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Unter Deutschlands erfolgversprechendsten Menschen

In den Top 40 unter 40: Wie Daniel Artmann den Spagat zwischen Job, Politik und Familie meistert

Rosenheims zweiter Bürgermeister, Beratungsunternehmer und Familienvater. Daniel Artmann steht vor einer Vielzahl von Herausforderungen.
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Zweiter Bürgermeister, Beratungsunternehmer und Familienvater. Daniel Artmann steht vor einer Vielzahl von Herausforderungen.

Das Wirtschafsmagazin „Capital” kürt jährlich die erfolgversprechendsten 40 Menschen unter 40 Jahren. Mit dabei: Daniel Artmann (34) aus Rosenheim. Im OVB-Portrait gibt er einen Einblick in sein Leben und den Spagat zwischen Wirtschaft, Politik und Familie. 

Rosenheim - Wieso genau die Wahl der Jury des Wirtschafsmagazins „Capital” in der Kategorie Politik auf ihn fiel, kann Daniel Artmann im Nachhinein gar nicht mehr beantworten. „Ehrlich gesagt wurde ich selbst davon überrascht, habe mich aber riesig gefreut “, meint der Beratungsunternehmer, der Politik eigentlich nie als seinen Hauptberuf ansah.

Rosenheimer mit mehr als nur einem Job

Denn zusätzlich zu seiner Tätigkeit als zweiter Bürgermeister ist der 34-Jährige hauptberuflich Regionalleiter eines Beratungsunternehmens, stellvertretender Bezirksvorsitzender sowie Kreisvorsitzender der CSU, er sitzt ehrenamtlich in mehreren Beiräten, ist stolzer Vater einer vierköpfigen Familie und im April 2023 steht ein Umzug vor der Tür. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass sein politisches Engagement auch einen Großteil seiner Freizeit einnehmen muss. 

„Das war im Grunde schon immer so”, sagt Artmann im OVB-Gespräch. Schon als Kind sei er es gewohnt gewesen, viel nebenher zu arbeiten. Aufgewachsen in einem Haus in Aisingerwies, teilte sich der Rosenheimer ein Zimmer mit seinem Zwillingsbruder, bis er 13 Jahre alt war. Sein Vater pendelte täglich drei Stunden bis nach Dachau zur Arbeit. Seine Mutter war in einer Apotheke angestellt und kümmerte sich gleichzeitig um die insgesamt drei Kinder.

Leistung wurde vorgelebt

„Meine Eltern haben uns jung bekommen und ich bin in einem behüteten Umfeld aufgewachsen”, sagt Artmann. Dabei habe er schon früh angefangen, sich immer wieder Nebenjobs zu suchen, egal ob als Zeitungsausträger, im Lager oder in einer Bar. Diese Arbeit habe nicht nur sein generelles Interesse für die Wirtschaft geweckt, sondern auch sein Studium finanziert. Im Jahr 2015 schloss er seinen Master in Unternehmensstrukturierung und Sanierung ab. 

„Politik war für mich in dieser ganzen Zeit nur ein Hobby“, sagt der zweite Bürgermeister der Stadt Rosenheim. Schon im Alter von 14 Jahren ist Artmann über einen Freund auf die Junge Union in Rosenheim gestoßen. Was damals noch „50 Prozent Party” war, entwickelte sich mit der Zeit zu immer größeren Projekten. Sein Vorbild schon in jungen Jahren: „Ganz eindeutig der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber. Er hat für die Politik gebrannt und mich inspiriert.“ 

Daniel Artmann zusammen mit Edmund Stoiber im Kolbermoorer Kesselhaus: „Er war mein großes Vorbild.“

Die meiste Aufmerksamkeit widmete der Beratungsunternehmer aber weiterhin der Wirtschaft. Denn für ihn sei eine gute Struktur von Unternehmen die Grundlage, um alles andere gestalten zu können. „Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, sichern Einkommen und ermöglichen mit ihren Steuern erst unseren Sozialstaat und die Investitionen in Infrastruktur“, ist Artmann überzeugt, der sich selbst als Berufspolitiker bezeichnet. 

Der auf den ersten Blick so geradlinig verlaufende Weg in Rosenheim wäre für Artmann allerdings im Jahr 2019 fast komplett anders verlaufen. Damals habe er schon einen Job im Ausland angestrebt, als ihn Stefan Neumann, der damalige Geschäftsführer der Traunsteiner Firma Brückner, in der Region hielt. Als Mitbegründer und stellvertretender Vorsitzender des Gründernetzwerks Stellwerk 18, holte Neumann ihn als Geschäftsführer zu dem regionalen Projekt. Rund zwei Jahre lang konnte Artmann damit an der von ihm beschriebenen Grundlage mit regionalen, jungen Unternehmen zusammenarbeiten.

Artmann etablierte Gründernetzwerk in Rosenheim

„Daniel Artmann hat mit dem Stellwerk 18 ein Netzwerk etabliert, das sich sehr stabil entwickelt und mittlerweile mit zahlreichen jungen Gründern sehr gut aufgestellt ist”, bilanzierte der nachfolgende Geschäftsführende Stefan Wiesböck kurz nach seiner Übernahme im März 2021. 

Wie bei vielen seiner Tätigkeiten bleibt der hauptberufliche Beratungsunternehmer jedoch weiterhin aktiv. In diesem Fall als stellvertretender Beiratsvorsitzender des Berufsverbandes Digitale Wirtschaft Südostoberbayern, dem Dachverein des Stellwerks. Aber auch im Wirtschaftsbeirat des Eishockeyvereins Starbulls Rosenheim oder im Beirat der Rosenheimer Softwarefirma Tegos ist Artmann vertreten. 

Meine Frau zwingt mich zu Auszeiten

Daniel Artmann

Diese Omnipräsenz bekommt der 34-Jährige immer mehr zu spüren. „Das alles zu vereinbaren ist nicht leicht”, meint er. Wichtigster Partner, Kritiker und Ratgeber sei hier seine Frau, Annette Resch. Sie hat als Jugendreferentin und Fraktionsvorsitzende der CSU in Prien einerseits Verständnis für die zahlreichen Termine. „Andererseits zwingt sie mich aber auch zu Auszeiten. Das ist extrem wichtig”, sagt der Familienvater. 

In der überschaubaren Freizeit ist Artmann gerne in den Bergen unterwegs. Dort könne er Abstand gewinnen, die Zeit mit der Familie genießen und wirklich abschalten. Wenn einmal kein Abendtermin ansteht, kocht Artmann zudem leidenschaftlich gerne. Wenn es die Zeit erlaubt, kocht er dabei auch größer für Freunde auf, die dann beispielsweise in den Genuss seines mittlerweile „legendären” Steckerlfisches kommen. Aber auch sein sechsjähriger Sohn Leopold und die 15 Monate alte Tochter Charlotte sind mittlerweile Teil der diesjährigen Weihnachtsbäckerei.

Küchentools zu Weihnachten

„Wenn ich mir etwas zum Geburtstag oder Weihnachten wünsche, dann eigentlich immer ein Gerät für die Küche”, sagt Artmann, der sich selbst ein „Last-Minute-Einkäufer“ bezeichnet. Seine Frau habe da meistens den besseren Überblick über die Geschenke, während er sich traditionell darum kümmert, den Christbaum rechtzeitig und von den Kindern unbemerkt aufzustellen. „Meine Eltern haben es geschafft, dass ich an das Christkind geglaubt habe, bis ich neun war. Diesen Zauber möchte ich auch für meine Kinder möglichst lange bewahren”, meint er. Für das Schmücken des Baumes wird dementsprechend auch gerne einmal eine Nachtschicht eingelegt. 

Aus seinen Auszeiten rausgerissen wird Artmann mittlerweile immer mehr durch seine dauerhafte Erreichbarkeit. Jeder, der möchte, kann ihn unter seiner Handynummer, die auf seiner Webseite veröffentlicht ist, erreichen. Ein Service, der ihm wichtig ist, der aber gleichzeitig viel Kraft koste, wie er gesteht. „Da kommen mittlerweile von Beruf, Politik und Bürgern bis zu 100 Whatsapp-Nachrichten pro Tag”, sagt Artmann. Auch wenn er deshalb überlege, sich eine private Nummer zuzulegen, möchte er das Angebot noch so lange wie möglich aufrechterhalten. 

Auch seine Rolle als „Berufspolitiker” will Artmann aufgrund der hohen Belastung nicht immer in der Form verfolgen. Als CSU-Landtagskandidat für den Stimmkreis Rosenheim-Ost wird sein Fokus bis zu den Wahlen im Oktober 2023 vermehrt auf der Politik liegen.  

Aktuell freut sich Artmann über die Ehrung der Top 40 unter 40, die in diesem Jahr im Zeichen des Ukraine-Krieges und der Energiekrise stand. So gehörten die international agierende Ökonomin Isabella Weber oder die Politikwissenschaftlerin Sarah Pagung zu den prominentesten Namen. Für Artmann noch präsenter ist jedoch Judith Gerlach. Die Bayerische Staatsministerin für Digitales wurde 2021 prämiert. Sie ist seit 2013 Mitglied im Bayerischen Landtag. Eine Entwicklung, gegen die der 34-Jährige sicher nichts einzuwenden hätte. „Ich würde mich freuen“, so Artmann abschließend, „mein Hobby zum Beruf zu machen.“

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