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Rentenstreit in Berlin

Rentenpläne von Bas: Pflichtbeiträge für Beamte – Pro und Contra

Mehr Beitragszahler, mehr Entlastung: Das ist die Rechnung der SPD. Doch die Union sellt sich quer. Eine Debatte um die Beamtenrente ist entfacht.

Berlin – Eigentlich wollte sich die schwarz-rote Koalition unter Friedrich Merz (CDU) ihre Konflikte im Gegensatz zur Ampel-Koalition nicht öffentlichkeitswirksam austragen. Doch gleich zu Beginn der Legislaturperiode entzweien sich die Geister an der Zukunft der Rente.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) fordert, dass auch Beamte, Abgeordnete und Selbstständige in das gesetzliche Rentensystem einzahlen. Der Koalitionspartner CDU hält davon wenig. Auch der abgewählte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte eine Einbeziehung der Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung stets abgelehnt, da diese wegen der Sonderregeln für Staatsdiener nicht umsetzbar sei. Was spricht also für den Vorschlag von Arbeitsministerin Bas und was dagegen?

SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas will Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen lassen.

Rentenreform in Deutschland dringend geboten – Alte werden mehr, Junge weniger

Während über das Wie gestritten wird, ist allen Beteiligten klar: Die Rente ist eine tickende Zeitbombe, Reformen müssen her. Durch den demografischen Wandel wird die Zahl der Menschen im Rentenalter in den kommenden Jahren stark ansteigen.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge wird es im Jahr 2035 etwa vier Millionen Menschen mehr als jetzt geben, die älter als 67 Jahre sind. In der Folge wird ab den 2040er Jahren die Zahl der Menschen ab 80 Jahren steigen – und damit voraussichtlich auch der Pflegebedarf. Gleichzeitig werden bis dahin weniger Menschen arbeiten; die Zahl der Menschen im Erwerbsalter wird in den kommenden 15 Jahren um 1,6 bis 4,8 Millionen Menschen sinken.

Bas fordert Einbeziehung von Beamten in Rentensystem – Reformdruck durch Überalterung

Auf einen Rentner werden dann noch etwa 1,7 Beitragszahler kommen, derzeit liegt dieses Verhältnis noch bei 2,1 zu 1. Trotzdem bleibt es Aufgabe der Bundesregierung, den Lebensunterhalt im Alter adäquat zu sichern. Das nimmt die schwarz-rote Koalition ernst: Rentenkürzungen und eine Erhöhung des Renteneintrittsalters hat sie ausdrücklich ausgeschlossen.

Da die gesetzlichen Rentenzahlungen an die Lohnentwicklung gekoppelt sind, bekommen Rentner ab dem 1. Juli 2025 sogar mehr Geld. Die Altersbezüge steigen dann um 3,74 Prozent. Schon im nächsten Jahr werden die Jüngeren die Last dieser Politik zu spüren bekommen. Die Rentenbeiträge steigen dann von derzeit 18,6 auf 22,3 Prozent. Mit einem stabilen Rentenniveau wird sich dieser Trend fortsetzen.

Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die Komplette Liste in Bildern

Friedrich Merz
Das Kabinett Merz ist die seit dem 6. Mai 2025 amtierende Bundesregierung unter der Führung von Kanzler Friedrich Merz. Es handelt sich um die fünfte schwarz-rote Koalitionsregierung und die 17. Regierung unter Führung der Unionsparteien auf Bundesebene. © Michael Kappeler/dpa
Nina Warken
Nina Warken hat bereits Geschichte geschrieben: Als erste Frau wurde sie im Juli 2026 Chefin des Bundeskanzleramtes. Die bisherige Bundesgesundheitsministerin übernahm das Amt von Thorsten Frei – und damit die zentrale Koordinationsstelle der Regierungsarbeit.  © Christoph Soeder/dpa
Linnemann
Im Zuge des Personalumbaus hat der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Juli 2026 das Gesundheitsressort übernommen. Allerdings hat er vorab selbst Zweifel gesät, dass er wirklich der richtige Mann für den Job ist. Er wäre nach der Regierungsübernahme durch Merz gerne Arbeitsminister geworden, musste das Ressort aber der SPD überlassen. Dem Sender Phoenix hatte er im Mai 2025 zum Interesse an anderen Kabinettsposten gesagt, es sei nicht „sein Ding“, nur Minister zu sein, damit das irgendwo in Wikipedia stehe. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen.“  © Christoph Soeder/dpa
Steffen Bilger
Ebenfalls neu im Kabinett ist der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Er gilt als fachlich geeignet, ist sehr gut vernetzt, arbeitete in der schwarz-roten Koalition bislang aber vor allem im Hintergrund. Der gelernte Rechtsanwalt stammt aus Baden-Württemberg und ist ausgewiesener Verkehrsexperte: Er saß schon als frisch gebackener Bundestagsabgeordneter von 2009 bis 2013 im Verkehrsausschuss. Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Wiederwahl von Angela Merkel (CDU) 2017 war er als Vertreter der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur beteiligt. 2018 wurde er dann Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. © Marijan Murat/dpa
Sommerfest der SPD im Landkreis Verden
Und sonst? Lars Klingbeil ist als Vizekanzler weiter der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Eigentlich brennt er für die Außenpolitik und geprägt durch den familiären Hintergrund als Soldatensohn am Heeresstandort Munster für Verteidigung. Jetzt steht er dem Finanzressort vor. Für Klingbeil, der im konservativen SPD-Flügel zuhause ist, könnte es das Sprungbrett für eine Kanzlerkandidatur 2029 sein - auch wenn manchen in der Partei aufstößt, mit welcher Skrupellosigkeit er sich zuletzt seine Macht sicherte. © Focke Strangmann/dpa
Alexander Dobrindt
Innenminister ist Alexander Dobrindt. Der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag galt schon seit Wochen als gesetzt für den Posten, auf dem er die von der Union verlangte „Migrationswende“ umsetzen soll. Dobrindt war von 2009 bis 2013 CSU-Generalsekretär, danach vier Jahre Bundesverkehrsminister. Als CSU-Landesgruppenchef galt er als wesentlicher Faktor für die relativ geräuschlose Zusammenarbeit von CSU-Chef Markus Söder und Merz. © Sebastian Gollnow/dpa
Außenminister Wadephul bei der UN
Auswärtiges Amt: Johann Wadephul. Erstmals seit fast 60 Jahren führt die CDU wieder das Außenamt. Den Posten hat Merz, der im Kanzleramt maßgeblich auch die Außenpolitik mitgestalten will, nun an einen Fachpolitiker aus dem Bundestag vergeben. Wadephul kommt aus Schleswig-Holstein und ist bisher als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Er gilt als international gut vernetzt und war in den vergangenen Wochen bereits in Paris, London und Warschau, um sich mit den dortigen Außenministern zu treffen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsminister Pistorius besucht Objektschutzregiment
Verteidigungsminister Boris Pistorius war für die SPD gesetzt – schließlich ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Als er im November 2023 „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ für die Bundeswehr ausrief, legte der Niedersachse die Latte hoch. Seit der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse kann er sich über mangelnde Finanzierung nicht mehr beschweren. Der Jurist wurde in Osnabrück geboren, er arbeitete in mehreren niedersächsischen Regierungsstellen und war von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt („das schönste Amt der Welt“). In den zehn folgenden Jahren war er Innenminister von Niedersachsen. 2023 übernahm er das Verteidigungsministerium von Christine Lambrecht und gewann in kurzer Zeit die Anerkennung der Truppe und der Verbündeten. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bundeswirtschaftsministerin Reiche zu Energiekosten
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie ist Katherina Reiche. Lange galt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als wahrscheinlicher Minister – doch der sagte ab und blieb auf seinem Posten an der Spitze der Parteizentrale. Merz entschied sich dann für die frühere Umwelt- und Verkehrsstaatssekretärin Reiche aus Brandenburg. Sie ist seit vielen Jahren in der Wirtschaft und war von 2015 bis 2019 zunächst Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende war schon von 2018 bis 2021 als Staatsministerin für Digitales im Kabinett von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Bär kam 2002 zusammen mit vielen anderen jungen Christsozialen während der Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber erstmals in den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen das deutschlandweit höchste Ergebnis. © Heiko Becker/Imago
Aktionsplan Steuer- und Finanzkriminalität
Justiz: Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin begann 2000 im Bundesjustizministerium und stieg zur Referatsleiterin auf. 2008 ging sie nach Mainz: Erst in die Staatskanzlei, 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Strafrecht im Justizministerium. Hubig wurde 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war damals ihr Parteikollege Heiko Maas. Beide gerieten mit dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range aneinander: Dabei ging es um später eingestellte Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats. © Michael Kappeler/dpa
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Karin Prien – Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die in Amsterdam geborene Prien arbeitete zu Beginn ihrer Karriere als Rechtsanwältin im Bereich Wirtschafts- und Insolvenzrecht, engagierte sich aber auch früh in der Hamburger Lokalpolitik. 2011 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt, bevor sie nach Schleswig-Holstein wechselte. Im „Zukunftsteam“ des gescheiterten Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet war sie 2021 gleichfalls für den Bereich Bildung zuständig. © Jens Schicke/Imago
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bodenständig, geradlinig, klar: Als Bundestagspräsidentin hat sich Bärbel Bas einen guten Ruf erworben. Zuvor war die Duisburgerin einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie sitzt seit 2009 im Bundestag und kümmerte sich unter anderem um Gesundheitspolitik. Ihre unkomplizierte Art mag mit der Herkunft zu tun haben: Die neue Bundesministerin für Arbeit und Soziales wuchs als zweitälteste von sechs Geschwistern in materiell einfachen Verhältnissen auf. Spielen, so erzählte Bas später, musste sie als Kind draußen, weil im Kinderzimmer zu wenig Platz war. © Imago
Pressekonferenz Wildberger und Warken
Digitalisierung und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger. Merz hat ganz früh angekündigt, dass er einen Experten aus der Wirtschaft mit dem neu geschaffenen Ressort betrauen will. Nun soll der Chef der Holding der Elektronikmärkte MediaMarkt und Saturn den Posten übernehmen. Der promovierte Physiker Wildberger war von 2016 bis 2021 Vorstand der Holding des Energiekonzerns Eon und davor unter anderem in Managementpositionen bei den Telekom-Konzernen Vodafone und Deutsche Telekom. © Soeren Stache/dpa
Fortsetzung der Sommerreise von Bundesumweltminister
Umwelt und Klimaschutz: Carsten Schneider war in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz Staatsminister und Beauftragter für Ostdeutschland. Damit war er eine der profiliertesten Stimmen dieser Region und sollte vor allem für gleichwertige Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern sorgen. Schneider stammt aus Erfurt und sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Dort war er unter anderem Haushaltspolitiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Der 49 Jahre alte Bankkaufmann gilt als pragmatisch, erfahren und vielseitig einsetzbar.  © Stefan Sauer/dpa
90. Grüne Woche Berlin - Eröffnungstag
Ernährung, Landwirtschaft und Heimat: Alois Rainer. Nach dem Rückzug des zunächst vorgesehenen bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner ist der Niederbayer zum Zug kommen. Der 60 Jahre alte Metzgermeister sitzt seit 2013 im Bundestag. Schon sein gleichnamiger Vater saß 18 Jahre im Bundestag, seine Schwester ist die ehemalige Bundesbau- und Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt. © Sebastian Gollnow/dpa
Reem Alabali-Radovan
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Reem Alabali-Radovan hat eine steile politische Laufbahn hingelegt. Zuletzt war sie Integrationsbeauftragte der Ampel-Regierung. Nun folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Schwerinerin. Geboren wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie, die vor den politischen Verhältnissen im Irak floh, nach Mecklenburg-Vorpommern. Als Integrationsbeauftragte setzte sie sich unter anderem gegen Racial Profiling ein, also die verdachtsunabhängige polizeiliche Kontrolle von Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe und anderen ethnischen oder religiösen Merkmalen. Alabali-Radovan ist verheiratet mit dem Profiboxer Denis Radovan und bekam 2023 eine Tochter.  © Katharina Kausche/dpa
Verena Hubertz
Die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist eine politische Senkrechtstarterin: Verena Hubertz ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete und wurde direkt stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, zuständig unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen. Oft führte sie in der Ampel-Koalition Verhandlungen mit Politikern von Grünen und FDP, wenn es um strittige Fragen ging. Laute Töne sind nicht ihr Fall. Die Triererin und Betriebswirtin hat eine für Politiker eher ungewöhnliche Biografie. 2013 gründete sie mit einer Studienkollegin das Küchen-Start-up Kitchen Stories. Die Idee: in Videos und Schritt für Schritt zu zeigen, wie einfach Kochen sein kann.  © Kay Nietfeld/dpa
Patrick Schnieder
Bis Juli 2026 war Patrick Schnieder Bundesminister für Verkehr. Verkehr. Merz hat ihn entlassen, weil er mit seiner Amtsführung unzufrieden war – besonders bei den Dauerkrisenherden Schienennetz und Infrastruktur. Die Entlassung Schnieders nach nur gut einem Jahr im Amt stieß in der CDU teilweise auf heftige Kritik. © Sven Kaeuler/dpa
Jens Spahn
Auslöser für den Kabinettsumbau im Juli 2026 war der Rücktritt von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef. Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz nahm den Wechsel an der Fraktionsspitze zum Anlass, die CDU in Regierung und Partei neu aufzustellen. © Michael Kappeler/dpa
Thorsten Frei
Umbau auch in der Union: Thorsten Frei übernahm den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Er war bisher Kanzleramtsminister. Frei steht für eine unverwüstlich wirkende Freundlichkeit, gepaart mit geduldiger Erklärlust. Trotz seiner nach außen getragenen Sanftmütigkeit steht wr inhaltlich für Härte. Die innere Sicherheit und die Begrenzung der Migration zählen zu den Kernthemen des Innenexperten, der als Sohn eines Polizisten in Südbaden aufgewachsen ist. © Michael Kappeler/dpa
Franziska Hoppermann
Für Linnemann wurde Franziska Hoppermann als CDU-Generalsekretärin ins Amt gewählt. Die bisherige Bundesschatzmeisterin gilt als arbeitnehmernah und hat ein starkes Profil in der Frauen Union.  © Christoph Soeder/dpa
Philipp Amthor
Philipp Amthor bekam eine Schlüsselrolle bei der föderalen Zusammenarbeit. Er wurde von Merz zum neuen Staatsminister im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen ernannt, der bisherige Amtsinhaber Michael Meister musste gehen. Amthor war bisher parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium. © Christoph Soeder/dpa
Christiane Schenderlein
Christiane Schenderlein wird Nachfolgerin von Tino Sorge als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Sie war bisher Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt.  © Kay Nietfeld/dpa
Wolfram Weimer
Er bleibt Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer. Er will aber nur für eine Legislaturperiode im Amt bleiben. 2003 war er Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren „FAZ“-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group. © Georg Wendt/dpa

All das betrifft aber nur reguläre Arbeitnehmer sowie jene Selbstständigen, die freiwillig in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Das Versorgungssystem für Beamte, die sogenannte Beamtenversorgung, unterscheidet sich grundlegend von der gesetzlichen Rentenversicherung. Es basiert auf dem Alimentationsprinzip, das Beamten im Ruhestand ein lebenslanges Ruhegehalt garantiert. Dabei richtet sich die Höhe der Pension nach der Dienstzeit und dem letzten Grundgehalt. Bei 40 Dienstjahren kann sie bis zu 71,75 Prozent des Lohns betragen. Finanziert wird die Beamtenpension direkt aus den Haushaltsmitteln von Bund, Ländern und Kommunen.

Argumente im Überblick: Wer von der Reform profitiert – und wer langfristig mehr zahlt

Dieses historisch gewachsene und im Grundgesetz verankerte System soll die Unabhängigkeit der Berufsbeamten sicherstellen, es sorgt aber auch für Unmut. Denn Beamte erhalten im Ruhestand deutlich mehr als Arbeitnehmer: Ihre Pension entspricht im Schnitt fast 70 Prozent des letzten Nettoverdienstes, während gesetzlich Rentenversicherte nach mindestens 35 Beitragsjahren im Durchschnitt nur etwa 48 Prozent ihres früheren Nettoeinkommens beziehen.

Konkret liegt die durchschnittliche Beamtenpension bei rund 3.240 Euro brutto im Monat, Rentner erhalten im Schnitt etwa 1.599 Euro brutto. Abzüglich Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung bleiben rund 1.543 Euro, die zudem oft versteuert werden müssen.

Beamte ins Rentensystem? Befürworter wollen durch Reform mehr Gerechtigkeit

Befürworter einer Eingliederung von Beamten in die gesetzliche Rente betonen daher, dass so mehr Gerechtigkeit geschaffen werden könnte. Der Dachverband „dbb beamtenbund und tarifunion“ hält dagegen, dass „nur ein Vergleich von aktuellen Nettopensionen mit aktuellen Nettogesamtrenten (aus gesetzlicher Rente und Betriebsrente)“ Sinn ergebe. Bei 40 Dienstjahren und einem Bruttoendgehalt von 3.000 Euro liege die Nettopension dann, je nach Familienstand, um sechs bis 16 Prozent über der Nettorente – inklusive Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst. Bei 45 Jahren Erwerbstätigkeit schrumpfe dieser Vorsprung noch weiter und betrage nur noch zwei bis vier Prozent zugunsten der Pension.

Wirtschaftsweise unterstützen Bas: Beamte sollen gesetzliche Rentenkassen kurzfristig stützen

Für Arbeitsministerin Bas steht bei ihrer Argumentation jedoch die Entlastung der Rentenkassen im Vordergrund. „Wir müssen die Einnahmen verbessern“, forderte SPD-Politikerin. Auf den ersten Blick klinge das logisch, urteilt die ARD-„Tagesschau“. Die sogenannten Wirtschaftsweisen seien ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen, dass es die gesetzliche Rentenversicherung entlasten würde, wenn die rund 1,7 Millionen Beamten künftig dort einzahlen.

Allerdings habe die Sache einen Haken: mögliche positive Effekte seien höchstens von kurzer Dauer, schließlich hätten die Beamten im Alter auch Anspruch auf Zahlungen aus dem gesetzlichen Rententopf. Auch steige dadurch der Arbeitgeber-Anteil des Bundes, was den Vorteil ebenfalls schmälere.

Rentenreform laut Wirtschaftsweise „sinnvoll“ – Pensionäre und Rentner sollen gleichgestellt sein

Abseits der Kosten gibt es jedoch noch weitere Vorteile. Es sei „sinnvoll“, das Pensionssystem der Beamten zu reformieren und in ein allgemeines Rentensystem für alle zu überführen, sagte die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer – „schon um sicherzustellen, dass alle Einschränkungen, die man von gesetzlich Versicherten verlangt beziehungsweise verlangen sollte, auch eins zu eins auf sie übertragen werden.“ Konkret nannte sie die Begrenzung des Anstiegs der Rentenansprüche sowie die Erhöhung des Renteneintrittsalters. Das grundlegende Finanzierungsproblem der Rente durch die Überalterung der Gesellschaft könne aber auch Bas‘ Vorschlag nicht lösen. (tpn/AfP)

Rubriklistenbild: © Imago (Montage)

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