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Sanktionen gelockert

Putins stiller Gewinn: Trump öffnet für Russland die Öl-Hintertür – Merz über Taktik besorgt

Merz sagt Nein, doch Trump entscheidet: Die Öl-Sanktionen gegen Russland werden wegen des Iran-Krieges gelockert. Der Bruch im Verhältnis ist unübersehbar.

Der Besuch war höflich, die Ergebnisse mager: Als Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vergangene Woche im Weißen Haus auf Donald Trump traf, verließ er Washington ohne klare Antworten: Wie will Trump den Iran-Krieg beenden? Welche Rolle spielen die europäischen Verbündeten dabei? Nun, wenige Tage später, liefert Washington eine Antwort – allerdings keine, die Berlin beruhigen dürfte. Die USA lockern Handelssperren für russisches Öl, obwohl sechs der sieben G7-Partner dies ausdrücklich abgelehnt hatten. Für Merz dürfte es ein weiteres Signal sein, dass die Schutzmacht weniger Wert auf Absprachen legt. Die Zweifel an der Kriegstaktik des großen NATO-Bruders sind jedenfalls nicht geringer geworden.

Haben unterschiedliche Meinungen zu den Russland-Sanktionen: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und US-Präsident Donald Trump.

In der Nacht zu Freitag hatte US-Finanzminister Scott Bessent auf X bekannt gegeben, dass Länder zeitweise russisches Öl kaufen dürften, das sich bereits auf Schiffen befindet – befristet bis zum 11. April. Hintergrund sind die durch den seit knapp zwei Wochen andauernden US-israelischen Krieg gegen den Iran drastisch gestiegenen Energiepreise. Laut Tagesschau übersprang der Ölpreis erstmals seit 2022 die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel.

Ölpreis-Schock im Iran-Krieg: Trump verärgert Merz wegen Russland-Sanktionen

Die vorübergehende Aussetzung der Sanktionen ist aus Sicht der USA alternativlos. Der innenpolitische Druck ist wegen der infolge des Iran-Krieges gestiegenen Spritpreise erheblich – mit Blick auf die Kongresswahlen fürchtet das Weiße Haus um US-Präsident Trump einen Verlust der Zustimmung in der Bevölkerung. Bessent bezeichnete den Schritt offiziell jedoch als Maßnahme zur Förderung der „Stabilität auf den globalen Energiemärkten“ angesichts der „Bedrohung durch das terroristische iranische Regime“, wie die Nachrichtenagentur dpa schreibt. Russland werde von der „eng gefassten“ Ausnahme nicht bedeutend profitieren, versicherte er.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ging sofort auf Distanz und ließ an seiner Haltung keinen Zweifel. „Jetzt Sanktionen zu lockern, aus welchen Gründen auch immer, das halten wir für falsch“, sagte er am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre auf der Insel Andøya – und reagierte damit ungewöhnlich scharf auf die Sanktionsentscheidung von Trump. Zuvor war der deutsche Kanzler immer eher mit leisen Tönen gegenüber Washington aufgefallen.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

Russland zeige weiterhin keine Bereitschaft, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden: „Wir werden deshalb und müssen den Druck auf Moskau weiter erhöhen.“ Der Kanzler räumte laut der Nachrichtenagentur dpa zwar ein, dass es „im Augenblick ein Preisproblem, aber kein Mengenproblem“ gebe – und signalisierte damit, dass er Washingtons wirtschaftliche Begründung nicht für hinreichend hält. Støre schloss sich klar an: Moskau sei am empfindlichsten im Bereich der Energie – genau dort mit einer Lockerung zu beginnen, sei falsch.

Besonders brisant: Noch am Mittwoch hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärt, die G7 hätten Sanktionslockerungen ausgeschlossen. Nach Spiegel-Informationen hatten alle anderen G7-Partner Trump bei einer Videokonferenz unmissverständlich signalisiert, dass angesichts der Freigabe strategischer Ölreserven kein Bedarf für Sanktionslockerungen bestehe.

Merz und G7 waren gegen Lockerung der Öl-Sanktionen

Merz fasste es nüchtern zusammen: „Es gab eine sehr klare Meinung von sechs Mitgliedern der G7, dass dies nicht das richtige Signal ist. Wir haben dann heute Morgen erfahren, dass sich die amerikanische Regierung offensichtlich anders entschieden hat.“ Trump habe klargemacht, so heißt es aus G7-Kreisen, dass er weder Hilfe wolle noch brauche – und entsprechend auch keine Abstimmung mit den Verbündeten.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte zuvor laut der Zeit noch auf X gewarnt: „Dies ist nicht der Moment, um Sanktionen gegen Russland zu lockern.“ Und auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte: „Wenn die Sanktionen gelockert werden, dann wird diese Aggression anerkannt.“ Das wäre „absolut ungerecht“.

Denn der eigentliche Profiteur sitzt in Moskau. Die Sanktionslockerung kommt ausgerechnet in einem Moment, in dem der westliche Druckapparat gegen den Angriffskrieg von Russland in der Ukraine zu greifen begann: Die USA hatten erst im Oktober Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil verhängt, begründet mit Putins Weigerung, den Krieg zu beenden.

Trotz Sanktionen: Putin füllt mit Öl-Geschäften seine Kriegskasse für den Ukraine-Feldzug

Laut einer von der Zeit veröffentlichten CREA-Analyse hat Russland seit Beginn des Iran-Kriegs bereits rund 6,8 Milliarden Dollar Ölprofite eingestrichen – Einnahmen, die den Krieg gegen die Ukraine mitfinanzieren. In Moskau wurde die Entscheidung daher mit kaum verhohlener Genugtuung kommentiert: „Die USA erkennen faktisch das Offensichtliche an: Ohne russisches Öl kann der globale Energiemarkt nicht stabil bleiben“, schrieb Kremlgesandter Kirill Dmitrijew auf Telegram, wie t-online berichtet. Weitere Lockerungen seien unausweichlich – „trotz des Widerstands eines Teils der Brüsseler Bürokratie“.

Für Trump ist die Ölkrise nur kurzfristiger Natur. Der US-Präsident hatte bereits vorab erklärt, es gebe in Iran „fast nichts mehr anzugreifen“. Der Krieg gegen das Mullah-Regime sei in wenigen Tagen beendet. Doch die Siegesgewissheit aus Washington trifft in Berlin auf Nüchternheit: Denn in der Bundesregierung zweifelt man nicht nur an der Iran-Strategie, sondern auch an den gemeldeten militärischen Erfolgen.

Mullah-Regime vor Sturz? In Merz-Regierung bezweifelt man Erfolge im Iran-Krieg

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) soll im Kabinett vorgetragen haben, der Iran könne den Krieg noch mehrere Monate in dieser Intensität führen. Beim BND lägen Erkenntnisse vor, dass das Raketenarsenal der Revolutionswächter weder erschöpft noch weitgehend zerstört sei – westliche Geheimdienste gingen vor Kriegsbeginn von rund 4000 ballistischen Raketen aus. Ein Regimekollaps gilt in Berlin als unwahrscheinlich. Das berichtete der Spiegel am Freitag unter Berufung auf Regierungskreise.

Auch die Wirksamkeit der Sanktionslockerung selbst wird laut dem Medienbericht skeptisch bewertet: Solange die Revolutionswächter die Straße von Hormus blockieren und Energieinfrastruktur in den Golfstaaten attackieren, dürfte jeder preisdämpfende Effekt schnell verpuffen, hieß es.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) versuchte zu beschwichtigen: Die Lockerungen seien „auf wenige Mengen beschränkt und auch zeitlich beschränkt“. Doch Trump deutete an, die Sanktionen möglicherweise nicht wieder in Kraft zu setzen. Merz formulierte deshalb schon einmal seine Antwort darauf klar: „Vor die Wahl gestellt, Sanktionen oder Solidarität, dann steht unsere Haltung fest: Wir stehen auf der Seite der Ukraine und sind auch bereit, notfalls eine solche Phase durchzustehen.“ (Quellen: dpa, afp, Zeit, tagesschau.de, t-online.de, Spiegel) (jenko)

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