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Spitzentreffen in Ankara

Merz sieht NATO-Gipfel als Wendepunkt – „Trittbrettfahrerei der Europäer ist vorbei“

NATO-Treffen in Ankara: Trump macht seinem Ärger über Europa Luft. Das Fünf-Prozent-Ziel bei Rüstungsausgaben ist Thema.

Update, 18:51 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat die Stimmung unter den Staats- und Regierungschefs beim NATO-Gipfel in den höchsten Tönen gelobt. „Ich möchte nur sagen, dass in diesem Raum eine unglaubliche Liebe herrschte“, so Trump mit Blick auf das Treffen der Verbündeten. Er bedauere, dass die Presse nicht sehen konnte, was in dem Raum vor sich ging, denn dort hätten sich sehr kluge Worte versammelt. Die Einigkeit im Raum sei unglaublich gewesen.

NATO-Gipfel in Ankara: Trump zieht positive Bilanz

Update, 18:21 Uhr: US-Präsident Donald Trump zieht zum Abschluss des NATO-Gipfels in der Türkei eine positive Bilanz. „Wir hatten eine großartige Zeit“, sagte er auf einer Pressekonferenz in Ankara. „Wir haben gerade hier in der Türkei einen sehr erfolgreichen NATO-Gipfel abgeschlossen.“ Trump bedankte sich dabei explizit beim Gastgeber, dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, sowie bei NATO-Generalsekretär Mark Rutte. Erdoğan sei militärisch sehr stark. „Die Leute lassen ihn in Ruhe“, so Trump.

Update, 17:24 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat den NATO-Gipfel in Ankara als Wendepunkt in der Geschichte des Bündnisses wahrgenommen. „Die Trittbrettfahrerei der Europäer ist vorbei“, sagte Merz nach dem Treffen am Mittwoch mit Verweis auf die höheren Verteidigungsausgaben der europäischen NATO-Länder. Die Allianz sei nach dem Gipfel in der Türkei „europäischer denn je“, fügte er hinzu. Die Europäer übernähmen innerhalb des Bündnisses mehr Verantwortung, sagte der Kanzler. Er fahre mit dem Gefühl nach Deutschland zurück, „dass wir einen großen Beitrag geleistet haben, dass die NATO zusammenbleibt, dass sie stärker wird, dass sie europäischer wird“.

Bundeskanzler Merz hob außerdem hervor, dass Trump an allen Sitzungen teilgenommen habe. „Er hört auch kleinen Mitgliedstaaten aufmerksam zu“, sagt Merz. In seinem Schlussstatement habe Trump einen Satz geäußert, den Merz überraschend fand: „There is a feeling of love in the air.“ Zu Deutsch: „Es liegt ein Gefühl der Liebe in der Luft.“ Mit diesem Satz lasse sich ein NATO-Gipfel, der unter schwierigen medialen Vorzeichen gestanden habe, „gut abschließen“, so Merz.

Update, 15:23 Uhr: Die NATO-Staaten haben ungeachtet der scharfen Kritik durch US-Präsident Donald Trump an der Allianz auf dem Gipfel in Ankara ihre Bündnistreue und gegenseitige Beistandspflicht bekräftigt. Die Staats- und Regierungschefs betonten in der Abschlusserklärung am Mittwoch ihr „unerschütterliches Bekenntnis“ zur „gemeinsamen Verteidigung gemäß Artikel 5“ des Nordatlantikvertrags. „Ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf alle“, erklärten die NATO-Partner darin.

Vor der Sitzung des Nordatlantikrats hatte sich Trump im Beisein von Nato-Generalsekretär Mark Rutte „sehr verärgert“ über die Verbündeten geäußert. Nach der Sitzung zeigte der US-Präsident sich versöhnlich. „Es war ein großartiges Treffen, in diesem Raum war viel Liebe, viel Eintracht“, sagte er bei einem Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor Journalisten.

NATO-Gipfel in Ankara: Bündnisstaaten versprechen Ukraine bei Gipfel Milliardenbetrag

Update, 15:16 Uhr: Die von Russland angegriffene Ukraine hat beim Nato-Gipfel in Ankara eine neue Zusage für milliardenschwere Militärhilfen erhalten. Für dieses Jahr sagen Verbündete 70 Milliarden Euro für Ausrüstung, Unterstützung und Ausbildung zu. 2027 soll die Militärhilfe mindestens auf diesem Niveau fortgesetzt werden, wie aus der am Nachmittag von den Staats- und Regierungschefs angenommenen Gipfelerklärung hervorgeht. Insgesamt geht es damit um 140 Milliarden Euro.

Ein EU-Hilfspaket wird dabei allerdings mitgerechnet. Über dieses soll die Ukraine bis Ende 2027 rund 60 Milliarden Euro für verteidigungsrelevante Ausgaben bekommen. Unter dem Strich bleiben damit noch rund 80 Milliarden Euro, die NATO-Staaten aus ihren nationalen Haushalten stemmen müssen. Bundeskanzler Friedrich Merz sieht die Zusage als wegweisend an. „Dem Kreml dürfte langsam klar sein, dass sich Russland in diesem Krieg nicht durchsetzen und seine Kriegsziele nicht erreichen wird“, hatte der CDU-Politiker bereits zum Auftakt des Spitzentreffens gesagt. Der Gipfel in Ankara könne einen Einschnitt in diesem Krieg markieren.

Update, 12:47 Uhr: Trump hat beim NATO-Gipfel seinen Anspruch auf Grönland erneuert und dabei einen historischen Vergleich mit Nazi-Deutschland gezogen. Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen wies die US-Forderung nach einer Übernahme der Insel umgehend und scharf zurück.

„Als Dänemark von den Nazis in weniger als einem Tag überrannt worden war, hat Hitler sie besiegt“, sagte Trump laut dpa bei einer Pressekonferenz am Rande des Gipfels. Dänemark habe damals die USA um Schutz Grönlands gebeten – und das hätten die Vereinigten Staaten „dummerweise zurückgegeben“.

Deutschland nicht in den Top 3: Die Nato-Länder mit den größten Truppenstärken

Nato-Übung „Arctic Defender 2024“
Die Nato ist das größte militärische Verteidigungsbündnis der Welt. Der Nordatlantikpakt („North Atlantic Treaty Organization“) soll die territoriale Souveränität der Mitgliedsstaaten sichern und im Kriegsfall verteidigen. Dafür gibt es die Beistandsklausel im Gründungsvertrag der Nato. Die Truppenstärke aller Nato-Länder zusammengerechnet umfasste 2025 nach vorläufigen Zahlen rund 3,4 Millionen Soldaten und Soldatinnen.  © Kay Nietfeld/dpa
US-Armee Nato
Dem „Global Firepower Index“ zufolge stellen die USA mit rund 1,328 Millionen Soldatinnen und Soldaten die größte Nato-Truppe. Im Kampfeinsatz vertraut die US-Armee auch auf den Chinook-Hubschrauber. Der CH-47 ist bekannt für seine Fähigkeit, schweres Material und Personal in unwegsames Gelände zu transportieren. Im Bild ist eine gemeinsame Übung von Südkorea und den USA in Yeoncheon zu sehen. © Jung Yeon-Je/AFP
Militär Türkei
Das zweitgrößte Militär der Nato-Mitgliedstaaten kommt aus der Türkei (Truppenstärke: 355.200). Die Armee gilt als eine der stärksten der Welt. Anhand von mehr als 60 Einzelfaktoren analysieren die Fachleute von „Global Firepower Index“ die militärische Gesamtstärke der Armeen. Türkei, die seit 1952 Mitglied der Nato ist, belegt hier unter 145 Armeen den neunten Platz. © Tunahan Turhan/Imago
Polnische Armee
In der Nato-Rangliste der Truppenstärke liegt Polen auf Platz drei. Die polnischen Streitkräfte verfügen über 202.100 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte sind seit 2010 eine Berufsarmee und gliedern sich wie folgt: Heer, Marine, Luftwaffe, Spezialkräfte, Territorialverteidigung (Freiwilligenmiliz). © Radek Pietruszka/dpa
Frankreich Macron
Platz vier in der Nato-Rangliste belegt Frankreich (Truppenstärke: 200.000). Frankreich ist seit dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs die einzige Atommacht in der Europäischen Union. Der französische Staatspräsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und die einzige Person, die einen nuklearen Angriff befehlen kann. Hier hält Präsident Emmanuel Macron (Mitte) eine Rede vor zwei Kampfjets vom Typ Dassault Mirage 2000 (links) und vom Typ Dassault Rafale (rechts). © Ludovic Marin/AFP
Britische Armee bei einer Übung in Finnland
Die Streitkräfte des Vereinigten Königreichs gliedern sich in drei Teilstreitkräfte und umfassen ungefähr 184.860 Soldatinnen und Soldaten. Bei einer Übung in der Nähe von Rovaniemi am Polarkreis testet die Armee hier die mobile Haubitze Archer.  © Ben Birchall/dpa
Pistorius-Besuch in Litauen
Auf Platz sechs in der Nato-Rangliste liegt die Bundesrepublik Deutschland. Die Bundeswehr umfasst das Heer, die Luftwaffe, die Marine, den Cyber- und Informationsraum, sowie den Unterstützungsbereich. Aktuell gibt es rund 181.600 aktive Soldatinnen und Soldaten in Uniform. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD, rechts) erlebt die Fähigkeiten eines Leopard-2-Panzers auch schon mal aus nächster Nähe. © Alexander Welscher/dpa
Tag der italienischen Streitkräfte 2021
Die italienische Kunstflugstaffel „Frecce Tricolori“ fliegt am Tag der italienischen Streitkräfte über das Denkmal des Unbekannten Soldaten hinweg. Mit einer Truppenstärke von 165.500 Soldatinnen und Soldaten belegt Italien in der Nato-Rangliste den siebten Platz.  © Giuseppe Lami/dpa
Griechenland Militär
Kampfjets, Kriegsschiffe, Drohnenabwehrsysteme: Griechenland rüstet auf. Die Regierung will Milliarden investieren, um ihr Militär stärker zu machen als je zuvor. Aktuell verfügen die griechischen Streitkräfte (hier bei einer Militärparade in Athen) über eine Truppenstärke von 142.700 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Kostas Galanis/Imago
Luftlandeübung Swift Response
Noch eine weitere Armee der Nato verfügt über mehr als 100.000 aktive Soldatinnen und Soldaten: Spanien (Truppenstärke: 133.282). Allerdings ist das Land weit davon entfernt, das Zwei-Prozent-Ziel der Nato zu erreichen: Mit knapp 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ist Spanien sogar Schlusslicht in der Nato.  © Kay Nietfeld/dpa
Air Police Übung der Nato in Rumänien
Ein Kampfflugzeug vom Typ F-16 der rumänischen Luftwaffe steht auf dem rumänischen Luftwaffenstützpunkt in Borcea. Rumänien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz zehn (Truppenstärke: 81.300).  © Kathrin Lauer/dpa
Kanada - Snowbirds bei Flugtag
Kanada verfügt über rund 68.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. In Canadian Army, Royal Canadian Navy und Royal Canadian Air Force dienen nur Freiwillige. Die Kunstflugstaffel der Air Force ist unter dem Namen „Snowbirds“ bekannt. Die Schneevögel sind ein Symbol Kanadas. © Patrick Doyle/dpa
Ungarn Militär
Die H225M Caracal ist ein taktischer Mehrzweck- und Transporthubschrauber mit großer Reichweite. Benutzt wird er unter anderem von Ungarn (Truppenstärke: 41.600).  © Sergey Kohl/Imago
Abschluss der Nato-Übung Quadriga 2024
Niederländische Kräfte nehmen an der Quadriga-Übung 2024 teil. Die Niederlande liegt auf Platz 13 der Nato-Rangliste (Truppenstärke: 41.380). Die Regierung will die Stärke der nationalen Streitkräfte allerdings deutlich erhöhen. © Kay Nietfeld/dpa
Bulgarien Militär
Seit 2004 ist Bulgarien Nato-Mitglied. Die bulgarischen Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften Heer, Marine, Luftstreitkräfte. Derzeit umfasst das Militär in Bulgarien etwa 37.000 Frauen und Männern. © Vassil Donev/dpa
Kriegsende-Gedenken - Tschechien
Flugzeuge hinterlassen am Himmel farbige Spuren in den Nationalfarben Tschechiens anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Tschechien verfügt über 28.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Kamaryt Michal/dpa
Belgische Kronprinzessin schwitzt beim Militär-Sommercamp
Die Streitkräfte aus Belgien untergliedern sich in Heer, Marine, Luftstreitkräfte und medizinisches Korps. Es gibt rein niederländisch- und rein französischsprachige Einheiten. Im Jahr 2022 trainierte auch die belgische Kronprinzessin Elisabeth (2. von rechts) in einem Bootcamp der Königlichen Militärschule ihre Führungsqualitäten. Belgien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz 16 (Truppenstärke: 25.000). © Erwin Ceupp/dpa
Schwedische Nato-Truppen in Lettland stationiert
Die schwedischen Streitkräfte bestehen aus den vier Teilstreitkräften: Heer, Marine, Luftstreitkräfte, Heimwehr. Seit dem 7. März 2024 ist Schweden (Truppenstärke: 24.400) das 32. Mitglied der Nato. © Alexander Welscher/dpa
80. Jahrestag der Schlacht von Arnheim
Fallschirmjäger aus acht Nato-Mitgliedsländern (Deutschland, Griechenland, Niederlande, Polen, Portugal, Spanien, Vereinigtes Königreich und USA) springen hier zum Gedenken an den Jahrestag der Schlacht von Arnheim auf der Ginkelschen Heide ab. Portugals Truppenstärke beträgt 24.000 Frauen und Männer.  © Ben Birchall/dpa
Raketensschiff Pori der finnischen Marine
Das Raketensschiff Pori der finnischen Marine bricht vom Suomenlinna-Pier in Helsinki zur Nato-Operation „Enhanced Vigilance Activity“ in der Ostsee auf. Auch Finnland verfügt über 24.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Vesa Moilanen/dpa
Militärübung „Nordic Response“ in Norwegen
Norwegische Soldaten sitzen während der Militärübung „Nordic Response 24“ auf Schneemobilen. Die Streitkräfte bestehen aus dem Heer, der Marine, der Luftwaffe und der milizartig organisierten Heimwehr. Mit einer Truppenstärke von 23.250 Frauen und Männer belegt Norwegen Platz 20 in der Nato-Rangliste. © Jouni Porsanger/dpa
Deutsche Brigade in Litauen
Litauische Soldaten legen nach einem Schießtraining bei Rudninkai in dem Areal, wo die deutsche Brigade in Litauen stationiert werden soll, eine Pause ein. Die Truppenstärke von Litauen beträgt 23.000 Frauen und Männer. © Kay Nietfeld/dpa
The Royal Life Guards
Rekruten der Royal Life Guards aus Dänemark überqueren auf dem Truppenübungsplatz Kulsbjerg bei Vordingborg das Wasser. Dänemarks Militär verfügt derzeit über etwa 20.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Mads Claus Rasmussen/Imago
Luftwaffe bildet slowakische Soldaten an Flugabwehrsystem aus
Slowakische Soldaten trainieren an einem Flugabwehrsystem. Seit 2004 ist die Slowakei Mitglied der Nato. Die Truppenstärke des Militärs beträgt 19.500 Frauen und Männer. © Marcus Brandt/dpa
Lettland Militär Parade
imago80894560.jpg © Victor Lisitsyn/Imago
Militärmanöver in Kroatien
Kroatien verfügt über 14.325 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte werden umgangssprachlich meist als „Hrvatska vojska“ (Kroatische Armee) bezeichnet. Kroatien ist seit April 2009 Mitglied der Nato. © dpa
Mazedonien Namensänderung
Die Armee der Republik Nordmazedonien (Truppenstärke: 9000) gliedert sich in ein Heer mit angeschlossenen Luftstreitkräften (Heeresflieger). Aufgrund der Binnenlage des Landes gibt es keine eigenständige Marine.  © Dragan Perkovksi/dpa
Kaja Kallas
Am 15. Mai 2024 besuchte die damalige estnische Premierministerin Kaja Kallas die gemeinsame Übung „Spring Storm“ der estnischen Streitkräfte (Truppenstärke: 7700) und der alliierten Nato-Streitkräfte in Pärnu. © Jussi Nukari/Imago
Slowenien
Sloweniens Truppenstärke beträgt 7300 Frauen und Männer. Die Streitkräfte unterstehen dem Verteidigungsministerium. Die für den Schutz der 46 Kilometer langen Adriaküste zuständige Marine und die Luftstreitkräfte sind keine selbständigen Teilstreitkräfte. © Zeljko Stevanic/Imago
Albanien
Seit 2010 hat Albanien eine Berufsarmee. Sie besteht derzeit aus 6600 aktiven Soldatinnen und Soldaten. Das Joint Force Command bildet ein Hauptquartier, dem die drei Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine unterstehen. © Imago
Montenegro
Die seit 2006 aufgebauten Streitkräfte von Montenegro umfassen 2350 Frauen und Männer und gelten heute als eine funktionierende Kleinarmee in Europa. Montenegro ist seit Juni 2017 Mitglied der Nato. © Imago
Luxwemburg
Die Armee Luxemburgs umfasst die Streitkräfte des Großherzogtums Luxemburg. Sie besitzt eine leichtbewaffnete, Freiwilligenarmee (Truppenstärke: 1000). Die luxemburgische Armee ist in ein Infanteriebataillon mit zwei Aufklärungskompanien gegliedert. Mit einer dieser beiden Kompanien beteiligt sich Luxemburg am Eurokorps. © Berit Kessler7Imago
Eurofighter über Island. (Archivbild)
Ein Eurofighter fliegt bei der Übung „Rapid Viking 2023“ über Island. Der hohe Norden gewinnt zunehmend an geopolitischer Bedeutung. Nato-Mitglied Island selbst verfügt über keine eigene Armee. © Britta Pedersen

Update, 11:15 Uhr: Donald Trump hat beim NATO-Gipfel in der Türkei den vollständigen Abbruch aller Handelsbeziehungen mit Spanien gefordert. Das Land gebe zu wenig für Verteidigung aus und sei „ein schrecklicher NATO-Partner“, so der US-Präsident.

„Ich will nichts mit Spanien zu tun haben. Alle Handelsbeziehungen mit Spanien sollten abgebrochen werden“, sagte Trump beim Gipfel in Ankara. Der Schritt solle „sofort“ vollzogen werden. Ob Washington den Handel mit einem einzelnen EU-Staat eigenständig kappen kann, ist jedoch rechtlich fraglich – der Außenhandel der Union liegt in der Zuständigkeit Brüssels.

Hat genug von Spanien: Trump beim Nato-Gipfel in Ankara

Update, 8. Juli, 5:28 Uhr: Fünf der 32 NATO-Staaten werden in diesem Jahr das Fünf-Prozent-Ziel bei den Verteidigungsausgaben erfüllen – das gab das Bündnis zum Auftakt seines Gipfeltreffens in Ankara bekannt.

Griechenland, Estland, Lettland, Litauen und Polen zählen zu den Spitzenreitern beim Rüstungsetat. Deutschland bleibt mit etwa 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts noch deutlich dahinter – will aber bis 2029 auf 3,5 Prozent aufstocken.

Update, 23:13 Uhr: Der NATO-Gipfel in der Türkei hat mit einem Festbankett auf Einladung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan begonnen. Er empfing gemeinsam mit seiner Frau Emine Erdoğan die Staats- und Regierungschefs der 32 NATO-Staaten im Präsidentenpalast in der türkischen Hauptstadt Ankara. Auch die Staats- und Regierungschefs der Partnerstaaten Ukraine, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland sowie EU-Vertreter waren eingeladen. 

Am Mittwoch sind Arbeitssitzungen geplant. Beim Gipfel soll es um die weitere Stärkung der Abschreckung und der Verteidigungsfähigkeit in Europa gehen, die künftig vor allem von den europäischen Alliierten garantiert werden soll. Zudem werden Gespräche über die Entwicklung der Verteidigungsausgaben, die Unterstützung der Ukraine und die aus US-Sicht mangelnde Unterstützung von Bündnispartnern für den Iran-Krieg erwartet.

Update, 19:51 Uhr: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan empfängt die Staats- und Regierungschefs der NATO für ein Abendessen in seinem Palast in Ankara. Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Ehegattin Charlotte Merz kamen nur wenige Minuten vor US-Präsident Donald Trump im Palast an. Zur Begrüßung der Gäste spielte ein Militärchor in traditionell osmanischer Kleidung Kriegslieder des ehemaligen Osmanischen Reiches. Gegenüber des Militärchors wurden 16 erneut traditionell alt-türkisch gekleidete Soldaten aufgestellt, die die 16 türkischen Reiche in der Geschichte symbolisieren sollen. Das Abendessen, bei dem Erdoğan und seine Frau Emine Erdoğan Gastgeber sind, ist die erste gemeinsame Veranstaltung aller Staats- und Regierungschefs im Rahmen des NATO-Gipfels in der türkischen Hauptstadt.

NATO-Gipfel in Ankara: Deutschland meldet Rekordausgaben

Update, 18:18 Uhr: Deutschland hat der NATO erneut Verteidigungsausgaben in Rekordhöhe gemeldet. Die Bundesregierung übermittelte für das laufende Jahr einen Betrag von 124,7 Milliarden Euro. Das geht aus Daten des Verteidigungsbündnisses hervor, die zum Start des Gipfeltreffens in Ankara veröffentlicht wurden.

Update, 16:52 Uhr: Beim NATO-Gipfel in der Türkei hat Trump seine Ansprüche auf Grönland erneuert. Die USA sollten die Kontrolle über die Insel übernehmen, da sie für die amerikanische Sicherheit bedeutend sei. Trump räumte aber ein: „Das würde meine Beziehung zur NATO belasten.“

Bei einem bilateralen Treffen mit Erdoğan sagte Trump: „Grönland nützt Dänemark nichts, und Dänemark gibt kein Geld aus, um Grönland wirklich zu helfen. Doch für die Vereinigten Staaten ist es ein wichtiger Bestandteil.“ Die Insel solle deshalb „von den Vereinigten Staaten kontrolliert werden, nicht von Dänemark“. Vor einigen Monaten hatte Trump gedroht, Grönland notfalls militärisch zu übernehmen – eine schwere NATO-Krise konnte damals nur knapp verhindert werden.

NATO-Gipfel: Trump macht Hoffnung auf Ukraine-Frieden

Update, 16:15 Uhr: Bei seinem gemeinsamen Auftritt mit Erdoğan erklärte Trump laut CNN, er habe am Vortag ein „sehr gutes Gespräch“ mit dem russischen Präsidenten Putin geführt und mit seinem ukrainischen Amtskollegen Selenskyj gesprochen. „Ich glaube, beide wollen eine Einigung erzielen. Es ist schade, dass es so lange gedauert hat, aber ich denke, es wird dazu kommen – es wird sich etwas ergeben“, sagte Trump. Auf die Frage, ob sich etwas geändert habe, das ihn zu dieser Einschätzung veranlasste – etwa ob Putin zu Zugeständnissen bereit sei –, antwortete Trump: „Daran hat sich nichts geändert.“

„Ich will einfach nicht, dass Menschen getötet werden“, ergänzte Trump und verwies darauf, wie viele Menschen dem Konflikt Berichten zufolge jeden Monat zum Opfer fallen. „Wissen Sie, ich kann es einfach nicht ertragen, mitanzusehen, was da geschieht.“ Er habe Bilder von den Schlachtfeldern des Konflikts gesehen, und fügte hinzu: „Die Leute würden nicht glauben, wie brutal es dort zugeht.“ Trump weiter: „So etwas habe ich noch nie gesehen. Es ist ein Blutbad, und es muss aufhören“, sagte er.

Update, 15:25 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat auch am Rande des NATO-Gipfels in der Türkei seiner Verärgerung über einige europäische NATO‑Verbündete Luft gemacht. „Ich war sehr enttäuscht von der NATO“, sagte er kurz nach seiner Ankunft in Ankara bei einem Treffen mit dem Gastgeber, dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Kurz darauf bekräftigte er seine zuletzt immer wieder vorgebrachte Kritik, dass europäische Partner die USA im Iran-Krieg hängen gelassen hätten. Explizit erwähnte er dabei Großbritannien, Italien, Deutschland und Frankreich.

Gleichzeitig vermeldete er, er werde die CAATSA-Sanktionen gegen die Türkei aufheben. Es handelt sich dabei um das sogenannte „Gesetz zur Bekämpfung von Amerikas Widersachern durch Sanktionen“. Es wurde gegen die Türkei verhängt, nachdem das Land im Jahr 2019 russische Luftabwehrsysteme gekauft hatte. „Ich werde sie aufheben, okay?“, sagte Trump mit Blick auf eine Frage, die eigentlich an Erdogan gerichtet war. „Ich will nicht, dass er so eine Frage beantwortet und damit seine Zeit verschwendet. Wir wollen unsere Freunde nicht sanktionieren.“ Er habe „keine Bedenken“ wegen der russischen S-400-Luftabwehrsysteme.

Trump zeigte sich auch offen für den Verkauf von F-35-Kampfjets an die Türkei. „Wieso sollen wir das nicht tun“, betonte er. Schließlich sei die Türkei „loyaler“ gewesen als andere Staaten, die man für loyaler gehalten habe. Auch sagte er, es sei eine „Pflicht“ der USA, sich um Triebwerke für türkische Flugzeuge zu kümmern.

NATO-Gipfel: Trump protzt als Erstes mit seinem neuen Jumbojet

Update, 14:35 Uhr: US-Präsident Donald Trump ist beim NATO-Gipfel in Ankara eingetroffen. Seine neue Air Force One landete in der türkischen Hauptstadt. Den Jumbojet hatte Trump im vergangenen Jahr als Geschenk vom Golfemirat Katar angenommen, was damals umstritten war. Nach der Landung erzählte er der Übersetzerin des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan stolz davon.

Erdogan empfing Trump auf dem Flugplatz Etimesgut, wo ein NATO-blauer Teppich ausgerollt und Soldaten zu Ehren des US-Präsidenten angetreten waren. Trump begrüßte die Soldaten auf Türkisch mit „Hallo Soldat“ – ein übliches Protokoll bei Besuchen ausländischer Gäste mit militärischen Ehren. Die Soldaten antworteten mit einem lauten „Danke“. Begleitet wird Trump bei dem Gipfel unter anderem von Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth und Finanzminister Scott Bessent.

NATO-Gipfel: Europa will eigenständiger werden – doch ohne die USA geht kaum etwas

Erstmeldung: Am 7. und 8. Juli kommen die Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitgliedstaaten in Ankara zu ihrem 36. Gipfeltreffen zusammen. Logistischer Dreh- und Angelpunkt im Vorfeld ist der ausgebaute Militärflugplatz Ankara-Etimesgut (nun offiziell Ankara Airport).

Das Treffen, das primär im Beştepe-Präsidentenkomplex stattfindet, steht unter veränderten geopolitischen Vorzeichen: Für die europäischen Alliierten rückt die Notwendigkeit einer eigenständigeren Verteidigungsfähigkeit in den Vordergrund. Die Debatte um die sogenannte „strategische Autonomie“ gewinnt vor dem Hintergrund konkreter finanzieller Forderungen Washingtons an haushaltspolitischer Dringlichkeit.

Trump erhöht den Druck: NATO-Gipfel als Zerreißprobe für Europas Verteidigung

Treiber für die Neuausrichtung der europäischen Sicherheitsarchitektur bleibt die zunehmend radikal werdende US-amerikanische Außenpolitik. Nach der Rückkehr von Donald Trump in das Weiße Haus hat Washington die Anforderungen an die europäischen Partner verschärft. Die USA drängen nicht nur auf weitreichende Erhöhungen der nationalen Verteidigungsbudgets.

Laut einer aktuellen Vorab-Analyse des International Centre for Defence and Security (ICDS) zielt Washington auch dezidiert darauf ab, seine eigene Verteidigungsindustrie massiv zu stärken („supercharging“) und sicherzustellen, dass US-Hersteller nicht von der europäischen Aufrüstung ausgeschlossen werden.

Türkei als Gewinner des NATO-Gipfels: Ankaras Aufstieg in der Allianz ist kein Zufall

Für NATO-Generalsekretär Mark Rutte stellt diese Dynamik eine erhebliche diplomatische Herausforderung dar. Die USA fordern von den Europäern nicht nur langfristige Absichtserklärungen, sondern die zeitnahe Umsetzung konkreter Beschaffungsvorhaben.

Dabei profitiert auch Gastgeber Türkei von der Konstellation: Wie die Washington Post berichtete, steigt der Status Ankaras in der NATO derzeit deutlich an – angetrieben durch eine florierende eigene Rüstungsindustrie und die direkte politische Dynamik durch Trumps Teilnahme am Gipfel.

Strategische Autonomie oder Abhängigkeit? NATO-Gipfel offenbart Europas Dilemma

Die praktische Umsetzung einer europäischen Emanzipation stößt jedoch auf erhebliche strukturelle Hindernisse. Zwar betonen europäische Akteure bei Gipfel-Events wie dem Defence Industry Forum sowie dem von der Münchner Sicherheitskonferenz und der SETA-Stiftung organisierten offiziellen Begleitprogramm „Allies in Ankara“ die Notwendigkeit, den europäischen Pfeiler zu stärken.

Die britische Denkfabrik Chatham House unterstreicht in ihrer Gipfel-Prognose passend dazu, dass sich der Fokus von reinen Ausgabenzusagen nun zwingend auf die tatsächliche Implementierung und eine engere öffentlich-private Zusammenarbeit verschieben muss.

Dennoch bleibt die Verteidigungsindustrie auf dem Kontinent entlang nationaler Grenzen fragmentiert. Ein zentrales Manko ist die operationelle Abhängigkeit Europas: Ohne logistische und strategische Unterstützung der USA scheinen eigenständige europäische Großoperationen militärisch kaum realisierbar. (Quellen: NATO.int, icds.ee, washingtonpost.com, securityconference.org, chathamhouse.org) (frs)

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