Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Frankfurter-Rundschau-Gespräch

„Nervöser“ Orbán „spielt mit Ängsten“: Ungarn-Experte fürchtet Wahl-Szenario – Merz und EU „nicht vorbereitet“

In den Wahl-Umfragen liegt Orbán zurück. Zum Machterhalt sind ihm offenbar viele Wege recht. Könnte Orbán die Ungarn-Wahl verhindern?

Ungarn steht am Scheideweg: Am 12. April wählt das EU-Land eine neue Regierung. Wird Ministerpräsident Viktor Orbán von der Fidesz-Partei an der Macht bleiben, oder wird Herausforderer Péter Magyar von der pro-europäischen Tisza-Partei der neue Ministerpräsident? Im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media erklärt der EU-Abgeordnete Daniel Freund (Grüne), welche Chance er der ungarischen Opposition einräumt – und mit welchen Methoden Orbán seinen Wahlsieg sichern will.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán spricht zu seinen Anhängern während einer Demonstration.
Wie nehmen Sie die politische und gesellschaftliche Stimmung in Ungarn wenige Wochen vor der Wahl in Ungarn wahr? Immerhin steht für alle Parteien und alle Menschen viel auf dem Spiel.
Ich nehme eine große Spannung wahr. Der Wahlkampf ist hart umkämpft und erhält sehr viel Aufmerksamkeit. Und das zu Recht, denn aus meiner Sicht ist das die wichtigste Wahl in Europa in diesem Jahr.

Orbán könnte Ungarn-Wahl verlieren

In den meisten Umfragen liegt die pro-europäische Tisza-Partei von Péter Magyar mit 55 Prozent deutlich vor der Fidesz-Partei von Viktor Orbán mit 35 Prozent. Wie sehr kann man den Umfragen vertrauen?
Es gibt auch andere Umfragen, in denen Magyar nicht so weit vorn liegt. Orbán hat das ungarische Wahlsystem so umgebaut, dass allgemeine Umfragen nicht repräsentativ für die politische Stimmung im Land sind – beispielsweise durch Zuschnitte der Wahlkreise. Die Menschen, mit denen ich spreche, sagen, dass Orbán tatsächlich verlieren könnte. Aber das ist noch keine ausgemachte Sache.
Der Blick in die Glaskugel ist immer schwierig, aber glauben Sie, dass Orbán die Wahl verlieren wird? Was sagt Ihr Bauchgefühl?
Wenn nichts Überraschendes mehr passiert, kann die Opposition gewinnen. Aber es ist sehr schwer zu sagen, was noch passieren wird. Orbán verteilt bereits enorme Wahlgeschenke. Ganze Berufsstände werden wohl zwei Tage vor der Wahl erhebliche Zahlungen erhalten, beispielsweise Lehrerinnen und Lehrer. Es gab bereits Zahlungen an Soldaten und Polizisten. Die Anzeichen verdichten sich, dass Orbán die Wahl kaufen will.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago
Das ist keine neue Methode.
Nein, das kennen wir bereits von vergangenen Wahlen. Auch vor vier Jahren gab es plötzlich Bonuszahlungen für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Er kämpft um sein politisches Überleben.

Ungarn-Experte Freund: Orbán wirkt nervös

Wirkt Orbán auf Sie nervös?
Ja, er ist wirklich nervös. Er versucht, seinen Wahlsieg noch einmal zu kaufen.
Wird seine Strategie funktionieren?
Ich habe den Eindruck, dass es in der ungarischen Gesellschaft eine tiefe Enttäuschung über seine Politik gibt. Ich nehme eine Wechselstimmung wahr. Orbán versucht verzweifelt, das Ruder noch einmal herumzureißen.
Wie?
Er spielt mit den Ängsten der Menschen.
Sie spielen darauf an, dass Orbán behauptet, sein pro-europäischer Herausforderer Magyar würde Ungarn in einen Krieg treiben. Der ungarische unabhängige Abgeordnete Akos Hadhazy sagte dem Münchner Merkur, er glaubt, dass Orbán den Angriff auf eine für Ungarn wichtige Öl-Pipeline in der Ukraine mit Wladimir Putin abgesprochen habe. Damit könne Orbán das anti-ukrainische Narrativ fördern. Glauben Sie daran?
Ich habe keine Ahnung. Ich weiß aber, dass Orbán in der Vergangenheit häufig Sachen gemacht hat, bei denen ich dachte, dass das direkte Befehle aus dem Kreml waren.

Für Putin steht bei Orbán-Wahl viel auf dem Spiel

Es gibt Berichte, dass russische Politologen in Budapest sind, um Orbán beim Wahlkampf zu unterstützen. Könnte das stimmen?
Für Putin steht sehr viel auf dem Spiel. Er hat mit Orbán einen Mann im EU-Rat, der wichtige Entscheidungen – insbesondere hinsichtlich der Ukraine-Politik – mit seinem Vetorecht blockieren kann. Russland hatte zuletzt versucht, die Wahlen in Moldau und Rumänien zu beeinflussen. Das hatte am Ende nicht geklappt, weil die dortigen Regierungen alles versuchten, um das zu verhindern. Aber Orbáns Regierung will die russische Einflussnahme, weil sie auf Putins Seite steht.
Könnte Orbán die Wahl noch kurzfristig verhindern?
Das hoffe ich nicht, im Moment sieht es nicht danach aus. Aber in Ungarn gibt es diese Befürchtung, dass die Wahl nicht stattfinden wird. Mich beschäftigt ein anderes Szenario mehr.
Welches?
Dass Orbán bei einem knappen Ergebnis seinen Wahlsieg verkündet, obwohl noch nicht alle Stimmzettel ausgezählt sind.
Würde Magyar bei einem Wahlsieg ein grundlegender Wandel gelingen?
Dafür bräuchte er eine Zweidrittelmehrheit. Denn Orbán hat das ungarische Wahlsystem in den vergangenen Jahren so umgestaltet, dass eine ungarische Regierung auch einfache Gesetze nur mit einer Zweidrittelmehrheit ändern kann. Zudem könnte sich Orbán bei einer Niederlage kurzfristig zum neuen ungarischen Präsidenten machen und sich selbst mit einem Vetorecht ausstatten. Mit diesem Vetorecht könnte er die gesamte Tisza-Politik alleine verhindern.

Sind EU und Merz auf Orbán-Manipulation vorbereitet?

Falls Orbán trotz Niederlage nicht abtreten würde: Wie könnte die EU darauf reagieren?
Dann erhielten zunächst die Wahlbeobachter eine wichtige Rolle. Die EU kann das Ergebnis in Ungarn nur bei einer fairen Wahl anerkennen. Sollte das nicht gesichert sein, müsste Orbán seinen Sitz im EU-Rat verlieren und wir müssten den gesamten Werkzeugkasten auf den Tisch stellen: vom Stimmrechtsentzug bis zum Einfrieren aller EU-Gelder.
Ist die EU-Kommission auf dieses Szenario vorbereitet?
Ich befürchte nicht. Und auch die deutsche Bundesregierung bereitet sich – soweit ich höre – nicht darauf vor. Generell habe ich den Eindruck, dass diese Wahl in Europa und Deutschland bisher zu wenig Aufmerksamkeit erhält, während wir in Europa selbst kommunale Wahlen in den USA teilweise tiefgreifend analysieren. Die Wahl in Ungarn ist für uns alle so wichtig – vor allem für unsere Sicherheit. (Quellen: eigene Recherche) (Interview: Jan-Frederik Wendt)

Rubriklistenbild: © Denes Erdos/dpa

Kommentare