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Straße von Hormus

Ölpreis-Spirale durch Iran-Krieg: Trumps Rohstoff-Strategie kann nach hinten losgehen

Unter Donald Trump wird Ressourcenpolitik offen zur Strategie. An der Straße von Hormus zeigt sich, wie schnell das global zurückschlägt. Eine Analyse.

Der Slogan hallte Anfang der neunziger Jahre durch die Straßen westlicher Hauptstädte: „No blood for oil“. Er richtete sich gegen den Krieg zur Befreiung Kuwaits 1991. Damals stritten Analysten, Historiker und Politiker darüber, ob der Vorwurf berechtigt war, dass hier bloß nackte Öl-Interessen bedient werden sollten. Völkerrechtlich war Kuwait ein angegriffenes Land, dem die USA als Anführer einer großen, mit Mandat der Vereinten Nationen ausgestatteten Allianz zu Hilfe eilten. Ging es also nur um die Verteidigung des Völkerrechts oder auch um den Schutz der globalen Ölversorgung? 

Schiitische Muslime verbrennen ein Bildnis von US-Präsident Trump während einer Demonstration gegen die Tötung des Obersten Führers des Iran, Ajatollah Ali Chamenei im indisch kontrollierten Kaschmir.

Heute, mehr als drei Jahrzehnte später, wirkt der alte Protest beinahe naiv. Denn was damals eine polemische Zuspitzung war, ist unter Donald Trump zur offen ausgesprochenen Strategie geworden. Öl ist nicht mehr nur ein strategischer Faktor der Weltpolitik. Es ist wieder zum politischen Ziel selbst geworden. Washington spricht inzwischen kaum noch in der Sprache multilateraler Ordnung. Stattdessen wird Machtpolitik in der Diktion eines Rohstoffmarktes formuliert. Wer über Energie verfügt, verfügt über Hebel. Und wer diese Hebel kontrolliert, kontrolliert politische Entscheidungen.

Ölpreis-Spirale durch Iran-Krieg: Trumps Rohstoff-Strategie kann nach hinten losgehen

In den vergangenen Monaten konnte man dieses Denken bereits in Lateinamerika politische Wirklichkeit werden sehen. Die aggressive Politik der Trump-Administration gegenüber der Führung Venezuelas wurde öffentlich mit Demokratie und Menschenrechten begründet. Doch in Interviews und Bemerkungen gegenüber Journalisten ließ der Präsident kaum Zweifel daran, worum es ihm tatsächlich ging: um die größten Ölreserven der Welt. Die Botschaft war schlicht: Ein Regimewechsel würde den Zugang zu diesen Ressourcen neu ordnen. Amerikanische Ölkonzerne sollten hierbei die entscheidende Rolle spielen.

Dieses Muster wiederholt sich nun im Nahen Osten. Die militärische Eskalation rund um den Iran hat eine Dimension angenommen, die weit über regionale Konfliktlinien hinausgeht. Die Straße von Hormus – jene schmale Meerenge, durch die rund zwanzig Prozent der weltweiten Öltransporte fließt, ist zum geopolitischen Nerv geworden. Jeder Tanker, der dort nicht fährt, lässt die Märkte zittern. Die Ankündigung der iranischen Führung, die Meeresenge durch das Legen von Minen unbefahrbar zu machen, könnte dieses Nadelöhr der Weltwirtschaft auf lange Zeit ausschalten. 

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Der Iran-Krieg beginnt am 28. Februar 2026 mit Angriffen aus Israel und den USA auf Teheran. Noch am ersten Tag wird auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Seit dem Angriff hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion ausgeweitet. © AFP
Iran-Krieg - Iran
Immer wieder schlagen Raketen in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Umgebung ein. Die Menschen vor Ort berichten von zitternden Fenstern, in sozialen Medien kursieren Bilder von Rauchschwaden. In Teheran leben rund 15 Millionen Menschen.  © Vahid Salemi/dpa
Angriff auf den Iran - Iran
Präzisionsschläge auf relevante militärische Ziele – erstmals auch mit Drohnen, die von den Shaheds kopiert worden sind: „LUCAS kostet etwa 35.000 US-Dollar pro Plattform und ist ein kostengünstiges, skalierbares System, das modernste Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher US-Langstreckensysteme mit vergleichbarer Wirkung bietet“, sagt der Marineoffizier Tim Hawkins gegenüber dem Magazin The War Zone (TWZ). US-Präsident Trump hat sich für den Angriff gegen den Iran vermutlich von den Waffen seines Gegners inspirieren lassen: Erstmals haben die USA Kamikaze-Drohnen eingesetzt, veröffentlicht das „US Central Command“ (CENTCOM).  © dpa
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Die Angriffe gehen ohne Unterlass weiter. Dieses Standbild aus einem vom U.S. Central Command zur Verfügung gestellten Video zeigt den Start einer Rakete von einem Schiff der U.S. Navy zur Unterstützung der Operation „Epic Fury“. © dpa
Raketenabwehrsystem Iron Dome
Der Iran antwortet mit Gegenangriffen auf Israel. Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt zahlreiche Geschosse ab. Über Tel Aviv kommt es zu entsprechenden Explosionen. © Jack Guez/AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Auch am Tag feuert das israelische Luftabwehrsystem, um Raketen während eines iranischen Angriffs abzufangen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
Dennoch kommt Israel nicht ungeschoren davon. Hier verbinden Rettungskräfte einen verwundeten Mann und leisten erste Hilfe am Ort eines direkten Einschlags einer iranischen Rakete in Tel Aviv. © Tomer Neuberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
An einer anderen Stelle in Tel Aviv ist ein Feuerwehrmann dabei, ein brennendes Auto zu löschen. © Tomer Neuberg/dpa
USA Iran
Dieses offizielle Foto des Weißen Hauses, veröffentlicht am 28. Februar 2026 auf dem Account „White House X“, zeigt US-Vizepräsident JD Vance (Mitte), die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, Tulsi Gabbard (zweite von links), und US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) im Lagezentrum in Washington, D.C. © AFP
Trump Iran
Ein weiteres offizielles Foto des Weißen Hauses zeigt Donald Trump im Gespräch mit Stabschefin Susie Wiles (rechts), während US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) die Aktivitäten der „Operation Epic Fury“ gegen den Iran von einem nicht genannten Ort aus überwacht. „Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot“, schrieb Trump später auf „Truth Social“. © AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Was ist das Ziel der Operation Epic Fury (Einsatz Gewaltiger Zorn)? US-Präsident Trump begründet die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm und mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Durch beides sieht Israel seine Existenz bedroht. Daneben will Trump aber auch die USA vor „direkten Bedrohungen“ durch den Iran schützen. © Leo Correa/dpa
Un-Sicherheitsrat
Der US-Angriff ruft die Vereinten Nationen auf den Plan: Der Sicherheitsrat ist zu einer Notfall-Sitzung zusammengekommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte die Botschafter, die Aktion berge die Gefahr, „eine Kette von Ereignissen auszulösen, die in der instabilsten Region der Welt niemand mehr kontrollieren kann“, wie die UN berichten. Israels Botschafter Danny Danon hatte die Angriffe als gerechtfertigt dargestellt und als einen notwendigen Akt, um eine existenzielle Bedrohung abzuwehren. © Spencer Platt/AFP
Minab-Mädchenschule
Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach den Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Iran mit fast 200 Toten eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren nach iranischen Angaben mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen. Vertreter des israelischen Militärs hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt.  © Ali Najafi/AFP
Proteste in London
Weltweit gehen noch am ersten Abend des Iran-Kriegs Exil-Iranerinnen und -Iraner auf die Straßen und feiern den Tod von Ajatollah Chamenei. Dieses Bild zeigt eine Demonstration vor der iranischen botschaft in London. © Vuk Valcic/Imago
Angriff auf den Iran - Berlin
Auch auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehen die Menschen spontan auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demo in der Türkei
Anders sieht es in der Türkei aus: Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul machen Demonstranten Donald Trump und Israel für die Eskalation verantwortlich. Sie protestierten gegen den Angriff auf den Iran und die Tötung von Ajatollah Chamenei, indem sie eine US-Flagge verbrennen. © Ozan Kose/AFP
Angriff auf den Iran - Indien
578889050.jpg © Mukhtar Khan/dpa
Angriff auf den Iran - Dubai
Der Iran-Krieg zieht auch die arabischen Länder mit in den Konflikt hinein. Mit Hunderten Raketen und Drohnen greift der Iran seit Ende Februar unter anderem Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Hier steigt Rauch nach einem iranischen Drohnenangriff im Hafengebiet von Dubai auf. © Fatima Shbair/dpa
Angriff auf den Iran – Katar
Folgen der Rache des Iran: Die USA betreiben in al-Udeid eine Militärbasis. Die liegt im Fokus des Iran – allerdings befindet sich rund 30 Kilometer entfernt die Stadt Doha; und die wird kaum durch die Luftabwehr der US-Basis abgedeckt.  © dpa
Iran-Krieg - reaktionen
US-amerikanisch-israelische Luftschläge – Schockwellen in der gesamten Welt: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hätten Demonstranten im pakistanischen Karatschi vor dem Konsulat „Tod Amerika! Tod Israel!“ skandiert; Reuters-Reporter hätten Schüsse gehört und in den umliegenden Straßen Tränengas wahrgenommen. Die Nachrichtenagentur spricht von mindestens 23 getöteten Demonstranten; davon zehn im Hafen von Karatschi, wo Sicherheitskräfte des US-Konsulats gefeuert hätten auf Demonstrierende nach deren Durchbruch durch die äußere Mauer. Elf Menschen seien demnach in der nördlichen Stadt Skardu ums Leben gekommen – die Menge soll ein UN-Büro in Brand gesetzt haben; zwei Tote verzeichnet Reuters in Pakistans Hauptstadt Islamabad. © Imago
Weitere Bilder der Straßenschlachten, die sich in Teilen Pakistans nach dem US-Angriff auf den Iran ereigneten.
Explosionen im Iran, Beben in Pakistan: „Pakistans Westgrenzen befinden sich im Kriegszustand“, sagt Muzzammil Aslam gegenüber Arab News. Der Finanzminister der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan fürchtet wirtschaftliche Verwerfungen, sollte der Iran seine Rachegelüste gegenüber dem Westen ausleben und damit den gesamten Nahen Osten in den Abgrund reißen. Die Wirtschaftskraft des Landes hängt an den Arbeitern in den Golfstaaten, die im Visier des Iran liegen und Anschläge auf ihre Energieindustrie befürchten müssen.  © dpa
Angriff auf den Iran - Irak
578899115.jpg © Hadi Mizban/dpa
Beirut
Der Iran-Krieg führt auch zu einer neuen Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah. Die Schiiten-Miliz feuert als Reaktion auf die Tötung von Ajatollah Ali Chamenei Raketen in Richtung Israel ab. Daraufhin greift das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon an, vor allem im Süden des Landes und in den Vororten der Hauptstadt Beirut (im Bild). Diese Gebiete gehören zum Einflussgebiet der Hisbollah. © AFP
Angriff gegen den Iran - Luftverkehr
Der Iran-Krieg legt zu Beginn auch den Flugverkehr teilweise lahm. Hier prüft ein Reisender die Abflugzeiten am internationalen Flughafen Beirut Rafik Hariri, da viele Fluggesellschaften nach den Angriffen auf den Iran ihre Flüge gestrichen haben.  © Hassan Ammar/dpa
Stra0ße von Hormus
Dieses Satellitenbild, aufgenommen von 2026 Planet Labs PBC am 2. März 2026, zeigt Rauchwolken, die nach einer Explosion im Hafen von Bandar Abbas an der Straße von Hormus von einem Schiff aufsteigen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft, ist weitgehend zum Erliegen gekommen.  © 2026 Planet Labs PBC/AFP

Teheran spielt ein Spiel, das weniger mit militärischer Überlegenheit zu tun hat als mit strategischer Geduld. Je höher der Ölpreis steigt, desto größer wird der Druck auf Washington und seine Verbündeten. Benzinpreise sind keine abstrakte Größe. Sie entscheiden über Wahlen, über Inflation, über soziale Stabilität.Während also amerikanische Strategen davon sprechen, die Energieinfrastruktur des Iran zu schwächen oder sogar gezielt anzugreifen, arbeitet die iranische Führung an der gegenteiligen Dynamik: Knappheit. Jede Drohung, jede militärische Bewegung, jede Störung des Handels lässt die Märkte reagieren. So entsteht eine Spirale, die global wirkt.

Selten zuvor hat ein Krieg gleichzeitig so viele Gesellschaften getroffen. In Europa steigen die Energiepreise. In Asien geraten Lieferketten unter Druck. In den Vereinigten Staaten wird Benzin plötzlich wieder zum politischen Thema erster Ordnung. Die Schlagzeilen rund um den Globus ähneln sich erstaunlich: Ölpreisrekorde, Tankerkrisen, Nervosität an den Märkten. Der Konflikt wirkt damit wie ein Spiegel der globalisierten Welt. Fossile Brennstoffe sind nach wie vor ihr Blutkreislauf.Genau deshalb glaubt Donald Trump offenbar, aus dieser Situation strategisches Kapital schlagen zu können. Öl wird zum geopolitischen Pfand. Wer es kontrolliert, so die Logik, kann Gegner wirtschaftlich strangulieren und zugleich die eigene Macht ausbauen.

Das sind Formen von Neo-Kolonialismus (in dem Moment, wo “boots on the ground” die Ausbeutung der Ölreserven absichern) oder Neo-Imperialismus (wenn Trump von Washington aus sagt, dass die USA nun die Regierungsgeschäfte Venezuelas lenken oder er, Trump, in die Wahl des Nachfolgers von Ayatollah Khamenei “einbezogen werden” müsse), die erstaunlich offen ausgesprochen werden. Die Vereinigten Staaten treten nicht mehr als Hüter einer internationalen Ordnung auf, sondern als Akteur, der Ressourcenpolitik direkt mit militärischer Macht verknüpft.

Doch diese Rechnung könnte sich als kurzsichtig erweisen. Denn der Energiemarkt des 21. Jahrhunderts ist kein koloniales Territorium des 19. Jahrhunderts. Er ist ein Netzwerk. Jede Intervention, jede Blockade, jede Eskalation sendet Schockwellen durch ein System, das von gegenseitigen Abhängigkeiten geprägt ist.

Vor allem China spielt in dieser Gleichung eine entscheidende Rolle. Peking ist einer der größten Energieimporteure der Welt und zugleich ein strategischer Rivale Washingtons. Ein dauerhaft destabilisiertes Hormus-Szenario würde nicht nur den Iran treffen, sondern auch die chinesische Wirtschaft empfindlich stören. Eigentlich sind die Interessen der beiden größten Volkswirtschaften der Welt in dieser Sache deckungsgleich. Beide Mächte brauchen eine offene Straße von Hormus und einen erträglichen Öl- und Benzinpreis. Doch wenn die USA, wie in Venezuela auch, die Ölvorkommen des Iran unter ihre Kontrolle bekommen, könnte Trump versucht sein, China nicht weiter beliefern zu lassen. 

Für diesen Fall verfügt China über ein Instrument, dessen spitze Klinge Washington bereits im vergangenen Jahr gespürt hat: Peking kann den Export Seltener Erden noch einmal weiter regulieren oder schlicht den Export in die USA oder nach Israel einstellen. Im vergangenen Jahr musste Trump klein beigeben, weil die US-Wirtschaft ohne Seltene Erden aus China bei weitem nicht genügend Computerchips zur Hand hätte, die sie für die Automobilindustrie, ihre Elektronikhersteller und die Rüstungsindustrie benötigt. Die Botschaft war eindeutig: Auch wirtschaftliche Supermächte haben Verwundbarkeiten.

Genau diese Verwundbarkeit könnte nun in der Ölpolitik sichtbar werden. Trump plant einen Besuch in Peking, bei dem er – so hört man aus diplomatischen Kreisen – mit großem Protokoll empfangen werden möchte. China weiß das. Und es weiß auch, dass eskalierende Energiepreise die Weltwirtschaft destabilisieren würden. Der amerikanische Präsident mag glauben, Öl als geopolitisches Druckmittel einsetzen zu können. Doch geopolitische Druckmittel haben eine unangenehme Eigenschaft: Sie wirken selten nur in eine Richtung. Die Geschichte der Rohstoffpolitik ist voller Beispiele dafür. Staaten, die glaubten, Ressourcen kontrollieren zu können, stellten irgendwann fest, dass Märkte, Allianzen und technologische Entwicklungen ihre Strategie unterliefen. Trump könnte daher am Ende in einer Lage landen, die ihm bereits vertraut ist: dem Rückzug.

Nicht aus moralischen Gründen, sondern aus politischer Notwendigkeit. Wenn der Druck aus Peking wächst, wenn Europa auf Deeskalation drängt und wenn die amerikanischen Verbraucher die steigenden Benzinpreise an der Zapfsäule spüren, wird die geopolitische Rhetorik schnell pragmatischer. Kriege im Zeitalter der Rohstoffknappheit und des Klimawandels sind immer auch Kämpfe um Ressourcen. Diese außenpolitische Entwicklung korrespondiert, wie so oft in der Geschichte, mit einer inneren Radikalisierung der Gesellschaften. Sowohl in den USA als auch in China (und an nahezu allen anderen Orten der Welt) bricht sich ein neuer Nationalismus und „Wir zuerst“ Bahn, der nötig ist, wenn man im Kampf um Ressourcen anderen Gruppen jene vorzuenthalten bereit ist. Das funktioniert nur, wenn diese Gruppen „wir gegen die“ zuerst entmenschlicht und ihrer Rechte beraubt werden. Dass kein Blut für Öl fließen möge, wird in einer solchen Welt nichts weiter als ein frommer Wunsch sein. 

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/AP | Dar Yasin

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