Aktuelle Entwicklung im Ticker
Lage in Gaza: Netanjahu kündigt Kriegsausweitung und Friedensgespräche an
Israels Truppen halten offenbar schon Vororte von Gaza. Der Einsatz soll ausgeweitet werden. Parallel laufen Bemühungen um eine Waffenruhe mit der Hamas.
Update vom 22. August, 5.20 Uhr: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat Verhandlungen zur Freilassung aller Geiseln im Gazastreifen angekündigt – während er zugleich die Pläne zur Einnahme der Stadt Gaza vorantreibt. „Wir befinden uns in der entscheidenden Phase“, sagte er in einem Video vor dem Hauptquartier der Gaza-Division. „Ich bin gekommen, um die Pläne der Armee zur Einnahme der Stadt Gaza und zum Sieg über die Hamas zu bestätigen“. Gleichzeitig habe er angeordnet, „unverzüglich Verhandlungen über die Freilassung aller unserer Geiseln und die Beendigung des Krieges zu Bedingungen aufzunehmen, die für Israel akzeptabel sind“.
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Die hier verarbeiteten Informationen stammen von Nachrichtenagenturen und internationalen Quellen, aber auch von Konfliktparteien. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Lage im Gaza: Netanjahu mit Videobotschaft
Update, 19.38 Uhr: Der israelische Premierminister hat die Aufnahme „sofortige Verhandlungen“ zur Freilassung aller von der Hamas verschleppten Geiseln angeordnet. Das erklärte er am Donnerstag (21. August) in einer Videobotschaft.
Update, 19.12 Uhr: Das britische Außenministerium hat wegen der höchst umstrittenen Siedlungspläne im Westjordanland den israelischen Botschafter einbestellt. Grund für die Einberufung sei die Entscheidung der Regierung um Benjamin Netanjahu gewesen, den Bau einer großen Siedlung in dem Gebiet zu genehmigen. Das teilte das Außenministerium in einer Mitteilung mit.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern




Gaza-Behörde meldet dutzende Tote innerhalb von 24 Stunden
Update, 18.01 Uhr: Nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörde im Gazastreifen, sind in den vergangenen 24 Stunden mindestens 70 Menschen im Palästinensergebiet getötet worden. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf die Palästinenserorganisation Fatah berichtete, sollen alleine acht Menschen in einem Haus in Sabre (Vorort von Gaza-Stadt) getötet worden sein. Die Fatah gilt als gemäßigter
Update, 16.11 Uhr: Die israelische Armee ordnete die Evakuierung von Krankenhäusern im nördlichen Gazastreifen an. Medizinisches Personal und internationale Organisationen sollen sich „auf eine Evakuierung der Bevölkerung in den südlichen Gazastreifen vorbereiten“, teilte die Armee am Donnerstag mit.
Die Verantwortlichen wurden aufgefordert, die Verlagerung von Krankenhausausrüstung in den Süden zu planen. Dort werde ihnen ein „Feldlazarett oder ein anderes Krankenhaus“ zur Verfügung gestellt, erklärte die Armee.
Israelischer Staatsbürger aus dem Libanon befreit – Umstände des Vorfalls weiter unbekannt
Update, 13.11 Uhr: Ein israelischer Staatsbürger, der ein Jahr lang im Libanon festgehalten wurde, ist israelischen Angaben zufolge zurück in seiner Heimat. Libanons Behörden hätten den arabischen Israeli übergeben, teilte das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu mit. Aus dem Libanon gab es dafür zunächst keine Bestätigung.
Über das Schicksal des Mannes und wie er ins Nachbarland gelangt ist, wurde zunächst nichts bekannt. „Die Umstände des Vorfalls werden derzeit von den Sicherheitskräften untersucht“, hieß es in der Mitteilung aus Netanjahus Büro. Demnach war der Mann im Libanon inhaftiert. In den vergangenen Monaten habe es in seinem Fall Verhandlungen gegeben, das Rote Kreuz habe diese unterstützt, hieß es weiter.
Update, 12.25 Uhr: Israels jüngste Pläne, die Kämpfe auszuweiten und Gaza einzunehmen, sorgen für heftige Kritik. Das Rote Kreuz verurteilte laut dem britischen Guardian den Plan am Donnerstag als „unerträglich“. Die humanitäre Organisation der Vereinten Nationen hat gewarnt, dass der israelische Plan zur Ausweitung der Militäroperationen in Gaza-Stadt „entsetzliche humanitäre Auswirkungen“ auf die bereits erschöpfte Bevölkerung haben würde.
Vor Bodenoffensive in Gaza: Israel bombardiert Stadt und Außenbezirke
Update, 10.45 Uhr: Vor der neuen Bodenoffensive in Gaza habe Israel die Stadt und ihre Außenbezirke bombardiert, berichteten Einwohner laut Guardian am Donnerstag. Der aktuelle Plan der israelischen Regierung sieht die Einberufung von rund 60.000 Reservisten vor. „Wir warten nicht. Wir haben mit den vorbereitenden Maßnahmen begonnen, und bereits jetzt halten IDF-Truppen die Außenbezirke von Gaza -Stadt“, hieß es in einer Erklärung des israelischen Militärs am Donnerstag.
Update, 10.20 Uhr: Wie die Times of Israel berichtet, bezeichnen israelische Streitkräfte es als „Misserfolg“, dass es Hamas-Kämpfern am Mittwoch gelungen ist, in ein Armeelager im südlichen Gazastreifen Khan Younis einzudringen. Die Männer sind dabei auch in ein Gebäude vorgedrungen, in dem Truppen stationiert waren. Den Soldaten gelang es jedoch, sich zu wehren und den Angriff erfolgreich abzuwehren. Die Kämpfe im Lager dauerten laut Ermittlungen der israelischen Armee kaum zehn Minuten, bevor die Bewaffneten versuchten, in einen Tunnel zu fliehen. Auch Drohnen und Hubschrauber der israelischen Luftwaffe wurden eingesetzt.
Update, 9.59 Uhr: Abseits der Offensive in Gaza hat die Marine des Irans rund zwei Monate nach dem Krieg mit Israel ein Großmanöver begonnen. An dem zweitägigen Drill am Golf von Oman nehmen Kriegsschiffe, U-Boote und Küsteneinheiten teil, wie der staatliche Rundfunk berichtete. Ein Schwerpunkt der Militärübung seien Tests von Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen.
Israel hatte im Juni zwölf Tage lang Krieg gegen den Iran geführt und gemeinsam mit den USA zentrale Atomanlagen bombardiert. Der Iran reagierte mit Raketenangriffen. Irans Marine war bei den landesweiten Luftangriffen weitgehend verschont geblieben. Seit Inkrafttreten einer Waffenruhe herrscht eine Angespanntheit in dem Land mit knapp 90 Millionen Einwohnern.
Update, 9.50 Uhr: Der Guardian berichtet, dass Großbritannien daran arbeitet, neun Studenten, die über Vollstipendien für britische Universitäten verfügen, aus Gaza zu evakuieren. Der Durchbruch sei das Ergebnis monatelanger Lobbyarbeit und Kampagnen von über 100 Abgeordneten, Universitätsleitern und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen, so die Zeitung. Insgesamt haben über 80 palästinensische Studierende Angebote britischer Universitäten erhalten, darunter 40 Vollstipendien.
Aktuelle Lage in Gaza: Hilfswerk warnt vor neuer Offensive im Gazastreifen – und hofft auf Waffenruhe
Update, 9.27 Uhr: Das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten veröffentlichte auf X eine Nachricht, in der es vor dem Hintergrund der neuen Gaza-Offensive Israels erneut zu einem Waffenstillstand im Gazastreifen aufruft. „Statt zu lernen, verbringen Kinder ihre Zeit mit der Suche nach Wasser und Nahrung“, hieß es in einem Beitrag auf X. „Kinder brauchen dringend einen Waffenstillstand, damit sie wieder lernen und eine neue Verbindung zu dem aufbauen können, was von ihrer Kindheit übrig geblieben ist.“
Update, 9.15 Uhr: Laut Times of Israel kam es am Donnerstagmorgen zu Schießereien in einer Siedlung im nördlichen Westjordanland. Die israelischen Streitkräfte (IDF) geben an, einen „Sicherheitsvorfall“ in der Nähe der Siedlung Malachei Hashalom im nördlichen Westjordanland zu untersuchen. Medien berichten von einer Schießerei auf israelische Hirten in der Nähe der Siedlung, bei der ein 20-Jähriger leicht verletzt wurde.
Erstmeldung: Tel Aviv/Gaza – Bis zuletzt hatte es wegen eines möglichen Einsatzes der israelischen Armee im Gazastreifen internationale Kritik gegeben, nun haben die Truppen nach eigenen Angaben die „nächste Phase des Krieges“ eingeleitet. Wie Armeesprecher Effie Defrin erklärte, würden seine Soldaten jetzt die Außenbezirke der Stadt Gaza halten. „Vorbereitenden Maßnahmen“ zur geplanten Einnahme der gesamten Stadt liefen bereits am Morgen. Laut israelischen Beamten sollen die detaillierten Militärpläne zur vollständigen Einnahme der Stadt, in der sich Schätzungen zufolge derzeit rund eine Million Menschen aufhalten, in den nächsten Tagen vom Sicherheitskabinett abschließend gebilligt werden, wie das Wall Street Journal berichtete.
Trotz des neuen Einsatzes im Gazastreifen wird seit Tagen um einen Waffenstillstand mit der Hamas gerungen. Inmitten der angespannten Lage hat sich Israels Oppositionsführer Yair Lapid zu Wort gemeldet und versprochen, dass seine Partei jedes Geiselabkommen unterstützen werde, während die rechtsextremen Partner von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schwören, sich dem Israel vorgelegten Waffenstillstandsabkommen zu widersetzen. „Ich erinnere Netanjahu daran, dass ich für jeden Geiseldeal ein Sicherheitsnetz von 24 Stimmen habe“, postet Lapid am Donnerstagmorgen auf X. „Er muss nicht einmal etwas dafür geben, er muss sie nur nach Hause bringen.“
UN-Generalsekretär António Guterres fordert derweil einen sofortigen Waffenstillstand im Gazastreifen, nachdem Israel die ersten Schritte einer Operation zur Rückeroberung der Stadt Gaza angekündigt hat. „Es ist von entscheidender Bedeutung, sofort einen Waffenstillstand in Gaza zu erreichen“, um Tod und Zerstörung zu vermeiden, die eine Militäroperation gegen Gaza-Stadt mit sich bringen würde, sagt Guterres in Japan, wo er an einer Konferenz zur afrikanischen Entwicklung teilnimmt.
Aktuelle Lage in Gaza: Sorgen um Geiseln – Waffenstillstand mit Hamas in weiter Ferne
Israels Militäreinsatz in Gaza schürt nun Befürchtungen, dass ein Waffenstillstand mit der Hamas und die Freilassung der Geiseln in weite Ferne rücken könnte. Dabei hatte die islamistische Terrororganisation am Montag erklärt, sie habe den Vermittlern eine „positive Antwort“ auf einen neuen Vorschlag für eine Waffenruhe vorgelegt. Die Ankündigung der israelischen Armee, mit der Einnahme der Stadt Gaza mit ihren fast eine Million Bewohnern zu beginnen, und Netanjahus Absicht, dies zu billigen, sei eine „Missachtung“ der Bemühungen der Vermittler um eine Waffenruhe, erklärte die Hamas.
Medienberichten nach handelt es sich bei dem jüngsten Vorschlag für eine Waffenruhe um eine fast identische Fassung eines zuvor bereits verhandelten Vorschlag des US-Sondergesandten Steve Witkoff. Dieser sieht eine 60-tägige Feuerpause vor, während der zehn lebende Geiseln im Gegenzug für palästinensische Häftlinge freigelassen werden. Insgesamt befinden sich in Gaza noch 50 Geiseln, von denen noch mindestens 20 am Leben sein sollen.
Die Angehörigen der verbleibenden Hamas-Geiseln befürchten das Schlimmste. Militärischer Druck rette Geiseln nicht, sondern töte sie, sagte der Vater eines Entführten bei einer Demonstration im Grenzgebiet zum Gazastreifen. Macabit Mayer, die Tante zweier nach Gaza entführter Zwillingsbrüder, warf Ministerpräsident Netanjahu vor, Zehntausende weiterer Reservisten für eine „sinnlose Mission“ rekrutiert zu haben, die „unsere Liebsten und sie selbst in Gefahr bringt.“
Im Vorfeld des Einsatzes in Gaza erklärte Armeesprecher Defrin, man werde die Bewohner der Region warnen und ihre Evakuierung ermöglichen. Laut Medien sollen die Hunderttausenden Zivilisten in Zeltquartiere weiter im Süden evakuiert werden. Die Bevölkerung werde dabei aber möglicherweise nicht kooperieren, „weil sie keinen Ort hat, wohin sie gehen kann“, zitierte das «Wall Street Journal» den pensionierten israelischen General Israel Ziv. „Das wird chaotisch werden“. (red mit Agenturen)
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