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Orban gegen Magyar

Schlammschlacht und Propaganda: Finale im Wahlkampf um die Macht in Ungarn

Viktor Orban kämpft bei den Parlamentswahlen in Ungarn um seinen Machterhalt. Dabei ist offenbar fast jedes Mittel recht.

Viktor Orban hätte wohl nicht gedacht, dass dieser Tag einmal kommen würde. Nach 16 Jahren an der Macht muss Ungarns Ministerpräsident bei den Parlamentswahlen am Sonntag (12. April) tatsächlich befürchten, der Opposition zu unterliegen und sein Amt unfreiwillig abtreten zu müssen. Und das, obwohl ihm die Unterstützung von Kreml-Chef Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump sicher ist.

Wer regiert künftig in Ungarn? Peter Magyar (r.) fordert den amtierenden Ministerpräsidenten Viktor Orban heraus.

Letzterer entsandte sogar zunächst Außenminister Marco Rubio und gerade erst Vize-Präsident J.D. Vance nach Ungarn, um die Werbetrommel für den Fidesz-Chef zu rühren. Doch Umfragen sehen die erst 2021 gegründete Partei Tisza um Orbans einstigen Parteifreund Peter Magyar deutlich vorne – laut einer Übersicht des Portals Politico seit Wochen mit mindestens acht Prozentpunkten Vorsprung. Die BBC schrieb sogar von Zustimmungswerten von 58 Prozent für Tisza gegenüber 35 Prozent für Fidesz.

Wahlkampf in Ungarn: Orban-Partei setzt auf KI-Videos und Kriegsangst

Dabei scheint Orbans Partei einiges zu unternehmen, um den Regime-Wechsel zu verhindern. So weite Fidesz seine Online-Präsenz massiv aus – gerade, da jüngere Wähler eher zu Magyars Tisza tendieren sollen. Darüber berichtet Global Voices, eine internationale Gemeinschaft von Bloggern, Journalisten, Übersetzern, Akademikern und Menschenrechtsaktivisten.

Über Facebook-Gruppen werde KI-Material verbreitet, ebenso auf Plakaten. Auf diesem Weg würde die Wahl der Konkurrenz mit einem Krieg gleichgesetzt. Verwiesen wird auf einen Comic, demzufolge Magyar ein Doppelleben führe und insgeheim für EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen arbeite.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

Die Denkfabrik Carnegie Europe schrieb bereits im Januar über Trainingslager für Tausende Parteianhänger, die Schmutzkampagnen für Fidesz verbreiten sollten. So sei im September durch ein regierungsnahes Medium ein 600-seitiges Dokument veröffentlicht worden, das als offizielles Tisza-Programm präsentiert wurde. Zwar seien umgehend Dementis erfolgt, doch die Orban-Partei habe sogar Umfragen zu einer vermeintlich neuen Steuer durch die Oppositionspartei gestartet.

KI im Ungarn-Wahlkampf: „Insbesondere in Kommunikation der Regierungspartei allgegenwärtig“

Das European Digital Media Observatory (EDMO), nach eigenen Angaben das größte interdisziplinäre Netzwerk der EU zur Bekämpfung von Desinformation, informiert über eine Facebook-Seite mit dem Namen „Nicht unser Krieg“, die ausschließlich KI-generierte Kriegsvideos verbreitet. Wie das zum ungarischen EDMO-Ableger zählende Portal Lakmusz erwähnt, beobachtet das unabhängige Budapester Institut Political Capital diese Seite. Deren Anzeigen würden seit Februar ausschließlich auf fünf Städte im Wahlkreis von Justizminister Bence Tuzson abzielen, der das Verbot politischer Werbung auf Meta mit scheinbar unpolitischen Videos umgehe.

Zwar sei nicht mit Sicherheit zu sagen, wer dahinterstecke, die Verbindungen zu Fidesz seien aber offensichtlich. Doch auch Oppositionsparteien würden KI-Videos einsetzen. Lakmusz-Journalistin Zsofia Fülöp sagte der BBC über KI: „Sie ist in diesem Wahlkampf allgegenwärtig, insbesondere in der Kommunikation der Regierungspartei, ihrer Medien und ihrer Stellvertreter. Sie haben sie schon vorher eingesetzt, aber jetzt tun sie es massiv.“

Zwar wird der KI-Einsatz bei zumindest einigen der Videos angegeben, allerdings werden sie genutzt, um Kriegsangst zu schüren. So gibt es etwa den Hinweis: „Peter Magyar möchte nicht, dass ihr dieses Video seht. Er möchte nicht, dass ihr erkennt, welche unumkehrbare Tragödie es ist, an einem Krieg teilzunehmen.“

Propaganda im Ungarn-Wahlkampf: Verkürzte Reden und Trump-ähnliche Vorwürfe gegen Migranten

Die EU verkündete zwar bereits im Jahr 2024 die weltweit erste umfassende Verordnung zum Thema KI, um deren Einsatz zu regeln. Die meisten Bestimmungen treten jedoch erst am 2. August 2026 in Kraft.

Laut Lakmusz werden auch Reden zu Propaganda-Zwecken manipuliert. So werden Sätze aus dem Kontext gerissen. Beispielsweise sagte demnach der Tisza-Politiker Istvan Kapitany, im Falle eines Wahlsiegs wolle die Partei eine Führungskultur einführen, in der Ziele kommuniziert und erreicht werden. In einem verkürzten Ausschnitt wirkt es so, als habe er angekündigt, erst nach einem Wahlsieg die Ziele öffentlich machen zu wollen.

Klare Wahlempfehlung aus Washington: US-Vize-Präsident J.D. Vance (r.) ließ es sich nicht nehmen, Ungarns Premierminister Viktor Orban in Budapest offen zu unterstützen.

Auch Orban-Konkurrent Magyar versteht das Mittel der Manipulation, wie ein anderes Beispiel zeigt. So behauptete er, philippinische Gastarbeiter würden unter so schlechten Bedingungen leben, dass sie vor Hunger Enten und Goldfische aus dem nahen Zoo essen würden. Zwar korrigierte er später noch, er habe die Tiere aus dem gegenüber dem Zoo gelegenen Stadtpark gemeint.

Auf eine Lakmusz-Nachfrage hätten die Verwalter des Sees jedoch erklärt, ihnen sei nicht aufgefallen, dass Tiere verschwunden wären. Goldfische hätten sie in dem Teich gar nicht ausgesetzt. Der Vorwurf von Magyar erinnert an eine Aussage von Trump, der im Wahlkampf 2024 behauptete, haitianische Migranten würden in Springfield, Ohio, Haustiere wie Hunde und Katzen verspeisen.

Orban lernt von Putin und Trump: Ungarn inmitten eine Schlammschlacht um die Wahl

Für den Republikaner zahlte sich diese Kampagne letztlich aus. Auch in Ungarn stehen die Zeichen längst auf Schlammschlacht. Die Fidesz-Regierung hat also offenbar von ihren einflussreichsten Unterstützern aus Washington und Moskau gelernt.

Ein Ende der Herrschaft von Orban wäre aus EU-Sicht zweifellos ein Segen. Der 62-Jährige erschwert die Unterstützung Kiews im Ukraine-Krieg, blockierte jüngst ein bereits ausgehandeltes Hilfspaket. Die Nähe seiner Partei zu Putin ist bekannt. Berichten zufolge soll Ungarns Außenminister Peter Szijjarto Absprachen innerhalb der EU direkt aus Brüssel an seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow weitergeben.

Flieht Orban zu Putin? Nach Wahl droht Ungarn womöglich ein Bürgerkrieg

Das ukrainische Portal glavcom spekuliert sogar, dass Orban unter dem Druck der Öffentlichkeit und weitreichender Proteste der Landsleute den Ausweg Richtung Moskau wählen und zu seinem politischen Freund Putin fliehen könnte. Diese Lösung wählte auch Syriens Machthaber Baschar al-Assad nach seinem Sturz Ende 2024. Und es wäre wohl auch die Option für den belarussischen Diktator Alexander Lukaschenko nach dessen umstrittener Wiederwahl 2020 gewesen, hätte er sich im Angesicht landesweiter Proteste nicht dank russischer Hilfe an der Macht halten können.

Fidesz spielt mit der Angst: Dieses Wahlplakat der Partei von Viktor Orban warnt vor der Wahl von Peter Magyar, der ebenso wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Gefahr für Ungarn sei.

Für Orban sei diese Flucht aber nur nötig, sollte sich zeigen, dass Armee und Polizei Befehle zur Niederschlagung möglicher Proteste nicht befolgen würden. Selbst dann drohe Ungarn jedoch ein langwieriger Bürgerkrieg, da Putin den Verbündeten als „legitimen Ministerpräsidenten im Exil“ nutzen könnte, um das Land mithilfe der unter Kontrolle von Orban-treuen Oligarchen befindlichen Medien zu destabilisieren.

Ungarn vor der Wahl: „Referendum über Orbans autoritäres Herrschaftsmodell“

Ungarn steuert also auf entscheidende Tage zu. Die Wahlen werden das Land unweigerlich verändern. Offen bleibt, in welche Richtung. Die Stimmung jedenfalls ist enorm aufgeheizt. Kaum vorstellbar, dass der Unterlegene seine Niederlage anerkennen wird. Droht sogar der große Knall?

„Dies ist nicht nur eine Wahl. Dies ist ein Referendum über das gesamte Modell autoritärer Herrschaft, das Orban verkörpert“, sagt der frühere kanadische Oppositionsführer und Rektor der einst auch in Budapest ansässigen Central European University, Michael Ignatieff, laut BBC.

Ein hochrangiger Tisza-Funktionär hat sogar Hoffnung, dass sich ein Magyar-Erfolg auch auf andere europäische Staaten auswirken würde. „Während der Rest Europas in den Tunnel des radikalen Nationalismus gerät, können wir den Weg hinaus aufzeigen“, wird die nicht näher benannte Person zitiert. Damit dürften etwa Deutschland und Frankreich gemeint sein, wo AfD und Rassemblement National immer mehr Wähler gewinnen. (Quellen: Politico, BBC, Global Voices, Carnegie Europe, EDMO, EU, glavcom) (mg)

Rubriklistenbild: © Jonathan Ernst / POOL / AFP, Denes Erdos/AP/dpa

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