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Nahost nach dem Krieg

Maut für die Straße von Hormus? Oman bereitet offenbar konkreten Vorschlag vor

Nach dem Iran-Krieg rückt Oman in den Fokus. Das Sultanat könnte für die Zukunft der Straße von Hormus entscheidend werden.

Der Iran-Krieg und die Bemühungen um eine diplomatische Lösung haben die regionale Stellung Omans deutlich gestärkt. Das Sultanat ist seit Jahrzehnten für seine Neutralität und diskrete Vermittlung über inoffizielle Kanäle bekannt. Während die Gewalt andauert, richtet sich der Blick vieler Akteure auf einen Staat, der bislang lieber im Hintergrund agierte und Konfrontationen in seiner Nachbarschaft zu vermeiden suchte.

Oman übernimmt nach dem Krieg zwischen den USA, Israel und Iran eine Schlüsselrolle bei den Gesprächen über die Zukunft der Straße von Hormus.

Oman, das seit Langem versucht, sich nicht in regionale Auseinandersetzungen hineinziehen zu lassen, steht nun im Rampenlicht. Das Land übernimmt eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, das Nachkriegsschicksal der Straße von Hormus und die künftige Sicherheitsarchitektur am Persischen Golf mitzugestalten. Die Behörden in Maskat müssen dabei ihren traditionellen Kurs der Nichteinmischung mit neuen sicherheitspolitischen Zwängen in Einklang bringen.

Iran-Krieg und Straße von Hormus: Oman rückt ins Zentrum der Gespräche

Oman und Iran führen inzwischen direkte Gespräche über die Zukunft der Straße von Hormus. Zugleich kursieren widersprüchliche Berichte darüber, ob die Durchfahrt durch einen der weltweit wichtigsten Engpässe für den Öl- und Gashandel künftig einer Form von Maut oder Gebühr unterliegen soll. Eine solche Möglichkeit hatte Iran angedeutet, während die Vereinigten Staaten sie ablehnen. Die Ergebnisse der Gespräche könnten weitreichende Folgen für die globale Energieversorgung haben.

Die Verhandlungen finden statt, während Oman, gelegentlich als „Schweiz des Nahen Ostens“ bezeichnet, einen historischen Wandel seiner Außenpolitik vollzieht. Dabei versucht die politische Führung, ihre Rolle neu zu definieren, ohne die über Jahrzehnte aufgebaute Glaubwürdigkeit als verlässlicher und ausgleichender Akteur aufs Spiel zu setzen. Zugleich beobachten regionale und internationale Partner aufmerksam, wie weit das Land bereit ist zu gehen.

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Der Iran-Krieg beginnt am 28. Februar 2026 mit Angriffen aus Israel und den USA auf Teheran. Noch am ersten Tag wird auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Seit dem Angriff hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion ausgeweitet. © AFP
Iran-Krieg - Iran
Immer wieder schlagen Raketen in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Umgebung ein. Die Menschen vor Ort berichten von zitternden Fenstern, in sozialen Medien kursieren Bilder von Rauchschwaden. In Teheran leben rund 15 Millionen Menschen.  © Vahid Salemi/dpa
Angriff auf den Iran - Iran
Präzisionsschläge auf relevante militärische Ziele – erstmals auch mit Drohnen, die von den Shaheds kopiert worden sind: „LUCAS kostet etwa 35.000 US-Dollar pro Plattform und ist ein kostengünstiges, skalierbares System, das modernste Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher US-Langstreckensysteme mit vergleichbarer Wirkung bietet“, sagt der Marineoffizier Tim Hawkins gegenüber dem Magazin The War Zone (TWZ). US-Präsident Trump hat sich für den Angriff gegen den Iran vermutlich von den Waffen seines Gegners inspirieren lassen: Erstmals haben die USA Kamikaze-Drohnen eingesetzt, veröffentlicht das „US Central Command“ (CENTCOM).  © dpa
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Die Angriffe gehen ohne Unterlass weiter. Dieses Standbild aus einem vom U.S. Central Command zur Verfügung gestellten Video zeigt den Start einer Rakete von einem Schiff der U.S. Navy zur Unterstützung der Operation „Epic Fury“. © dpa
Raketenabwehrsystem Iron Dome
Der Iran antwortet mit Gegenangriffen auf Israel. Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt zahlreiche Geschosse ab. Über Tel Aviv kommt es zu entsprechenden Explosionen. © Jack Guez/AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Auch am Tag feuert das israelische Luftabwehrsystem, um Raketen während eines iranischen Angriffs abzufangen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
Dennoch kommt Israel nicht ungeschoren davon. Hier verbinden Rettungskräfte einen verwundeten Mann und leisten erste Hilfe am Ort eines direkten Einschlags einer iranischen Rakete in Tel Aviv. © Tomer Neuberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
An einer anderen Stelle in Tel Aviv ist ein Feuerwehrmann dabei, ein brennendes Auto zu löschen. © Tomer Neuberg/dpa
USA Iran
Dieses offizielle Foto des Weißen Hauses, veröffentlicht am 28. Februar 2026 auf dem Account „White House X“, zeigt US-Vizepräsident JD Vance (Mitte), die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, Tulsi Gabbard (zweite von links), und US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) im Lagezentrum in Washington, D.C. © AFP
Trump Iran
Ein weiteres offizielles Foto des Weißen Hauses zeigt Donald Trump im Gespräch mit Stabschefin Susie Wiles (rechts), während US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) die Aktivitäten der „Operation Epic Fury“ gegen den Iran von einem nicht genannten Ort aus überwacht. „Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot“, schrieb Trump später auf „Truth Social“. © AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Was ist das Ziel der Operation Epic Fury (Einsatz Gewaltiger Zorn)? US-Präsident Trump begründet die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm und mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Durch beides sieht Israel seine Existenz bedroht. Daneben will Trump aber auch die USA vor „direkten Bedrohungen“ durch den Iran schützen. © Leo Correa/dpa
Un-Sicherheitsrat
Der US-Angriff ruft die Vereinten Nationen auf den Plan: Der Sicherheitsrat ist zu einer Notfall-Sitzung zusammengekommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte die Botschafter, die Aktion berge die Gefahr, „eine Kette von Ereignissen auszulösen, die in der instabilsten Region der Welt niemand mehr kontrollieren kann“, wie die UN berichten. Israels Botschafter Danny Danon hatte die Angriffe als gerechtfertigt dargestellt und als einen notwendigen Akt, um eine existenzielle Bedrohung abzuwehren. © Spencer Platt/AFP
Minab-Mädchenschule
Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach den Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Iran mit fast 200 Toten eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren nach iranischen Angaben mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen. Vertreter des israelischen Militärs hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt.  © Ali Najafi/AFP
Proteste in London
Weltweit gehen noch am ersten Abend des Iran-Kriegs Exil-Iranerinnen und -Iraner auf die Straßen und feiern den Tod von Ajatollah Chamenei. Dieses Bild zeigt eine Demonstration vor der iranischen botschaft in London. © Vuk Valcic/Imago
Angriff auf den Iran - Berlin
Auch auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehen die Menschen spontan auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demo in der Türkei
Anders sieht es in der Türkei aus: Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul machen Demonstranten Donald Trump und Israel für die Eskalation verantwortlich. Sie protestierten gegen den Angriff auf den Iran und die Tötung von Ajatollah Chamenei, indem sie eine US-Flagge verbrennen. © Ozan Kose/AFP
Angriff auf den Iran - Indien
578889050.jpg © Mukhtar Khan/dpa
Angriff auf den Iran - Dubai
Der Iran-Krieg zieht auch die arabischen Länder mit in den Konflikt hinein. Mit Hunderten Raketen und Drohnen greift der Iran seit Ende Februar unter anderem Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Hier steigt Rauch nach einem iranischen Drohnenangriff im Hafengebiet von Dubai auf. © Fatima Shbair/dpa
Angriff auf den Iran – Katar
Folgen der Rache des Iran: Die USA betreiben in al-Udeid eine Militärbasis. Die liegt im Fokus des Iran – allerdings befindet sich rund 30 Kilometer entfernt die Stadt Doha; und die wird kaum durch die Luftabwehr der US-Basis abgedeckt.  © dpa
Iran-Krieg - reaktionen
US-amerikanisch-israelische Luftschläge – Schockwellen in der gesamten Welt: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hätten Demonstranten im pakistanischen Karatschi vor dem Konsulat „Tod Amerika! Tod Israel!“ skandiert; Reuters-Reporter hätten Schüsse gehört und in den umliegenden Straßen Tränengas wahrgenommen. Die Nachrichtenagentur spricht von mindestens 23 getöteten Demonstranten; davon zehn im Hafen von Karatschi, wo Sicherheitskräfte des US-Konsulats gefeuert hätten auf Demonstrierende nach deren Durchbruch durch die äußere Mauer. Elf Menschen seien demnach in der nördlichen Stadt Skardu ums Leben gekommen – die Menge soll ein UN-Büro in Brand gesetzt haben; zwei Tote verzeichnet Reuters in Pakistans Hauptstadt Islamabad. © Imago
Weitere Bilder der Straßenschlachten, die sich in Teilen Pakistans nach dem US-Angriff auf den Iran ereigneten.
Explosionen im Iran, Beben in Pakistan: „Pakistans Westgrenzen befinden sich im Kriegszustand“, sagt Muzzammil Aslam gegenüber Arab News. Der Finanzminister der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan fürchtet wirtschaftliche Verwerfungen, sollte der Iran seine Rachegelüste gegenüber dem Westen ausleben und damit den gesamten Nahen Osten in den Abgrund reißen. Die Wirtschaftskraft des Landes hängt an den Arbeitern in den Golfstaaten, die im Visier des Iran liegen und Anschläge auf ihre Energieindustrie befürchten müssen.  © dpa
Angriff auf den Iran - Irak
578899115.jpg © Hadi Mizban/dpa
Beirut
Der Iran-Krieg führt auch zu einer neuen Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah. Die Schiiten-Miliz feuert als Reaktion auf die Tötung von Ajatollah Ali Chamenei Raketen in Richtung Israel ab. Daraufhin greift das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon an, vor allem im Süden des Landes und in den Vororten der Hauptstadt Beirut (im Bild). Diese Gebiete gehören zum Einflussgebiet der Hisbollah. © AFP
Angriff gegen den Iran - Luftverkehr
Der Iran-Krieg legt zu Beginn auch den Flugverkehr teilweise lahm. Hier prüft ein Reisender die Abflugzeiten am internationalen Flughafen Beirut Rafik Hariri, da viele Fluggesellschaften nach den Angriffen auf den Iran ihre Flüge gestrichen haben.  © Hassan Ammar/dpa
Stra0ße von Hormus
Dieses Satellitenbild, aufgenommen von 2026 Planet Labs PBC am 2. März 2026, zeigt Rauchwolken, die nach einer Explosion im Hafen von Bandar Abbas an der Straße von Hormus von einem Schiff aufsteigen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft, ist weitgehend zum Erliegen gekommen.  © 2026 Planet Labs PBC/AFP

Experte sieht neue Rolle für Oman

„Der Oman wird sich voraussichtlich schrittweise von der Rolle eines traditionellen Vermittlers zu der eines regionalen Facilitators entwickeln – durch die Kombination aus diplomatischer Vermittlung, Beiträgen zu maritimen Sicherheitsarrangements und dem Aufbau regionaler Mechanismen für Krisenmanagement und Vertrauensbildung – ohne dabei seine Entscheidungsautonomie oder seine Prinzipien der Blockfreiheit aufzugeben“, so Abdullah Baabood, omanischer Wissenschaftler und Vorstandsmitglied des Gulf International Forum, gegenüber Newsweek. Er betonte, dieser Wandel stelle keine Abkehr von der bisherigen Linie dar, sondern deren Weiterentwicklung.

Baabood weiter: „Diese Entwicklung könnte seine regionale und internationale Stellung stärken, vorausgesetzt, sie beruht weiterhin auf dem Gleichgewicht, der Neutralität und der Glaubwürdigkeit, die das Sultanat über Jahrzehnte aufgebaut hat.“ Er warnte zugleich, dass jede wahrgenommene Parteinahme das sorgfältig gepflegte Image Omans beschädigen könnte.

Warum Oman nach dem Iran-Konflikt eine Schlüsselrolle spielen wird

Oman, eines von weltweit nur drei Sultanaten neben Brunei und Malaysia, wird seit dem Tod von Sultan Qabus bin Said im Jahr 2020 von Sultan Haitham bin Tariq regiert. Das Land gehört zu den sechs Mitgliedern des Golf-Kooperationsrats (GCC), dem außerdem Bahrain, Kuwait, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate angehören. Innerhalb der Staatengruppe nimmt Oman seit Langem eine eigenständige und häufig ausgleichende Position ein.

Nicht nur seine Politik der Blockfreiheit macht Oman innerhalb des GCC besonders. Entscheidend ist auch die geografische Lage: Über die Exklave Musandam grenzt das Sultanat direkt an die Straße von Hormus gegenüber der Südküste Irans. Die Beziehungen zwischen Maskat und Teheran gelten zudem traditionell als deutlich enger als jene Irans zu vielen anderen GCC-Staaten. Diese besondere Verbindung geht unter anderem auf die Unterstützung des damaligen Iran für Oman während der Dhofar-Rebellion in den 1960er- und 1970er-Jahren zurück.

Zwischen Washington und Teheran: Aktive Neutralität Omans gerät unter Druck

Dieses Wohlwollen überstand die Islamische Revolution von 1979, die die iranische Monarchie stürzte. Bereits ein Jahr später stärkte Maskat jedoch seine Beziehungen zu Washington und wurde der erste Staat am Persischen Golf, der US-Streitkräften Zugang gewährte. Die sicherheitspolitische Zusammenarbeit hat sich seither über Jahrzehnte weiter intensiviert.

Dadurch geriet Oman immer stärker in das Spannungsfeld der Rivalität zwischen Washington und Teheran. Maskat war deshalb sehr darauf bedacht, eine direkte Konfrontation zwischen den USA und dem Iran zu verhindern. Anfang dieses Jahres spielte das Sultanat eine führende Rolle bei Vermittlungsversuchen zur Kriegsvermeidung.

Iran-Krieg verändert die Lage am Persischen Golf

Als die USA und Israel den Konflikt am 28. Februar mitten in den Gesprächen begannen, reichten weder Maskats Vermittlungsbemühungen noch seine historischen Beziehungen zu Teheran aus. Iran ließ sich laut Newsweek nicht davon abbringen, Oman und andere GCC-Staaten während des Konflikts als Teil einer Strategie ins Visier zu nehmen. Ziel sei es gewesen, Druck auf regionale Länder auszuüben, die US-Militärstützpunkte beherbergen.

Dennoch blieben die Kontakte bestehen. Sie dürften nun eine entscheidende Rolle für die Zukunft des Persischen Golfs spielen. Mit dem bereits aktiveren Ansatz Omans stehe dieser Wandel nicht im Widerspruch zur grundlegenden Haltung des Sultanats, argumentierte Baabood, sondern entspreche einer „nie passiven Neutralität, sondern vielmehr einer aktiven Neutralität, die in diplomatischem Engagement und der Verhinderung von Eskalation verwurzelt ist“.

Experte warnt vor regionaler Eskalation im Nahen Osten

Diese Linie soll Oman ermöglichen, trotz wachsender Spannungen handlungsfähig zu bleiben. Allerdings seien neue Realitäten zu berücksichtigen. Baabood führte aus, die jüngsten Ereignisse hätten „gezeigt, dass jede militärische Konfrontation zwischen Groß- oder Regionalmächten sich rasch auf die Golfstaaten ausweiten könnte, auch wenn sie keine direkten Konfliktparteien sind“.

Das Risiko einer unkontrollierten Eskalation sei damit deutlich sichtbar geworden und verlange nach neuen sicherheitspolitischen Antworten in der Region. Die Krise habe zudem „die Grenzen äußerer Sicherheitsgarantien offenbart“, sagte Baabood. Die Sicherheit des Golfs könne nicht allein auf Waffen, ausländischen Militärstützpunkten oder militärischer Abschreckung beruhen.

Grenzen äußerer Sicherheitsgarantien im Persischen Golf

Stattdessen brauche es regionale Sicherheitsarrangements, die alle Anrainerstaaten einbeziehen. Ein nachhaltiges Sicherheitskonzept müsse daher kooperative Strukturen zwischen sämtlichen Küstenstaaten des Persischen Golfs einschließen. Genau an diesem Punkt könnte Oman nach Einschätzung von Experten eine wichtigere Rolle übernehmen.

Das Vorhaben ist jedoch nicht frei von Risiken. „Die Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, dass jede aktivere Rolle nicht fälschlicherweise als Ausrichtung auf eine Seite gegen eine andere missverstanden wird“, sagte Baabood. Oman werde daher bestrebt sein, seine Rolle auf internationaler Legitimität, der Freiheit der Schifffahrt und der Koordination mit den GCC-Ländern und Küstenstaaten aufzubauen, während es die Dialogkanäle mit allen Parteien offenhalte.

Straße von Hormus wird zur heiklen Frage

Am heikelsten dürfte für Oman die Aufgabe sein, eine Lösung für die Straße von Hormus zu erarbeiten, die alle Seiten zufriedenstellt. Inmitten drohender wirtschaftlicher Verwerfungen und sicherheitspolitischer Risiken muss das Land einen Kompromiss finden. Dieser muss sowohl regionale Rivalitäten als auch globale Handelsinteressen berücksichtigen.

Jede Fehlkalkulation könnte unmittelbare Auswirkungen auf Energiepreise und Lieferketten haben. Die Krise in der Meerenge brach aus, als Iran seine langjährigen Drohungen wahrmachte, den Schiffsverkehr als Reaktion auf US-israelische Angriffe zu drosseln. Bei diesen Angriffen wurden der Oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei sowie weitere Spitzenvertreter getötet. Außerdem wurden militärische und zivile Infrastruktur großflächig zerstört.

Frachtschiffe vor dem Containerterminal Khor Fakkan am Golf von Oman. Nach dem Krieg zwischen den USA, Israel und Iran wird über die Zukunft der Straße von Hormus und den Schiffsverkehr in der Region verhandelt.

Iran beansprucht Kontrolle über die Meerenge

Bis März erklärte das iranische Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), die volle Kontrolle über die Straße von Hormus übernommen zu haben. Später ließ Teheran nach eigenen Angaben nur noch die Durchfahrt von Schiffen ausgewählter Länder zu. Dieser Mechanismus entwickelte sich laut Newsweek anschließend zu einem faktischen Mautsystem.

Das veranlasste die USA dazu, nach einem Waffenstillstand und gescheiterten Friedensgesprächen im April eine eigene Blockade des Persischen Golfs zu verhängen. Damit verschärfte sich die Lage für die internationale Schifffahrt weiter. Die Straße von Hormus wurde endgültig zum zentralen Schauplatz des Konflikts.

Suche nach einem Verwaltungsmodell

Die US-Blockade wurde inzwischen infolge einer Absichtserklärung aufgehoben, die am 17. Juni von beiden Ländern unterzeichnet wurde. Das Dokument legte fest, dass Iran Schiffen für 60 Tage die ungehinderte Durchfahrt durch die Straße von Hormus gewähren sollte. Zugleich sollten die Grundlagen für eine längerfristige Regelung geschaffen werden.

Im Gegenzug sollte Iran einen Dialog mit Oman führen, „um die künftige Verwaltung und maritime Dienstleistungen in der Straße von Hormus zu definieren, in Gesprächen mit anderen Anrainerstaaten des Persischen Golfs, im Einklang mit dem einschlägigen Völkerrecht und den souveränen Rechten der Küstenstaaten der Straße von Hormus“. Dieser Dialog begann offiziell am Montag (29. Juni), als iranische und omanische Vertreter in Maskat zusammentrafen.

Oman und Iran verhandeln über die Zukunft

Danach erklärte der iranische Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi, Teherans Priorität sei es, eine Einigung mit Oman zu erzielen. Zugleich betonte Gharibabadi, die Islamische Republik sei bereit, mit ihrer eigenen Agenda voranzuschreiten, falls keine Vereinbarung zustande komme.

Ein am Montag veröffentlichter Bericht der Zeitung The New York Times zitierte einen iranischen Beamten und einen regionalen Diplomaten mit der Aussage, Oman bereite einen Vorschlag vor, der den USA übermittelt werden solle. Demnach könnten Gebühren für Reedereien vorgesehen sein, die die Straße von Hormus passieren. Dieses Papier könnte die Grundlage für eine künftige finanzielle Regelung bilden.

Straße von Hormus: Gebührenmodell nach internationalem Vorbild

Der mutmaßliche omanische Plan, über den zuvor auch die Zeitung The Telegraph berichtet hatte, würde Modellen ähneln, die in zwei anderen wichtigen Handelswegen gelten: der Straße von Malakka und der Straße von Singapur. Dort tragen von den Wasserstraßen abhängige Länder zu einem privaten Fonds bei, der ihrer Instandhaltung gewidmet ist.

Ein solches System würde die Lasten auf mehrere Schultern verteilen und könnte zugleich mehr Berechenbarkeit für Reedereien schaffen. Offen bleibt jedoch, wie freiwillig solche Gebühren wären, wer sich beteiligen würde und in welcher Höhe Beiträge zu leisten wären. Ohne Klarheit über diese Punkte könnten sowohl betroffene Staaten als auch Unternehmen Vorbehalte gegen eine Beteiligung haben.

Warum die Straße von Hormus so wichtig ist

AspektBedeutung
LageVerbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer.
AnrainerOman und Iran liegen an der Meerenge und spielen deshalb eine Schlüsselrolle.
KriegskontextNach dem Krieg zwischen den USA, Israel und Iran wird über die künftige Ordnung der Meerenge verhandelt.
BedeutungDie Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Seewegen für Öl- und Flüssiggasexporte.
StreitpunktDiskutiert werden keine klassischen Durchfahrtsgebühren, sondern mögliche freiwillige Servicezahlungen für maritime Dienstleistungen.
Beteiligte DritteDie USA lehnen eine Monetarisierung der Durchfahrt ab. Auch Saudi-Arabien, weitere Golfstaaten und die IMO beobachten die Pläne genau.
FolgenEine neue Regelung könnte Energiepreise, Lieferketten und den Welthandel beeinflussen.

Wie die USA auf Omans Vermittlerrolle blicken

Offen bleibt jedoch, wie freiwillig mögliche Gebühren wären, wer sich daran beteiligen würde und in welcher Höhe Beiträge zu leisten wären. Ohne Klarheit über diese Punkte könnten sowohl betroffene Staaten als auch Unternehmen Vorbehalte gegen eine Beteiligung haben. Newsweek hat die omanische Botschaft in den Vereinigten Staaten um eine Stellungnahme gebeten.

Tyler Parker, Assistenzprofessor an der Mercer University, der zu Oman geforscht hat, sagte gegenüber der Newsweek, die „Details bleiben ungewiss“ mit Blick auf den sich abzeichnenden Rahmen zwischen Oman und Iran. Zugleich verwies er darauf, dass Maskat parallel „mit den übrigen GCC-Mitgliedern, insbesondere Katar, die Sicherstellung der Schifffahrt durch die Meerenge und eine breitere Deeskalation des Konflikts koordiniert“.

Washington beobachtet Oman mit Skepsis

Auch die Haltung der USA könnte entscheidend werden. Nach Einschätzung Parkers betrachtet die Regierung von Präsident Donald Trump Omans Neutralität mit Skepsis. Washingtons Misstrauen gegenüber den regionalen Ambitionen Irans färbe auf die Bewertung der omanischen Vermittlerrolle ab und könne den Spielraum für vertrauliche Gespräche einschränken.

„Da US-Beamte Oman angesichts der regionalen Aktivitäten Irans als übermäßig neutral wahrnehmen, könnte es schwierig sein, Omans entscheidende Drittparteidiplomatie zwischen den USA und Iran wiederherzustellen“, sagte Parker. „Aber es ist nicht unmöglich.“

Experten sehen Chancen für neue Vermittlung

„Eine Möglichkeit wäre, dass Oman seine lang gepflegte, diskrete Facilitation erneut priorisiert, sobald sich entsprechende Gelegenheiten ergeben“, fügte Parker hinzu. Kurzfristig dürfte das Sultanat nach seiner Einschätzung auf seine geografische Lage und seine politische Souveränität über die Musandam-Halbinsel setzen, um die Folgen des Konflikts zu bewältigen.

„Kurzfristig dürfte Oman angesichts seiner geografischen Zentralität für den aktuellen Konflikt und seiner politischen Souveränität über die Musandam-Halbinsel auf seine jahrzehntelange Unabhängigkeit setzen, um die Wogen des laufenden Konflikts zu überstehen, während sein Dialog und seine Diplomatie unvermindert weitergehen“, so Parker.

Oman setzt auf seine Vermittlerrolle

Joseph A. Kéchichian, Senior Fellow am King Faisal Center for Research and Islamic Studies in Saudi-Arabien, sieht Oman ebenfalls in einer starken Position. Das Sultanat könne seine Geschichte und seinen Ruf nutzen, um diplomatische Blockaden zu überwinden.

„Oman ist eine uralte Nation mit tiefen Wurzeln, und obwohl seine Geschichte ernsthafte innere und regionale Konflikte verzeichnet, hat seine jüngere Entwicklung auf einem Erbe des friedlichen Zusammenlebens aufgebaut“, erklärte Kéchichian gegenüber der Newsweek. Diese Tradition verschaffe dem Land gerade in Krisenzeiten besonderes Gewicht.

Konflikt zwischen dem Iran und den USA: Oman will Neutralität bewahren

„Als natürlicher Vermittler profitierte nahezu jeder Gegner von Maskats Weitsicht, von Iran bis zu seinen GCC-Partnern und von jemenitischen Fraktionen bis hin zu führenden Weltmächten, die nach gesichtswahrenden Mechanismen suchten“, so Kéchichian. „Man kann vermuten, dass diese makellose Bilanz nicht aufgegeben wird, da Oman seine moderaten Neigungen voraussichtlich beibehalten und als erwachsenes Vorbild auftreten wird, das Kriegstreiber zu zügeln vermag.“

Dies gelte auch für die Vereinigten Staaten. Für Washington werde Oman „einer der zuverlässigsten und ehrlichsten Partner bleiben, die Washington je haben kann, und dem es seine Vorbehalte gegenüber Iran im Privaten anvertrauen wird“, argumentierte Kéchichian.

„Folglich werden omanische Führungspersönlichkeiten höchstwahrscheinlich weiterhin mit dem Iran sprechen, eine tragfähige Lösung zur Wiedereröffnung der Schifffahrtswege durch die Meerenge finden und die Neutralität des Landes wahren, während sie gleichzeitig versuchen, noch engere Beziehungen zwischen dem Sultanat und allen anderen Akteuren zu fördern“, betonte er. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com)

Rubriklistenbild: © Links: QATAR‘S AMIRI DIWAN / AFP. Rechts: The Visible Earth/NASA/dpa

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