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Hormus als Druckmittel

Luftangriffe trotz Waffenruhe: USA und Iran steuern auf neuen Kalten Krieg zu

Die USA und der Iran wechseln sich ab mit Diplomatie, Militärschlägen und Waffenruhen – ein Kreislauf, der kaum zu dauerhaftem Frieden führen dürfte.

Es schien, als sei das US-iranische Memorandum of Understanding (MoU) in Gefahr zu kollabieren, noch bevor die Tinte trocken war. Am Samstagmorgen griffen die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) die MT Kiku an – ein unter panamaischer Flagge fahrendes Schiff, das auf der südlichen Route nahe der omanischen Küste in der Straße von Hormus unterwegs war. Präsident Trump war außer sich und ordnete zwei Wellen von Vergeltungs-Luftangriffen auf iranische Militärziele entlang der Küste des Landes an.

Nach Schlägen und Gegenschlägen herrscht trotz Iran-Deal keine Ruhe.

Der Iran wiederum reagierte, indem er einige Drohnen und Raketen in Richtung Kuwait und Bahrain schickte. Todesopfer gab es nicht. Bis zum Ende des Wochenendes einigten sich Washington und Teheran jedoch darauf, das Feuer einzustellen. Die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner wollten sich am Dienstag in Katar mit iranischen Vertretern zusammentreffen. Die USA und der Iran vereinbarten zudem Entflechtungsprotokolle, um sowohl die Straße von Hormus freizuhalten als auch eine sofortige Kommunikation im Falle eines erneuten Aufflammens sicherzustellen.

Patt-Situation im Iran-Krieg: Deal mit den USA wackelt

So sehr Washington und Teheran betonen, sie wollten in den nächsten 60 Tagen ein umfassendes Abkommen über das iranische Nuklearprogramm aushandeln, so wahrscheinlich ist es, dass der Konflikt erneut aufflammen wird. Technisch gesehen ist der Iran-Krieg seit Inkrafttreten der ersten Waffenruhe am 8. April ausgesetzt. Angesichts der gegensätzlichen Interessen und der unterschiedlichen Auslegung des Memorandums, das beide Seiten Anfang des Monats unterzeichnet haben, ist aber schwer vorstellbar, dass die Gespräche zu einem für beide akzeptablen Ende führen.

Stattdessen könnten wir auf einen neuen Status quo zusteuern, in dem die USA und der Iran zwar nicht mehr im Krieg stehen, aber dennoch keine Formel finden, die einen dauerhaften Frieden hervorbringen würde. Die Routine seit der Pause der Feindseligkeiten am 8. April lässt sich vielleicht mit einer Autofahrt im Gebirge mit Höhen und Tiefen vergleichen, auch wenn sie auf einer vorhersehbaren Route verläuft. US-amerikanische und iranische Vertreter wechseln sich ab zwischen diplomischem Schwung, diplomatischem Stillstand und wechselseitigen Schlägen. Nur um wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren und eine weitere Feuerpause zu verhandeln, damit kleinere Scharmützel nicht zu einem ausgewachsenen Krieg eskalieren.

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Der Iran-Krieg beginnt am 28. Februar 2026 mit Angriffen aus Israel und den USA auf Teheran. Noch am ersten Tag wird auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Seit dem Angriff hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion ausgeweitet. © AFP
Iran-Krieg - Iran
Immer wieder schlagen Raketen in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Umgebung ein. Die Menschen vor Ort berichten von zitternden Fenstern, in sozialen Medien kursieren Bilder von Rauchschwaden. In Teheran leben rund 15 Millionen Menschen.  © Vahid Salemi/dpa
Angriff auf den Iran - Iran
Präzisionsschläge auf relevante militärische Ziele – erstmals auch mit Drohnen, die von den Shaheds kopiert worden sind: „LUCAS kostet etwa 35.000 US-Dollar pro Plattform und ist ein kostengünstiges, skalierbares System, das modernste Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher US-Langstreckensysteme mit vergleichbarer Wirkung bietet“, sagt der Marineoffizier Tim Hawkins gegenüber dem Magazin The War Zone (TWZ). US-Präsident Trump hat sich für den Angriff gegen den Iran vermutlich von den Waffen seines Gegners inspirieren lassen: Erstmals haben die USA Kamikaze-Drohnen eingesetzt, veröffentlicht das „US Central Command“ (CENTCOM).  © dpa
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Die Angriffe gehen ohne Unterlass weiter. Dieses Standbild aus einem vom U.S. Central Command zur Verfügung gestellten Video zeigt den Start einer Rakete von einem Schiff der U.S. Navy zur Unterstützung der Operation „Epic Fury“. © dpa
Raketenabwehrsystem Iron Dome
Der Iran antwortet mit Gegenangriffen auf Israel. Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt zahlreiche Geschosse ab. Über Tel Aviv kommt es zu entsprechenden Explosionen. © Jack Guez/AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Auch am Tag feuert das israelische Luftabwehrsystem, um Raketen während eines iranischen Angriffs abzufangen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
Dennoch kommt Israel nicht ungeschoren davon. Hier verbinden Rettungskräfte einen verwundeten Mann und leisten erste Hilfe am Ort eines direkten Einschlags einer iranischen Rakete in Tel Aviv. © Tomer Neuberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
An einer anderen Stelle in Tel Aviv ist ein Feuerwehrmann dabei, ein brennendes Auto zu löschen. © Tomer Neuberg/dpa
USA Iran
Dieses offizielle Foto des Weißen Hauses, veröffentlicht am 28. Februar 2026 auf dem Account „White House X“, zeigt US-Vizepräsident JD Vance (Mitte), die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, Tulsi Gabbard (zweite von links), und US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) im Lagezentrum in Washington, D.C. © AFP
Trump Iran
Ein weiteres offizielles Foto des Weißen Hauses zeigt Donald Trump im Gespräch mit Stabschefin Susie Wiles (rechts), während US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) die Aktivitäten der „Operation Epic Fury“ gegen den Iran von einem nicht genannten Ort aus überwacht. „Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot“, schrieb Trump später auf „Truth Social“. © AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Was ist das Ziel der Operation Epic Fury (Einsatz Gewaltiger Zorn)? US-Präsident Trump begründet die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm und mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Durch beides sieht Israel seine Existenz bedroht. Daneben will Trump aber auch die USA vor „direkten Bedrohungen“ durch den Iran schützen. © Leo Correa/dpa
Un-Sicherheitsrat
Der US-Angriff ruft die Vereinten Nationen auf den Plan: Der Sicherheitsrat ist zu einer Notfall-Sitzung zusammengekommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte die Botschafter, die Aktion berge die Gefahr, „eine Kette von Ereignissen auszulösen, die in der instabilsten Region der Welt niemand mehr kontrollieren kann“, wie die UN berichten. Israels Botschafter Danny Danon hatte die Angriffe als gerechtfertigt dargestellt und als einen notwendigen Akt, um eine existenzielle Bedrohung abzuwehren. © Spencer Platt/AFP
Minab-Mädchenschule
Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach den Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Iran mit fast 200 Toten eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren nach iranischen Angaben mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen. Vertreter des israelischen Militärs hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt.  © Ali Najafi/AFP
Proteste in London
Weltweit gehen noch am ersten Abend des Iran-Kriegs Exil-Iranerinnen und -Iraner auf die Straßen und feiern den Tod von Ajatollah Chamenei. Dieses Bild zeigt eine Demonstration vor der iranischen botschaft in London. © Vuk Valcic/Imago
Angriff auf den Iran - Berlin
Auch auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehen die Menschen spontan auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demo in der Türkei
Anders sieht es in der Türkei aus: Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul machen Demonstranten Donald Trump und Israel für die Eskalation verantwortlich. Sie protestierten gegen den Angriff auf den Iran und die Tötung von Ajatollah Chamenei, indem sie eine US-Flagge verbrennen. © Ozan Kose/AFP
Angriff auf den Iran - Indien
578889050.jpg © Mukhtar Khan/dpa
Angriff auf den Iran - Dubai
Der Iran-Krieg zieht auch die arabischen Länder mit in den Konflikt hinein. Mit Hunderten Raketen und Drohnen greift der Iran seit Ende Februar unter anderem Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Hier steigt Rauch nach einem iranischen Drohnenangriff im Hafengebiet von Dubai auf. © Fatima Shbair/dpa
Angriff auf den Iran – Katar
Folgen der Rache des Iran: Die USA betreiben in al-Udeid eine Militärbasis. Die liegt im Fokus des Iran – allerdings befindet sich rund 30 Kilometer entfernt die Stadt Doha; und die wird kaum durch die Luftabwehr der US-Basis abgedeckt.  © dpa
Iran-Krieg - reaktionen
US-amerikanisch-israelische Luftschläge – Schockwellen in der gesamten Welt: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hätten Demonstranten im pakistanischen Karatschi vor dem Konsulat „Tod Amerika! Tod Israel!“ skandiert; Reuters-Reporter hätten Schüsse gehört und in den umliegenden Straßen Tränengas wahrgenommen. Die Nachrichtenagentur spricht von mindestens 23 getöteten Demonstranten; davon zehn im Hafen von Karatschi, wo Sicherheitskräfte des US-Konsulats gefeuert hätten auf Demonstrierende nach deren Durchbruch durch die äußere Mauer. Elf Menschen seien demnach in der nördlichen Stadt Skardu ums Leben gekommen – die Menge soll ein UN-Büro in Brand gesetzt haben; zwei Tote verzeichnet Reuters in Pakistans Hauptstadt Islamabad. © Imago
Weitere Bilder der Straßenschlachten, die sich in Teilen Pakistans nach dem US-Angriff auf den Iran ereigneten.
Explosionen im Iran, Beben in Pakistan: „Pakistans Westgrenzen befinden sich im Kriegszustand“, sagt Muzzammil Aslam gegenüber Arab News. Der Finanzminister der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan fürchtet wirtschaftliche Verwerfungen, sollte der Iran seine Rachegelüste gegenüber dem Westen ausleben und damit den gesamten Nahen Osten in den Abgrund reißen. Die Wirtschaftskraft des Landes hängt an den Arbeitern in den Golfstaaten, die im Visier des Iran liegen und Anschläge auf ihre Energieindustrie befürchten müssen.  © dpa
Angriff auf den Iran - Irak
578899115.jpg © Hadi Mizban/dpa
Beirut
Der Iran-Krieg führt auch zu einer neuen Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah. Die Schiiten-Miliz feuert als Reaktion auf die Tötung von Ajatollah Ali Chamenei Raketen in Richtung Israel ab. Daraufhin greift das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon an, vor allem im Süden des Landes und in den Vororten der Hauptstadt Beirut (im Bild). Diese Gebiete gehören zum Einflussgebiet der Hisbollah. © AFP
Angriff gegen den Iran - Luftverkehr
Der Iran-Krieg legt zu Beginn auch den Flugverkehr teilweise lahm. Hier prüft ein Reisender die Abflugzeiten am internationalen Flughafen Beirut Rafik Hariri, da viele Fluggesellschaften nach den Angriffen auf den Iran ihre Flüge gestrichen haben.  © Hassan Ammar/dpa
Stra0ße von Hormus
Dieses Satellitenbild, aufgenommen von 2026 Planet Labs PBC am 2. März 2026, zeigt Rauchwolken, die nach einer Explosion im Hafen von Bandar Abbas an der Straße von Hormus von einem Schiff aufsteigen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft, ist weitgehend zum Erliegen gekommen.  © 2026 Planet Labs PBC/AFP

Zumindest vorerst ziehen es beide Seiten aus drei Gründen vor, den diplomatischen Weg offenzuhalten. Erstens: Je länger US-amerikanische und iranische Unterhändler miteinander reden, desto eher lässt sich eine Wiederaufnahme eines umfassenden Krieges vermeiden. Zweitens: Die Pause verschafft den US- und iranischen Streitkräften zusätzliche Zeit, ihre Munitionsbestände wieder aufzufüllen, Schäden an ihrer Verteidigungsinfrastruktur zu reparieren und sich auf erneute Kämpfe vorzubereiten, falls die Diplomatie scheitert. Drittens: Solange die Verhandlungen in eine positive Richtung verlaufen oder zumindest als produktiv wahrgenommen werden, können Washington und das Mullah-Regime Fortschritte reklamieren und die wirtschaftlichen Folgen eindämmen, die damit einhergingen, die Diplomatie vollständig aufzugeben.

Hohe wirtschaftliche Kosten auf beiden Seiten

Diese wirtschaftlichen Konsequenzen sind für alle sichtbar: hohe Benzinpreise für Amerikaner an der Zapfsäule und katastrophale Umfragewerte für Trump. Und für die iranische Regierung ein massiver Rückgang der Staatseinnahmen sowie eine weitere Schwächung ihres konventionellen Militärs. Wie lange kann dieser Status quo halten? Sollten sich die Gespräche als zäh erweisen – und es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass dies nicht der Fall sein wird – könnte die Geduld schwinden. Dies gilt insbesondere für Trump, der nur eine sehr begrenzte Aufmerksamkeitsspanne für langwierige, technisch quälende geopolitische Verhandlungen hat und ständig auf der Hut ist vor Anzeichen mangelnden Respekts der Gegenseite am Tisch.

Die Iraner sind geduldiger, lassen sich aber ungern herumschubsen, insbesondere nicht von den Amerikanern, und haben mehrfach unmissverständlich klargemacht, dass US-Drucktaktiken – ob in Form wirtschaftlicher Sanktionen oder militärischer Schläge – ihrerseits zu verstärktem Widerstand führen werden. Ironischerweise wird die Lage durch das MoU nicht klarer, denn es handelt sich um ein recht generisches Dokument, dessen Formulierungen es Amerikanern und Iranern ermöglichen, unterschiedliche Auffassungen darüber zu haben, was es tatsächlich bedeutet.

Deutungsstreit über die Straße von Hormus

Punkt 5 legt fest, dass der Iran „unter Einsatz seiner bestmöglichen Anstrengungen Vorkehrungen treffen wird“, damit Schiffe die Straße von Hormus in den nächsten 60 Tagen gebührenfrei passieren können, und einen Dialog mit Iran und Oman über das künftige Management dieses Nadelöhrs einführt. Die Iraner interpretieren dies so, dass Teheran – und nur Teheran – befugt ist, über die Straße zu herrschen und zu bestimmen, welche Route die Schiffe für die Durchfahrt der Wasserstraße wählen. Die Trump-Regierung verhöhnt Irans Anspruch als Verstoß gegen Buchstaben und Geist der Vereinbarung. Sie argumentiert, die Straße von Hormus sei ein internationales Gewässer, in dem alle Staaten freie Schifffahrt genießen.

Dieser Streit trug dazu bei, die jüngste Runde der Feindseligkeiten am Wochenende auszulösen. Die Schläge und Gegenschläge führten innerhalb von fünf Tagen zu einem Rückgang der Zahl der durch die Straße verkehrenden Tanker um 70 Prozent. Derzeit sind die Raketen wieder im Holster. US-Flugzeuge starten nicht mehr zu Bombeneinsätzen. Die Verhandlungen beginnen gerade erst. Und die Ölpreise liegen fast 40 Prozent unter ihrem dreistelligen Höchststand von Ende April.

Ein kalter Frieden als wahrscheinlichstes Szenario

Trotzdem lässt sich eine Wiederaufnahme des Krieges nicht vollständig ausschließen. Wahrscheinlicher ist ein kalter Frieden mit sporadischen Gewaltausbrüchen und einem anhaltenden diplomatischen Prozess, der scheinbar nie zu einem zufriedenstellenden Abschluss gelangt. (Dieser Artikel von Daniel DePetris entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk)

Rubriklistenbild: © Ghaith Alsayed/dpa

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