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Liste kursiert

Merz' Ministerposten-Planung: Einige Positionen versprechen Überraschungen

Die Gespräche zwischen den schwarz-roten Parteien sind im vollen Zuge - eine Liste mit potenziellen Ministern ist schon im Gespräch. Einige Vorschläge könnten überraschen.

Berlin – CDU, CSU und SPD befinden sich mitten in den Koalitionsverhandlungen. Die brennende Frage: Wer wird welches Ministerium leiten? Zwar werden die Posten erst am Ende der Regierungsbildung verteilt, trotzdem wird bereits mit einigen Namen gehandelt. Die tatsächliche Verteilung kann zu Überraschungen führen.

Ministerposten: Finanzen, Innen, Verteidigung, Wirtschaft, Arbeit und Außen besonders wichtig

Schwarz-Rot wäre nur auf dem Papier ein Zweierbündnis – tatsächlich bestünde die Koalition aus CDU, CSU und SPD. Das spielt eine zentrale Rolle bei der Verteilung der Ministerien. Bisher gab es 16 Ministerposten. Falls diese Zahl bleibt, könnte die Verteilung nach dem Muster 7/3/6 erfolgen: Sieben Ministerien für die CDU, einschließlich des Kanzleramts, drei für die CSU und sechs für die SPD.

Entscheidend ist jedoch nicht nur die Anzahl, sondern auch das Gewicht der Ressorts. Die Schlüsselministerien – Finanzen, Innen, Verteidigung, Wirtschaft, Arbeit und Außen – gelten als besonders einflussreich. Eine mögliche Aufteilung wäre drei für die Union und drei für die SPD, da die CDU mit Friedrich Merz zusätzlich das Kanzleramt besetzt. Zudem gibt es Ministerien, die als Gegenspieler gelten und traditionell selten von derselben Partei geführt werden.

Die genaue Aufteilung der Ministerien sie noch unklar. Auffällig sei jedoch, dass das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in seiner bisherigen Form wegfallen soll, heißt es laut F.A.Z. Stattdessen entstehe ein eigenständiges Digitalministerium, das bislang dem Verkehrsressort zugeordnet war. Dieses könnte nun in einem neuen Ministerium für Infrastruktur aufgehen.

Diese bekannten Politiker sitzen jetzt nicht mehr im Bundestag

Christian Lindner
Die FDP ist an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und scheidet damit aus dem Bundestag aus. Noch 2017 hatte Parteichef Christian Lindner sie mit neuem Image und einem zweistelligen Ergebnis nach vier Jahren außerparlamentarischer Opposition wieder ins Parlament geführt – doch die Rechnung ging dieses Mal nach Ampel-Bruch und Unzufriedenheit der Wählerinnen und Wähler mit der Partei nicht auf.  © imago
Johannes Vogel, Fraktionsgeschäftsführer der FDP
Dem Wahlergebnis fiel damit auch Johannes Vogel zum Opfer. Er war zuletzt Fraktionsgeschäftsführer der FDP im Bundestag sowie stellvertretender Bundesvorsitzender. Durch das Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde zieht auch er nicht wieder in den Bundestag ein.  © Rabea Gruber/dpa
FDP-Politikerin und frühere JuLi-Chefin Ria Schröder
Ria Schröder gilt als eine der personellen Hoffnungen der Freien Demokraten. Die Juristin war Vorsitzende der Jugendbewegung Junge Liberale und ist Mitglied des FDP-Bundesvorstands.  © Hannes P. Albert/dpa
Früherer FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai
Bijan Djir-Sarai saß ebenfalls für die FDP im Bundestag und war bis November 2024 ihr Generalsekretär. Nach dem Ampel-Bruch trat er von der Position zurück.  © Sebastian Gollnow/dpa
Linda Teuteberg, FDP-Spitzenkandidatin in Brandenburg
Linda Teuteberg hatte viel vor mit der FDP, als sie 2019 Generalsekretärin wurde. Von diesem Amt entfernte Christian Lindner sie jedoch zugunsten Volker Wissings schon vor dem Ende ihrer Amtszeit wegen Streitigkeiten. Auch sie ist durch das schlechte Abschneiden der FDP bei der Bundestagswahl 2025 nicht mehr im Bundestag vertreten. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Wolfgang Kubicki (FDP)
Auch den stellvertretenden Bundesvorsitzenden und FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki werden wir in dieser Legislaturperiode wegen des Scheiterns an der Fünf-Prozent-Hürde nicht im Deutschen Bundestag sehen.  © Michael Kappeler/dpa
Christian Dürr, Fraktionschef der FDP im Bundestag
Christian Dürr ist Mitglied im Bundesvorstand der FDP und war zuletzt Fraktionsvorsitzender der Liberalen im Bundestag. Auch er scheidet mit seiner Partei wegen ihres schlechten Wahlergebnisses aus dem Bundestag aus.  © imago
Marco Buschmann, FDP
Marco Buschmann war in der Ampel-Koalition als Bundesjustizminister tätig. Mit dem Bruch der Ampel gab er das Amt jedoch an Volker Wissing ab, der nach dem Zerwürfnis der Koalition aus der Partei austrat.  © Michael Kappeler/dpa
Volker Wissing, ehemals FDP und mittlerweile parteilos
Volker Wissing, in der Ampel-Koalition Verkehrsminister und später zusätzlich Justizminister, ließ zwar nach dem Scheitern der Ampel seine Partei hinter sich. In den neuen Bundestag zieht der jetzt parteilose Rechtsanwalt aber trotzdem nicht ein. Er möchte sich aus der Politik zurückziehen und in seiner Kanzlei arbeiten. © Hannes P Albert/dpa
Jens Teutrine, früherer Chef der Jungen Liberalen
Jens Teutrine war wie Ria Schröder auch Chef der Jungen Liberalen, bevor er in den Bundestag einzog. Mit dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag endet auch sein Mandat. © Serhat Kocak/dpa
Bettina Stark-Watzinger, ehemalige FDP-Bundesbildungsministerin
Ein weiteres prominentes Gesicht der Ampel-Koalition verlässt den Bundestag: Bettina Stark-Watzinger, die während der letzten Legislaturperiode Bundesbildungsministerin war.  © Christine Schultze/dpa
Sahra Wagenknecht, BSW-Gründerin und frühere Linken-Chefin
Politisch eklatant unterschiedlich, eint sie doch dasselbe Schicksal: Wie die FDP scheiterte auch das BSW an der Fünf-Prozent-Hürde – und zwar äußerst knapp. Einst Linken-Chefin, gründete Sahra Wagenknecht Anfang 2024 das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Trotz des aus dem Stand starken Abschneidens bei den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg zieht das Bündnis nach der Bundestagswahl knapp nicht ins Parlament ein.  © Frank Ossenbrink/imago
Amira Mohamed Ali, frühere Linken-Politikerin, zum BSW gewechselt
Amira Mohamed Ali war einst Abgeordnete der Linken, gründete jedoch zusammen mit Sahra Wagenknecht das BSW. Sie ist Parteivorsitzende – und nicht mehr im Bundestag. © Christoph Hardt/imago
Sevim Dagdelen, frühere Linken-Politikerin, zum BSW gewechselt
Auch Sevim Dagdelen entschied sich zum Parteiaustritt aus der Linken und zum Eintritt ins BSW, das bei der Bundestagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte und somit nicht im Bundestag vertreten ist.  © imago
Grünen-Politiker Cem Özdemir
Die Grünen verlieren nach der Bundestagswahl 2025 sogar ein Ministergesicht: Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir wird nicht mehr im Parlament vertreten sein. Jedoch entschied er das bereits selbst lange vor der Wahl. Er will der Bundespolitik den Rücken kehren und strebt in seiner Heimat Baden-Württemberg das Amt des Ministerpräsidenten an. © Hannes P Albert/dpa
Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar
Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar dürfte über die Grenzen Berlins hinaus nicht besonders bekannt gewesen sein – bis Ende 2024 Vorwürfe der Belästigung gegen ihn laut wurden. Eigentlich wollte er in seinem Wahlkreis Berlin-Pankow wieder zur Bundestagswahl antreten, jedoch entschied sich der Kreisverband bei einer erneuten Abstimmung stattdessen für Julia Schneider, die nun in den Bundestag einzieht. Die Vorwürfe hatten sich im Übrigen als falsch erwiesen.  © imago
Grünen-Politikerin Tessa Ganserer
Tessa Ganserer ist eine der bekanntesten Trans*-Politikerinnen Deutschlands. Im Bundestag setzte sich die Grüne vor allem für die Rechte queerer Menschen ein. Dass sie in der 21. Wahlperiode nicht mehr im Parlament sitzt, war ihre eigene Entscheidung. Sie trat nicht mehr als Kandidatin an. Wegen des „menschenverachtenden Hasses“, der ihrer Person entgegengebracht worden sei, wolle sie ihrem Leben noch einmal eine andere Richtung geben. © Dwi Anoraganingrum/imago
Grünen-Politikerin Renate Künast
Auch die prominente Grünen-Politikerin Renate Künast wird nicht mehr im neuen Bundestag vertreten sein – ebenfalls aus freien Stücken. Sie wollte nicht mehr antreten, „um Platz für Jüngere zu machen“, hatte Künast im Sommer 2024 erklärt. Vorher war sie bereits Landwirtschaftsministerin, Grünen-Fraktionschefin und Parteivorsitzende gewesen.  © Christoph Soeder/dpa
SPD-Politikerin Michelle Müntefering
Auch bei der SPD verlassen bekannte Gesichter den Bundestag. Michelle Müntefering (SPD), Ehefrau von Franz Müntefering, sitzt ebenfalls nicht mehr im Parlament. Das war jedoch schon vor der Bundestagswahl klar: Die SPD hatte nicht mehr sie, sondern Hendrik Bollmann für ihren Wahlkreis Herne - Bochum II nominiert. © M. Popow/imago
SPD-Politiker und ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin, Michael Müller
Michael Müller (SPD) war einst Regierender Bürgermeister von Berlin und zog 2021 in den Bundestag ein. Damals hatte er in seinem Wahlkreis Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf die meisten Stimmen bekommen, diesmal landete er hinter Lukas Krieger (CDU) und Lisa Paus (Grüne) nur auf dem dritten Platz und verpasste damit sein Ticket ins Parlament.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Der frühere SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert
SPD-Promi Kevin Kühnert hatte eine steile politische Karriere hingelegt. Er war Vorsitzender der SPD-Jugendorganisation Jusos, stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD und seit 2021 Generalsekretär. Von dem Amt trat er 2024 zurück und kündigte an, sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik zurückzuziehen und nicht mehr für den Bundestag kandidieren zu wollen.  © Michael Kappeler/dpa
SPD-Politiker Michael Roth
Der hessische SPD-Politiker Michael Roth entschied sich ebenfalls weit vor der Wahl, nicht mehr für den Bundestag anzutreten. In seinem Fall spielte auch sein Einsatz für die Ukraine eine Rolle, der nicht allen in der Partei gefallen habe, und er habe sich mit der Zeit von den Sozialdemokraten und dem Politikbetrieb entfremdet. © imago
CDU-Politiker Helge Braun
Trotz ihres Wahlsiegs verliert auch die Union ein bekanntes Gesicht: Helge Braun war unter Angela Merkel Kanzleramtschef. Ende 2024 kündigte der Arzt aus Gießen an, sich aus der Politik zurückziehen zu wollen.  © Kay Nietfeld/dpa
CSU-Politiker Peter Ramsauer
Auch aus der Schwesterpartei CSU verschwindet eine bekannte Persönlichkeit: Der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer scheidet aus dem Bundestag aus – auf eigenen Wunsch war er nicht mehr angetreten. © Michael Kappeler/dpa
Susanne Hennig-Wellsow, Die Linke
Auch die Linke verbüßt trotz überraschend starkem Wahlergebnis Abgänge: unter anderem Susanne Hennig-Wellsow. Die frühere Bundesparteivorsitzende ist nicht mehr zur Bundestagswahl angetreten. Sie wollte sich beruflich etwas Neuem widmen. © Frederic Kern/imago

Liste kursiert in Berlin: Wirtschaftsministerium an Linnemann

Es kursiert eine Besetzungsliste, wie die F.A.Z sowie die Augsburger Allgemeine berichten. Demnach soll Thorsten Frei den Posten des Amtschefs für Merz übernehmen. Bisher war er Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion.

Das Wirtschaftsministerium könnte an Generalsekretär Carsten Linnemann gehen – möglicherweise in Verbindung mit dem Sozialressort. Im Gegenzug könnte er das Klimathema an das Umweltministerium unter Andreas Jung abgeben, der als stellvertretender Parteivorsitzender und ehemaliger Sprecher für Energie und Klimaschutz in der Fraktion gilt.

Außenministerium: Wadephul aus Schleswig-Holstein wird als Minister gehandelt

Das Außenministerium soll laut Liste an Johann Wadephul gehen. Diese Besetzung würde überraschen. Wadephul gilt als einer der Sicherheitsexperten der CDU-Bundestagsfraktion und hat einen Vorteil: Er kommt aus Schleswig-Holstein, wodurch er sich von den vielen CDU-Politikern aus Nordrhein-Westfalen abhebt, die ins Kabinett eintreten wollen – darunter auch Ex-Kanzlerkandidat Armin Laschet und Norbert Röttgen. Für Laschet wäre das Außenministerium eine Art Versöhnung nach dem enttäuschenden Abschied nach der Wahlniederlage 2021.

Damit würde erstmals seit 1966 wieder ein Unionspolitiker Außenminister. Zudem lägen Kanzler- und Außenamt erstmals seit damals in einer Hand – ein Vorteil für Merz, der in der aktuellen Weltlage Geschlossenheit nach außen betont. Auch der Aufbau eines Nationalen Sicherheitsrats könnte so erleichtert werden.

CDU-Ministerien: Jens Spahn steht nicht auf der Liste

Auffällig ist die mögliche Berufung von Ina Scharrenbach. Die 48-Jährige, derzeit Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung in Nordrhein-Westfalen, soll laut Berichten Bundesinfrastrukturministerin werden. Damit würden mindestens drei Posten an Politikerinnen und Politiker aus NRW gehen – das könnte auch erklären, wieso Jens Spahn bisher auf keiner Liste steht. Für die Repräsentation Ostdeutschlands soll Tino Sorge, gesundheitspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion aus Sachsen-Anhalt, das Amt des Bundesgesundheitsministers übernehmen.

Lars Klingbeil könnte Friedrich Merz‘ Vizekanzler werden.

SPD- und CSU-Ministerien: Klingbeil als Finanzminister – Dobrindt als Bundesinnenminister

Die beiden anderen Ministerien mit Außenwirkung sollen an die SPD gehen: Boris Pistorius bleibt Verteidigungsminister, Svenja Schulze Entwicklungsministerin. Die wichtigste Personalie für die SPD dürfte die Ernennung von Lars Klingbeil, Partei- und Fraktionsvorsitzender, zum neuen Finanzminister sein – voraussichtlich auch in Kombination mit dem Amt des Vizekanzlers. Die bisherige Bundestagspräsidentin Bärbel Bas soll laut Unterlagen Arbeitsministerin werden. Spannend wird, ob sie sich von Carsten Linnemann die Sozialpolitik streitig machen lässt oder diese sozialdemokratische Domäne behalten kann. Unerwartet ist auch der Vorschlag von Sonja Eichwede als Justizministerin. Die erst 38-Jährige ist beurlaubte Richterin in Neuruppin, Brandenburg.

Für CSU-Ministerposten wird unter anderem Alexander Dobrindt als Bundesinnenminister gehandelt. Zuletzt war er Erster Stellvertreter in der Unionsfraktion sowie CSU-Landesgruppenchef im Bundestag – war aber auch schon als Verkehrs- und Digitalminister tätig. Weitere: Dorothee Bär wird für das Bundesbildungsministerium gehandelt. Sie ist Vizevorsitzende der Unionsfraktion und CSU-Parteivizechefin.

Koalitionsverhandlungen: Einigung und Besetzung von Posten noch unklar

Dass die Besetzung der Posten tatsächlich so kommen wird, ist zu bezweifeln. Gleichzeitig: Ob es in einer schwarz-roten Koalition tatsächlich Ministerposten zu vergeben gibt, bleibt vorerst unklar. Merz hatte im Wahlkampf vor allem in der Migrationspolitik stark polarisiert, was Teile der SPD-Basis verärgert hat. Auch in anderen Themenbereichen sind sich Union und SPD noch zu uneinig. (hk)

Rubriklistenbild: © IMAGO/dts Nachrichtenagentur

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