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Netanjahu braucht Reservesoldaten
Angriff auf Krankenhaus in Gaza: Mindestens 20 Tote – Israelische Armee äußert sich
Israel will die Stadt Gaza einnehmen, in der sich noch rund eine Million Menschen befinden. Die Offensive wurde genehmigt. Doch es droht ein Problem.
Update vom 25. August, 13.30 Uhr: Bei einem israelischen Angriff im Süden des Gazastreifens sind nach Krankenhausangaben mindestens 20 Menschen getötet worden, darunter vier Journalisten. Nach Angaben des Nasser-Krankenhauses wurden sie bei einem Luftangriff tödlich getroffen, als sie sich im vierten Stock der Klinik in der südlichen Stadt Chan Junis aufhielten. Unter den getöteten Journalisten befindet sich ein Kameramann des arabischen Senders Al-Dschasira sowie ein freier Journalist der Nachrichtenagentur Associated Press. Beide bestätigten den Tod ihrer Mitarbeiter.
Die israelische Armee hat bestätigt, den Bereich des Krankenhauses angegriffen zu haben und hat nun eigenen Angaben zufolge eine Untersuchung eingeleitet. „Die israelische Armee bedauert jeglichen Schaden an unbeteiligten Personen und richtet Angriffe in keiner Weise gegen Journalisten als solche und arbeitet so weit wie möglich daran, den Schaden für sie zu minimieren und gleichzeitig die Sicherheit unserer Streitkräfte aufrechtzuerhalten“, hieß es in der Stellungnahme.
Israelische Sicherheitsquellen sagten dem Sender Keshet 12, auf dem Dach des Krankenhauses sei eine Kamera aufgestellt worden, die von der Hamas benutzt worden sei. Man habe befürchtet, dass diese Kamera Informationen für die Hamas sammle, weshalb man die Zerstörung mit einer Drohne angeordnet habe. Stattdessen jedoch seien zwei Panzergeschosse auf das Krankenhaus abgefeuert worden. Live-Aufnahmen des Senders Al-Dschasira zeigen, wie Rettungskräfte auf den Treppen im vierten Stock plötzlich getroffen werden. Spätere Aufnahmen in sozialen Medien zeigten schließlich auch dutzende Leichen auf der Treppe.
Erstmeldung: Tel Aviv/Gaza – „Die Tore der Hölle werden sich bald über den Mördern und Vergewaltigern der Hamas in Gaza öffnen“, drohte Verteidigungsminister Israel Katz vor der neuen Gaza-Offensive. Die Einsatzpläne der Armee seien inzwischen genehmigt, bestätigte er. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte zuvor Verhandlungen zur Freilassung aller Geiseln im Gazastreifen angekündigt. Und zeitgleich deutlich gemacht, dass auch die Einnahme der Stadt Gaza vorangetrieben werden soll.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Laut Katz umfasst der Einsatz auch die Evakuierung von Anwohnern. Mehrere Medien hatten zuvor berichtet, dass Katz sowie Netanjahu und Militärs am Donnerstag zu einer Sicherheitsberatung zusammenkommen wollten, um die Einsatzpläne zur Einnahme der Stadt Gaza zu billigen. Während die erste Phase des Einsatzes im Gazastreifen angelaufen ist, offenbart sich allerdings ein Problem für Netanjahu: Die Offensive bringt die Armee an ihre Grenzen.
Offensive im Gazastreifen: Netanjahu kündigt dennoch Verhandlungen mit Hamas an
„Wir befinden uns in der entscheidenden Phase“, kommentierte Netanjahu am Donnerstag die Offensive in Gaza. „Ich bin gekommen, um die Pläne der Armee zur Einnahme der Stadt Gaza und zum Sieg über die Hamas zu bestätigen“, sagte er in einem Video vor dem Hauptquartier der Gaza-Division. Der Ministerpräsident habe zudem angeordnet, „unverzüglich Verhandlungen über die Freilassung aller unserer Geiseln und die Beendigung des Krieges zu Bedingungen aufzunehmen, die für Israel akzeptabel sind“.
Die neue Offensive im Gazastreifen soll laut Katz vorangetrieben werden, „bis die Hamas Israels Bedingungen zur Beendigung des Krieges zustimmen“. Andernfalls werde die Stadt Gaza aussehen wie Rafah und Beit Hanun. Beide Orte wurden durch israelische Bombardierungen großflächig zerstört. In der Stadt Gaza halten sich Schätzungen zufolge derzeit noch rund eine Million Menschen auf. Die ohnehin katastrophale Lage der Zivilbevölkerung könnte sich durch die Offensive noch weiter verschlimmern.
Druck auf Netanjahu wegen Gaza-Krieg: Waffenruhe und Geiseldeal steht auf dem Spiel
Parallel zu den Kampfhandlungen wird in Israel über eine Waffenruhe verhandelt. Beobachter sehen in der Eskalation auch ein mögliches Druckmittel gegenüber der Hamas. Politisch ist das Vorgehen für Netanjahu riskant: In seiner Koalition ist umstritten, ob eine Verhandlungslösung oder eine vollständige militärische Niederwerfung der Hamas Vorrang haben soll. Oppositionsführer Yair Lapid sicherte am Donnerstag Unterstützung für jedes Geiselabkommen zu. Rechte Koalitionspartner kündigten dagegen Widerstand gegen ein Waffenstillstandsabkommen an.
Wegen Lage im Gazastreifen: Israels Offensive erfordert Reservesoldaten
Doch nicht nur politisch steht für Netanjahu wegen der Lage von Israel im Krieg viel auf dem Spiel. Auch gesellschaftlich steht der Ministerpräsident zunehmend unter Druck. Unter anderem in Tel Aviv kommt es immer wieder zu größeren Protesten. Die Übernahme und Besetzung von Gaza erforderte auch die Einberufung von 60.000 zusätzlichen Reservesoldaten und die Verlängerung der Dienstzeit von weiteren 20.000 Soldaten.
Der jahrelange Kampfeinsatz gegen die Hamas hat inzwischen wohl deutliche Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Armee. Angesichts der neuen Einberufungswelle hatte Israels Militärchef vor der zusätzlichen Belastung der Truppen, von denen viele bereits mehrfach zum Kampf in Gaza einberufen wurden, gewarnt. Laut CNN erklärte Eyal Zamir, dass die Armee mit den Folgen der Gaza-Einsätze zu kämpfen hätte. Eine Umfrage der Agam Labs der Hebräischen Universität Jerusalem ergab, dass rund 40 Prozent der Soldaten weniger motiviert sind, ihren Dienst zu leisten. Nur 13 Prozent gaben an, motivierter zu sein.
Keine Waffenruhe mit Hamas: Gaza-Offensive birgt Risiko für Israel
Das israelische Militär verfügt über eine relativ kleine aktive Truppe, die größtenteils aus Wehrpflichtigen besteht. Für längere Einsätze ist es daher immer wieder auf Reservisten angewiesen. Offenbar droht inzwischen, dass immer mehr ihren Dienst verweigern könnten. Der ehemalige Stabschef der israelischen Streitkräfte, Generalleutnant Dan Halutz, der das Militär während des Libanonkriegs 2006 führte, sagte voraus, dass nicht alle Reservisten zum Dienst erscheinen würden. „Ich glaube, einige von ihnen werden zu Hause bleiben“, sagte er Anfang des Monats gegenüber CNN.
Das Sicherheitskabinett hatte Anfang August die Einnahme der Stadt Gaza sowie die Evakuierung der Bevölkerung in den Süden genehmigt. Indirekte Verhandlungen Israels und der Hamas über eine neue Waffenruhe waren bislang erfolglos und wurden zuletzt unterbrochen. Die Vermittler bemühen sich jedoch um eine Wiederaufnahme der Gespräche. Die Times of Israel zitierte einen ranghohen israelischen Beamten, wonach Netanjahu die Entsendung einer israelischen Delegation anordnen werde, sobald ein Ort für neue Verhandlungen festgelegt sei. (fbu/dpa)