch gegenüber. Der Sport kann nicht ausgleichen, was die Politik versäumt.“ Die AfD ließ eine Anfrage zu ihrer Boykottposition unbeantwortet.
Außenpolitikexperte der Union zu WM-Boykott: „Frage stellt sich nicht mehr“
Die Diskussion mit angeregt hatte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt. Er brachte einen WM-Boykott für den Fall einer Eskalation in der Grönlandfrage ins Spiel. Sollte Trump Grönland völkerrechtswidrig annektieren, könne sich Hardt nicht vorstellen, dass man in den USA ein fröhliches Fußballfest feiere, sagte der CDU-Politiker noch vor dem Grönland-Deal im Deutschlandfunk. Aufgrund des Deals sei ein WM-Boykott nicht mehr aktuell, sagt Hardt nun gegenüber unserer Redaktion. „Wie ich erwartet habe, ist der Grönland-Konflikt beigelegt und die Frage stellt sich nicht mehr.“
Ähnlich argumentiert die sportpolitische Sprecherin der SPD, Bettina Lugk: „Da sich eine weitere Eskalation vorerst glücklicherweise nicht bestätigt hat, halte ich eine Boykott-Debatte derzeit nicht für zielführend, insbesondere nicht, wenn sie nicht europäisch geführt wird“, sagt Lugk. Ohnehin hätten sportliche Boykotte „politisch nur begrenzten Nutzen“ und träfen vor allem Athleten und Fan.
Eine gewaltsame Eskalation in Grönland ist laut Experten tatsächlich vorerst abgewendet. „Die innenpolitische Lage in den USA bleibt dennoch äußerst angespannt“, sagt SPD-Politikerin Lugk. „Viele Fragen zu Einreisebestimmungen, Sicherheit und den Bedingungen für Fans sind weiterhin offen; teilweise wird Menschen allein aufgrund ihrer Nationalität die Einreise verwehrt.“ Ihr Fazit: „Das sind leider keine guten Voraussetzungen für ein Fußballfest, das Menschen eigentlich verbinden soll. Ich werde die WM in den USA daher auch nicht vor Ort besuchen.“
Die finalen Teilnehmer der WM 2026 – Mehrere Debütanten und historische Türkei
Der Deutsche Fußball-Bund hat bislang eher zurückhaltend auf die Boykottdebatte reagiert. Offen zeigte sich DFB-Vizepräsident Oke Göttlich, der gleichzeitig Vereinspräsident des linken Fußballklubs FC St. Pauli ist. Boykottrufe gab es vereinzelt auch in anderen Ländern, etwa in Großbritannien oder den Niederlanden. Auch hier handelt es sich aber eher um Einzelmeinungen, die auch die jeweiligen Fußballverbände nicht mittragen. So sagte Frankreichs Verbandspräsident Philippe Diallo dem französischen Portal RMC: „Zum jetzigen Zeitpunkt kommt ein Boykott der französischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft absolut nicht infrage.“
Die Fußball-WM startet am 11. Juni und findet erstmals mit 48 Teilnehmern statt. Drei Viertel der insgesamt 104 Spiele werden in den USA ausgetragen; je 13 Partien steigen in Kanada und Mexiko. Deutschland will bei dem Turnier den fünften WM-Titel der DFB-Geschichte holen. (Quellen: Anfragen an sportpolitische und außenpolitische Sprecherinnen und Sprecher im Bundestag, Deutschlandfunk, RMC, eigene Recherchen)