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Ein Datenleck legt das geheime Forum von Tech-Milliardär Peter Thiel offen – und mitten drin: CDU‑Politiker Jens Spahn. Was steckt hinter der „Dialog Society“?
Ein Datenleck hat erstmals offengelegt, wer sich im privaten Umfeld des Technologiemilliardärs Peter Thiel zu diskreten Gesprächen trifft. Die sogenannte „Dialog Society“, 2006 vom rechtslibertären Palantir‑Gründer Thiel gegründet, hielt ihre Teilnehmerliste zwei Jahrzehnte lang unter Verschluss. Nun zeigt sich nach übereinstimmenden Medienberichten, dass sich unter den Namen nicht nur Tech‑Unternehmer und Militärs befinden, sondern auch CDU‑Fraktionschef Jens Spahn.
Nach eigenen Angaben verfolgt die „Dialog Society“ den Anspruch, politische, technologische und sicherheitspolitische Eliten in vertraulichem Rahmen zusammenzubringen. Laut Tagesspiegel stehen „Tech‑Giganten, hohe US‑Beamte, Militärs und Politiker“ auf den Gästelisten; diskutiert werde etwa über „eine Atomkraft‑Renaissance oder einen möglichen Dritten Weltkrieg“. Damit fungiert das Format als Schnittpunkt zwischen Regierungsvertretern und dem Silicon Valley – einem Bereich, in dem Thiel seit Jahren aktiv Netzwerke pflegt.
Spahn nahm fünfmal an Peter Thiels Dialog-Treffen teil – auch als Minister
Den Stein ins Rollen brachte das US‑Magazin Wired. Es berichtete, „dass interne Unterlagen der Dialog Society offen im Netz standen“. Im Quelltext der Website dialog.org war ein Mitgliederverzeichnis hinterlegt, wie die Schweizer Hackerin Maia Arson Crimew bemerkte. Wired überprüfte dies nach eigenen Angaben unabhängig. Der Tagesspiegel konnte den Eintrag über das öffentlich zugängliche Archiv der Seite selbst nachvollziehen. Inzwischen scheinen die im Quelltext hinterlegten Namen aber auch aus den Archiven gelöscht worden zu sein.
Wired stützt sich bei seiner Berichterstattung auf zwei Quellen: ein Mitgliederverzeichnis mit 113 Namen sowie eine Registrierungsliste für das sogenannte „Retreat“ im August 2026, die 222 Personen umfasst. Für jede Person seien Mitgliedsstatus, Teilnahmeart und das vollständige Sitzungsprogramm vermerkt. Für ein Treffen in Irland habe Jens Spahn eine Einladung erhalten, diese jedoch abgesagt, erklärte ein Sprecher auf Anfrage von t-online. Ob Spahn Mitglied der Organisation sei, wurde demnach aber nicht beantwortet.
Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die komplette Liste in Bildern
Gegenüber dem Tagesspiegel erklärte Spahns Büro hingegen, dass der Unionsfraktionschef regelmäßig „an unterschiedlichen nationalen und internationalen Konferenzen und Veranstaltungen“ teilnehme. Ihm sei „der Austausch unterschiedlicher Perspektiven wichtig“, außerdem leiste er auf Einladung „aktive Beiträge als Redner oder Pandel-Diskutant“. Darunter auch mehrfach an Thiels Dialog-Veranstaltungen.
In unregelmäßigen Abständen habe Spahn „auch an dem Format ‚Dialog‘ teilgenommen“, zitiert der Tagesspiegel das Büro des 46-Jährigen. Konkret werden folgende Teilnahmen genannt: 2018 in Irland, 2019 in Italien, 2022 in Portugal, 2023 in Spanien und 2024 in Deutschland. An den ersten beiden Treffen nahm Jens Spahn somit als Bundesgesundheitsminister und aktives Regierungsmitglied teil. Peter Thiel sei er im Rahmen dessen aber „nie begegnet“. Auch anderen Medien wie Corrective wurde dies offenbar bestätigt.
Bis zu 15.000 Euro pro Veranstaltung: Spahn zahlte Trips laut Sprecher aus eigener Tasche
Aus Teilnehmerkreisen hieß es gegenüber t-online, dass es „keine Mitgliedschaft im eigentlichen Sinne“ gebe. Vielmehr sei die Veranstaltung „weltanschaulich und thematisch offen“. Gäste müssten sich allerdings einkaufen; rund 15.000 Euro müssten die Teilnehmenden an die Organisation überweisen, berichtet t-online weiter – pro Veranstaltung.
Wurden Spahns Trips zum Thiel-Forum also vom Steuerzahler übernommen? Laut seinem Sprecher würden „Reisekosten auf Antrag übernommen, je nach Funktion vom Ministerium, dem Bundestag oder der Fraktion“. Zumindest wenn Spahn „in seiner jeweiligen offiziellen Funktion“ eingeladen würde. Im Fall der Dialog-Formate habe Jens Spahn aber die „anfallenden Teilnahmegebühren in niedrig dreistelliger Höhe selbst getragen“. Für gewisse Gäste sei nämlich ein erheblicher Preisnachlass möglich, so t-online unter Berufung auf eine gesichtete Einladung.
Palantir, Trump, JD Vance: Wie Peter Thiel still und leise Macht in private Hände verlagert
Im irischen Dublin soll vom 12. bis 16. August die nächste Runde der „Dialog Society“ stattfinden. Den Berichten zufolge stehen dann Gesprächsrunden wie „Navigating WWIII“ (Den Dritten Weltkrieg navigieren), „Bring Back Nuclear“ (Bringt die Atomkraft zurück) und „Build-a-Cult“ (Bau dir eine Sekte) auf dem Programm. Thiel selbst habe seit Jahren nicht an dem Forum teilgenommen.
Der deutsch‑amerikanische Investor als einer der einflussreichsten, aber auch umstrittensten Akteure des Silicon Valley. Als Mitgründer von PayPal und frühzeitiger Facebook‑Finanzier wurde er zum Milliardär; die umstrittene Software seiner mitgegründeten Analyse‑Unternehmens Palantir wird unter anderem von Trumps Einwanderungsbehörde ICE und in Teilen von der deutschen Polizei genutzt. Auch Spahn hatte sich mehrfach für die Nutzung von Palantir ausgesprochen.
Thiel wird aus politikwissenschaftlicher Sicht als rechtslibertär, anti-demokratisch und libertär-autoritaristisch beschrieben. Er versteht Demokratie und kollektive Entscheidungsprozesse häufig als Hemmschuh technologischen Fortschritts; 2009 schrieb er in einem Essay, dass Freiheit und Demokratie inkompatibel seien. Seit Jahren unterstützt Thiel die Kampagnen von US-Präsident Donald Trump mit Millionenbeiträgen, auch trat er als Förderer des heutigen US-Vize JD Vance in Erscheinung. So unterstützte Thiel Vance‘ Senatskampagne im Wahlkampf 2022 laut CBS News mit 15 Millionen US-Dollar.
Kritikerinnen und Kritiker sehen in Thiels Initiativen wie der „Dialog Society“ den Versuch, staatliche Kontrolle zu schwächen und Macht zunehmend in unternehmerische und private Hände zu legen. Konkret geschmiedet wird dann hinter verschlossenen Türen: in einem exklusiven Zugangszirkel, der politische und ökonomische Eliten jenseits öffentlicher Rechenschaft verbindet. (Quellen: Wired, Tagesspiegel, t-online, eigene Recherche) (nak)