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Stimmen aus Straßburg
Misstrauensantrag abgeschmettert - mit geballter Faust: Von der Leyen erfährt es in Rom
Während von der Leyen in Rom war, scheiterte der Antrag im Parlament. Doch einigen Unterstütztern geht hörbar die Geduld aus.
Straßburg – Am Donnerstag um 12:03 Uhr war klar: Den Misstrauensantrag gegen Ursula von der Leyens EU-Kommission von Rechtsaußen schmettert das Europäische Parlament ab. Vergleichsweise deutlich. Aber nicht ohne Misstöne am Rande. Von der Leyen dürfte es einige hundert Kilometer entfernt beruhigt zur Kenntnis genommen haben. Sie weilte nicht in Straßburg, sondern in Rom bei einer Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine.
Eine durchaus heikle Frage im Vorfeld lautete: Werden die Sozialisten und Sozialdemokraten von der Leyen trotz Ärger über Wirtschafts-, Sozial- und Klimapolitik und den Umgang mit dem Parlament den Rücken stärken – oder sich enthalten und der deutschen Kommissionspräsidentin damit ein auf dem Papier ziemlich betrübliches Ergebnis bescheren?
Misstrauensantrag: Mitte-Links unterstützt von der Leyen – mit der Faust in der Tasche
Am Ende gab es neben 175 Stimmen für das Misstrauensvotum (und damit gegen von der Leyen) nur 18 Enthaltungen. 360 Abgeordnete votierten gegen den Antrag. Die virtuelle Auswertung des Parlaments zeigte grüne Ja-Stimmen vor allem im Lager der Linken, parteiloser (oft rechtsradikaler) Abgeordneter und der „Patrioten“ und „Souveränisten“; jener Fraktion, der auch die AfD angehört. Die Sozialdemokraten haben also – wie auch die Grünen und Liberalen – zähneknirschend von der Leyen die Stange gehalten.
Warum? Den Worten von Bernd Lange, Handelsexperte der SPD, nach zu urteilen, sollte sich die Kommission nicht allzu sehr bestätigt fühlen. Und das nur am Rande, weil zwei Parlamentarier von Sozialdemokraten und Liberalen den Misstrauensantrag unterstützten und sich acht – darunter die drei deutschen Freien Wähler Engin Eroglu, Joachim Streit und Christine Singer – plus ein Mitglied der Grünen-Fraktion enthielten.
Fader Sieg für von der Leyen? „Anträgen von Rechtspopulisten stimme ich generell nicht zu“
„Anträgen von Rechtspopulisten stimme ich generell nicht zu“, sagte Lange der Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA in Straßburg. „Über die Fragen der Zusammenarbeit mit der Kommissionspräsidentin, des wachsenden Misstrauens und der unklaren Orientierung gegenüber Kräften, die unsere demokratischen Systeme infrage stellen, wird gesondert zu diskutieren sein“, betonte er.
Der Grünen-Abgeordnete Daniel Freund sah auf Nachfrage „die Unterstützung für von der Leyen in den eigenen Reihen schwinden“ und „die Unzufriedenheit wachsen“. Aus Sicht der Grünen seien besonders gebrochene Absprachen problematisch - etwa bei den Klimazielen. „Gleiches gilt für die zunehmenden Absprachen mit den Rechtsextremen“, betonte er. Schon seit Beginn der neuen Amtszeit hat von der Leyen mit nur widerwillig gezügelter Ablehnung zu schaffen.
„Um breites Vertrauen im Parlament wiederzugewinnen, muss Frau von der Leyen Stil und Inhalt über Politik verändern“, erklärt indes Langes Parteigenosse Udo Bullmann unserer Redaktion. Er rügte vor allem „Selbstermächtigung“ von der Leyens und ein „Aussparen des Parlaments bei wichtigen Weichenstellungen“. Das galt zuletzt etwa für die 150-Milliarden-Euro-Initiative „ReArm Europe“.
Rechte stimmen nach Hin und Her großteils gegen von der Leyen – „Es wird schwieriger“
Mit den „Kräften“ dürfte Lange nicht nur, aber auch die EKR-Fraktion meinen. Sie hat in Person des Meloni-Parteifreunds Raffaele Fitto einen Kommissarsposten erhalten – und mischt immer wieder auch bei der Mehrheitsfindung im Parlament mit. Ein Umstand, der den Mitte-Links-Kräften alles andere als behagt. Insofern richtet sich die Kritik nicht nur gegen die Kommissionschefin. Sondern auch gegen die konservative EVP und ihren Fraktionschef Manfred Weber (CSU), zu dessen Aufgaben in der größten Fraktion die Suche nach Mehrheiten und Kompromissen gehört.
Promis, Premieren und Problemfälle: Das ist Ursula von der Leyens neue EU-Kommission
Nun haben nur drei EKR-Abgeordnete von der Leyen in der Abstimmung gestützt. Der Vorstoß zum Misstrauensvotum war aus ihren Reihen gekommen. Fraktionschef Nicola Procaccini von Giorgia Melonis Fratelli d‘Italia hatte aber intern scharfe Kritik an dem Schritt geübt. Auf den Plätzen neben der EKR war die Stimmung eindeutiger: Marine Le Pens Kronprinz und Patrioten-Frontman Jordan Bardella reckte sogar demonstrativ den Daumen nach oben, um auch optisch Zustimmung zum Misstrauensantrag zu signalisieren.
Von der nötigen Zweidrittel-Mehrheit war das Misstrauensvotum aber weit entfernt; das Misstrauen blieb verbal. Die EVP scheint damit erstmal zufrieden – „ihre“ Kommissionschefin kann weiterarbeiten. „Ursula von der Leyen und ihre Kommission haben das heutige Misstrauensvotum erwartungsgemäß klar überstanden. Nach innen wie außen ist das ein wichtiges Signal der Stabilität in unruhigen Zeiten“, sagte die deutsche CDU-Größe David McAllister nach der Abstimmung der FR. Doch die Hürden könnten wachsen: „Es wird immer schwieriger, Mehrheiten im Parlament zu finden“, warnte Freund. (Jan Wendt und Florian Naumann)