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Ukraine-Drohnen im Landesinneren

Ukraine-Krieg: In Russland kippt die Stimmung – „Die Menschen fühlen sich bedroht“

Immer mehr Drohnen treffen Ziele tief in Russland. Ein Moskauer Soziologe sieht wachsende Ängste. Zugleich gerät Putins Kriegswirtschaft unter Druck.

Der Ukraine-Krieg war für viele Menschen in Russland lange weit entfernt. In Moskau liefen Sommerfeste, Open-Air-Kinos und Stadtveranstaltungen weiter – und die Führung versuchte, den Eindruck normalen Alltags aufrechtzuerhalten. Doch die immer häufigeren ukrainischen Angriffe auf Ziele tief im russischen Hinterland verändern die Wahrnehmung vieler Russinnen und Russen.

Schwarze Rauchwolken steigen nach einem ukrainischen Drohnenangriff über der Gazprom-Neft-Raffinerie im Südosten Moskaus auf. Links Russlands Präsident Wladimir Putin.

Zuletzt wurden bei einem der größten Angriffe der Ukraine seit Kriegsbeginn Hunderte Drohnen in Richtung Moskau und zahlreiche weitere Regionen geschickt. Dabei wurden Ölraffinerien, Treibstofflager und weitere Infrastruktur getroffen. Bei dem Großangriff in der Nacht zum Donnerstag (18. Juni) wurden nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums landesweit rund 990 ukrainische Drohnen abgefangen, wie Reuters berichtet. Dennoch wurden mehrere Ziele, darunter die Gazprom-Neft-Raffinerie im Südosten Moskau, getroffen.

Ukraine-Krieg: Stimmungswandel in Russland – Ukraine-Attacken lösen Sorgen aus

Der Moskauer Soziologe Lew Gudkow vom unabhängigen Meinungsforschungsinstitut „Lewada“ beobachtet inzwischen einen deutlichen Stimmungswandel in Russland. Im Gespräch mit dem Stern sagte er: „Die Menschen fühlen sich von den Attacken bedroht.“ Noch vor einiger Zeit hätten sich viele Russinnen und Russen kaum für die Angriffe aus der Ukraine interessiert. Das habe sich mittlerweile geändert.

Nach Angaben Gudkows beschäftigen die Drohnen inzwischen viele Menschen stärker als die Situation an der Front im Ukraine-Krieg. Steigende Preise gelten zwar weiterhin als größte Sorge des russischen Volks, die ukrainischen Angriffe seien aber inzwischen auf Platz zwei der größten Ängste aufgerückt, berichtet der Stern.

Allerdings führe die Verunsicherung bislang nicht zu einem wachsenden Wunsch nach Frieden im Ukraine-Krieg. Vielmehr betrachteten viele Menschen die Angriffe als Aggression gegen Russland und forderten ein härteres Vorgehen gegen das Nachbarland.

Militärparade am Tag des Sieges: Putins Verluste werden in Moskau deutlich

Am 9. Mai feiert Russland den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland.
Am 9. Mai feiert Russland den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland. Eingeführt wurde der Feiertag bereits 1965. Bis heute wird er in Moskau mit einer Militärparade.  © afp
Russische Soldaten stehen in einer Formation vor der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau.
Am 9. Mai stehen russische Soldaten in einer Formation vor der Militärparade in Moskau. © Pavel Bednyakov/dpa
Nordkoreanische Soldaten stehen in einer Formation vor der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau.
Auch Soldaten aus Nordkorea sind bei der Militärparade zum Tag des Sieges am 9. Mai in Moskau vor Ort. © Pavel Bednyakov/dpa
Nordkoreanische Soldaten warten auf den Beginn der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau.
Hier warten die nordkoreanischen Soldaten auf den Beginn der Militärparade. © Pavel Bednyakov/dpa
Kremlchef Putin kann die Militärparade zum 9. Mai im Schutz einer Waffenruhe abnehmen.
Präsident Wladimir Putin sagte in seiner Rede, dass die russische Armee in der Ukraine gegen „aggressive“, von der Nato unterstützte Streitkräfte kämpfe. Die „große Leistung“ der Roten Armee im Kampf gegen Nazi-Deutschland inspiriere die heutigen Soldaten bei ihrem Einsatz in der Ukraine, fügte er hinzu. Moskaus Sache sei „gerecht“. © Imago
Der russische Präsident Wladimir Putin (M, hinten) nimmt an einer Zeremonie zur Niederlegung von Blumen am Grab des Unbekannten Soldaten an der Kremlmauer in Moskau teil.
Der russische Präsident Wladimir Putin nimmt an einer Zeremonie zur Niederlegung von Blumen am Grab des Unbekannten Soldaten an der Kremlmauer in Moskau teil.  © Alexander Nemenow/AFP
Tag des Sieges in Russland
Hier ist Putin nur verdeckt zu sehen. © Alexander Nemenov/dpa
Russische Soldaten marschieren am 9. Mai während über den Roten Platz in Moskau.
Russische Soldaten marschieren am 9. Mai während der Militärparade über den Roten Platz in Moskau. © Igor Iwanko/AFP
Gäste nehmen an der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau teil.
Gäste nehmen an der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau teil. © Maxim Shipenkov/dpa
Russische Militärjets überfliegen die Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau.
Russische Militärjets überfliegen die Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau.  © Maxim Shipenkov/dpa
Russische Soldaten, die an der sogenannten „militärischen Spezialoperation“ in der Ukraine beteiligt sind, marschieren am 9. Mai 2026 während der Militärparade zum Tag des Sieges über den Roten Platz in Moskau.
Russische Soldaten, die an der sogenannten „militärischen Spezialoperation“ in der Ukraine beteiligt sind, marschieren am 9. Mai 2026 während der Militärparade zum Tag des Sieges über den Roten Platz in Moskau. © Igor Iwanko/AFP
Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko (links) begleitet Putin bei der Militärparade.
Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko (links) begleitet Putin bei der Militärparade. © Pavel Bednyakov/dpa
Moskau am Donnerstag, den 7. Mai 2026, zwei Tage vor der Parade zum Tag des Sieges. Unweit des Roten Platzes sammeln sich an diesem Tag bereits Rekruten der Russischen Armee für Proben.
Die Vorbereitungen für die Militärparde liefen auch im Jahr 2026 im Vorfeld bereits auf Hochtouren. Moskau am Donnerstag, den 7. Mai 2026, zwei Tage vor der Parade zum Tag des Sieges. Unweit des Roten Platzes sammeln sich an diesem Tag bereits Rekruten der Russischen Armee für Proben. © dpa
Unweit der Großen Steinernen Brücke stellen sich Marine-Kadetten auf, um einer nächtlichen Probe für die Siegesparade in Moskau zu Ehren des Tages des Sieges am 9. Mai teilzunehmen.
Unweit der Großen Steinernen Brücke stellen sich Marine-Kadetten auf, um an einer nächtlichen Probe für die Siegesparade in Moskau zu Ehren des Tages des Sieges am 9. Mai teilzunehmen. © afp
Rekruten der russischen Armee besprechen sich vor Beginn der Generalprobe zur Militärparade am Tag des Sieges in Moskau.
Rekruten der russischen Armee besprechen sich vor Beginn der Generalprobe zur Militärparade am Tag des Sieges in Moskau. © afp
In den vergangenen Jahren haben bei der Parade zum Tag des Sieges in Moskau zwischen 9.000 und 11.000 Soldaten teilgenommen. Darunter Einheiten der Marine, der Luftwaffe und der Infanterie.
In den vergangenen Jahren haben bei der Parade zum Tag des Sieges in Moskau zwischen 9000 und 11.000 Soldaten teilgenommen. Darunter Einheiten der Marine, der Luftwaffe und der Infanterie. © dpa
Eine Marschkolonne aus etwa 40 Soldaten probt die Militärparade in Moskau.
Eine Marschkolonne aus etwa 40 Soldaten probt die Militärparade in Moskau. Bewaffnet sind die Soldaten mit Kalaschnikow-Gewehren des Typs AK-12, das aktuelle Standard-Sturmgewehr der russischen Armee. Gekleidet ist der Trupp einheitlich in modernen Felduniformen mit schwarzen Beretten, was sie als Teil der Marine-Infanterie erkennbar macht. © dpa
Im Hintergrund der Soldaten ist ein Wohnhaus an der Kotelnitscheskaja-Uferstraße zu sehen.
Im Hintergrund der Soldaten ist ein Wohnhaus an der Kotelnitscheskaja-Uferstraße zu sehen. Es handelt sich dabei um einen der als „Sieben Schwestern“ bekannten Wolkenkratzer im stalinistischen Baustil, die sich in der russischen Hauptstadt finden. © dpa
Zwischen den Paradeproben gönnen sich die russischen Rekruten in Moskau eine Pause.
Zwischen den Paradeproben gönnen sich die russischen Rekruten in Moskau eine Pause. © afp
Daily life in Moscow
Die russische Hauptstadt ist Zentrum der Feierlichkeiten rund um den Tag des Sieges. Neben der traditionellen Militärparade sind zahlreiche weitere Veranstaltungen geplant. © IMAGO/Natalia Kolesnikova
Ganz Moskau ist vor den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges geschmückt. Auf der Moskwa-Brücke, östlich des Kreml gelegen, wehen bereits Tage vor der eigentlichen Siegesparade Fahnen mit der Aufschrift „Sieg“.
Ganz Moskau ist vor den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges geschmückt. Auf der Moskwa-Brücke, östlich des Kreml gelegen, wehen bereits Tage vor der eigentlichen Siegesparade Fahnen mit der Aufschrift „Sieg“. © afp
Vor dem am östlichen Ende des Kreml gelegenen Spasskaja-Turm („Erlöser-Turm“) werden bereits die Tribünen und sonstigen Anlagen für die Feierlichkeiten am Tag des Sieges errichtet.
Vor dem am östlichen Ende des Kreml gelegenen Spasskaja-Turm („Erlöser-Turm“) werden bereits die Tribünen und sonstigen Anlagen für die Feierlichkeiten am Tag des Sieges errichtet. Auf dem Roten Platz werden auch die Ehrengäste von Russlands Präsident Wladimir Putin ihren Platz einnehmen, um von dort die Siegesparade durch Moskau verfolgen zu können. © dpa
Die Sonne scheint und die Stimmung in Moskau scheint wenige Tage vor dem 9. Mai 2026 gut.
Die Sonne scheint und die Stimmung in Moskau wirkt wenige Tage vor dem 9. Mai 2026 gut. Das zumindest gilt für diese beiden jungen Menschen, die wenige Tage vor der großen Militärparade an einer Reihe von Fahnen vorbeilaufen, die zu Ehren des Tags des Sieges in Moskau aufgehängt wurden. © afp
Auf diesem Foto aus Moskau ist ein goldener Stern zu sehen, unter dem in kyrillischer Schrift geschrieben steht: „Heldenstadt Moskau“.
Auf diesem Foto aus Moskau ist ein goldener Stern zu sehen, unter dem in kyrillischer Schrift geschrieben steht: „Heldenstadt Moskau“. Der Schriftzug findet sich auf zahlreichen Plakaten und Fahnen. Den Titel erhielt die russische Hauptstadt bereits in der Sowjet-Zeit. Er soll den Heldenmut der Stadtbevölkerung während des Zweiten Weltkriegs, in Russland als „Großer Vaterländischer Krieg“ bezeichnet, ehren. © afp
Bei der Militärparade zum Tag des Sieges am 9. Mai in Moskau finden sich auch jedes Jahr folkloristische Darbietungen, die an die Zeit des Zweiten Weltkriegs erinnern sollen.
Bei der Militärparade zum Tag des Sieges am 9. Mai in Moskau finden sich auch jedes Jahr folkloristische Darbietungen, die an die Zeit des Zweiten Weltkriegs erinnern sollen. Junge Rekruten schlüpfen in historische Uniformen und tanzen mit Frauen, die traditionelle Kleidung aus der Zeit der 1940er tragen. © dpa
Vor dem monumentalen Eingangstor der Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft üben hunderte Tänzerinnen und Tänzer den „Siegeswalzer“ ein.
Vor dem monumentalen Eingangstor der Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft üben hunderte Tänzerinnen und Tänzer den „Siegeswalzer“ ein. Im Hintergrund ist ein Modell des sowjetischen Siegesordens, des „Pobeda“, zu sehen – geschmückt mit dem Staatswappen der UdSSR und umrahmt mit roten Fahnen, auf denen das Wort „Sieg“ prangt. © dpa
Sogar Kavallerie-Einheiten nehmen an der Militärparade durch Moskau am Tag des Sieges teil.
Sogar Kavallerie-Einheiten nehmen an der Militärparade durch Moskau am Tag des Sieges teil. Hier zu sehen sind drei Soldaten, die im Stil der russischen Kosaken mit traditionellen Uniformen an den Proben für die Parade teilnehmen. Sie tragen den langen dunklen Mantel der Kosaken, Tscherkesska genannt, dazu die traditionelle Pelzmütze (Papakha) und den typischen kosakischen Säbel (Schaschka) sowie den Dolch (Kindschal). © dpa
Diese Offiziere tragen bereits zu den Proben der Militärparade in Moskau, zwei Tage vor dem eigentlichen Tag des Sieges, bereits ihre Paradeuniformen.
Diese Offiziere tragen bereits zu den Proben der Militärparade in Moskau, zwei Tage vor dem eigentlichen Tag des Sieges, ihre Paradeuniformen. Die blaugrünen Jacken mit Stehkragen und roten Paspeln sind typisch für das russische Heer. © imago
Auch Veteranen und aktive Soldaten nehmen an den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges in Moskau teil.
Auch Veteranen und aktive Soldaten nehmen an den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges in Moskau teil. Diese Soldaten, teils hochdekoriert, entspannen sich einige Tage vor der Militärparade in der russischen Hauptstadt. Der Mann in der Mitte trägt dabei unter der klassischen Tarn-Uniform der russischen Armee ein blau-weißes Hemd, das sogenannte Telnyashka. Es wird traditionell von russischen Luftlandetruppen oder Marine-Infanteristen verwendet. © afp
Unter den aktiven Soldaten, die vor dem Tag des Sieges in Moskau eintreffen, sind auch verletzte Veteranen.
Unter den aktiven Soldaten, die vor dem Tag des Sieges in Moskau eintreffen, sind auch verletzte Veteranen. Ob sie sich die Verletzungen auf dem Schlachtfeld im Ukraine-Krieg zugezogen haben, ist nicht bekannt. © afp
eimlicher Hauptdarsteller bei der Militärparade in Moskau am Tag des Sieges ist Russlands Machthaber Wladimir Putin
Heimlicher Hauptdarsteller bei der Militärparade in Moskau am Tag des Sieges ist Russlands Machthaber Wladimir Putin, hier zu sehen auf dem Roten Platz vor Beginn der Feierlichkeiten. Geschmückt ist Putin mit dem Georgsband am Revers, in Russland ein Symbol für militärische Tapferkeit und den Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. © afp
Im vergangenen Jahr rollte noch eine gigantische Militärparade durch Moskau.
Im vergangenen Jahr rollte noch eine gigantische Militärparade durch Moskau. Dieses Jahr finden die Feierlichkeiten am Tag des Sieges aber in abgespeckter Version statt. © dpa
Der Ukraine-Krieg zwingt Russland offenbar dazu, selbst im tausende Kilometer entfernten Moskau Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.
Der Ukraine-Krieg zwingt Russland offenbar dazu, selbst im hunderte Kilometer entfernten Moskau Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Dazu gehören Flugabwehrgeschosse, die sich auf zahlreichen offiziellen Einrichtungen in der Hauptstadt befinden. © afp
Kurz vor dem Tag des Sieges wurde ein Wohnhochhaus in der Mosfilmowskaja-Straße getroffen.
Sie sollen Drohnenangriffe während der Militärparade verhindern. Moskau ist im Verlauf des Ukraine-Kriegs immer wieder zum Ziel ukrainischer Drohnen geworden. Kurz vor dem Tag des Sieges wurde ein Wohnhochhaus in der Mosfilmowskaja-Straße getroffen. © dpa
Tausende Soldaten und Polizeikräfte sollen am Tag des Sieges einen reibungslose Militärparade gewährleisten.
Auch das Sicherheitspersonal in der Hauptstadt selbst wurde massiv erhöht. Tausende Soldaten und Polizeikräfte sollen am Tag des Sieges eine reibungslose Militärparade gewährleisten. © imago
Zu den Sicherheitskräften gehören auch Nationalgardisten, die in russischen Militärfahrzeuge des Typs Tigr in der Haupstadt unterwegs sind.
Zu den Sicherheitskräften gehören auch Nationalgardisten, die in russischen Militärfahrzeugen des Typs Tigr in der Haupstadt unterwegs sind. © afp
Eine strategische russische Atomrakete vom Typ Topol-M (Nato-Code: SS-27 Sickle B) fährt bei der Militärparade zum Tag des Sieges über den Roten Platz.
Aus Angst vor ukrainischen Angriffen müssen die Bewohnerinnen und Bewohner Moskaus bei der diesjährigen Militärparade offenbar auf schweres Militärgerät verzichten. Waren im Vorjahr noch strategische Atomraketen des Typs Topol-M Teil der Parade, sind dieses Jahr wohl weder Panzer noch Raketen zu sehen. © dpa

Ukrainische Strategie trifft Russlands Wirtschaft – Angriffe auf Raffinieren

Die Angriffe der Ukraine sollen nicht nur psychologische Wirkung in Russland entfalten. Sie zielen auch auf die wirtschaftlichen Grundlagen von Putins Kriegsführung. Militärexperte Fabian Hoffmann vom „Oslo Nuclear Project“ der Universität Oslo erklärte gegenüber ZDFheute, die Ukraine setze auf eine Abnutzungsstrategie. „Man geht auf die Industrie, man geht auf die Wirtschaft“, sagte Hoffmann.

Im Mittelpunkt stehen dabei Raffinerien, Treibstofflager und Transportwege, die für Russlands Wirtschaft bedeutsam sind. Nach Angaben der New York Times wurde die Moskauer Raffinerie innerhalb weniger Tage gleich zweimal getroffen. Die Anlage deckt einen erheblichen Teil des Treibstoffbedarfs der Hauptstadt. Auch auf der Krim und in mehreren Regionen Russlands kommt es inzwischen zu Engpässen.

Schäden an Putins Wirtschaft: Russland muss Treibstoff importieren – Benzin wird knapp

Nach Informationen von Reuters bereitet Russland inzwischen sogar Treibstoffimporte per Schiff vor. Ursache sind Schäden an Raffinerien und wachsende Versorgungsprobleme. Auch das Institute for the Study of War (ISW) geht davon aus, dass sich die Lage im Sommer weiter verschärfen könnte. Russland habe bereits im vergangenen Jahr mit Benzinknappheit zu kämpfen gehabt, nun kämen die Probleme allerdings zu Beginn der Hauptreise- und Erntesaison.

Die New York Times berichtete zudem über Schlangen an Tankstellen und zunehmende Rationierungen in mehreren Regionen. Die US-Zeitung sieht darin ein Zeichen, dass die Folgen des Kriegs für Russlands Wirtschaft zunehmend auch im Alltag vieler Russinnen und Russen spürbar werden.

Ukraine hat Erfolg mit Langstreckendrohnen – Schwächen der russischen Luftabwehr

Militärexperte Fabian Hoffmann erklärte gegenüber ZDFheute, die Ukraine habe ihre Produktion von Langstreckendrohnen massiv gesteigert. „Es kommen mittlerweile so viele ukrainische Drohnen und Marschflugkörper angeflogen, dass die russische Flugabwehr sich enorm schwer damit tut“, sagte er.

Auch der Russland-Experte Rob Lee konstatierte gemäß CBS News, Russland verbrauche Flugabwehrraketen mitunter in einem Tempo, das langfristig kaum aufrechtzuerhalten sei. Andere Beobachter des Ukraine-Konflikts verweisen ebenfalls darauf, dass die immer häufigeren Angriffe auf tief im Hinterland gelegene Ziele wachsende Schwächen der russischen Luftverteidigung offenlegen.

Kreml setzt auf Härte – Staatsmedien berichten kaum über Schäden durch Ukraine-Drohnen

Während Russlands Präsident Wladimir Putin die jüngsten Angriffe nicht öffentlich kommentierte, lobte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut The Moscow Times die Leistungsfähigkeit der Luftabwehr. Russische Staatsmedien konzentrierten sich vorwiegend auf die Zahl abgeschossener Drohnen und vermieden Berichte über Schäden.

Gleichzeitig geht Russland härter gegen Menschen vor, die Bilder oder Videos der Angriffe verbreiten. Wie der Stern berichtet, ist die Dokumentation von Drohnenangriffen in Moskau und anderen Regionen inzwischen verboten. Der bekannte Propagandist Wladimir Solowjow forderte sogar öffentlich Haftstrafen für Menschen, die Aufnahmen von Einschlägen oder Rauchwolken verbreiten.

So verändert der Ukraine-Krieg Moskaus Alltag

Früher – vor der jüngsten AngriffswelleHeute – Juni 2026
Krieg blieb weit weg von MoskauHunderte Drohnen erreichen die Hauptstadt
Raffinerien galten als geschütztMoskauer Raffinerie zweimal in einer Woche getroffen
Flughäfen liefen regulärVier Moskauer Flughäfen zeitweise gesperrt
Drohnenangriffe wirkten fernAnwohner berichten von großer Angst
Videos verbreiteten sich im NetzBehörden drohen mit Strafen
Alltag wirkte normalRauchwolken und „schwarzer Regen“ über Moskau

Ukraine-Krieg erreicht den Alltag in Russland – Flughäfen geschlossen, Rauschwolken über Moskau

Nach Berichten von The Moscow Times erhielten viele Bewohner Moskaus nicht einmal Warnmeldungen vor den Angriffen. Einige berichteten von Angst und Unsicherheit. Schulen bereiteten Schutzräume vor, Flughäfen wurden geschlossen, über mehreren Stadtteilen hingen Rauchwolken. Manche Anwohner sprachen sogar von „schwarzem Regen“ durch Rußpartikel.

Für den Kreml wird es damit schwieriger, den Ukraine-Krieg weiterhin als entferntes Geschehen darzustellen. Die Angriffe Kiews treffen nicht nur Raffinerien und Infrastruktur. Sie verändern zunehmend auch die Stimmung im Land.

Ob daraus allerdings Druck für Friedensverhandlungen entsteht, ist fraglich. Nach Einschätzung von Lew Gudkow verstärken viele Russen ihre Unterstützung für ein härteres Vorgehen gegen die Ukraine – obwohl sie sich zugleich immer stärker von den Angriffen bedroht fühlen. (Quellen: Stern, Reuters, ZDFheute, CBS News, The Moscow Times, New York Times, ISW) (chnnn)

Rubriklistenbild: © Foto links: Ramil Sitdikov/POOL/AFP | Foto rechts: AFP

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