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„Flamingo“-Foto veröffentlicht
Neue Verheißung: Ukraine-Rakete soll Taurus mühelos übertreffen
3.000 Kilometer Reichweite – weitere Details bleiben geheim: Von Selenskyjs Rakete werden Wunder erhofft. Optisch ähnelt sie einem Flop der Geschichte.
Kiew – „Bis Ende 2025 werden wir in der Lage sein, im Inland militärische Ausrüstung im Wert von 35 Milliarden Dollar zu produzieren“, sagt Herman Smetanin. Gegenüber dem Kyiv Independent (KI) hat der Minister für strategische Industrien der Ukraine davon gesprochen, dass das Land trotz oder wegen des Ukraine-Kriegs seine Produktion von Marschflugkörpern im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr um das Achtfache gesteigert habe – was nicht bedeutet, dass auch am Ende dieses Jahres eine Steigerung erfolgt sein wird. Allerdings berichtet das Online-Medium aktuell, dass die Ukraine einen brandneuen Marschflugkörper gegen Wladimir Putins Invasionsarmee zur Serienreife entwickelt habe.
Neue Ukraine-Rakete will Taurus in den Schatten stellen
„Flamingo“ heiße der neue Langstrecken-Marschflugkörper, dem eine Reichweite von 3.000 Kilometern zugeschrieben wird. Das wäre dann mindestens die dritte schwere Luft-Boden beziehungsweise Boden-Boden-Waffe aus ukrainischer Produktion neben der „Palyanitsya“-Raketendrohne und dem „Neptune“-Marschflugkörper. „Heute stammen Schätzungen zufolge 30 bis 40 Prozent der Waffen, die unsere Truppen an der Front einsetzen, aus der Ukraine“, sagte Oleksandr Kamyschin gegenüber Kyiv Independent.
Die Nato wächst und kämpft: Alle Mitgliedstaaten und Einsätze des Bündnisses
Der Industrielle aus dem Kreis um den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wollte mit dieser Aussage auch über den aktuellen Frontverlauf hinausblicken: „Ich bin zuversichtlich, dass wir nach unserem Sieg ukrainische Waffen in die ganze Welt exportieren werden.“ Das hieße, dass mit der „Flamingo“ auch dem deutschen Taurus-Marschflugkörper Konkurrenz für einen kommenden Waffengang der Nato gegen Russland erwachsen könnte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte eine Lieferung dieser Luft-Boden-Langstreckenbombe an die Ukraine immerhin für möglich gehalten – und damit das konsequente Nein des vorherigen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) aufgeweicht.
Wenn die Lieferung in ein Gesamtkonzept der westlichen Unterstützer eingebettet gewesen wäre, wie Merz betont hat. Lange hatte die Ukraine um diese Waffe fast schon gebettelt, um damit das Übel des Ukraine-Krieges an der Wurzel zu packen und Angriffe auf Putins Kernland führen zu können. Was jetzt für die Verteidiger aus eigener Kraft möglich werden könnte; Luftlinie liegen die beiden Hauptstädte Kiew und Moskau rund 800 Kilometer entfernt, St. Petersburg ist nur etwas mehr als 200 Kilometer weiter weg. Allerdings hätten diese Ziele auch schon in Reichweite des von der Ukraine entwickelten Marschflugkörpers „Long Neptune“ gelegen.
Raketen im Ukraine-Krieg: Bisher sind keine Attacken auf russische Schaltzentralen bekannt geworden
Aber bisher sind keine Attacken auf russische Schaltzentralen bekannt geworden; möglicherweise hat sich die Ukraine also mehr versprochen, als die Waffen halten können, oder die Ukraine hatte eh nie vorgehabt, den Kreml direkt anzugehen. Die Befürchtungen der vorherigen deutschen Bundesregierung unter SPD-Regie könnten also grundlos gewesen sein. Tatsächlich existieren von der „Flamingo“-„Wunderwaffe“ lediglich ein Miniatur-Modell als Ausstellungsstück sowie ein Foto, das ein Fotojournalist der US-amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press (AP) gemacht und dann zuerst auf seinem persönlichen Facebook-Account hochgeladen haben soll.
„Der von Russland besetzte Anteil des ukrainischen Staatsgebiets ist von Ende 2023 bis heute lediglich von rund 18 auf etwa 19 Prozent gestiegen. Entsprechend überzeugt ist Kiew davon, genügend Zeit zu haben, um die eigene Position sowohl diplomatisch als auch militärisch zu stärken.“
„Der in der Ukraine entwickelte Langstrecken-Marschflugkörper Flamingo ist in die Serienproduktion gegangen, berichtete der Fotojournalist Efrem Lukatsky von AP am 17. August“, schreibt Dmytro Basmat für Kyiv Independent. Weitere Details fehlen. Die Abbildung zeigt zwei auf jeweils einem eigenen Tieflader montierte Raketen, die oben auf ihrem Rumpf vermutlich ihren Antrieb tragen – und damit wie eine moderne Variante der vom Hitler-Regime gebauten und letztendlich erfolglosen V1-Rakete aussehen. Von einer modernen Anmutung wie die des Taurus-Marschflugkörpers keine Spur.
Die Waffe sieht nach einer Konstruktion mit Bordmitteln aus, das Bild davon wie heimlich und verstohlen geknipst. Die Palyanitsya“-Raketendrohne und den „Neptune“-Marschflugkörper hatte die Ukraine selbstbewusster und vollmundiger angekündigt. „Das ukrainische Militär hat sich bisher nicht zu der gemeldeten Produktion geäußert. Der Produktionszeitplan wurde nicht bekannt gegeben, und es bleibt unklar, wann die Flamingo-Raketen regelmäßig auf dem Schlachtfeld zum Einsatz kommen werden“, schreibt Dmytro Basmat weiter.
Ukraine setzt alle Hoffnung auf jeden einzelnen Taurus-Klon: „Das ist unser Trumpf“
Während verschiedene Medien also herausposaunen, dass die Ukraine die Produktion der „Flamingo“ starte, hat sich Veronika Melkozerova zuletzt im März kritisch über die neuen Waffen geäußert. Zwar hatte die Ukraine zu der Zeit mit der „Long Neptune“ einen Schlag gelandet auf eine Ölraffinerie in Tuapse, rund 1.000 Kilometer vom ukrainisch kontrollierten Gebiet in der russischen Region Krasnodar entfernt. Der Angriff löste einen Brand aus, dessen Löschung drei Tage dauerte, wie die Autorin für das Magazin Politico festgehalten hat. Zudem hat sie notiert, was der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Welt nach diesem Angriff hatte wissen lassen wollen. „Wir sind mit den Ergebnissen von Long Neptune zufrieden.“
Ansonsten aber herrscht Schweigen über etwaige Erfolge dieser Waffe auf russischem Gebiet – „Im Wesentlichen hat Putin Trump stillschweigend bestätigt, wie sehr unsere tiefen Schläge dem russischen Energiesektor schaden. Das ist unser Trumpf“, zitierte Melkozerova in Politico einen Facebook-Post des ukrainischen Abgeordneten Roman Lozinskyi. Seit diesem Schlag ist fast ein halbes Jahr vergangen und von größeren Versorgungslücken scheinen die Verteidiger an den Kontaktlinien wenig zu spüren. Russland drückt dagegen mit Glasfaserdrohnen gegen das Militär und mit Shahed-Drohnen gegen das zivile Leben; das ist eine neue Realität, an der die „Long Neptune“ bisher wenig ändern konnte.
Experten zweifeln an Putin-Entgegenkommen: Ein Waffenstillstand sei in der Ukraine nicht in Sicht
Ende 2024 wollte Wolodymyr Selenskyj 100 dieser Art von Raketen produziert haben; bis Ende 2025 rund 3.000. Raketen wie auch die Raketendrohne „Palianytsia“ – „die russische Militärflugplätze angreifen und ,das Angriffspotenzial des Feindes zerstören‘ soll“, wie Chris York im Kyiv Independent geschrieben hat. Das war Mitte August 2024; in diesem Jahr bis heute ist kein solcher Erfolg der „Palianytsia“ publik geworden. Weil sich möglicherweise kein solcher Erfolg eingestellt hat. Laut York sei die Ukraine stolz gewesen auf die Entwicklung dieser Waffe, weil sie bis zur Einsatzreife offenbar nur eineinhalb Jahre gebraucht hätte.
Nach dem erfolgreichen Schlag gegen die Ölraffinerie sei in Sozialen Netzwerken ein Video zur Palianytsia“ aufgetaucht, ohne viel Erkenntnisse, dafür aber mit viel Geheimniskrämerei, wie York berichtet: „Die Motivation ist groß: Je früher Palianytsia bereit ist, desto mehr Leben kann es schützen und desto weniger Leid wird die Zivilbevölkerung ertragen müssen“, lautete einer der Kernsätze des Clips, wie das Online-Medium wiedergibt.
Efrem Lukatsky, head of the AP photo service, published a very interesting teaser: “Ukrainian-made over 3,000 km range Flamingo missiles, which were launched into serial production, are seen in a workshop of one of the country’s leading Fire Point defence company in an… pic.twitter.com/i1qvFDgaW4
Die Veröffentlichung des „Flamingo“ folgt einem ähnlichen Prinzip – das veröffentlichte Foto steckt voller Verheißung, ohne jedoch konkret zu werden. Aber das Bild wirft wieder Kohlen ins Feuer der Leidenschaft. Ein Waffenstillstand sei in der Ukraine nicht in Sicht, schreibt Dmytro Kuleba. Dem Analysten des deutschen Thinktanks Friedrich-Ebert-Stiftung zufolge hätten beide Seiten starke Anreize weiterzukämpfen. Den Grund dafür sieht er darin, dass Russland als das Land, das „angeblich alle Trümpfe in der Hand hält“, wie er schreibt, tatsächlich militärisch kläglich versagt.
Offenbar hat noch keine Waffe auf der einen oder anderen Seite dazu verholfen, den Gegner entscheidend und damit unwiederbringlich zurückzuwerfen – die „Flamingo“ ist zwangsweise der nächste Träger der Hoffnung. Wie Dmytro Kuleba formuliert: „Der von Russland besetzte Anteil des ukrainischen Staatsgebiets ist von Ende 2023 bis heute lediglich von rund 18 auf etwa 19 Prozent gestiegen. Entsprechend überzeugt ist Kiew davon, genügend Zeit zu haben, um die eigene Position sowohl diplomatisch als auch militärisch zu stärken.“