Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

US-Angriff auf Maduro

Macht vor Recht: Wie Trumps Venezuela-Schlag die Weltordnung verschiebt – Grönland im Visier?

Die USA haben bei einem Angriff in Venezuela Maduro festgesetzt. Der Einsatz könnte für Trump eine Blaupause sein und die künftige US-Politik zeigen. Eine Analyse.

Caracas/Washington – Es ist 2.01 Uhr, als amerikanische Hubschrauber über dem Anwesen von Nicolás Maduro in Venezuela kreisen. Wenig später stürmen Spezialeinsatzkräfte der Delta Forces in das Schlafzimmer des Präsidenten und nehmen ihn sowie seine Frau gefangen. Wenig später sind alle in der Luft und verlassen unter heftigen Feuergefechten das venezolanische Hoheitsgebiet. Binnen weniger Stunden demonstrierten die Vereinigten Staaten bei der Operation „Absolute Resolve“, ganz dem Namen folgend, aus Sicht des Weißen Hauses eiserne Entschlossenheit.

Laut Trump werden die USA Venezuela vorübergehend führen.

Die Festnahme von Maduro am 3. Januar 2026 markiert einen Paradigmenwechsel der US-Außenpolitik, den Chatham House bereits im Dezember als „Neuausrichtung hin zu hemisphärischer Dominanz“ beschrieben hat. US-Präsident Donald Trump erklärte wenige Stunden nach der Militäroperation: „Die amerikanische Dominanz in der westlichen Hemisphäre wird niemals wieder infrage gestellt.“ International sorgte der Vorfall umgehend für kritische Reaktionen. Doch der Einsatz in Venezuela könnte nicht weniger als das Ende einer regelbasierten Ordnung sein – und künftig könnte Macht vor Recht gelten.

US-Angriff auf Venezuela: Trump lässt Maduro festsetzen – UN-Generalsekretär schlägt Alarm

Für die amerikanische Regierung um Trump ging es im Zusammenhang mit Venezuela in den vergangenen Wochen zunächst um Drogen, Kartelle und Migration. Wenig später eskalierte schließlich die Lage und gipfelte in der Entführung Maduros. Der US-Präsident rechtfertigte den Schritt mit der Durchsetzung des Strafrechts, kündigte zugleich einen Prozess in New York an. UN-Generalsekretär António Guterres sieht in diesem Vorgehen hingegen einen „gefährlichen Präzedenzfall“. Sein Sprecher erklärte, Guterres betone weiterhin die Wichtigkeit der uneingeschränkten Achtung des Völkerrechts. Der Generalsekretär sei zutiefst besorgt darüber, dass die Regeln des Völkerrechts nicht beachtet wurden.

Doch hinter dem wohl völkerrechtswidrigen Vorgehen der USA steckt weitaus mehr, als es auf den ersten Blick vermuten lässt: Trump hat den Anspruch der Vereinigten Staaten auf die Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre bekräftigt. Das Vorgehen der Amerikaner in Venezuela passt dabei unmittelbar in die Rahmenbedingungen der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie. Trump selbst sprach im Kontext der Maduro-Festnahme von der sogenannten Monroe-Doktrin. Auch der Begriff „Donroe-Doktrin“ fiel. In Anlehnung an Trumps Vornamen setzt sich die Bezeichnung „Donroe“ aus dem eigentlichen Namen der Doktrin „Monroe“ und dem Namen des Präsidenten „Donald“ zusammen.

USA greifen Venezuela an: Bilder zeigen Zerstörung und Maduro in Gefangenschaft

Rauch steigt am Flughafen La Carlota auf, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren.
Rauch steigt am Flughafen La Carlota auf, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren. © Matias Delacroix/dpa
Soldaten bewachen die Gegend um den Präsidentenpalast Miraflores, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren.
Soldaten bewachen die Gegend um den Präsidentenpalast Miraflores, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren. © Cristian Hernandez/dpa
Das Feuer im Fuerte Tiuna, Venezuelas größtem Militärkomplex, ist nach einer Reihe von Explosionen in Caracas am 3. Januar 2026 aus der Ferne zu sehen.
Das Feuer im Fuerte Tiuna, Venezuelas größtem Militärkomplex, ist nach einer Reihe von Explosionen in Caracas am 3. Januar 2026 aus der Ferne zu sehen. © STR / AFP
Explosionen erschüttern die venezolanische Hauptstadt Caracas.
Explosionen erschüttern die venezolanische Hauptstadt Caracas.  © IMAGO/Stringer
Menschen gehen am Präsidentenpalast Miraflores vorbei, nachdem in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, Explosionen und tieffliegende Flugzeuge zu hören waren.
Menschen gehen am Präsidentenpalast Miraflores vorbei, nachdem in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, Explosionen und tieffliegende Flugzeuge zu hören waren. © Cristian Hernandez/dpa
Anwohner verlassen ein Gebäude in der Nähe des Präsidentenpalastes Miraflores, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren.
Anwohner verlassen ein Gebäude in der Nähe des Präsidentenpalastes Miraflores, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren. © Cristian Hernandez/dpa
Fußgänger rennen, nachdem Explosionen in Caracas zu hören waren.
Fußgänger rennen, nachdem Explosionen in Caracas zu hören waren. © Matias Delacroix/dpa
Anwohner aus einem Gebäude, das evakuiert wurde, stehen in der Nähe des Präsidentenpalastes Miraflores, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren.
Anwohner aus einem Gebäude, das evakuiert wurde, stehen in der Nähe des Präsidentenpalastes Miraflores, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren. © Cristian Hernandez/dpa
Eine Frau verfolgt die Nachrichten im Fernsehen, nachdem es in Caracas zu mehreren Explosionen gekommen war.
Eine Frau verfolgt die Nachrichten im Fernsehen, nachdem es in Caracas zu mehreren Explosionen gekommen war.  © IMAGO/Boris Vergara
Schäden nach der US-Attacke auf den Hafen La Guaira in Venezuela.
Schäden nach der US-Attacke auf den Hafen La Guaira in Venezuela. © Pedro Mattey/imago
Blick auf Caracas bei Nacht, aufgenommen nach einer Reihe von Explosionen am 3. Januar 2026.
Blick auf Caracas bei Nacht, aufgenommen nach einer Reihe von Explosionen am 3. Januar 2026. © Federico Parra/afp
Menschen versammeln sich in einem Einkaufszentrum in der Nähe eines großen Bildschirms, auf dem der US-Angriff auf Venezuela überträgt und über den gefangenen venezolanischen Präsidenten Maduro und seine Frau berichtet wird.
Menschen versammeln sich in einem Einkaufszentrum in der Nähe eines großen Bildschirms, auf dem der US-Angriff auf Venezuela überträgt und über den gefangenen venezolanischen Präsidenten Maduro und seine Frau berichtet wird.  © Andy Wong/dpa
Das Foto soll den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro in US-Gewahrsam zeigen. Er trägt einen Jogginganzug, einen Gehörschutz, eine Brille und Handschellen.
Das Foto soll den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro in US-Gewahrsam zeigen. Er trägt einen Jogginganzug, einen Gehörschutz, eine Brille und Handschellen. © @realDonaldTrump/Truth Social
Ein Flugzeug, in dem der gefangene venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro an Bord sein soll, landet auf der Stewart Air National Guard Base.
Ein Flugzeug, in dem der gefangene venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro an Bord sein soll, landet auf der Stewart Air National Guard Base. © Noah K. Murray/dpa
Eine Wagenkolonne mit dem gefangenen venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro und seiner Frau Cilia Flores fährt vom West 30th Street Heliport ab.
Eine Wagenkolonne mit dem gefangenen venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro und seiner Frau Cilia Flores fährt vom West 30th Street Heliport ab. © Stefan Jeremiah/dpa
Bundespolizisten stehen vor dem Metropolitan Detention Center Wache, während sie auf die Ankunft des gefangenen venezolanischen Präsidenten Maduro warten.
Bundespolizisten stehen vor dem Metropolitan Detention Center Wache, während sie auf die Ankunft des gefangenen venezolanischen Präsidenten Maduro warten. © Yuki Iwamura/dpa
New Yorker Polizeibeamte versammeln sich vor dem Metropolitan Detention Center kurz nach der Ankunft des festgenommenen venezolanischen Präsidenten Maduro und seiner Frau Cilia.
New Yorker Polizeibeamte versammeln sich vor dem Metropolitan Detention Center kurz nach der Ankunft des festgenommenen venezolanischen Präsidenten Maduro und seiner Frau Cilia. © Yuki Iwamura/dpa
Beamte warten vor dem Hubschrauberlandeplatz in der West 30th Street auf die Ankunft des gefangenen venezolanischen Präsidenten Maduro.
Beamte warten vor dem Hubschrauberlandeplatz in der West 30th Street auf die Ankunft des gefangenen venezolanischen Präsidenten Maduro. © Stefan Jeremiah/dpa
Präsident Donald Trump spricht in seinem Club Mar-a-Lago nach dem Angriff auf Venezuela.
Präsident Donald Trump spricht in seinem Club Mar-a-Lago nach dem Angriff auf Venezuela. © Alex Brandon/dpa
US-Präsident Donald Trump, Verteidigungsminister Pete Hegseth und CIA-Chef John Ratcliffe überwachen die Militäroperation in Venezuela.
US-Präsident Donald Trump, Verteidigungsminister Pete Hegseth und CIA-Chef John Ratcliffe überwachen die Militäroperation in Venezuela. © Donald Trump's Truth Social Account/imago
Eine Frau sitzt vor einem Gebäude, das bei der Bombardierung durch die Vereinigten Staaten in Venezuela zerstört wurde.
Nach dem US-Militäreinsatz: Eine Frau sitzt vor einem Gebäude, das bei der Bombardierung durch die Vereinigten Staaten in Venezuela zerstört wurde.  © Javier Campos/dpa
Ein Mann schaut sich die Schäden an einem Apartmentgebäude an, das bei der Bombardierung durch die Vereinigten Staaten in Venezuela zerstört wurde.
Ein Mann schaut sich die Schäden an einem Apartmentgebäude an, das bei der Bombardierung durch die Vereinigten Staaten in Venezuela zerstört wurde. © Javier Campos/dpa
Bewaffnete Zivilisten, die der Regierung nahestehen, stoppen Motorradfahrer in Caracas nach US-Angriffen auf Venezuela.
Bewaffnete Zivilisten, die der Regierung nahestehen, stoppen Motorradfahrer in Caracas nach US-Angriffen auf Venezuela.  © Ariana Cubillos/dpa
Ein Anhänger der Regierung hält eine Actionfigur von Super Bigote während einer Demonstration, bei der die Freilassung von Präsident Nicolás Maduro gefordert wird.
Protest in Caracas: Ein Anhänger der Regierung hält eine Actionfigur von Super Bigote während einer Demonstration, bei der die Freilassung von Präsident Nicolás Maduro gefordert wird. © Ariana Cubillos/dpa
Demonstranten verbrennen in der Nähe der US-Botschaft in Manila eine US-Flagge.
Protest auch auf den Philippinen: Demonstranten verbrennen in der Nähe der US-Botschaft in Manila eine US-Flagge. © Aaron Favila/dpa

Die US-Zeitung New York Post hatte Anfang 2025 „Die Donroe-Doktrin“ (The Donroe Doctrine) getitelt und schöpfte den neuen Begriff. Andere Medien griffen die Wortneuschöpfung später auf. Welche Rolle der Doktrin künftig beigemessen werden könnte, machte Trump nach dem Angriff auf Venezuela unmissverständlich klar: „Wir haben sie ein Stück weit vergessen. Sie war sehr wichtig, aber wir haben sie vergessen. Wir werden sie nicht mehr vergessen.“ Die Monroe-Doktrin geht auf Präsident James Monroe (regierte 1817 bis 1825) zurück, die später hegemonial interpretiert wurde und den Anspruch der USA begründete, den amerikanischen Doppelkontinent geopolitisch zu dominieren.

Nach Venezuela: US-Außenpolitik unter Trump im Wandel

In welcher Weise die USA unter Trump künftig ihre sogenannte Monroe-Doktrin ausleben könnten, kristallisiert sich seit mehreren Monaten heraus. Demnach sieht die „Trump-Interpretation“ etwa die Verhinderung von Massenmigration in die USA sowie den gemeinsamen Kampf mit ausländischen Regierungen gegen Drogenschmuggler und Kartelle vor. Zugleich geht es um den „fortgesetzten Zugang zu wichtigen strategischen Standorten“. Der Weg scheint klar: Die globale Kooperation muss hemisphärischer Dominanz weichen. Bereits in der Nationalen Sicherheitsstrategie wurde dies deutlich: Laut Chatham House wendet sich Trump vom klassischen Vorgehen ab und beansprucht Zugang zu Ressourcen ohne Entschädigung.

Der Londoner Thinktank analysierte, dass Trump zudem auf die Anwendung von Zwang statt Verhandlungen mit lokalen Eliten setzen will. Ferner geht es um die Bereitstellung von Geldern für gleichgesinnte Regierungen sowie um die Androhung militärischer Interventionen, ohne das Völkerrecht zu achten. 

Nach dem Sturz von Maduro hat inzwischen Vizepräsidentin Delcy Rodríguez die Regierungsgeschäfte in Venezuela übernommen. Das Militär hat sich mittlerweile hinter ihr versammelt. Im gesamten Staatsgebiet würden Einheiten der Streitkräfte und der Polizei aktiviert, um die „imperialistische Aggression“ der Vereinigten Staaten zurückzuschlagen, hieß es in einer Mitteilung.

Am Samstagabend hatte Trump seinerseits die künftigen Pläne für das Land vorgestellt. „Wir werden uns jetzt um das Land kümmern, bis wir einen sicheren, geordneten und umsichtigen Übergang gewährleisten können“, sagte er auf einer Pressekonferenz in seiner Privatresidenz Mar-a-Lago in Florida. Wie genau dieser Prozess ablaufen soll, blieb zunächst unklar. Außenminister Rubio wurde mit dieser Aufgabe betraut.

Zugleich verdeutlichte Trump, dass die USA gegebenenfalls auch Bodentruppen zur Sicherung des Landes entsenden würden. Der US-Präsident sprach außerdem davon, dass künftig US-Ölkonzerne „Milliarden Dollar investieren“ werden, um Venezuela wieder aufzubauen. In diesem Zusammenhang sprach er auch von Gewinnen für US-Konzerne, die als Aufwandsentschädigung gesehen werden sollen.

Venezuela und Öl: Trump sendet mit „Absolute Resolve“ Signal an Russland, China und Iran

Dass Trump nach der Festnahme von Maduro auf das Ölgeschäft zu sprechen kam, ist kein Zufall. Venezuela verfügt über die größten Ölreserven der Welt, eine Erschließung durch die USA ist von daher von strategischer Bedeutung. Zugleich sendete der US-Präsident mit dem Vorgehen auch eine klare Botschaft an China, Russland oder den Iran. „Strategisch ist diese Intervention natürlich ein höchst willkommener schwerer Schlag für russische Interessen: Es reduziert russische Öldeals und den globalen Einfluss Moskaus enorm“, schrieb der ehemalige Chef der Münchner Sicherheitskonferenz und frühere deutsche Botschafter in den USA, Wolfgang Ischinger, auf X.

„Absolute Resolve“, also „absolute Entschlossenheit“, scheint kein zufälliger Name für den Militärschlag in Venezuela gewesen zu sein. Kein Verhandeln mehr, sondern nur Vollendung: Trumps Weg scheint radikaler als je zuvor, was der Präsident auch während seiner Pressekonferenz rhetorisch unterstrich. Dort machte Trump deutlich, dass der Einsatz auch tödlich hätte enden können.

Nationale Sicherheitsstrategie der USA: Trump setzt auf Abschreckung

In der Nationalen Sicherheitsstrategie heißt es nicht umsonst: „Wir wollen sicherstellen, dass die westliche Hemisphäre einigermaßen stabil bleibt und gut genug regiert, um Massenimmigration in die USA zu verhindern oder zu entmutigen“. Die Trump-Regierung betont in ihrer außenpolitischen Ausrichtung die Notwendigkeit einer Hemisphäre, „die frei bleibt von feindseligen äußeren Eingriffen oder dem Besitz von Schlüssel-Ressourcen und die kritische Lieferketten unterstützt; und wir wollen sicherstellen, dass wir weiter Zugang haben zu Orten von entscheidender strategischer Bedeutung“.

Mit Blick auf diese Intention scheint Venezuela der perfekte Testballon gewesen zu sein. Denn das Land hatte zuletzt die Nähe zu Staaten gesucht, die wider die amerikanischen Interessen sind. Wladimir Putin hatte eine strategische Partnerschaft mit Maduro geschlossen, chinesische Vertreter waren Anfang Januar nach Caracas aufgebrochen, um über einen vertiefenden Austausch beider Staaten zu sprechen. Auch zum iranischen Regime soll Maduro enge Kontakte gehabt haben.

„Im Kern geht es darum, dass Präsident Trump seiner Vorstellung folgt, dass die USA eine Hegemonie in der westlichen Hemisphäre errichten sollte“, analysiert Jonathan Panikoff vom Atlantic Council. „Die USA sollten demnach die dominante Macht in der Region sein, die frei sein sollte vom Einfluss Chinas, Russlands, Kubas und des Irans. Amerika First verlangt nach Dominanz in der westlichen Hemisphäre.“

Folgen von Venezuela-Angriff: EU im Dilemma – Sorge um Grönland?

Womöglich war der US-Angriff auf Venezuela ein Präzedenzfall für weitere Interventionen. Für die Europäer wird der Vorfall indes allerdings zur Zerreißprobe: Nur zögerlich äußerten sie sich zum Vorgehen der Trump-Regierung. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vermied es, eine rechtliche Einordnung des US-Einsatzes abzugeben. Für diese ausweichende Haltung kassierte er unmittelbar scharfe Kritik, doch offenbart sie auch das Dilemma, in das die europäischen Staaten rutschen.

Nicht nur die EU ist abhängig von den US-Sicherheitsgarantien, der US-Schlag in Venezuela lässt auch ihr eigenes Werteverständnis auf geopolitische Realitäten prallen. Der Multilateralismus ist gewichen und künftig könnte strategische Autonomie wichtiger denn je werden. „Die Kanonenbootdiplomatie ist zurück. Die USA haben vor der Küste Venezuelas eine außergewöhnliche Demonstration ihrer militärischen Macht inszeniert“, warnte der Guardian.

Die nächste Bewährungsprobe könnte schon bevorstehen: Erst im Dezember hatte Trump eine Debatte um umstrittene Besitzansprüche der USA an Grönland erneut entfacht. Und auch nach dem Venezuela-Angriff kursierten Bilder in sozialen Medien, die die Insel unter US-Flagge zeigten. US-Präsident Donald Trump ließ sich auch nicht lange bitten und sagte dem Magazin Atlantic kurze Zeit später: „Wir brauchen Grönland absolut.“ Sein Land verlange „die uneingeschränkte Achtung der territorialen Integrität“ Dänemarks, schrieb der dänische Botschafter in den USA, Jesper Möller Sörensen – womöglich ein Zeichen, dass Europas Diplomaten einen nächsten Schachzug Trumps nicht ausschließen. (Quellen: Chatham House, The Atlantic Council, dpa, afp, Reuters, Guardian, eigene Recherche) (fbu)

Rubriklistenbild: © Alex Brandon/ap/dpa

Kommentare