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Kriegswirtschaft am Ende?

Trotz EU-Sanktionen: NATO-Partner bietet Schleichwege für Putins Rüstungsindustrie

Ökonomen sehen Russlands Wirtschaft vor der Pleite; trotz Nachschubs kämpft Putin an einer neuen Front: Jetzt sollen Rentner in den Fabriken schufen.

„Zusammengenommen handelt es sich hier nicht um einen zufälligen Korb gewöhnlicher Industriegüter“, sagt Alex Bashinsky dem Kiyv Independent. Laut dem Mitglied der Internationalen Arbeitsgruppe für Russlandsanktionen profitiere Wladimir Putins Rüstungsindustrie nach wie vor vom Produktions-Know-how des Westens. Trotz der durch den Ukraine-Krieg von der EU verhängten Sanktionen. Der Westen hatte sich grundsätzlich getäuscht – offenbar spielt den Russen ein NATO-Partner in die Hände. Die Ukraine beschuldigt neben anderen Ländern vor allem die Türkei, mit Putin zu kolportieren.

Wie der US-Kongress durch seinen Wissenschaftlichen Dienst Anfang 2025 bestätigt bekam, hatte sich der Westen einer Illusion hingegeben: dass die Sanktionen die russische Wirtschaft ruinieren würden. Das Gegenteil scheint bisher der Fall zu sein. Sie prosperiert weiter – über Umwege: „Länder wie Kirgisistan, Usbekistan, Hongkong und die Türkei haben keine Sanktionen gegen Russland verhängt, was es dort ansässigen Unternehmen deutlich erleichtert, solche Waren zu beschaffen und wieder auszuführen“, klagt gegenüber dem Kiyv Independent Roman Steblivskyi. Dem Direktor für Politik und Interessenvertretung beim Wirtschaftssicherheitsrat der Ukraine zufolge deckt sich Russland dort ein mit den Gütern, die ihm die europäische Staatengemeinschaft verwehrt.

Zwei Partner, die der Ukraine-Krieg in eine Schicksalsgemeinschaft gezwungen hat: Russlands Diktator Wladimir Putin (links) und Recep Tayyip Erdoğan, Präsident der Republik Türkei (Archivfoto)

EU bleibt selbstbewusst: „Stein für Stein zerstören wir die Grundlagen der russischen Kriegswirtschaft“

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, hatten die Staats- und Regierungschefs der EU beschlossen, „die Sanktionen gegen Russland wegen seines Krieges gegen die Ukraine um weitere zwölf Monate zu verlängern“, so ein Sprecher. Inzwischen währen die verschiedenen Sanktionen gegen Organisationen und Einzelpersonen durch Lieferbeschränkungen und das Einfrieren von Vermögen seit Anfang 2014, wie der Rat der Europäischen Union klarstellt. Am 15. Juni sind die neuesten Beschränkungen in Kraft getreten. Nichtsdestotrotz lässt sich Putins Industrie wohl kaum bremsen und scheint die Absichten des Westens ad absurdum zu führen. „Stein für Stein zerstören wir die Grundlagen der russischen Kriegswirtschaft“, zitiert der Spiegel aktuell Katja Kallas.

Worauf die EU-Außenbeauftragte anspielt, ist die Vermutung, die westlichen Sanktionen hätten Russland einen Schaden von schätzungsweise 1.000 bis 1.300 Milliarden Euro zugefügt, so der Spiegel. Dennoch bleibt ein Land wie die Türkei offensichtlich der Rund-um-die-Uhr-Basar für russische Begehrlichkeiten an Industriegütern. Ob CNC-Fräsmaschinen oder Bauteile für Marineschiffe, wie Anker, Festmacherwinden, Lüfter, Bordabwasseraufbereitungsanlagen – laut den Aussagen von „Sanktionsexperten“ gegenüber dem Kiyv Independent würden Lieferketten verdächtiger Unternehmen über die Türkei ausgedehnt und somit zu strafbarem Aushebeln von EU-Sanktionen. „Sollten die Ermittler feststellen, dass ein EU-Bürger wissentlich dazu beigetragen hat, Exportbeschränkungen über einen Drittland-Zwischenhändler zu umgehen, könnten gegen diese Person sowohl finanzielle Strafen als auch strafrechtliche Anklagen nach den Gesetzen des betreffenden EU-Mitgliedstaates verhängt werden“, sagt Roman Steblivskyi.

Allerdings sei die Beweisführung komplex und die Strafverfolgung daher zwar prioritär für die EU, aber eher selten, so der Kiyv Independent aufgrund von Aussagen von Analysten. Die Türkei spielt im Ukraine-Krieg eine Schlüsselrolle – eben auch als Drehscheibe für den illegalen Zwischenhandel. Der Thinktank „Carnegie Endowment for International Peace“ spricht von einer Partnerschaft der „Machtasymmetrie“. Vereinfacht formuliert, ist die türkische Wirtschaft einer der Kriegsgewinnler des Ukraine-Krieges – auch im legalen Handel. Wie der Thinktank mit Rückgriff auf die staatliche türkische Statistikbehörde Türkiye İstatistik Kurumu berichtet, hätten sich die allgemeinen türkischen Exporte allein zwischen 2021 und 2023 von 5,7 Milliarden US-Dollar auf 10,9 verdoppelt. Damit hat Putin verprellte Zulieferer kompensieren können.

Wie Moskau auf den Arbeitskräftemangel reagieren wird, ist unklar. Eine freundlichere Kreml-Politik gegenüber Migranten ist kaum vorstellbar – eine, die genau jene ausländischen Arbeitskräfte willkommen heißt, die derzeit schlecht behandelt werden.“

Ian Berman, Forbes

Und das ausgerechnet durch ein NATO-Partnerland. Wladimir Putin und seine Außenpolitik hängen stark vom Wohlwollen der türkischen Regierung ab. „Die zentrale Frage für die türkische Politik ist, ob Ankara diesen schwierigen Balanceakt mit Russland aufrechterhalten kann“, schreibt „Carnegie Endowment“-Autor Sinan Ülgen. Tatsächlich scheint die Lösung darin zu liegen, dass die Europäische Union den Drittstaaten stärker auf die Finger schaut und restriktiv eingreift – das „ifo-Institut“ nimmt neben der Türkei auch China, Hongkong und die Vereinigten Arabischen Emirate in die Pflicht. Laut deren Autoren habe die EU ihre Schrauben zu spät und zu lasch angezogen – was den Ukraine-Krieg für Russland möglicherweise in seinen Anfängen begünstigt haben mag.

Putins Partner? Prognose für den US-Kongress spricht von rund 800 internationalen Unternehmen in Russland

Die Analysten bemerken erst vom Jahr 2024 an spürbare Auswirkungen auf Russlands Industrie. Von den aktuell 21. Sanktionspaketen heben die Autoren das zwölfte und 14. Sanktionspaket hervor – das eine aus 2023, das andere aus 2024; der Schlüssel zum Erfolg sei gewesen, die Haftung von Exporteuren auszuweiten auf Fälle, „in denen diese von einer möglichen Umgehung über Drittstaaten wussten oder hätten wissen müssen“, so „ifo“-Autorin Lisa Scheckenhofer. Die aus dem vergangenen Jahr stammende Prognose für den US-Kongress spricht von rund 800 internationalen Unternehmen in Russland und somit von vielen bestehenden Gefahren für die Sanktionen. Laut einer aktuellen Analyse aus Kiel und Stockholm sei Putins Russland aber stehend K. o.

Neben der Tatsache, dass das Land kurz vor der Pleite stünde, liege die Schlinge um Putins Hals allerdings in dem Umstand, dass Russland inzwischen ein Drittel seines Nachschubs aus China beziehe, so die Autoren des „Kieler Instituts für Weltwirtschaft“ und des „Stockholmer Instituts für Transformationsökonomie“. China sei überdies Absender des „überwiegenden Teils der kritischen Güter mit doppeltem Verwendungszweck sowie der militärrelevanten Komponenten, die nach Russland eingeführt werden“, so der Bericht. Die Autoren argumentieren, dass Russland wirtschaftlich in den Seilen hänge und nur noch von Verkäufen von Öl und Gas existiere. Ihre Expertise hieße demnach: „Die Durchsetzung von Preisobergrenzen muss im Mittelpunkt der Sanktionspolitik stehen“, so Torbjörn Becker in einer Pressemitteilung.

Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern

Wladimir Putin ist seit dem 24. Februar 2022 auch Kriegsherr – auch wenn in Russland nach offizieller Lesart nur von einer militärischen „Spezialoperation“ in der Ukraine gesprochen wird.
Am 24. Februar 2022 befahl Wladimir Putin den Angriff russischer Truppen auf die Ukraine. Setdem ist er nicht nur Präsident Russlands, sondern Kriegsherr – auch wenn in Russland der Ukraine-Krieg nach offizieller Lesart nur eine militärische „Spezialoperation“ genannt wird. © Mikhail Klimentyev/Imago
Wladmir Putin mit Flottenchef Kurojedow
Von 1975 bis 1982 war der am 7. Oktober 1952 geborene Putin KGB-Offizier, von 1984 bis 1985 besuchte er die KGB-Hochschule in Moskau. Ab 1985 war er in der DDR tätig, hauptsächlich in Dresden. Danach ging es wieder zurück nach St. Petersburg. Vom 25. Juli 1998 bis August 1999 war Putin Direktor des Inlandsgeheimdienstes FSB. In dieser Eigenschaft traf er sich im November 1998 mit Flottenchef Wladmir Kurojedow (rechts). © Stringer/dpa
So sah Wladimir Putin im Alter von 40 Jahren aus, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm.
Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt Wladimir Putin im Jahr 1992 im Alter von 40 Jahren, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm. Zwei Jahre später wurde er von einem der Vizebürgermeister zum ersten Vizebürgermeister der Stadt ernannt. Sein politischer Aufstieg nahm Formen an. © Russian Look/IMAGO
Dieses Foto zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Jahr 1994 in seinem Büro. Damals war er 42 Jahre alt und Vizebürgermeister von St. Petersburg.
In seinem ersten Jahr als erster Vizebürgermeister der Stadt St. Petersburg im Jahr 1994 wurde Wladimir Putin in seinem Büro fotografiert. Damals war er 42 Jahre alt. Von körperlichen Beschwerden aus dieser Zeit ist nichts bekannt. Putin war zudem bereits seit seiner Jugend sportlich und ging unter anderem dem Kampfsport Judo nach, in dem er sich einen Schwarzen Gurt verdiente. © Russian Look/IMAGO
Drei Jahre später enstand dieses Foto von Wladimir Putin zusammen mit Anatoly Sobchak, ehemaliger Bürgermeister von St. Petersburg.
Dieses Foto entstand drei Jahre später, 1997, und zeigt Wladimir Putin – damals 45 Jahre alt – zusammen mit Anatoly Sobchak, dem ehemaligen Bürgermeister von St. Petersburg. © Russian Look/IMAGO
Wladimir Putin mit Boris Jelzin im Kreml.
Im Jahr 1999 übernahm Putin zum ersten Mal das Amt des Ministerpräsidenten – mit Option auf die Nachfolge von Präsident Boris Jelzin (links). Als Jelzin am 31. Dezember 1999 sein Amt niederlegte, übernahm Putin kommissarisch auch die Amtsgeschäfte des Präsidenten. Im Mai 2000 wurde Putin dann regulär zum Präsidenten Russlands gewählt. © dpa
Im Jahr 2000 wurde Putin zum ersten Mal Präsident der Russichen Föderation. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin.
Im Jahr 2000 wurde Wladimir Putin erstmals zum Präsidenten der Russischen Föderation gewählt. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Berlin. Die Beiden sollte im weiteren Verlauf eine innige Freundschaft verbinden, die auch über Schröders politische Karriere hinaus Bestand hatte. © Thomas Imo/IMAGO
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen.
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen. © Mikhail Metzel/Imago
Am 7. Mai 2000 legte Putin seinen Amtseid ab.
Am 7. Mai 2000 legte Putin unter den Augen von Boris Jelzin seinen Amtseid ab. Mit einer Ausnahme einer Zeit als Regierungschef von 2008 bis 2012 hat Putin seither das Amt des Präsidenten der Russischen Föderation inne.  © Imago
Wladimir Putin und Bill Clinton bei der Unterzeichnung eines Vertrages in New York.
Im September 2000 führte Putin der Weg in die USA. Bill Clinton (rechts) war der erste US-Präsident, mit dem er es in den kommenden Jahren zu tun bekam. in seiner Mit dem damals noch amtierenden US-Präsidenten B © Imago
Mit einer Umarmung begrüßen sich Gerhard Schröder und Wladmir Putin im Foyer des Taschenbergpalais in Dresden.
Als Russlands Präsident reiste Putin im September 2001 zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Deutschland. Im Foyer des Taschenbergpalais in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden begrüßte ihn auch der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (links). Die beiden verstanden sich offensichtlich schon damals ausnehmend gut. Die Freundschaft hat auch heute noch Bestand. © Jan-Peter Kasper/dpa
Der schwarze Labrador von Wladimir Putin läuft beim Treffen seines Herrchens mit Angela Merkel durchs Zimmer.
Putin spielt gerne psychologische Spielchen – so auch 2007 mit Kanzlerin Angela Merkel. Bei ihrem Treffen in Sotschi am Schwarzen Meer ließ Putin während einer gemeinsamen Pressekonferenz eine Labradorhündin ohne Leine herumlaufen. Merkel, einst in ihrer Jugend von einem Hund gebissen worden, fühlte sich sichtlich unwohl.  © Dmitry Astakhov/dpa
George Bush und Wladimir Putin spazieren auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei.
George W. Bush (rechts) war der zweite US-Präsident, mit dem es Putin zu tun bekam. Im April 2008 trafen sich beiden Staatschefs auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei. © Imago
Wladimir Putin neuer russischer Regierungschef.
Am 7. Mai 2008 löste Dmitri Medwedew nach zwei Amtszeiten Putin im Amt des russischen Präsidenten ab. Einen Tag danach wählte die Duma Putin auf Vorschlag des neuen Präsidenten zum neuen Regierungschef. Putin blieb auch in dieser Position der starke Mann. © dpa
Im Jahr 2009 ließ sich Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend zur Demonstration von Macht fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt.
Im Jahr 2009 ließ sich Wladimir Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt. Mit solchen Fotos pflegte Putin sein Macho-Image. Er wollte er laut Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ Wirkung in der russischen Bevölkerung erzielen und auch international demonstrieren, dass er ein starker Gegner ist. © epa Alexey Druzhinyn
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben.
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben. Das gilt für Reiten wie offenbar auch fürs Angeln. © Aleksey Nikolskyi/Imago
Putin und Obama stoßen miteinander an.
Am 7. Mai 2012 wurde Putin erneut zum Präsidenten gewählt. Sein Verhältnis zu US-Präsident Barack Obama war von Distanz geprägt. Das war auch im September 2015 bei einer Veranstaltung der Vereinten Nationen in New York der Fall.  © Amanda Voisard/dpa
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause.
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause. © Alexei Nikolsky/Imago
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam.
Als Donald Trump die US-Wahl 2016 gegen Hillary Clinton gewann, hatte Russland wohl seine Hände mit im Spiel. Putin hatte sicher seinen Grund. Mit Donald Trump kam er jedenfalls gut zurecht. Im November 2017 begrüßten sie sich Familienfoto im Rahmen des Gipfeltreffens der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Da Nang (Vietnam) herzlich.  © Mikhail Klimentyev/dpa
Der chinesische Präsident Xi Jinping (r) und der russische Präsident Wladimir Putin (l) geben sich am 04.07.2017 im Kreml in Moskau (Russland) bei einem Gespräch die Hände
Unter Putin sind sich Russland und China zuletzt immer nähergekommen. Ein wichtiger Termin war der 4. Juli 2017, als der chinesische Präsident Xi Jiping im Kreml in Moskau zu Besuch war. Damals wurden mehrere Verträge und Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin und Olaf Scholz am Tisch im Kreml.
So pflegt Putin inzwischen seine Gäste zu empfangen – vor allem die aus dem Westen. Am 15. Februar 2022 reiste Kanzler Olaf Scholz nach Moskau. Damals hatte der Ukraine-Krieg noch nicht begonnen. Putin ließ sich von Scholz aber nicht beeindrucken. © Kremlin Pool/Imago
Wladimir Putin im Kreml.
Putin forcierte in seiner dritten Amtszeit die kriegerischen Auseinandersetzungen. Seit dem 21. März 2014 betrachtet Russland die Krim als Teil des eigenen Staatsgebiets, seit September 2015 unterstützt die russische Luftwaffe im Militäreinsatz in Syrien den syrischen Präsidenten Assad im dortigen Bürgerkrieg.  © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin (links) und Joe Biden schütteln sich bei ihrem Treffen in der „Villa la Grange“ die Hand.
Anlässlich der Genfer Gipfelkonferenz traf sich Putin am 16. Juni 2021 mit US-Präsident Joe Biden zu einem Gespräch. Schon damals waren die russischen Truppenaufmärsche an der Grenze zur Ukraine ein Thema. © Denis Balibouse/dpa
Wladimir Putin lacht
Genutzt hat das Gipfelgespräch wenig. Am 24. Februar 2022 begann mit dem Einmarsch der russischen Truppen ins Nachbarland der Ukraine-Krieg. Putin wusste es wohl schon in Genf.  © Denis Balibouse/dpa
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen.
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen. © Alexei Nikolsky/Imago

Russlands Flickwerk-Betrieb: „Projekt um Projekt, Schicht um Schicht, ohne langfristige Strategie“

Laut dem Direktor des „Stockholmer Instituts für Transformationsökonomie“ und Mitautor des Berichts bedinge das erneute Bemühungen zur Begrenzung der russischen Schattenflotte. Neben den finanziellen Schwierigkeiten sowie der zunehmend restriktiveren Sanktionspolitik der Europäischen Union quält Russland aber noch ein weiterer Engpass: der an Arbeitskräften. Rohstoffe und Komponenten sind das eine, Personal zur Herstellung von militärischem Material das andere, worauf Forbes kürzlich hingewiesen hatte – eine Lösung könnte in der Zuwanderung liegen, spekuliert Forbes-Autor lan Berman: „Wie Moskau auf den Arbeitskräftemangel reagieren wird, ist unklar. Eine freundlichere Kreml-Politik gegenüber Migranten ist kaum vorstellbar – eine, die genau jene ausländischen Arbeitskräfte willkommen heißt, die derzeit schlecht behandelt werden.“

Laut dem russischen Medium Moskovsky Komsomolets (MK) fehlten dem Land bis zu drei Millionen Arbeitskräfte – vor allem im produzierenden Gewerbe. Obwohl bisher vielfach berichtet wurde, dass die Arbeiter an den Produktionsstraßen für Panzer begeistert Sechs-Tage-Wochen ableisteten, darf jetzt offenbar sogar über die Fachkräftelücke berichtet werden. Migranten, arbeitende Rentner und „interne Reserven“ seien die anvisierten Lösungen, so das Magazin. Anscheinend fehlen Wladimir Putin für eine Fortsetzung seines völkerrechtswidrigen Feldzuges weniger die Köpfe, sondern vielmehr die Hände, wie Moskovsky Komsomolets Andrej Gluschkin zitiert. „Handwerkliche Berufe verlieren an Ansehen, und trotz des exponentiell steigenden Bedarfs drängt niemand darauf, die offenen Stellen zu besetzen“, so der für die Hauptabteilung Bau im Arbeits- und Sozialministerium Verantwortliche.

Laut MK-Autorin Ljudmila Alexandrowa ähneln Putins Herausforderungen bei der Beschaffung von Konterbande denen der Rekrutierung des Nachwuchses, um die Güter herzustellen, wie sie schreibt – ihr zufolge sei das „eine Art Flickwerk-Betrieb: Projekt um Projekt, Schicht um Schicht, ohne langfristige Strategie“. (Quellen: Reuters, Rat der Europäischen Union, Wissenschaftlicher Dienst des US-Kongresses, Carnegie Endowment for International Peace, ifo-Institut, Kieler Institut für Weltwirtschaft, Stockholmer Institut für Transformationsökonomie, Kiyv Independent, Spiegel, Forbes, Moskovsky Komsomolets) (hz)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa | Alexey Nikolsky (Ria Novosti)

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