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Nach Rücktritt als Unionsfraktionsvorsitzender

Maskenaffäre, kreditfinanzierte Villa, heimliches Spendendinner: Die Skandale des Jens Spahn

In seiner politischen Karriere sorgte Ex-Unionsfraktionsvorsitzender Spahn für so manchen Eklat. Zum Covid-Pandemiebeginn 2020 ebenso wie in jüngerer Zeit.

Am Samstag (18. Juli) trat Jens Spahn (CDU) von seinem Amt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurück. Nun wollen Spitzenpolitiker der Union schon am Montag über den prominenten Abgang und das Vorgehen für die nahe Zukunft beraten. Derweil werde nach einem Termin für eine gemeinsame Schalte der gesamten Unionsfraktion gesucht, berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Tag nach Spahns Rückzug.

Der ehemalige CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn (CDU)

Voran ging Spahns Amtsabtritt eine heftig geführte Debatte um Leihmutterschaft. Gegen diese hatte sich Spahn in der Vergangenheit – auch während seiner Zeit als Bundesgesundheitsminister (2018–2021) – immer wieder mit Nachdruck positioniert. Jüngst jedoch wurde bekannt, dass der CDU-Politiker gemeinsam mit seinem Lebenspartner Daniel Funke durch eine Leihmutter aus den USA Vater geworden ist. Der Rücktritt vom Amt des Unionsfraktionschefs erfolgte, nachdem der Druck auf Spahn zu groß geworden war. Doch die Leihmutterschaftsdebatte ist längst nicht die einzige Causa in Spahns Karriere, mit der er für Negativschlagzeilen sorgte.

Unionsfraktionsvorsitz aufgegeben – Thema Leihmutterschaft setzte Spahn letztlich unter zu großen Druck

Spahns zwiespältiges und inkongruentes Verhältnis zum Thema Leihmutterschaft brachte ihm als Unionsfraktionschef so viel Kritik ein, dass ein Rücktritt von seinem Amt letztlich offenbar unausweichlich wurde. Laut Gesetzgebung ist Leihmutterschaft in Deutschland nicht zulässig, und dem Bundesfamilienministerium zufolge soll dies auch bis auf Weiteres so bleiben. „Der Koalitionsvertrag sieht keine Änderung der aktuellen Rechtslage vor“, bekräftigte ein Ministeriumssprecher etwa jüngst den Zeitungen der Funke Mediengruppe. 

Und auch Spahns Partei bleibt weiterhin bei ihrer Ablehnung des Leihmutterschaft-Konzepts. „Die CDU Deutschlands hat einen klaren Parteitagsbeschluss“, erklärte eine Parteisprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Die geltende Rechtslage in Deutschland soll aus Sicht der Partei bleiben, wie sie ist“, hieß es weiter. Wenn Ärztinnen und Ärzte bei einer Leihmutterschaft helfen, machen sie sich dadurch strafbar. 

Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die komplette Liste in Bildern

Friedrich Merz
Das Kabinett Merz ist die seit dem 6. Mai 2025 amtierende Bundesregierung unter der Führung von Kanzler Friedrich Merz. Es handelt sich um die fünfte schwarz-rote Koalitionsregierung und die 17. Regierung unter Führung der Unionsparteien auf Bundesebene. © Michael Kappeler/dpa
Nina Warken
Nina Warken hat bereits Geschichte geschrieben: Als erste Frau wurde sie im Juli 2026 Chefin des Bundeskanzleramtes. Die bisherige Bundesgesundheitsministerin übernahm das Amt von Thorsten Frei – und damit die zentrale Koordinationsstelle der Regierungsarbeit.  © Christoph Soeder/dpa
Linnemann
Im Zuge des Personalumbaus hat der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Juli 2026 das Gesundheitsressort übernommen. Allerdings hat er vorab selbst Zweifel gesät, dass er wirklich der richtige Mann für den Job ist. Er wäre nach der Regierungsübernahme durch Merz gerne Arbeitsminister geworden, musste das Ressort aber der SPD überlassen. Dem Sender Phoenix hatte er im Mai 2025 zum Interesse an anderen Kabinettsposten gesagt, es sei nicht „sein Ding“, nur Minister zu sein, damit das irgendwo in Wikipedia stehe. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen.“  © Christoph Soeder/dpa
Steffen Bilger
Ebenfalls neu im Kabinett ist der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Er gilt als fachlich geeignet, ist sehr gut vernetzt, arbeitete in der schwarz-roten Koalition bislang aber vor allem im Hintergrund. Der gelernte Rechtsanwalt stammt aus Baden-Württemberg und ist ausgewiesener Verkehrsexperte: Er saß schon als frisch gebackener Bundestagsabgeordneter von 2009 bis 2013 im Verkehrsausschuss. Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Wiederwahl von Angela Merkel (CDU) 2017 war er als Vertreter der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur beteiligt. 2018 wurde er dann Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. © Marijan Murat/dpa
Sommerfest der SPD im Landkreis Verden
Und sonst? Lars Klingbeil ist als Vizekanzler weiter der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Eigentlich brennt er für die Außenpolitik und geprägt durch den familiären Hintergrund als Soldatensohn am Heeresstandort Munster für Verteidigung. Jetzt steht er dem Finanzressort vor. Für Klingbeil, der im konservativen SPD-Flügel zuhause ist, könnte es das Sprungbrett für eine Kanzlerkandidatur 2029 sein - auch wenn manchen in der Partei aufstößt, mit welcher Skrupellosigkeit er sich zuletzt seine Macht sicherte. © Focke Strangmann/dpa
Alexander Dobrindt
Innenminister ist Alexander Dobrindt. Der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag galt schon seit Wochen als gesetzt für den Posten, auf dem er die von der Union verlangte „Migrationswende“ umsetzen soll. Dobrindt war von 2009 bis 2013 CSU-Generalsekretär, danach vier Jahre Bundesverkehrsminister. Als CSU-Landesgruppenchef galt er als wesentlicher Faktor für die relativ geräuschlose Zusammenarbeit von CSU-Chef Markus Söder und Merz. © Sebastian Gollnow/dpa
Außenminister Wadephul bei der UN
Auswärtiges Amt: Johann Wadephul. Erstmals seit fast 60 Jahren führt die CDU wieder das Außenamt. Den Posten hat Merz, der im Kanzleramt maßgeblich auch die Außenpolitik mitgestalten will, nun an einen Fachpolitiker aus dem Bundestag vergeben. Wadephul kommt aus Schleswig-Holstein und ist bisher als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Er gilt als international gut vernetzt und war in den vergangenen Wochen bereits in Paris, London und Warschau, um sich mit den dortigen Außenministern zu treffen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsminister Pistorius besucht Objektschutzregiment
Verteidigungsminister Boris Pistorius war für die SPD gesetzt – schließlich ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Als er im November 2023 „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ für die Bundeswehr ausrief, legte der Niedersachse die Latte hoch. Seit der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse kann er sich über mangelnde Finanzierung nicht mehr beschweren. Der Jurist wurde in Osnabrück geboren, er arbeitete in mehreren niedersächsischen Regierungsstellen und war von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt („das schönste Amt der Welt“). In den zehn folgenden Jahren war er Innenminister von Niedersachsen. 2023 übernahm er das Verteidigungsministerium von Christine Lambrecht und gewann in kurzer Zeit die Anerkennung der Truppe und der Verbündeten. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bundeswirtschaftsministerin Reiche zu Energiekosten
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie ist Katherina Reiche. Lange galt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als wahrscheinlicher Minister – doch der sagte ab und blieb auf seinem Posten an der Spitze der Parteizentrale. Merz entschied sich dann für die frühere Umwelt- und Verkehrsstaatssekretärin Reiche aus Brandenburg. Sie ist seit vielen Jahren in der Wirtschaft und war von 2015 bis 2019 zunächst Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende war schon von 2018 bis 2021 als Staatsministerin für Digitales im Kabinett von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Bär kam 2002 zusammen mit vielen anderen jungen Christsozialen während der Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber erstmals in den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen das deutschlandweit höchste Ergebnis. © Heiko Becker/Imago
Aktionsplan Steuer- und Finanzkriminalität
Justiz: Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin begann 2000 im Bundesjustizministerium und stieg zur Referatsleiterin auf. 2008 ging sie nach Mainz: Erst in die Staatskanzlei, 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Strafrecht im Justizministerium. Hubig wurde 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war damals ihr Parteikollege Heiko Maas. Beide gerieten mit dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range aneinander: Dabei ging es um später eingestellte Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats. © Michael Kappeler/dpa
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Karin Prien – Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die in Amsterdam geborene Prien arbeitete zu Beginn ihrer Karriere als Rechtsanwältin im Bereich Wirtschafts- und Insolvenzrecht, engagierte sich aber auch früh in der Hamburger Lokalpolitik. 2011 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt, bevor sie nach Schleswig-Holstein wechselte. Im „Zukunftsteam“ des gescheiterten Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet war sie 2021 gleichfalls für den Bereich Bildung zuständig. © Jens Schicke/Imago
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bodenständig, geradlinig, klar: Als Bundestagspräsidentin hat sich Bärbel Bas einen guten Ruf erworben. Zuvor war die Duisburgerin einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie sitzt seit 2009 im Bundestag und kümmerte sich unter anderem um Gesundheitspolitik. Ihre unkomplizierte Art mag mit der Herkunft zu tun haben: Die neue Bundesministerin für Arbeit und Soziales wuchs als zweitälteste von sechs Geschwistern in materiell einfachen Verhältnissen auf. Spielen, so erzählte Bas später, musste sie als Kind draußen, weil im Kinderzimmer zu wenig Platz war. © Imago
Pressekonferenz Wildberger und Warken
Digitalisierung und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger. Merz hat ganz früh angekündigt, dass er einen Experten aus der Wirtschaft mit dem neu geschaffenen Ressort betrauen will. Nun soll der Chef der Holding der Elektronikmärkte MediaMarkt und Saturn den Posten übernehmen. Der promovierte Physiker Wildberger war von 2016 bis 2021 Vorstand der Holding des Energiekonzerns Eon und davor unter anderem in Managementpositionen bei den Telekom-Konzernen Vodafone und Deutsche Telekom. © Soeren Stache/dpa
Fortsetzung der Sommerreise von Bundesumweltminister
Umwelt und Klimaschutz: Carsten Schneider war in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz Staatsminister und Beauftragter für Ostdeutschland. Damit war er eine der profiliertesten Stimmen dieser Region und sollte vor allem für gleichwertige Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern sorgen. Schneider stammt aus Erfurt und sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Dort war er unter anderem Haushaltspolitiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Der 49 Jahre alte Bankkaufmann gilt als pragmatisch, erfahren und vielseitig einsetzbar.  © Stefan Sauer/dpa
90. Grüne Woche Berlin - Eröffnungstag
Ernährung, Landwirtschaft und Heimat: Alois Rainer. Nach dem Rückzug des zunächst vorgesehenen bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner ist der Niederbayer zum Zug kommen. Der 60 Jahre alte Metzgermeister sitzt seit 2013 im Bundestag. Schon sein gleichnamiger Vater saß 18 Jahre im Bundestag, seine Schwester ist die ehemalige Bundesbau- und Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt. © Sebastian Gollnow/dpa
Reem Alabali-Radovan
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Reem Alabali-Radovan hat eine steile politische Laufbahn hingelegt. Zuletzt war sie Integrationsbeauftragte der Ampel-Regierung. Nun folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Schwerinerin. Geboren wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie, die vor den politischen Verhältnissen im Irak floh, nach Mecklenburg-Vorpommern. Als Integrationsbeauftragte setzte sie sich unter anderem gegen Racial Profiling ein, also die verdachtsunabhängige polizeiliche Kontrolle von Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe und anderen ethnischen oder religiösen Merkmalen. Alabali-Radovan ist verheiratet mit dem Profiboxer Denis Radovan und bekam 2023 eine Tochter.  © Katharina Kausche/dpa
Verena Hubertz
Die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist eine politische Senkrechtstarterin: Verena Hubertz ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete und wurde direkt stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, zuständig unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen. Oft führte sie in der Ampel-Koalition Verhandlungen mit Politikern von Grünen und FDP, wenn es um strittige Fragen ging. Laute Töne sind nicht ihr Fall. Die Triererin und Betriebswirtin hat eine für Politiker eher ungewöhnliche Biografie. 2013 gründete sie mit einer Studienkollegin das Küchen-Start-up Kitchen Stories. Die Idee: in Videos und Schritt für Schritt zu zeigen, wie einfach Kochen sein kann.  © Kay Nietfeld/dpa
Patrick Schnieder
Bis Juli 2026 war Patrick Schnieder Bundesminister für Verkehr. Verkehr. Merz hat ihn entlassen, weil er mit seiner Amtsführung unzufrieden war – besonders bei den Dauerkrisenherden Schienennetz und Infrastruktur. Die Entlassung Schnieders nach nur gut einem Jahr im Amt stieß in der CDU teilweise auf heftige Kritik. © Sven Kaeuler/dpa
Jens Spahn
Auslöser für den Kabinettsumbau im Juli 2026 war der Rücktritt von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef. Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz nahm den Wechsel an der Fraktionsspitze zum Anlass, die CDU in Regierung und Partei neu aufzustellen. © Michael Kappeler/dpa
Thorsten Frei
Umbau auch in der Union: Thorsten Frei übernahm den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Er war bisher Kanzleramtsminister. Frei steht für eine unverwüstlich wirkende Freundlichkeit, gepaart mit geduldiger Erklärlust. Trotz seiner nach außen getragenen Sanftmütigkeit steht wr inhaltlich für Härte. Die innere Sicherheit und die Begrenzung der Migration zählen zu den Kernthemen des Innenexperten, der als Sohn eines Polizisten in Südbaden aufgewachsen ist. © Michael Kappeler/dpa
Franziska Hoppermann
Für Linnemann wurde Franziska Hoppermann als CDU-Generalsekretärin ins Amt gewählt. Die bisherige Bundesschatzmeisterin gilt als arbeitnehmernah und hat ein starkes Profil in der Frauen Union.  © Christoph Soeder/dpa
Philipp Amthor
Philipp Amthor bekam eine Schlüsselrolle bei der föderalen Zusammenarbeit. Er wurde von Merz zum neuen Staatsminister im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen ernannt, der bisherige Amtsinhaber Michael Meister musste gehen. Amthor war bisher parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium. © Christoph Soeder/dpa
Christiane Schenderlein
Christiane Schenderlein wird Nachfolgerin von Tino Sorge als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Sie war bisher Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt.  © Kay Nietfeld/dpa
Wolfram Weimer
Er bleibt Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer. Er will aber nur für eine Legislaturperiode im Amt bleiben. 2003 war er Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren „FAZ“-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group. © Georg Wendt/dpa

Schon die Vermittlung von Leihmutterschaften ist hierzulande dem Gesetz nach untersagt. Nicht verboten ist es dagegen, ein im Ausland per Leihmutterschaft geborenes Kind in Deutschland großzuziehen – so wie Spahn und sein Partner es tun. 

Maskenaffäre und Co. – in der Corona-Pandemie unterliefen Spahn verschiedene Fehltritte

Aber auch abseits der Leihmutterschaft-Debatte finden sich zahlreiche weitere Angelegenheiten in der politischen Karriere Spahns, die sein Ansehen und das seiner Partei immer wieder zu beschädigen drohten. Der politisch wie wirtschaftlich wohl folgenschwerste Fehler unterlief dem damaligen Bundesgesundheitsminister 2020, auf dem Höhepunkt der ersten Coronavirus-Welle im Zuge der Pandemie. 

Zu jenem Zeitpunkt verursachte Spahn einen Skandal bei der Bestellung von Schutzmasken, die vor einer Ansteckung mit dem grassierenden Coronavirus schützen sollten. Insgesamt beschaffte der CDU-Politiker 5,6 Milliarden Masken für 5,9 Milliarden Euro, wobei ein Großteil später ungenutzt in Müllverbrennungsanlagen landete. Grundlage des Kaufs für einen – wie sich in der Folge herausstellen sollte – deutlich zu hohen Kaufpreis waren Spahns persönliche Berechnungen: Dabei hatte der damalige Bundesgesundheitsminister einen Masken-Stückpreis von 4,50 Euro antizipiert. Der letztliche Kaufpreis schien Spahn somit wie ein angemessenes Geschäft.

Auch hatte Spahn im Zuge der Maskenaffäre ein Speditionsunternehmen aus seiner Heimat, dem Münsterland, mit der Lagerung und Auslieferung der Masken beauftragt. Zuvor gab es offenbar auch Versuche, das Unternehmen Burda für die Maskenbeschaffung ins Boot zu holen, bei dem Spahns Lebensgefährte Funke als Lobbyist tätig ist – die Burda GmbH stritt jedoch jegliche Involviertheit Funkes ab. Das letztlich beauftragte Speditionsunternehmen aus dem Münsterland wiederum zeigte sich allerdings schon nach kurzer Zeit überfordert – Schadenersatz einzuklagen, kam dem Ex-Gesundheitsminister jedoch nicht in den Sinn. Weil Zulieferer die bestellten Masken nicht mehr loswurden, klagten sie auf Bezahlung. Für deutsche Steuerzahlerinnen und -zahler entstand dem Spiegel zufolge ein Schaden in Höhe von knapp 2,3 Milliarden Euro. 

Spahn nahm 2020 trotz Coronavirus-Pandemie an Spendendinner teil

Die Maskenaffäre sollte jedoch nicht Spahns alleiniger Fehltritt in der Coronavirus-Pandemie bleiben. So traf sich der ehemalige Gesundheitsminister ebenfalls 2020 mit rund einem Dutzend Unternehmern zu einem Spendendinner in Leipzig. Besonders kontrovers ist dies, da zum damaligen Zeitpunkt bekanntermaßen rigide vor privaten Zusammenkünften gewarnt wurde, um dem Coronavirus keine unnötigen Möglichkeiten zu bieten, sich weiter auszubreiten. 

Nach dem Treffen beliefen sich die Spenden an den CDU-Kreisverband Spahns auf knapp 100.000 Euro, wie Spiegel-Recherchen aufzeigten. Die Summe der gespendeten Beiträge belief sich dabei im Einzelnen auf maximal 9900 Euro, was knapp unter der Grenze der meldepflichtigen 10.000 Euro liegt. Vielen Forderungen zum Trotz verzichtete Spahn aber darauf, die Namen der beim Dinner Anwesenden – und letztendlichen Geldgeberinnen und Geldgeber – offenzulegen.

Daneben gibt es aber noch ein drittes Vorkommnis während der Coronavirus-Pandemie, das Spahn einiges an Vertrauen einbüßen ließ. So entschieden sich der CDU-Politiker und sein Lebensgefährte 2020 zum Kauf einer Luxusvilla in Berlin-Dahlem für knapp vier Millionen Euro. Vollständig finanziert worden war dies durch einen Kredit der Sparkasse Westmünsterland, für die Spahn Informationen des Business Insiders zufolge selbst bis 2015 im Verwaltungsrat gesessen hatte. Zudem sei sein Lebensgefährte Funke Im Februar 2023 entschieden sich Spahn und Funke dann für den Verkauf der Villa, wie t-Online und das Handelsblatt übereinstimmend berichteten. Unter Berufung auf vorliegende Belege berichtet „T-Online“, die Villa sei für 5,3 Millionen Euro verkauft worden. Dem standen damalige Gesamtausgaben von 5,5 Millionen Euro gegenüber, inklusive Renovierung des Hauses.

Auch Spahns Verbindung zu René Benko und Teilnahme an Events von Peter Thiel beschädigten sein Image

Neben Spahns tiefgreifenden Fehltritten in Zeiten der Coronavirus-Pandemie machte er jedoch auch durch Verbindungen zu Personen mit fragwürdigem Ansehen nicht unbedingt positive Schlagzeilen. So etwa zum jüngst nach langwierigen Verfahren mehrfach verurteilten Ex-Investor und Signa-Gründer René Benko. Ebenfalls 2020 stand Spahn dem Spiegel zufolge wohl in regerem Kontakt zu Benko, wie ein E-Mailverkehr vom 6. Mai 2020 nahe legt. Damals schickte Spahn ein Dokument an Benko von seinem Bundestagsaccount aus. „Guten Morgen, Vorlage f heute vertraulich z Kt. Lg Jens“, hieß es darin.

Angehängt war ein Beschlussentwurf für die Telefonschalte zwischen der damaligen Kanzlerin Angela Merkel und Spitzenpolitikerinnen und -politikern der Länder. Gegenstand des Entwurfs sind die Pläne von Bund und Ländern für „einen erheblichen weiteren Öffnungsschritt“ nach dem Covid-Lockdown. „Danke lieber Jens – hoffe es geht Dir gut Herzliche Grüße, Dein René“, antwortet Benko nur knapp vierzig Minuten nach Spahns Mail, die er gegen 6:30 Uhr versandt hatte. Eine weitere Mail Spahns erreichte Benko im Herbst desselben Jahres, offenbar mit angehängtem Beschlussvorschlag für die Telefonschalte von Merkel mit den Länderchefs. Nach Bekanntwerden des Mailverkehrs erklärte Spahns Anwalt, dass es in der Kommunikation der beiden fernab von einer engen Bindung nur um fachlichen Austausch gegangen sei.

Und nicht zuletzt tauchte Spahn auf einer Namensliste der sogenannten Dialog-Treffen vom Trump-nahen Unternehmer und bekennendem Antidemokraten Peter Thiel auf. Thiels Zusammenkünfte dienten, wie erst Ende Juni bekannt wurde, offenbar der Vernetzung Prominenter aus Politik, Wirtschaft und dem Showgeschäft. Spahn bestätigte übereinstimmenden Medienberichten zufolge die Teilnahme an fünf Dialog-Treffen zwischen 2018 und 2024. (Quellen: Funke-Zeitungen, dpa, Business Insider, Spiegel, t-online, Handelsblatt) (fh)

Rubriklistenbild: © dpa | Bernd von Jutrczenka

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