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„Schattenkriegstaktik“

Straße von Hormus wird zum Pulverfass: USA weitgehend machtlos – und Putin profitiert

Der Iran setzt auf Drohnen, Minen und Blockaden in der Straße von Hormus – und bringt den Westen in Bedrängnis. Für Putin könnte der Konflikt kaum günstiger kommen.

Der Iran-Krieg spitzt sich weiter zu: Nach neuen Zwischenfällen in der Straße von Hormus verengt sich der Handlungsspielraum für die USA – und für Europa. Die Lage sei „ernst bis besorgniserregend“, sagte Marin Kröger, Hauptgeschäftsführer vom Verband Deutscher Reeder. Ihm zufolge sind derzeit rund 30 deutsche Schiffe in der Region unterwegs. „Beschossen wurden ungefähr 20. Bisher ist nur ein Fall bekannt, wo auch ein deutsches Schiff tatsächlich Schaden genommen hat“, sagte er.

Der Iran-Krieg und die Angriffe auf die Straße von Hormus hat enorme Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Russlands Präsident Wladimir Putin kommt das gelegen.

Die US-Marine ist in der Straße von Hormus derweil zwar präsent, angesichts der Angriffsstrategie ihrer Gegner weitgehend machtlos. Immer öfter werden unbemannte Boote oder Drohnen in der Meerenge eingesetzt, um aus sicherer Entfernung zu attackieren, berichtet etwa die Welt. Zugleich berichtet Reuters, der Iran habe mit der Verminung des Gebiets begonnen. Diese sogenannte „Schattenkriegstaktik“ erschwert eine klare Zuordnung der Angriffe – und lässt die militärische Überlegenheit der USA stumpf wirken.

Iran-Krieg: Straße von Hormus wird zum Pulverfass – Merz lehnt Geleitschutz ab

Der Iran nutzt die geografische Enge der Region und die hohe Abhängigkeit des Westens von den Transportwegen, um politischen Druck aufzubauen. Außerdem rief der neue oberste Mullah-Führer zu einer fortgesetzten Blockade der Straße von Hormus auf. „Der Hebel der Blockade der Straße von Hormus muss auf jeden Fall genutzt werden“, hob Modschtaba Chamenei in seiner am Donnerstag von einer Journalistin des iranischen Staatsfernsehens verlesenen Ansprache hervor.

Bundeskanzler Friedrich Merz sieht derzeit jedoch keinen Anlass für einen internationalen Militäreinsatz zum Schutz von Handelsschiffen in der Straße von Hormus. Der CDU-Chef kritisierte bei seinem Besuch in Norwegen, dass weiterhin keine Strategie erkennbar sei, wie der Krieg der USA und Israels gegen den Iran zu Ende gebracht werden solle. „Die Fragen sind ja auch nicht wirklich beantwortet. Im Augenblick gibt es aus meiner Sicht deswegen auch keine Veranlassung, über eine militärische Absicherung der Seewege nachzudenken“, sagte Merz auf die Frage nach seiner Haltung zu einer solchen Mission und einer möglichen deutschen Beteiligung.

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Der Iran-Krieg beginnt am 28. Februar 2026 mit Angriffen aus Israel und den USA auf Teheran. Noch am ersten Tag wird auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Seit dem Angriff hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion ausgeweitet. © AFP
Iran-Krieg - Iran
Immer wieder schlagen Raketen in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Umgebung ein. Die Menschen vor Ort berichten von zitternden Fenstern, in sozialen Medien kursieren Bilder von Rauchschwaden. In Teheran leben rund 15 Millionen Menschen.  © Vahid Salemi/dpa
Angriff auf den Iran - Iran
Präzisionsschläge auf relevante militärische Ziele – erstmals auch mit Drohnen, die von den Shaheds kopiert worden sind: „LUCAS kostet etwa 35.000 US-Dollar pro Plattform und ist ein kostengünstiges, skalierbares System, das modernste Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher US-Langstreckensysteme mit vergleichbarer Wirkung bietet“, sagt der Marineoffizier Tim Hawkins gegenüber dem Magazin The War Zone (TWZ). US-Präsident Trump hat sich für den Angriff gegen den Iran vermutlich von den Waffen seines Gegners inspirieren lassen: Erstmals haben die USA Kamikaze-Drohnen eingesetzt, veröffentlicht das „US Central Command“ (CENTCOM).  © dpa
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Die Angriffe gehen ohne Unterlass weiter. Dieses Standbild aus einem vom U.S. Central Command zur Verfügung gestellten Video zeigt den Start einer Rakete von einem Schiff der U.S. Navy zur Unterstützung der Operation „Epic Fury“. © dpa
Raketenabwehrsystem Iron Dome
Der Iran antwortet mit Gegenangriffen auf Israel. Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt zahlreiche Geschosse ab. Über Tel Aviv kommt es zu entsprechenden Explosionen. © Jack Guez/AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Auch am Tag feuert das israelische Luftabwehrsystem, um Raketen während eines iranischen Angriffs abzufangen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
Dennoch kommt Israel nicht ungeschoren davon. Hier verbinden Rettungskräfte einen verwundeten Mann und leisten erste Hilfe am Ort eines direkten Einschlags einer iranischen Rakete in Tel Aviv. © Tomer Neuberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
An einer anderen Stelle in Tel Aviv ist ein Feuerwehrmann dabei, ein brennendes Auto zu löschen. © Tomer Neuberg/dpa
USA Iran
Dieses offizielle Foto des Weißen Hauses, veröffentlicht am 28. Februar 2026 auf dem Account „White House X“, zeigt US-Vizepräsident JD Vance (Mitte), die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, Tulsi Gabbard (zweite von links), und US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) im Lagezentrum in Washington, D.C. © AFP
Trump Iran
Ein weiteres offizielles Foto des Weißen Hauses zeigt Donald Trump im Gespräch mit Stabschefin Susie Wiles (rechts), während US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) die Aktivitäten der „Operation Epic Fury“ gegen den Iran von einem nicht genannten Ort aus überwacht. „Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot“, schrieb Trump später auf „Truth Social“. © AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Was ist das Ziel der Operation Epic Fury (Einsatz Gewaltiger Zorn)? US-Präsident Trump begründet die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm und mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Durch beides sieht Israel seine Existenz bedroht. Daneben will Trump aber auch die USA vor „direkten Bedrohungen“ durch den Iran schützen. © Leo Correa/dpa
Un-Sicherheitsrat
Der US-Angriff ruft die Vereinten Nationen auf den Plan: Der Sicherheitsrat ist zu einer Notfall-Sitzung zusammengekommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte die Botschafter, die Aktion berge die Gefahr, „eine Kette von Ereignissen auszulösen, die in der instabilsten Region der Welt niemand mehr kontrollieren kann“, wie die UN berichten. Israels Botschafter Danny Danon hatte die Angriffe als gerechtfertigt dargestellt und als einen notwendigen Akt, um eine existenzielle Bedrohung abzuwehren. © Spencer Platt/AFP
Minab-Mädchenschule
Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach den Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Iran mit fast 200 Toten eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren nach iranischen Angaben mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen. Vertreter des israelischen Militärs hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt.  © Ali Najafi/AFP
Proteste in London
Weltweit gehen noch am ersten Abend des Iran-Kriegs Exil-Iranerinnen und -Iraner auf die Straßen und feiern den Tod von Ajatollah Chamenei. Dieses Bild zeigt eine Demonstration vor der iranischen botschaft in London. © Vuk Valcic/Imago
Angriff auf den Iran - Berlin
Auch auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehen die Menschen spontan auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demo in der Türkei
Anders sieht es in der Türkei aus: Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul machen Demonstranten Donald Trump und Israel für die Eskalation verantwortlich. Sie protestierten gegen den Angriff auf den Iran und die Tötung von Ajatollah Chamenei, indem sie eine US-Flagge verbrennen. © Ozan Kose/AFP
Angriff auf den Iran - Indien
578889050.jpg © Mukhtar Khan/dpa
Angriff auf den Iran - Dubai
Der Iran-Krieg zieht auch die arabischen Länder mit in den Konflikt hinein. Mit Hunderten Raketen und Drohnen greift der Iran seit Ende Februar unter anderem Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Hier steigt Rauch nach einem iranischen Drohnenangriff im Hafengebiet von Dubai auf. © Fatima Shbair/dpa
Angriff auf den Iran – Katar
Folgen der Rache des Iran: Die USA betreiben in al-Udeid eine Militärbasis. Die liegt im Fokus des Iran – allerdings befindet sich rund 30 Kilometer entfernt die Stadt Doha; und die wird kaum durch die Luftabwehr der US-Basis abgedeckt.  © dpa
Iran-Krieg - reaktionen
US-amerikanisch-israelische Luftschläge – Schockwellen in der gesamten Welt: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hätten Demonstranten im pakistanischen Karatschi vor dem Konsulat „Tod Amerika! Tod Israel!“ skandiert; Reuters-Reporter hätten Schüsse gehört und in den umliegenden Straßen Tränengas wahrgenommen. Die Nachrichtenagentur spricht von mindestens 23 getöteten Demonstranten; davon zehn im Hafen von Karatschi, wo Sicherheitskräfte des US-Konsulats gefeuert hätten auf Demonstrierende nach deren Durchbruch durch die äußere Mauer. Elf Menschen seien demnach in der nördlichen Stadt Skardu ums Leben gekommen – die Menge soll ein UN-Büro in Brand gesetzt haben; zwei Tote verzeichnet Reuters in Pakistans Hauptstadt Islamabad. © Imago
Weitere Bilder der Straßenschlachten, die sich in Teilen Pakistans nach dem US-Angriff auf den Iran ereigneten.
Explosionen im Iran, Beben in Pakistan: „Pakistans Westgrenzen befinden sich im Kriegszustand“, sagt Muzzammil Aslam gegenüber Arab News. Der Finanzminister der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan fürchtet wirtschaftliche Verwerfungen, sollte der Iran seine Rachegelüste gegenüber dem Westen ausleben und damit den gesamten Nahen Osten in den Abgrund reißen. Die Wirtschaftskraft des Landes hängt an den Arbeitern in den Golfstaaten, die im Visier des Iran liegen und Anschläge auf ihre Energieindustrie befürchten müssen.  © dpa
Angriff auf den Iran - Irak
578899115.jpg © Hadi Mizban/dpa
Beirut
Der Iran-Krieg führt auch zu einer neuen Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah. Die Schiiten-Miliz feuert als Reaktion auf die Tötung von Ajatollah Ali Chamenei Raketen in Richtung Israel ab. Daraufhin greift das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon an, vor allem im Süden des Landes und in den Vororten der Hauptstadt Beirut (im Bild). Diese Gebiete gehören zum Einflussgebiet der Hisbollah. © AFP
Angriff gegen den Iran - Luftverkehr
Der Iran-Krieg legt zu Beginn auch den Flugverkehr teilweise lahm. Hier prüft ein Reisender die Abflugzeiten am internationalen Flughafen Beirut Rafik Hariri, da viele Fluggesellschaften nach den Angriffen auf den Iran ihre Flüge gestrichen haben.  © Hassan Ammar/dpa
Stra0ße von Hormus
Dieses Satellitenbild, aufgenommen von 2026 Planet Labs PBC am 2. März 2026, zeigt Rauchwolken, die nach einer Explosion im Hafen von Bandar Abbas an der Straße von Hormus von einem Schiff aufsteigen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft, ist weitgehend zum Erliegen gekommen.  © 2026 Planet Labs PBC/AFP

Um den Ölpreisschock zu mildern, hatte US-Präsident Donald Trump zuletzt Öltankern in der Straße von Hormus Geleitschutz in Aussicht gestellt. Passiert ist bislang aber noch nichts. Lediglich eine Falschmeldung des US-Energieministers sorgte für einen kurzen Preisnachlass.

Iran-Russland-Achse: Putin hilft Teheran – und spielt den großzügigen Retter

Das Mullah-Regime in Teheran profitiert zudem davon, dass Russland westliche Sanktionen umgeht – etwa durch gemeinsame Öltransporte und den Aufbau alternativer Zahlungsstrukturen. Damit schwächen sie gemeinsam die Wirksamkeit der westlichen Wirtschaftspolitik. Ohnehin ist der international größtenteils isolierte Wladimir Putin auf seine wenigen Partner angewiesen. Fällt nach dem syrischen jetzt auch das iranische Regime, bricht ein weiterer Verbündeter weg. Daher versorgt Russland den Iran auch mit militärischen Informationen.

Doch in der Zwischenzeit kann sich Putin als Retter in der Not inszenieren – auch in Europa. Man sei bereit, mit den europäischen Ländern in Bezug auf Öl und Gas zusammenzuarbeiten, hieß es aus Moskau. Man benötige allerdings entsprechende „Signale“, zitiert die Tagesschau den russischen Präsidenten.

Ein weiterer Vorteil für Putin: Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs tritt sein Ukraine-Krieg zunehmend in den Hintergrund. Friedensgespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA sollten eigentlich in Kürze wieder aufgenommen werden, doch jetzt liegt der außenpolitische Fokus der Trump-Regierung gänzlich auf Teheran. Putin dürfte das recht sein. Denn der 73-Jährige spielt nur zu gerne auf Zeit, in der Hoffnung, dass seine Truppen derweil weiteres Land in der Ukraine annektieren.

USA lockern Öl-Sanktionen wegen des Iran-Kriegs – und Russland pocht auf mehr

Doch damit nicht genug: Aufgrund der stark angestiegenen Energiepreise lockern die USA vorübergehend ihre Öl-Sanktionen gegen Russland. Der Verkauf von russischem Öl, das bereits auf Schiffe verladen wurde, werde bis zum 11. April erlaubt, teilte das US-Finanzministerium mit. Merz kritisierte die Maßnahme der Trump-Regierung.

Kreml-Berater Kirill Dmitriew erklärte hingegen mit Blick auf die Lockerung der US-Sanktionen, Washington sei zur Einsicht gelangt, „dass ohne russisches Öl der globale Energiemarkt nicht stabil bleiben kann“. Eine weitere Lockerung der Sanktionen gegen den russischen Energiesektor sei „zunehmend unvermeidlich“. (Quellen: Tagesschau, dpa, AFP, Welt, Reuters) (nak)

Rubriklistenbild: © Montage: The Visible Earth/NASA/dpa Pavel Bednyakov/dpa/Pool AP

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