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Drohnenkrieg eskaliert

„Jet-Drohnen“-Attacken: Putin drückt ukrainische Luftabwehr mit Blitzkrieg an die Wand

Ein Radfahrer nimmt Notiz von einer in Kiew ausgestellten Drohne russischen Ursprungs.
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Ansichtssache: In der Ukraine liegen offenbar Shahed-Drohnen massenhaft herum, und die Regierung versucht die Bevölkerung zu informieren – ein Radfahrer nimmt Notiz von einer in Kiew ausgestellten Drohne russischen Ursprungs.

Günstig und gefährlich: Russlands neue Niedertracht lässt die Verteidiger verzweifeln – Shahed-Drohnen mit Düsenantrieb scheinen unaufhaltsam zu sein.

Kiew – „Nicht alle heute eingesetzten Mittel können solche Ziele abfangen“, sagt Juri Ignat. Gegenüber dem Magazin The War Zone (TWZ) erklärt der Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, dass sich der russische Diktator Wladimir Putin die nächste Niedertracht im Ukraine-Krieg hat einfallen lassen: Shahed-Drohnen mit einem Düsenantrieb. Damit können die todbringenden Deltaflügler nicht nur schneller und höher fliegen – sie stellen die Verteidiger damit vor Aufgaben, die fast übermenschlich sind.

Obwohl diese Drohnen nur einen kleinen Teil der Angriffsflotte ausmachten, könnten sie viele der aktuellen ukrainischen Luftabwehrsysteme umgehen, schreibt TWZ-Autor Howard Altman. Eine Katastrophe für die Verteidiger, die ohnehin unter den Shaheds der Russen bisher am stärksten zu leiden hatten. Die Drohnen iranischen Ursprungs sind offenbar die Nachfolger des Gleitbomben-Terrors, den die Ukraine inzwischen besser unter Kontrolle bekommen hat.

Putins perfide Strategie: „Nacht für Nacht entwickelt sich der Blitzkrieg.“

„Nacht für Nacht entwickelt sich der Blitzkrieg. Russische Drohnen, Täuschkörper, Marschflugkörper und ballistische Raketen – zunehmend auf eine einzelne Stadt oder einen einzelnen Ort gerichtet – werden in Rekordzahlen auf die Ukraine abgefeuert. Dies stellt die Verteidigungsfähigkeit des Landes auf die Probe und wirft die Frage auf, wie gut es einen weiteren Kriegswinter überstehen kann“, schreibt der britische Guardian. Tatsächlich lässt Wladimir Putin offenbar so lange auf die Ukraine feuern, bis die letzte Luftabwehrstellung der Ukraine in Rauch aufgeht.

„Es gibt keine klare Kommandostruktur. Bei Raketen weiß die Luftabwehr, was zu tun ist. Bei Drohnen – insbesondere Jets – tut jeder, was er kann.“

Kostiantyn Kryvolap, Kiyv Post

Nach der Erniedrigung, die die russische Panzerwaffe durch die ukrainische Armee erfahren hat und nach der Sinnlosigkeit der unermüdlichen Fleischwolf-Angriffe russischer Infanterie, scheint Putins Armeeführung jetzt verzweifelt nach einem neuen Hebel gegen die ukrainische Verteidigung zu suchen – Shahed-Drohnen; möglicherweise das neue Schweizer Messer russischer Kriegsführung. „Bis Alternativen gefunden sind, wird die Ukraine für diese Drohnen teure und wertvolle Boden-Luft-Raketen (SAMs) einsetzen müssen, die pro Stück Millionen kosten können“, schreibt TWZ-Autor Altman. Der unaufhörliche Lärm der Shahed-Drohne treibe die Ukraine zur Verzweiflung, urteilt Cristian Segura. Für den Autoren der spanischen Tageszeitung El Pais habe die Shahed-Drohne das Zeug zum Matchwinner im Ukraine-Krieg.

Die Dramatik liege weniger in der Waffe selbst, sondern in ihrem Auftreten, der einem Heuschrecken-Schwarm ähnelt: „Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte letzte Woche, dass es im Jahr 2024 undenkbar gewesen sei, dass der Feind mehr als 100 an einem einzigen Tag einsetze, heute sei dies jedoch alltäglich“, schreibt Segura. Ihm zufolge habe der Geheimdienst des ukrainischen Verteidigungsministeriums (GUR) zuletzt geschätzt, die russische Industrie könne maximal 170 Stück dieser Langstrecken-Bomber produzieren. Pro Tag. Inzwischen ginge die Ukraine davon aus, dass die Stückzahl auf 190 gestiegen sei. Theoretisch könne Russland prognostisch demnächst fast 200 Shahed-Drohnen täglich auf die Ukraine regnen lassen. Tag für Tag. Woche für Woche. Monat für Monat.

Putins neuer Shahed-Terror: Neben der Masse punkten diese Waffen jetzt offenbar auch mit Klasse

Neben der Masse punkten diese Waffen jetzt offenbar auch mit Klasse: „Sie können mit Geschwindigkeiten von 400 bis 600 Kilometern pro Stunde und in Höhen von bis zu neun Kilometern fliegen“, sagte Kostiantyn Kryvolap gegenüber dem ukrainischen Magazin Focus. Der Luftfahrtanalyst hält sie daher für einen ernsthaften Gegner für die ukrainische Luftverteidigung. Laut Kryvolap seien aber die Düsenantriebe nur eine Seite der Medaille. Russland setze offensichtlich auf einen Mix in den Schwärmen. Bereits vorher waren in den Angriffs-Formationen Drohnen mit Holz- statt Gefechtsköpfen mitgeflogen – nur um die Abwehr zu teuren Schüssen zu verleiten. Mittlerweile sollen die deutlich schnelleren düsengetriebenen Drohnen zusammen mit den Propeller-Drohnen fliegen und die Luftabwehr durch Kampfjets damit vor komplexe Aufgaben stellen.

Der Grund läge in den unterschiedlichen Geschwindigkeiten, die sich aus den differenzierten Antrieben ergäben – das führe zu „Chaos im Zielverteilungssystem“, so Kryvolap gegenüber Focus. Die Propeller-Shaheds mit Kolben-Motor flögen mit für Kampfjets schwierig zu bekämpfenden Geschwindigkeiten von unter 200 Kilometern pro Stunde: „Bei niedrigen Geschwindigkeiten, die für konventionelle Kolben-Shaheds typisch sind, kann es zu einem Strömungsabriss des Kampfflugzeugs kommen, wodurch das Risiko eines Unfalls oder sogar des Verlusts von Flugzeug und Pilot steigt“, sagt Kryvolap. Jet-Shaheds seien schneller unterwegs und daher von Kampfjets besser zu verteidigen. Wenn das Feld der Angreifer nun gemischt operiere, würde die Abwehr in der Zielerfassung verwirrt und im schlimmsten Fall auf die eigenen Maschinen feuern.

Eskalation im Ukraine-Krieg: Putin hat jetzt auch offiziell die Neuausrichtung seiner Drohnenflotte propagiert

Sollten darüberhinaus auch noch Fake-Drohnen mit einem Holzkopf in den Schwärmen fliegen, würde die ukrainische Luftabwehr womöglich mit Kanonen auf Spatzen schießen und kostbare Munition verpulvern. Die Luftabwehr steht damit vor einer komplexen Lage – ein taktisch immenser Vorteil für Russland. Wladimir Putin hatte kürzlich auch offiziell die Neuausrichtung seiner Drohnenflotte propagiert, wie die Tass veröffentlicht hat.

Die russische Regierung müsse die beschleunigte Entwicklung der unbemannten Luftfahrtindustrie sicherstellen, um darin bis 2030 die technologische Führung zu erreichen, schreibt die russische Nachrichtenagentur. Aufgrund westlicher Sanktionen scheint Russland dabei auf eigene Produkte zurückgeworfen zu sein, wie Isabelle Facon für das Center for a New American Security nahe legt. Das bezieht sie beispielsweise auf Navigations- und Steuerungssysteme, Kameras, optoelektronische Beobachtungssysteme oder die Triebwerke, wie sie aufzählt.

Im vergangenen September hatte Wladimir Putin verlauten lassen, dass er die Drohnenproduktion forcieren wolle – für unbemannte Luftfahrzeuge jeglicher Art, wie ihn die Tass zitiert hat: „Wir müssen den Bedarf der Streitkräfte vollständig decken. Zu diesem Zweck müssen wir die Produktion unbemannter Fahrzeuge kontinuierlich steigern, ihre taktischen und technischen Eigenschaften auf verschiedene Weise verbessern, einschließlich der Einführung künstlicher Intelligenz, und sie unter Berücksichtigung der Kampferfahrung ständig modernisieren.“

Russlands Weg: Die jetbetriebenen Shahed-Modelle lassen die ukrainischen Verteidiger mitunter verzweifeln

Wie der Guardian aktuell berichtet, habe Russland mit der Umstellung seiner Taktik auch Erfolg. Analysen von Daten der ukrainischen Luftwaffe zeigten, dass die Luftverteidigung weniger Drohnen erreiche: von knapp fünf Prozent im März und April sei Putins Erfolgsquote im Mai und Juni auf 15 bis 20 Prozent gestiegen – sein Ziel sei dabei, dass die Shaheds lediglich Löcher rissen für die Gleitbomben, weil die 50 Kilogramm schweren Sprengköpfe ohnehin wenig Schaden anrichteten. Laut Jack Watling habe Russland in den Shahed-Drohnen ihren neuen T-34-Panzer gefunden. Laut dem Analysten des britischen Thinktanks Royal United Services Institute (RUSI) sei die wichtigste Frage für die russischen Planer gewesen: „In welche Technologie können wir investieren, die gut und günstig genug ist und entscheidende Ergebnisse liefert?“, zitiert ihn der Guardian.

Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow.
Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow, der als Oberhaupt der russischen Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus eigene Truppen befehligt. „Putins Bluthund“, der für seinen brutalen Führungsstil im muslimisch geprägten Tschetschenien bekannt ist, tat sich seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine als einer der glühendsten Kriegsbefürworter hervor. Mehrfach kritisierte er nach russischen Niederlagen die militärische Führung seines Landes scharf und forderte weitreichende Konsequenzen. © Yelena Afonina/imago
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes, nachdem er das 30. Lebensjahr vollendet hatte, das Mindestalter für die Wahl des tschetschenischen Oberhaupts. Im März 2015 erhielt Kadyrow den russischen Orden der Ehre. Kadyrows diktatorische Amtsführung ist geprägt von schweren Menschenrechtsverletzungen, Korruption und einem ausufernden Personenkult. Seit Oktober 2022 ist er darüber hinaus Generaloberst der russischen Streitkräfte. © Yelena Afonina/imago
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“.
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“. Seit März 2004 im Amt, verteidigt Lawrow seit Beginn des Ukraine-Kriegs immer wieder die Behauptung, dass Russland die Ukraine von den dort regierenden Nazis befreien zu wollen. Anfang Mai 2022 versuchte Lawrow im italienischen Fernsehen das Argument zu entkräften, als Jude könne der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kein Nazi sein: „Adolf Hitler hatte auch jüdisches Blut. Das heißt überhaupt nichts. Das weise jüdische Volk sagt, dass die eifrigsten Antisemiten in der Regel Juden sind.“ © Imago
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland. „Wenn wir über das sprechen, was in der Ukraine vorgeht, so ist das kein hybrider, sondern schon fast ein richtiger Krieg, den der Westen lange gegen Russland vorbereitet hat“, sagte Lawrow während einer Afrika-Reise im Januar 2023, die ihn u. a. auch nach Angola führte. Der Westen wolle alles Russische zerstören, von der Sprache bis zur Kultur, so Lawrow. © Imago
Als „Putins Marionette“ kann Dmitri Medwedew gelten.
Als „Putins Marionette“ kann Dmitri Medwedew gelten. Der Gefolgsmann des russischen Präsidenten war von 2008 bis 2012 Präsident Russlands und anschließend bis 2020 Ministerpräsident der Russischen Föderation. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs macht Medwedew, inzwischen Vizechef des russischen Sicherheitsrates, ein ums andere Mal mit Verschwörungserzählungen und martialischen Äußerungen über die Ukraine und den Westen auf sich aufmerksam. Unter anderem drohte er mit dem „Verschwinden der Ukraine von der Landkarte“. © Artyom Geodakyan/imago
Der promovierte Jurist, der einst als Stimme der Vernunft galt, hat sich inzwischen zu einem radikalen Hetzer entwickelt.
Der promovierte Jurist, der einst als Stimme der Vernunft galt, hat sich inzwischen zu einem radikalen Hetzer entwickelt. Gerne droht der Vizechef des russischen Sicherheitsrates den Nato-Staaten mit einem Angriff oder gar mit Atomschlägen. Im Sommer 2022 bezeichnete er die Regierung in Kiew als „vereinzelte Missgeburten, die sich selbst als ‚ukrainische Regierung‘ bezeichnen“, die US-Regierung waren für ihn „Puppenspieler jenseits des Ozeans mit deutlichen Anzeichen senilen Wahnsinns“. Ende 2022 versuchte er sich als Prophet für das Jahr 2023: In Deutschland entsteht demnach ein „Viertes Reich“, die EU zerfällt, in den USA bricht ein Bürgerkrieg aus. © Yekaterina Shtukina/imago
Seit vielen Jahren an Putins Seite ist Dimitri Peskow. Schon im Jahr 2000 wurde er stellvertretender Pressesprecher des Präsidenten. Als Putin 2008 Ministerpräsident wurde, wechselte Peskow das Büro. Vier Jahre später kehrte er dann ins Präsidialamt zurück. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs setzte die EU ihn auf die Sanktionsliste und ließ sein gesamtes Vermögen einfrieren.
Seit vielen Jahren an Putins Seite ist Dimitri Peskow. Schon im Jahr 2000 wurde er stellvertretender Pressesprecher des Präsidenten. Als Putin 2008 Ministerpräsident wurde, wechselte Peskow das Büro. Vier Jahre später kehrte er dann ins Präsidialamt zurück. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs setzte die EU ihn auf die Sanktionsliste und ließ sein gesamtes Vermögen einfrieren. © Sergei Ilnitsky/AFP
Alina Kabajewa ist wahrscheinlich so etwas wie „Putins Ballerina“.
Alina Kabajewa ist wahrscheinlich so etwas wie „Putins Ballerina“. Die frühere Spitzensportlerin galt in der Rhythmischen Sportgymnastik jahrelang als Nonplusultra. Ihre Erfolge (Olympiagold 2004 in Athen, neun WM- sowie 15 EM-Titel) sprechen für sich. Von 2007 bis 2014 war sie Abgeordnete der Russischen Staatsduma für die Partei „Einiges Russland“, seit September 2014 ist sie Vorsitzende des Verwaltungsrates der Nationalen Mediengruppe (NMG). Sie gilt Medienberichten zufolge als Geliebte des russischen Präsidenten und soll mit diesem mehrere Kinder haben, was von Kabajewa und russischen Regierungsstellen aber dementiert wird. © Imago
Schon seit Jahren gilt Kabajewa als heimliche Geliebte oder gar Ehefrau des russischen Präsidenten.
Schon seit Jahren gilt Kabajewa als heimliche Geliebte oder gar Ehefrau des russischen Präsidenten. Eine offizielle Bestätigung aus Russland hat es aber nie gegeben. Der britischen Regierung zufolge steht sie „in enger persönlicher Beziehung zu Putin“. Kabajewa soll mehrere Kinder von Putin haben, was von Kabajewa und russischen Regierungsstellen aber dementiert wird. 2015 soll sie in Lugano Zwillinge zur Welt gebracht haben, andere Quellen berichten von einer Geburt eines Jungen im Kanton Tessin und einer weiteren Geburt eines Sohnes in Moskau. Gesichert ist, dass Kabajewa nach 2015 für einige Jahre aus dem öffentlichen Rampenlicht verschwand und auch heute nur äußerst selten öffentlich auftritt. © Valery Sharifulin/imago
Wladimir Solowjow ist Putins Chefpropagandist im Ukraine-Krieg.
Wladimir Solowjow ist Putins Chefpropagandist im Ukraine-Krieg. Seine seit 2012 im Sender Rossija 1 ausgestrahlte politische Talkshow „Sonntagabend mit Wladimir Solowjow“ gilt als vielleicht wichtigste innerrussischen Propagandasendung. Im Dezember 2022 drohte er dort zahlreichen europäischen Ländern mit militärischen Interventionen, weil diese die Ukraine unterstützen würden und Teil des europäischen Nazismus seien. Auch forderte er wiederholt den Einsatz von russischen Atombomben gegen Nato-Staaten. Im April 2022 bezeichnete er die Massaker von Butscha sowie Srebrenica als inszeniert. © Sergei Karpukhin/imago
Solowjow wird in seiner Sendung oft laut
Solowjow wird in seiner Sendung oft laut, beschimpft die deutsche Regierung, streut deutsche Wörter ein und imitiert dabei eine schroffe Nazi-Aussprache. Einmal bezeichnete er Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) als „Miss Ribbentrop“. Joachim von Ribbentrop war deutscher Außenminister unter Adolf Hitler, den Solowjow im Februar 2021 in seiner Sendung einmal als „sehr mutigen Menschen“ und „tapferen Soldaten“ bezeichnet hatte. Von seiner 2014 geäußerten Meinung, „Gott verbietet, dass die Krim nach Russland zurückkehrt“, hat er sich nach dem Euromaidan, der Revolution der Würde, schnell distanziert. © Artyom Geodakyan/imago
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB wird von einem engen Weggefährten des Präsidenten geleitet.
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB wird von einem engen Weggefährten des Präsidenten geleitet. Schon in den 1970er Jahren war Alexander Bortnikow zeitgleich mit Putin in St. Petersburg für den KGB im Einsatz. Putin, der einst selbst Direktor des FSB war, ernannte ihn im Mai 2008 zum Chef des Geheimdienstes und sicherte sich so maximalen Einfluss. Es gilt als gesichert, dass Putin auch als Präsident entscheidende Befehle selbst übermittelt.  © Alexei Druzhinin/imago
Der FSB dient vor allem dazu, die Opposition gegen Putins Machtelite zu unterdrücken.
Der FSB dient vor allem dazu, die Opposition gegen Putins Machtelite zu unterdrücken. Ein Beispiel ist der Anschlag auf den Kremlkritiker Alexej Nawalny, der nach Angaben des Recherchekollektivs Bellingcat zuvor monatelang von FSB-Agenten verfolgt worden war. Unter Bortnikow wurde die Macht des FSB durch mehrere Reformen immer stärker ausgeweitet. Zudem soll der FSB die prorussischen Separatisten im Osten des Landes unterstützt haben. Nach der Annexion der Halbinsel Krim ging der FSB gegen Medien und Kultur vor. © Mikhail Metzel/imago
Seit November 2012 hat der Armeegeneral Sergei Schoigu das Amt des russischen Verteidigungsministers inne.
Seit November 2012 hat der Armeegeneral Sergei Schoigu das Amt des russischen Verteidigungsministers inne. In Schoigus Amtszeit fallen zunächst die militärische Unterstützung der Separatisten in der Ostukraine, die Annexion der Krim 2014 sowie das Eingreifen Russlands in den syrischen Bürgerkrieg aufseiten des Assad-Regimes. Wegen der Intervention zugunsten der Separatisten im Donbass eröffnete die Ukraine 2014 ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen ihn. Seit Februar befehligt Schoigu als Verteidigungsminister die russischen Truppen im Ukraine-Krieg. © Pavel Golovkin/dpa
Schoigus Verhältnis zu Putin gilt bisher als sehr eng.
Schoigus Verhältnis zu Putin gilt bisher als sehr eng. So verbringt er regelmäßig seinen Sommerurlaub zusammen mit dem russischen Präsidenten im südsibirischen Tuwa – Schoigus Heimatregion, wo sich die beiden, wie hier im Jahr 2017, auch schon mal ein Sonnenbad in einer Pause vom Angeln gönnen. Ob das auch in Zukunft so bleiben wird, ist offen. So wies das „Institute for the Study of War“ in einem Bericht im Herbst 2022 darauf hin, dass Putin Schoigu für die Fehler im Ukraine-Krieg verantwortlich macht. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Putin seinen Vertrauten doch noch zum Sündenbock macht.  © Alexei Nikolsky/dpa
Russia s First Deputy Prime Minister Andrei Belousov
Schoigus Nachfolger soll der bisherige Vize-Regierungschef Andrej Beloussow werden. Die militärische Komponente im Verteidigungsministerium bleibe auch nach der Ernennung Beloussows unverändert. „Heute gewinnt auf dem Schlachtfeld derjenige, der offener für Innovationen und deren Umsetzung ist“, erklärte Kremlsprecher Peskow Putins Entscheidung für einen Zivilisten an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Beloussow sei nicht nur Zivilbeamter, sondern habe auch viele Jahre erfolgreich in der Politik gearbeitet und Putin in Wirtschaftsfragen beraten. © IMAGO/Alexander Astafyev
Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche ist heute nur noch unter seinem Namen Kirill I. bekannt.
Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche ist heute nur noch unter seinem Namen Kyrill I. bekannt. Bürgerlich heißt der Patriarch allerdings Wladimir Gundjajew – und hat eine bewegte Vergangenheit. Unter dem Decknamen „Michailow“ hat er laut dem schweizerischen Bundesarchiv in den 1970er Jahren in Genf als Agent für den früheren sowjetischen Auslandsgeheimdienst KGB gearbeitet. Diese Vergangenheit verbindet ihn mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. © Sergei Chirikov/dpa
Seit Februar 2009 ist Gunjajew als Kyrill I. Patriarch von Moskau und der ganzen Rus und damit der Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche.
Seit Februar 2009 ist Gundjajew als Kyrill I. Patriarch von Moskau und der ganzen Rus und damit der Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche. Er gilt als enger Verbündeter Putins, dessen Regentschaft er im Zuge der Präsidentschaftswahl in Russland 2012 als „Wunder Gottes“ bezeichnete. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs fällt er zunehmend durch Hasspredigten auf. Einmal bezeichnete er die Gegner Russlands als „Kräfte des Bösen“, zudem sprach er der Ukraine ihr Existenzrecht ab. Verbal lässt Kyrill I., anders als im April 2017 in Moskau, jedenfalls keine Tauben fliegen.  © Alexander Zemlianichenko/dpa
Der rechtsnationalistische Ideologe Alexander Dugin darf getrost als „Putins Denker“ bezeichnet werden.
Der rechtsnationalistische Ideologe Alexander Dugin darf getrost als „Putins Denker“ bezeichnet werden. Dugin, der viele Bücher geschrieben hat, gilt als antiwestlicher Hassprediger und Kämpfer für die Idee einer slawischen Supermacht. In seinem Buch „Grundlagen der Geopolitik“ sprach er sich gegen die Ukraine als souveränen Staat aus. Kurz vor Beginn des Ukraine-Kriegs wurde diese Rhetorik aufgegriffen, als Putin das ukrainische Staatsgebiet in einem Aufsatz infrage stellte. © Kirill Kudryavtsev/afp
Dugin wurde 1987 Mitglied der radikal-nationalistischen und antisemitischen Gruppierung Pamjat
Dugin wurde 1987 Mitglied der radikal-nationalistischen und antisemitischen Gruppierung Pamjat. Größere Bekanntheit erlangte er in den 1990er Jahren, als er über Radio und Fernsehen seine Ideologie verbreitete. Zugleich war Dugin auch Mitglied von esoterischen und okkulten Zirkeln. Unklar ist, wie nahe Dugin dem russischen Präsidenten steht. Putins Äußerungen geben aber oft die Rhetorik Dugins wider. Als Beispiel sei das Konzept „Noworossija“ („Neurussland“) geannnt, das Russland benutzt hat, um die Krim-Annexion zu rechtfertigen. Damals gab Dugin in einem Interview auch unmissverständlich kund, wie nun vorzugehen sei: „Töten, töten, töten, das ist meine Meinung als Professor.“ © afp
Zum engsten Putin-Zirkel gehört auch Nikolai Patruschew.
Zum engsten Putin-Zirkel gehört auch Nikolai Patruschew. Der Sekretär des russischen Sicherheitsrates war lange Jahre Leiter des Inlandsgeheimdienstes FSB und gilt als radikaler, europafeindlicher Hardliner. Patruschew verbindet viel mit Putin: Sie sind etwa gleich alt, beide kommen aus dem heutigen Sankt Petersburg, vor allem aber entstammen sie beide dem sowjetischen Geheimdienst KGB. Patruschew wird als engster Vertrauter Putins wahrgenommen und soll von diesem zu seinem Stellvertreter für den Fall einer zeitweiligen Verhinderung der Amtsausübung erkoren worden sein © Zubair Bairakov/imago
Patruschew wird als „Falke“ des Ostens beschrieben.
Patruschew wird als „Falke“ des Ostens beschrieben. Im Herbst 2021 bezeichnete er die Ukrainerinnen und Ukrainer als „Nicht-Menschen“. Noch Ende Januar 2022 bestritt er jede Kriegsabsicht Russlands als „komplette Absurdität“. Ende Februar 2022 beschuldigte er in einem Manifest die USA und die EU, in der Ukraine eine „Ideologie des Neonazismus“ zu unterstützen.  © Aram Nersesyan/imago
Als Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR ist Sergei Naryschkin für seine bissigen Kommentare bekannt.
Als Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR ist Sergei Naryschkin für seine bissigen Kommentare bekannt. Kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges warf er den USA und anderen westlichen Staaten vor, Russland zerstören zu wollen: „Die Masken sind gefallen. Der Westen will Russland nicht nur mit einem neuen Eisernen Vorhang umgeben“, zitierte der SWR Anfang März 2022 seinen Chef. „Wir reden über Versuche, unseren Staat zu zerstören, über seine ‚Annullierung‘, wie heutzutage in einem ‚toleranten‘ liberal-faschistischen Umfeld gesagt wird.“ Naryschkin gehörte zu jenen, die schon damals behaupteten, zwischen Russland und dem Westen tobe ein „heißer Krieg“. © Alexander Zemlianichenko/dpa
Wenige Tage vor Beginn dem russischen Einmarsch in die Ukraine war Naryschkin im Gespräch mit Wladimir Putin tüchtig ins Schlingern geraten.
Wenige Tage vor Beginn dem russischen Einmarsch in die Ukraine war Naryschkin im Gespräch mit Wladimir Putin tüchtig ins Schlingern geraten. Der SWR-Chef sprach sich damals versehentlich für eine russische Einverleibung der Volksrepubliken Luhansk und Donezk aus. Putin korrigierte ihn bei der im Staatsfernsehen übertragenen Sitzung und betonte, dass die Frage nicht gestellt sei. „Wir sprechen über die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit oder nicht“, kanzelte Putin den SWR-Chef ab. © Valery Sharifulin/imago
Zu den engsten Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin zählt der russische Unternehmer Jewgeni Prigoschin.
Zu den engsten Vertrauten Wladimir Putins zählte Jewgeni Prigoschin. Russlands Präsident und der erfolgreiche Geschäftsmann kannten sich lange. Als Putin noch KGB-Offizier war und in der St. Petersburger Stadtverwaltung arbeitete, soll er in Prigoschins Restaurant eingekehrt sein. Deshalb trug der in den chaotischen 1990er Jahren in Russland zu Reichtum gekommene 61-Jährige den Beinamen „Putins Koch“. Auch wegen Raubes saß er in Haft.  © Mikhail Metzel/imago
Inzwischen ist Prigoschin vor allem als Warlord der berüchtigten Schattenarme „Wagner“ im Auftrag des Kreml international gefürchtet.
Lange war Prigoschin vor allem als Warlord der berüchtigten Schattenarme „Wagner“ im Auftrag des Kreml international gefürchtet. Putin ließ ihn lange schalten und walten, als hätte diese Schattenarmee, eine paramilitärische Organisation mit vielen verurteilten Verbrechern, längst das Zepter der Macht in der Hand. Vom 23 bis 24. Juni 2023 kam es zu einem Aufstand der Wagner-Gruppe in Russland. Danach bezeichnete ihn Putin als „Verräter“. Am 23. August 2023 kam Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. © Vyacheslav Prokofyev/imago

Die neuen, jetbetriebenen Shahed-Modelle lassen die ukrainischen Verteidiger deshalb verzweifeln. Das ukrainische Verteidigungsnachrichtenportal Militarnyi stellt fest, dass die optimierten Waffen „sowohl für mobile Feuergruppen mit Kleinwaffen und Kanonen als auch für Abfangdrohnen mit Elektromotoren praktisch unerreichbar“ seien, wie das Magazin schreibt. El Pais zitiert Oleksandr Syrskyi vom 22. Juni dahingehend, dass die „mobilen Gruppen“, also Transporter mit großkalibrigen Maschinengewehren, die im Flugweg der Drohnen positioniert sind, eine Erfolgsquote von 40 Prozent erreichten – bei Drohnen mit Propeller-Antrieb, so der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte.

Demnach steht die Ukraine jetzt (erneut) mit dem Rücken an der Wand. Den fehlenden Mitteln folge der fehlende Durchblick der Führungskräfte. Dahingehend zitiert die Kiyv Post den Luftfahrtexperten Kostiantyn Kryvolap: „Es gibt keine klare Kommandostruktur. Bei Raketen weiß die Luftabwehr, was zu tun ist. Bei Drohnen – insbesondere Jets – tut jeder, was er kann.“

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