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Selenskyj droht mit Angriff

Ultimatum zeigt Wirkung: Belarus schaltet Drohnen-Hilfe für Russland ab

Selenskyjs Drohung hilft: Belarus hat Putins Signalverstärker für Drohnen-Angriffe in der Ukraine abgeschaltet – einen Tag vor Ablauf des Ultimatums.

Update, 10:02 Uhr: Im Ukraine-Krieg hat Präsident Wolodymyr Selenskyj mit einem Ultimatum an Belarus offenbar Wirkung erzielt: Vier Relaisstationen entlang der belarussischen Grenze, die Russlands Drohnenangriffe unterstützt haben sollen, sind ukrainischen Angaben zufolge seit dem 22. Juni außer Betrieb. Das berichtete der Tagesspiegel am Donnerstag – einen Tag vor Ablauf der Frist.

Zuvor hatte Selenskyj dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko vergangene Woche ein Ultimatum bis diesen Freitag gesetzt: „Wenn er das nicht macht, machen wir es.“ Entlang der Grenze sollen mindestens vier Relaisstationen aufgebaut worden sein, über die Russland seine Drohnenangriffe auf die Ukraine gesteuert habe. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow warf Kiew vor, die Souveränität von Belarus zu bedrohen.

Sorge vor Angriff auf Belarus: Selenskyj stellt Ultimatum – zeigt es Wirkung?

Erstmeldung: Drei Tage noch – dann wird sich zeigen, ob Wolodymyr Selenskyj es im Ukraine-Krieg ernst meint. Der ukrainische Präsident hat dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko ein Ultimatum gestellt: Bis kommenden Freitag sollen vier Signalverstärker vom Netz, die Russland nutzt, um Drohnen für Angriffe auf die Ukraine von belarussischem Boden aus zu steuern. „Wenn sie es nicht abschalten, werden wir es abschalten, Punkt“, hatte Selenskyj vor wenigen Tagen gedroht.

Verbündete im Ukraine-Krieg: Lukaschenko (l.) und Putin (Archivbild)

Starke Worte. Doch in diesem Krieg, in dem psychologische Kriegsführung längst zur Waffe geworden ist, stellt sich eine Frage fast zwangsläufig: Ist das eine echte Drohung – oder ein meisterhaft inszenierter Bluff?

Frist für Belarus endet: Selenskyj droht mit Angriff auf Putins Signalverstärker im Nachbarland

Lukaschenko reagierte nicht direkt auf das Ultimatum. Stattdessen kündigte er eine „längere Auslandsreise“ und ein Treffen mit Wladimir Putin an. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bestätigte, dass die ukrainische Forderung bei dem Treffen zur Sprache kommen werde. Aus Moskau meldete sich Außenminister Sergej Lawrow zu Wort: Kiew versuche, Belarus in den „Konflikt“ hineinzuziehen, doch Russland sei bereit, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um „die Sicherheit unseres Verbündeten zu gewährleisten“, zitierte ihn der Kyiv Independent.

Zuvor hatte Lukaschenko noch beide Kriegsparteien zum Frieden aufgerufen und sich bei Selenskyj entschuldigt – möglicherweise habe er „zu scharf gesprochen“. Der ukrainische Präsident ließ das kalt: „Sein ‚Ich entschuldige mich‘ soll er für sich behalten, das funktioniert seit dem ersten Tag des Kriegs nicht mehr“, ließ Selenskyj wissen.

Doch wie könnte die Ukraine die Forderung tatsächlich umsetzen? Militärisch, so der Osteuropa-Experte Alexander Friedman von der Universität des Saarlandes und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, verfüge die Ukraine über Möglichkeiten. „Denjenigen, die Moskau massiv angreifen und Operationen im russischen Kerngebiet durchführen, traue ich durchaus zu, dass sie dazu in der Lage sind, diese Anlagen in Belarus außer Betrieb zu setzen“, sagte Friedman gegenüber dem Nachrichtensender n-tv. Dabei müssen es nicht zwingend Drohnen oder Raketen sein.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

Jaroslaw Tschornohor, Sonderbotschafter des ukrainischen Außenministeriums, betonte, das Hauptziel sei es, die Anlagen stillzulegen – nicht unbedingt physisch zu zerstören. „Ich denke, die Methode wird je nach Bedarf gewählt“, sagte der Diplomat gegenüber dem belarussischen Exil-Portal Zerkalo. Er verwies auf einen Präzedenzfall: Ende Februar hatte Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow mitgeteilt, der Ukraine sei es gelungen, ein von russischen Drohnen genutztes Mesh-Netz in Belarus zu „eliminieren“ – offenbar aus der Distanz, ohne Kampfmittel.

Bluff oder echte Eskalation im Ukraine-Krieg? Diese Optionen hat Selenskyj im Streit mit Belarus

Ob Selenskyj mit dem Ultimatum tatsächlich einen Angriff plant oder strategisch blufft, bleibt offen. Friedman schließt Letzteres ausdrücklich nicht aus. Es gebe keine unabhängigen Informationen über die betroffenen Anlagen – westliche Berichte stützten sich fast ausschließlich auf ukrainische Einschätzungen. Es sei also denkbar, dass Selenskyj nach Ablauf der Frist die „Eliminierung“ der Anlagen vermeldet, ohne dass tatsächlich etwas geschehen sei.

„Das ist eine psychologische Kriegsführung auf einem sehr modernen Niveau und äußerst kreativ“, so Friedman gegenüber n-tv. Der ehemalige ukrainische Botschafter in Belarus, Ihor Kysym, geht davon aus, dass direkte Schläge auf belarussisches Gebiet vorerst ausbleiben. Wahrscheinlicher sei, dass die Ukraine Infrastruktur angreife, die die Lieferketten zwischen Belarus und Russland sichert – Eisenbahnstrecken, Pipelines oder Tankwagen, allerdings auf russischem Territorium. „Das ist dasselbe, was gerade mit der Krim gemacht wird“, sagte der Ex-Diplomat gegenüber dem Exil-Portal Zerkalo.

Wichtiger Verbündeter von Putin: Diese Rolle spielt Belarus in Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine

Belarus spielt im Ukraine-Krieg seit dem russischen Großangriff im Februar 2022 eine zentrale, wenn auch indirekte Rolle. Damals nutzten russische Truppen das belarussische Staatsgebiet und die mehr als 1000 Kilometer lange Grenze zur Ukraine als Aufmarschgebiet für den Vorstoß Richtung Kiew. Seither fungiert das Land als logistischer Knotenpunkt und Unterstützer der russischen Kriegsführung im Ukraine-Krieg.

Laut ukrainischem Armeechef Oleksander Syrskyj haben Geheimdienste den Bau von Straßen in Richtung der ukrainischen Grenze sowie die Vorbereitung von Artilleriestellungen registriert. „Unsere Geheimdienste haben festgestellt, dass die Gefahr eines russischen Angriffs aus Belarus wächst“, sagte Syrskyj kürzlich laut tagesschau.de in einem Fernsehinterview. Zudem berichtete die belarussische Oppositionsgruppe „Gesellschaft der Eisenbahner von Belarus“, eine „Oreschnik“-Rakete – eine Mittelstreckenrakete, die Atomsprengköpfe tragen kann – sei zu einem ehemaligen Militärflugplatz in Belarus transportiert worden.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) kommt in einer aktuellen Analyse dennoch zu einem nüchternen Befund: Ein direkter Kriegseintritt des Lukaschenko-Regimes sei derzeit unwahrscheinlich. Die belarussischen Streitkräfte umfassen rund 70.000 bis 75.000 Personen, ihnen fehlt es jedoch an Erfahrung in moderner, hochintensiver Kriegsführung. Die militärischen Aktivitäten hätten „überwiegend symbolischen und strategisch-kommunikativen Charakter“, hieß es. Zudem bestehe in der belarussischen Gesellschaft ein stabiler Konsens gegen eine direkte Kriegsbeteiligung – für viele Bürger gelte der Krieg als „nicht unser Krieg“.

Lukaschenko selbst hat erklärt, Belarus werde nur im Falle eines direkten Angriffs auf das eigene Staatsgebiet militärisch eingreifen. Die größte Eskalationsgefahr liegt laut KAS-Analyse weniger in einer eigenständigen Entscheidung in Minsk als in der Dynamik des Krieges selbst – und in strategischen Entscheidungen in Moskau. In einem angespannten Umfeld, in dem NATO-Flugzeuge Aufklärungsflüge nahe der belarussischen Grenzen fliegen und Drohnenvorfälle zunehmen, könnte bereits ein fehlinterpretiertes Radarsignal die Lage kippen.

Ultimatum an Lukaschenko: Das sagt die EU-Kommission zu der Selenskyj-Drohung

Die EU-Kommission stellte sich klar hinter Kiew. Belarus fördere die russische militärische Aggression gegen die Ukraine und nutze Migration als Druckmittel. „Gerade deswegen hat die EU Sanktionen gegen das Regime von Lukaschenko eingeführt und ist bereit, weitere Maßnahmen zu ergreifen, solange Belarus auch weiterhin so vorgehen wird“, erklärte eine Kommissionssprecherin laut der Nachrichtenplattform Ukrinform.

Selenskyjs Ultimatum verfolge, so Experte Friedman, damit auch ein strategisches Ziel jenseits der Signalverstärker: Es soll Lukaschenko davon abhalten, mit eigenen Truppen in den Krieg einzutreten – oder zumindest dafür sorgen, dass er im Falle eines russischen Drucks Widerstand leistet. (Quellen: Kyiv Independent, n-tv, Ukrinform, tagesschau.de, Konrad-Adenauer-Stiftung, Zerkalo) (jenko)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Gavriil Grigorov

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