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Kampf um die Krim

Selenskyjs Krim-Offensive setzt Putin im Ukraine-Krieg unter Druck: „Sorgfältig kalkuliert“

Die Ukraine greift Russlands Versorgung auf der Krim gezielt an. Treibstoffengpässe und Stromausfälle setzen den Kreml unter Druck.

Die Krim galt jahrelang als Wladimir Putins größter außenpolitischer Triumph. Nun entwickelt sich die 2014 völkerrechtswidrig annektierte Halbinsel zunehmend zur strategischen Schwachstelle Russlands. Mit Angriffen auf Treibstofflager, Energieversorgung, Brücken und militärische Logistik versucht die Ukraine, Moskaus Nachschub zu unterbrechen und die Kosten der russischen Besatzung spürbar zu erhöhen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj setzt Russland auf der Krim unter Druck. Dort verschärfen ukrainische Angriffe auf Versorgungswege die Treibstoffkrise – wie hier an einer Tankstelle in Simferopol.

Die Folgen reichen inzwischen weit über militärische Ziele hinaus. Treibstoffengpässe, Stromausfälle und bis September abgesagte Kinderferienlager belasten den Alltag auf der Halbinsel. Zugleich soll die Krim nach Einschätzung westlicher Militäranalysten als russischer Militärstützpunkt nachhaltig geschwächt und der politische Druck auf den Kreml im Ukraine-Krieg erhöht werden.

Ukraine-Krieg: Krim-Offensive bringt Russlands Versorgung unter Druck

Der von Russland eingesetzte Krim-Chef Sergej Aksjonow verhängte am 26. Juni einen regionalen Ausnahmezustand für die Krim und Sewastopol. Wie das unabhängige russische Medium Meduza berichtet, dient die Maßnahme nach Angaben der Besatzungsverwaltung hauptsächlich dazu, wirtschaftliche und organisatorische Abläufe zu erleichtern. Ausgangssperren oder Einschränkungen der Bewegungsfreiheit seien damit ausdrücklich nicht verbunden.

Dennoch verschlechtert sich die Versorgungslage weiter. Reuters schreibt, dass Tankstellen den Verkauf von Kraftstoff an Privatpersonen und Unternehmen eingestellt haben und Benzin vorerst nur noch an staatliche Einrichtungen ausgegeben wird. Außerdem wurden Kinderferienlager bis September abgesagt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur arbeitet die russische Regierung gemeinsam mit Ölkonzernen an Maßnahmen, um die Kraftstoffversorgung wieder zu stabilisieren.

Militärparade am Tag des Sieges: Putins Verluste werden in Moskau deutlich

Am 9. Mai feiert Russland den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland.
Am 9. Mai feiert Russland den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland. Eingeführt wurde der Feiertag bereits 1965. Bis heute wird er in Moskau mit einer Militärparade.  © afp
Russische Soldaten stehen in einer Formation vor der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau.
Am 9. Mai stehen russische Soldaten in einer Formation vor der Militärparade in Moskau. © Pavel Bednyakov/dpa
Nordkoreanische Soldaten stehen in einer Formation vor der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau.
Auch Soldaten aus Nordkorea sind bei der Militärparade zum Tag des Sieges am 9. Mai in Moskau vor Ort. © Pavel Bednyakov/dpa
Nordkoreanische Soldaten warten auf den Beginn der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau.
Hier warten die nordkoreanischen Soldaten auf den Beginn der Militärparade. © Pavel Bednyakov/dpa
Kremlchef Putin kann die Militärparade zum 9. Mai im Schutz einer Waffenruhe abnehmen.
Präsident Wladimir Putin sagte in seiner Rede, dass die russische Armee in der Ukraine gegen „aggressive“, von der Nato unterstützte Streitkräfte kämpfe. Die „große Leistung“ der Roten Armee im Kampf gegen Nazi-Deutschland inspiriere die heutigen Soldaten bei ihrem Einsatz in der Ukraine, fügte er hinzu. Moskaus Sache sei „gerecht“. © Imago
Der russische Präsident Wladimir Putin (M, hinten) nimmt an einer Zeremonie zur Niederlegung von Blumen am Grab des Unbekannten Soldaten an der Kremlmauer in Moskau teil.
Der russische Präsident Wladimir Putin nimmt an einer Zeremonie zur Niederlegung von Blumen am Grab des Unbekannten Soldaten an der Kremlmauer in Moskau teil.  © Alexander Nemenow/AFP
Tag des Sieges in Russland
Hier ist Putin nur verdeckt zu sehen. © Alexander Nemenov/dpa
Russische Soldaten marschieren am 9. Mai während über den Roten Platz in Moskau.
Russische Soldaten marschieren am 9. Mai während der Militärparade über den Roten Platz in Moskau. © Igor Iwanko/AFP
Gäste nehmen an der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau teil.
Gäste nehmen an der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau teil. © Maxim Shipenkov/dpa
Russische Militärjets überfliegen die Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau.
Russische Militärjets überfliegen die Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau.  © Maxim Shipenkov/dpa
Russische Soldaten, die an der sogenannten „militärischen Spezialoperation“ in der Ukraine beteiligt sind, marschieren am 9. Mai 2026 während der Militärparade zum Tag des Sieges über den Roten Platz in Moskau.
Russische Soldaten, die an der sogenannten „militärischen Spezialoperation“ in der Ukraine beteiligt sind, marschieren am 9. Mai 2026 während der Militärparade zum Tag des Sieges über den Roten Platz in Moskau. © Igor Iwanko/AFP
Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko (links) begleitet Putin bei der Militärparade.
Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko (links) begleitet Putin bei der Militärparade. © Pavel Bednyakov/dpa
Moskau am Donnerstag, den 7. Mai 2026, zwei Tage vor der Parade zum Tag des Sieges. Unweit des Roten Platzes sammeln sich an diesem Tag bereits Rekruten der Russischen Armee für Proben.
Die Vorbereitungen für die Militärparde liefen auch im Jahr 2026 im Vorfeld bereits auf Hochtouren. Moskau am Donnerstag, den 7. Mai 2026, zwei Tage vor der Parade zum Tag des Sieges. Unweit des Roten Platzes sammeln sich an diesem Tag bereits Rekruten der Russischen Armee für Proben. © dpa
Unweit der Großen Steinernen Brücke stellen sich Marine-Kadetten auf, um einer nächtlichen Probe für die Siegesparade in Moskau zu Ehren des Tages des Sieges am 9. Mai teilzunehmen.
Unweit der Großen Steinernen Brücke stellen sich Marine-Kadetten auf, um an einer nächtlichen Probe für die Siegesparade in Moskau zu Ehren des Tages des Sieges am 9. Mai teilzunehmen. © afp
Rekruten der russischen Armee besprechen sich vor Beginn der Generalprobe zur Militärparade am Tag des Sieges in Moskau.
Rekruten der russischen Armee besprechen sich vor Beginn der Generalprobe zur Militärparade am Tag des Sieges in Moskau. © afp
In den vergangenen Jahren haben bei der Parade zum Tag des Sieges in Moskau zwischen 9.000 und 11.000 Soldaten teilgenommen. Darunter Einheiten der Marine, der Luftwaffe und der Infanterie.
In den vergangenen Jahren haben bei der Parade zum Tag des Sieges in Moskau zwischen 9000 und 11.000 Soldaten teilgenommen. Darunter Einheiten der Marine, der Luftwaffe und der Infanterie. © dpa
Eine Marschkolonne aus etwa 40 Soldaten probt die Militärparade in Moskau.
Eine Marschkolonne aus etwa 40 Soldaten probt die Militärparade in Moskau. Bewaffnet sind die Soldaten mit Kalaschnikow-Gewehren des Typs AK-12, das aktuelle Standard-Sturmgewehr der russischen Armee. Gekleidet ist der Trupp einheitlich in modernen Felduniformen mit schwarzen Beretten, was sie als Teil der Marine-Infanterie erkennbar macht. © dpa
Im Hintergrund der Soldaten ist ein Wohnhaus an der Kotelnitscheskaja-Uferstraße zu sehen.
Im Hintergrund der Soldaten ist ein Wohnhaus an der Kotelnitscheskaja-Uferstraße zu sehen. Es handelt sich dabei um einen der als „Sieben Schwestern“ bekannten Wolkenkratzer im stalinistischen Baustil, die sich in der russischen Hauptstadt finden. © dpa
Zwischen den Paradeproben gönnen sich die russischen Rekruten in Moskau eine Pause.
Zwischen den Paradeproben gönnen sich die russischen Rekruten in Moskau eine Pause. © afp
Daily life in Moscow
Die russische Hauptstadt ist Zentrum der Feierlichkeiten rund um den Tag des Sieges. Neben der traditionellen Militärparade sind zahlreiche weitere Veranstaltungen geplant. © IMAGO/Natalia Kolesnikova
Ganz Moskau ist vor den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges geschmückt. Auf der Moskwa-Brücke, östlich des Kreml gelegen, wehen bereits Tage vor der eigentlichen Siegesparade Fahnen mit der Aufschrift „Sieg“.
Ganz Moskau ist vor den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges geschmückt. Auf der Moskwa-Brücke, östlich des Kreml gelegen, wehen bereits Tage vor der eigentlichen Siegesparade Fahnen mit der Aufschrift „Sieg“. © afp
Vor dem am östlichen Ende des Kreml gelegenen Spasskaja-Turm („Erlöser-Turm“) werden bereits die Tribünen und sonstigen Anlagen für die Feierlichkeiten am Tag des Sieges errichtet.
Vor dem am östlichen Ende des Kreml gelegenen Spasskaja-Turm („Erlöser-Turm“) werden bereits die Tribünen und sonstigen Anlagen für die Feierlichkeiten am Tag des Sieges errichtet. Auf dem Roten Platz werden auch die Ehrengäste von Russlands Präsident Wladimir Putin ihren Platz einnehmen, um von dort die Siegesparade durch Moskau verfolgen zu können. © dpa
Die Sonne scheint und die Stimmung in Moskau scheint wenige Tage vor dem 9. Mai 2026 gut.
Die Sonne scheint und die Stimmung in Moskau wirkt wenige Tage vor dem 9. Mai 2026 gut. Das zumindest gilt für diese beiden jungen Menschen, die wenige Tage vor der großen Militärparade an einer Reihe von Fahnen vorbeilaufen, die zu Ehren des Tags des Sieges in Moskau aufgehängt wurden. © afp
Auf diesem Foto aus Moskau ist ein goldener Stern zu sehen, unter dem in kyrillischer Schrift geschrieben steht: „Heldenstadt Moskau“.
Auf diesem Foto aus Moskau ist ein goldener Stern zu sehen, unter dem in kyrillischer Schrift geschrieben steht: „Heldenstadt Moskau“. Der Schriftzug findet sich auf zahlreichen Plakaten und Fahnen. Den Titel erhielt die russische Hauptstadt bereits in der Sowjet-Zeit. Er soll den Heldenmut der Stadtbevölkerung während des Zweiten Weltkriegs, in Russland als „Großer Vaterländischer Krieg“ bezeichnet, ehren. © afp
Bei der Militärparade zum Tag des Sieges am 9. Mai in Moskau finden sich auch jedes Jahr folkloristische Darbietungen, die an die Zeit des Zweiten Weltkriegs erinnern sollen.
Bei der Militärparade zum Tag des Sieges am 9. Mai in Moskau finden sich auch jedes Jahr folkloristische Darbietungen, die an die Zeit des Zweiten Weltkriegs erinnern sollen. Junge Rekruten schlüpfen in historische Uniformen und tanzen mit Frauen, die traditionelle Kleidung aus der Zeit der 1940er tragen. © dpa
Vor dem monumentalen Eingangstor der Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft üben hunderte Tänzerinnen und Tänzer den „Siegeswalzer“ ein.
Vor dem monumentalen Eingangstor der Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft üben hunderte Tänzerinnen und Tänzer den „Siegeswalzer“ ein. Im Hintergrund ist ein Modell des sowjetischen Siegesordens, des „Pobeda“, zu sehen – geschmückt mit dem Staatswappen der UdSSR und umrahmt mit roten Fahnen, auf denen das Wort „Sieg“ prangt. © dpa
Sogar Kavallerie-Einheiten nehmen an der Militärparade durch Moskau am Tag des Sieges teil.
Sogar Kavallerie-Einheiten nehmen an der Militärparade durch Moskau am Tag des Sieges teil. Hier zu sehen sind drei Soldaten, die im Stil der russischen Kosaken mit traditionellen Uniformen an den Proben für die Parade teilnehmen. Sie tragen den langen dunklen Mantel der Kosaken, Tscherkesska genannt, dazu die traditionelle Pelzmütze (Papakha) und den typischen kosakischen Säbel (Schaschka) sowie den Dolch (Kindschal). © dpa
Diese Offiziere tragen bereits zu den Proben der Militärparade in Moskau, zwei Tage vor dem eigentlichen Tag des Sieges, bereits ihre Paradeuniformen.
Diese Offiziere tragen bereits zu den Proben der Militärparade in Moskau, zwei Tage vor dem eigentlichen Tag des Sieges, ihre Paradeuniformen. Die blaugrünen Jacken mit Stehkragen und roten Paspeln sind typisch für das russische Heer. © imago
Auch Veteranen und aktive Soldaten nehmen an den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges in Moskau teil.
Auch Veteranen und aktive Soldaten nehmen an den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges in Moskau teil. Diese Soldaten, teils hochdekoriert, entspannen sich einige Tage vor der Militärparade in der russischen Hauptstadt. Der Mann in der Mitte trägt dabei unter der klassischen Tarn-Uniform der russischen Armee ein blau-weißes Hemd, das sogenannte Telnyashka. Es wird traditionell von russischen Luftlandetruppen oder Marine-Infanteristen verwendet. © afp
Unter den aktiven Soldaten, die vor dem Tag des Sieges in Moskau eintreffen, sind auch verletzte Veteranen.
Unter den aktiven Soldaten, die vor dem Tag des Sieges in Moskau eintreffen, sind auch verletzte Veteranen. Ob sie sich die Verletzungen auf dem Schlachtfeld im Ukraine-Krieg zugezogen haben, ist nicht bekannt. © afp
eimlicher Hauptdarsteller bei der Militärparade in Moskau am Tag des Sieges ist Russlands Machthaber Wladimir Putin
Heimlicher Hauptdarsteller bei der Militärparade in Moskau am Tag des Sieges ist Russlands Machthaber Wladimir Putin, hier zu sehen auf dem Roten Platz vor Beginn der Feierlichkeiten. Geschmückt ist Putin mit dem Georgsband am Revers, in Russland ein Symbol für militärische Tapferkeit und den Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. © afp
Im vergangenen Jahr rollte noch eine gigantische Militärparade durch Moskau.
Im vergangenen Jahr rollte noch eine gigantische Militärparade durch Moskau. Dieses Jahr finden die Feierlichkeiten am Tag des Sieges aber in abgespeckter Version statt. © dpa
Der Ukraine-Krieg zwingt Russland offenbar dazu, selbst im tausende Kilometer entfernten Moskau Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.
Der Ukraine-Krieg zwingt Russland offenbar dazu, selbst im hunderte Kilometer entfernten Moskau Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Dazu gehören Flugabwehrgeschosse, die sich auf zahlreichen offiziellen Einrichtungen in der Hauptstadt befinden. © afp
Kurz vor dem Tag des Sieges wurde ein Wohnhochhaus in der Mosfilmowskaja-Straße getroffen.
Sie sollen Drohnenangriffe während der Militärparade verhindern. Moskau ist im Verlauf des Ukraine-Kriegs immer wieder zum Ziel ukrainischer Drohnen geworden. Kurz vor dem Tag des Sieges wurde ein Wohnhochhaus in der Mosfilmowskaja-Straße getroffen. © dpa
Tausende Soldaten und Polizeikräfte sollen am Tag des Sieges einen reibungslose Militärparade gewährleisten.
Auch das Sicherheitspersonal in der Hauptstadt selbst wurde massiv erhöht. Tausende Soldaten und Polizeikräfte sollen am Tag des Sieges eine reibungslose Militärparade gewährleisten. © imago
Zu den Sicherheitskräften gehören auch Nationalgardisten, die in russischen Militärfahrzeuge des Typs Tigr in der Haupstadt unterwegs sind.
Zu den Sicherheitskräften gehören auch Nationalgardisten, die in russischen Militärfahrzeugen des Typs Tigr in der Haupstadt unterwegs sind. © afp
Eine strategische russische Atomrakete vom Typ Topol-M (Nato-Code: SS-27 Sickle B) fährt bei der Militärparade zum Tag des Sieges über den Roten Platz.
Aus Angst vor ukrainischen Angriffen müssen die Bewohnerinnen und Bewohner Moskaus bei der diesjährigen Militärparade offenbar auf schweres Militärgerät verzichten. Waren im Vorjahr noch strategische Atomraketen des Typs Topol-M Teil der Parade, sind dieses Jahr wohl weder Panzer noch Raketen zu sehen. © dpa

Kiews Krim-Offensive trifft Brücken, Landkorridor und Energieversorgung

Das Institute for the Study of War (ISW) bewertet die jüngsten Angriffe als Teil einer systematischen ukrainischen Kampagne gegen Russlands wichtigste Nachschubwege zur besetzten Krim. Im Mittelpunkt stehen demnach zwei zentrale Versorgungsachsen der Halbinsel: die Kertsch-Brücke mit der Fährverbindung über die Straße von Kertsch sowie der sogenannte Landkorridor durch die besetzten Gebiete im Süden der Ukraine. Ziel sei es, Russlands militärische Logistik nachhaltig zu schwächen und die Versorgung der Krim zu erschweren.

Welche militärischen Ziele dabei besonders im Fokus stehen, erläutern die Militärexperten Christian Mölling und András Rácz in einer Analyse von ZDFheute. Demnach richten sich die ukrainischen Angriffe unter anderem gegen Luftabwehrstellungen, Radarstationen, Militärflugplätze, Treibstofflager und Energieinfrastruktur. Je stärker diese Anlagen beschädigt würden, desto schwieriger werde es für Russland, die Krim weiterhin als Ausgangsbasis für Luft- und Raketenangriffe gegen die Südukraine zu nutzen.

Selenskyj setzt auf eine langfristige Druckstrategie

Die Angriffe fügen sich nach Einschätzung westlicher Militäranalysten in einen breiteren strategischen Ansatz ein. Während sich die Frontlinien zuletzt nur vergleichsweise wenig verschoben haben, versucht die Ukraine zunehmend, Russland weit hinter der Front zu treffen. Angriffe auf Nachschubwege, Raffinerien und Energieinfrastruktur sollen die Kosten des Krieges erhöhen und Moskau zwingen, Luftabwehr und militärische Ressourcen umzudisponieren.

Der Guardian berichtet unter Berufung auf Äußerungen von Präsident Wolodymyr Selenskyj, dieser habe nach Beratungen mit dem Chef des ukrainischen Geheimdienstes SBU eine auf 40 Tage angelegte Operation gebilligt. Ziel sei es demnach, Russland stärker unter Druck zu setzen und auf ein Ende des Krieges hinzuwirken. Die genaue Ausgestaltung dieser Operation lässt sich derzeit allerdings nicht unabhängig überprüfen.

Warum die Krim für Putin so wichtig ist

Die Krim besitzt für Russland nicht nur militärische, sondern auch erhebliche politische Bedeutung. Russland-Experte Mark Galeotti schreibt in der Sunday Times, die Annexion der Halbinsel im Jahr 2014 sei der einzige Teil von Putins territorialer Expansion gewesen, der innerhalb Russlands tatsächlich breite Zustimmung gefunden habe. Die Krim sei deshalb zum wichtigsten Symbol seiner Machtpolitik geworden.

Nach Galeottis Einschätzung verfolgt Kiew eine „sorgfältig kalkulierte“ Strategie. Die Ukraine versuche weniger, die Halbinsel kurzfristig militärisch zurückzuerobern. Vielmehr solle Putin mit der Aussicht konfrontiert werden, seine wichtigste politische Errungenschaft nicht mehr dauerhaft schützen und versorgen zu können. Ob diese Strategie den Kreml letztlich zu Zugeständnissen bewegt, lasse sich derzeit jedoch nicht vorhersagen.

Warum die Krim für Russland so wichtig ist

Militärische BedeutungPolitische Bedeutung
Stützpunkt der SchwarzmeerflotteSymbol der Annexion von 2014
Logistikdrehscheibe für den Süden der UkraineEiner der wichtigsten Prestigeerfolge Putins
Ausgangsbasis für Luft- und RaketenangriffeHohe symbolische Bedeutung in der russischen Öffentlichkeit
Versorgung über Kertsch-Brücke und LandkorridorMöglicher Hebel für künftige Verhandlungen

Alltag auf der Krim verändert sich spürbar

Die Auswirkungen der Angriffe sind inzwischen auch für die Zivilbevölkerung deutlich sichtbar. Die New York Times berichtet von langen Warteschlangen vor der Kertsch-Brücke, erheblichen Einbrüchen im Tourismus und sinkenden Hotelbuchungen für die Sommermonate. Stromausfälle beeinträchtigen demnach in mehreren Regionen zeitweise auch die Wasserversorgung.

Auch die wirtschaftlichen Folgen reichen inzwischen über die Krim hinaus. Reuters konstatiert, dass wiederholte ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien und Transportwege die russische Treibstoffproduktion und die Exporte spürbar belastet haben. Mehrere Regionen meldeten zuletzt Versorgungsengpässe oder Einschränkungen beim Verkauf einzelner Kraftstoffsorten.

Krim-Offensive birgt für Kiew im Ukraine-Krieg Chancen – und erhebliche Risiken

Ob Selenskyjs Strategie ihr politisches Ziel erreicht, ist offen. Mark Galeotti warnt in der Sunday Times, der zunehmende Druck auf die Krim könne Putin zwar zu ernsthaften Verhandlungen bewegen. Ebenso denkbar sei jedoch, dass der Kreml den Ukraine-Krieg weiter eskaliert, sollte er die Kontrolle über die Halbinsel ernsthaft gefährdet sehen.

Die Krim entwickelt sich damit zunehmend zum strategischen Zentrum des Konflikts. Für Kiew ist sie ein Hebel, um Russlands militärische Logistik zu schwächen und die Kosten der Besatzung zu erhöhen. Für Moskau geht es längst nicht mehr nur um Nachschubwege oder Militärstützpunkte, sondern um den Erhalt eines Symbols, das der Kreml seit 2014 als einen seiner größten politischen Erfolge präsentiert. (Quellen: Reuters, The Sunday Times, The New York Times, The Guardian, ZDFheute, Meduza, Institute for the Study of War) (chnnn)

Rubriklistenbild: © Foto links: ALAIN JOCARD/AFP | Foto rechts: Uncredited/AP/dpa

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