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Beschluss des Koalitionsausschusses

Stromsteuer: Keine Senkung - Kritik an Union und SPD

Dass die Stromsteuer nicht auch für Privathaushalte gesenkt wird, sorgt für viel Kritik. CDU, CSU und SPD verweisen auf andere Entlastungen.

Berlin – Bei dem Spitzentreffen der rot-schwarzen Koalition im Kanzleramt am 3. Juli lagen zahlreiche Themen auf dem Tisch. Schon Tage zuvor beherrschte jedoch fast ausschließlich die geplante Stromsteuersenkung die Schlagzeilen wie auch die öffentliche Diskussion.

Das Ergebnis des Treffens: Es bleibt dabei, dass die Stromsteuer im nächsten Jahr erst einmal nur für Teile der Wirtschaft gesenkt werden soll. Privathaushalte gehen jedoch mit Blick auf den Strompreis nicht komplett leer aus, da die Koalition die Verbraucherinnen und Verbraucher weiterhin über die Netzentgelte entlasten will. Dennoch hagelt es Kritik an CDU/CSU und SPD.

Nach dem Spitzentreffen spricht etwa der Sozialverband Deutschland von einem „fatalen Signal“. Gerade in Zeiten hoher Lebenshaltungskosten bräuchten die Verbraucher spürbare Entlastungen, so die SoVD-Vorsitzende Michaela Engelmeier. Die Regierung begründet ihre Entscheidung mit der finanziellen Lage. Auch darauf hat Engelmeier eine Antwort.

In ihrem Koalitionsvertrag hatten sich CDU, CSU und SPD darauf geeinigt, die Stromsteuer für alle zu senken. Privathaushalte und die meisten Betriebe sind allerdings doch weiter davon ausgenommen. Das sorgt für Kritik. (Archivfoto)

Grünen werfen Merz wegen Stromsteuer-Entscheidung Wortbruch vor – „Bürger merken sich das“

Die Sozialverbands-Chefin sagte wörtlich: „Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz sagt, es gehe nicht mehr, weil das Geld fehle, sei daran erinnert: Klimaschädliche Subventionen wie Diesel- und Dienstwagenprivilegien kosten den Staat jedes Jahr rund 23,5 Milliarden Euro.“ Sie forderte: „Hier könnte man ansetzen, statt erneut die Menschen mit kleinen Einkommen im Stich zu lassen.“

Auch die Grünen sind empört; die Fraktionschefin im Bundestag, Britta Haßelmann, sprach im Zusammenhang mit der Stromsteuer-Entscheidung von einem „gebrochenen Wahlkampfversprechen“ des Bundeskanzlers. Man habe den Menschen konkrete Entlastungen versprochen, sagte sie der ARD. Jetzt heiße es, „dafür ist kein Geld da, vielleicht irgendwann“. Das sei „falsch gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern und die merken sich das, da bin ich ganz sicher“, so die Grünen-Politikerin.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Nicht nur für Privathaushalte, sondern auch für die meisten Betriebe bleibt eine Absenkung der Stromsteuer aus – anders als im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Koalition vorgesehen. Viele Handwerksbetriebe hätten der Zusage vertraut und sie in ihre Planungen einbezogen, heißt es vom Zentralverband des Deutschen Handwerks. Zumal das auch über den Koalitionsvertrag hinaus immer wieder versprochen worden sei.

Kritik auch aus der CDU/CSU selbst: „Stromsteuer-Senkung für alle“ war „zentrales Versprechen“

„Wenn zentrale, mehrfach zugesagte Entlastungen nicht kommen, während gleichzeitig teure politische Projekte umgesetzt werden, gerät bei den Betrieben das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit politischen Handelns insgesamt ins Wanken“, so Handwerkspräsident Jörg Dittrich über die Stromsteuer-Entscheidung.

Auch aus der Union selbst kommt Kritik an der Stromsteuer-Entscheidung. Die Koalition habe nicht nur die Aufgabe, Deutschland wieder voranzubringen, sondern auch verlorenes Vertrauen in die Politik wiederherzustellen. „Die Stromsteuer-Senkung für alle war ein zentrales Versprechen unserer Kampagne, von dem ich erwartet hatte, dass wir das auch eins zu eins so umsetzen“, sagte der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, Dennis Radtke, der Bild-Zeitung.

Letzte Kabinettssitzung und Koalitionsausschuss: Welche Entlastungen wann geplant sind:

  • Die ausgeweitete Mütterrente soll zum 1. Januar 2027 statt 2028 starten (rückwirkende Auszahlung im Fall von späterem Start aus technischen Gründen geplant)
  • Die Aktivrente, Frühstartrente sowie Betriebsrentenstärkungsgesetz werden im Herbst im Kabinett beschlossen und sollen (mit Ausnahme der Frühstartrente) zum 01. Januar 2026 umgesetzt werden.
  • Das Absicherungsniveau der Rente soll garantiert bis 2031 bei 48 Prozent stabilisiert werden. Die Renten sollen dadurch nicht hinter der Lohnentwicklung in Deutschland zurückfallen.
  • Entlastungen bei den Netzentgelten sowie die Abschaffung der Gasspeicherumlage für Gaskunden zum 1. Januar 2026
  • Die Stromsteuer soll 2026 für die Industrie, Land- und Forstwirtschaft gesenkt werde

Im Ergebnispapier rechnen Union und SPD vor, was ihre Pläne (die Rentenpläne ausgenommen) bringen: In der Jahreswirkung kommen sie auf eine Entlastung von rund 10 Milliarden Euro für Verbraucher sowie die Wirtschaft. Alle Verbraucher würden um bis zu 3 Cent pro kWh entlastet. Für eine vierköpfige Familie seien das bis zu 100 Euro pro Jahr. Laut Koalitionsvertrag sollen es allerdings fünf Cent pro kWh sein.

Entlastung bei Strompreis: Miersch, Bas und Spahn vertrösten bei Stromsteuer auf späteren Zeitpunkt

Die Bundesregierung verteidigt sich gegen die Kritik im Zusammenhang mit der Stromsteuer-Entscheidung. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sagte im Deutschlandfunk, man habe im Koalitionsvertrag auch geschrieben, „dass alles unter dem Finanzierungsvorbehalt steht.“ Die Koalition habe sich entschieden, das produzierende Gewerbe zu entlasten, weil es um den Erhalt der Arbeitsplätze gehe. Die Stromsteuersenkung habe, sofern sich Spielräume ergeben, jedoch weiter Priorität, so Miersch.

Die neue SPD-Vorsitzende und Arbeitsministerin Bärbel Bas verwies in der ARD ebenfalls auf die Wirtschaft. Der Koalition sei wichtig gewesen, erst einmal Arbeitsplätze zu sichern und die Wirtschaft anzukurbeln. Das Wahlversprechen sei noch nicht gebrochen. „Wir haben das klare Ziel, auch die Verbraucher noch weiter zu entlasten“, versicherte Bas.

Die Bundesregierung verspricht, dass die Stromsteuer früher oder später für alle gesenkt werden soll. (Archivbild)

CSU-Chef Söder überrascht mit Stromsteuer-Ankündigung

Auch die Union bekennt sich weiter zu diesem Vorhaben, wie Fraktionschef Jens Spahn in der ARD deutlich machte. Wichtig seien aber auch solide Finanzen. Sobald es mehr finanzielle Möglichkeiten gebe, folgten die nächsten Schritte, so Spahn, der sich zuvor selbst für deutliche Entlastungen bei den Stromkosten eingesetzt hatte.

Wann die Stromsteuer tatsächlich auch für alle Betriebe sowie für Privatpersonen gesenkt wird, steht noch nicht fest. Überraschend gab der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Markus Söder bekannt, dass bis Januar 2027 ein Plan vorgelegt werden soll, ab wann die Senkung kommt – und wie sie finanziert wird. Ziel sei es dann, die Stromsteuer für alle zu senken, verspricht auch Söder heute vor Journalisten. (grmo)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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