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Vor 1. Lesung im Bundestag
Söder will Wehrpflicht wieder einführen: Pistorius’ Modell sei „Wischiwaschi“-Lösung
Die Union will die erste Lesung von Pistorius‘ neuem Wehrdienstgesetz im Bundestag verschieben. Söder bezeichnet es als eine „Wischiwaschi“-Lösung. Worum es bei der Debatte geht.
München/Berlin – Kurz bevor Boris Pistorius‘ (SPD) neues Wehrdienstgesetz im Bundestag besprochen werden sollte, streiten sich die Regierungsparteien um den Inhalt. CSU-Chef Markus Söder spricht bei der Bild am Sonntag von einer „Wischiwaschi“-Lösung. Er will die Wehrpflicht im Gesetz verankert sehen. Bei Pistorius Vorschlag können 18-Jährige zunächst freiwillig entscheiden, ob sie die Grundausbildung bei der Bundeswehr absolvieren möchten.
Söder sagte der Bild am Sonntag weiter: „An der Wehrpflicht führt kein Weg vorbei. Halbe Sachen reichen nicht mehr. Eine Wischiwaschi-Wehrpflicht hilft niemandem. Freiwilligkeit kann nur ein erster Schritt sein. In Zeiten großer Bedrohung brauchen wir mehr als eine Fragebogen-Armee.“
Union blockiert Pistorius Wehrdienst-Pläne
Eigentlich ist Pistorius‘ Gesetzentwurf bereits von den Spitzen der SPD und CDU/CSU abgesegnet. Ende August beschlossen die Minister, den Entwurf des sogenannten „Wehrdienst-Modernisierungsgesetzes“ vor den Bundestag zu bringen. Schon vor diesem Beschluss gab es Dissens: Auch Außenminister Johann Wadephul (CDU) wollte die Wehrpflicht im Gesetz verankern. Am Ende gab er seinen Widerstand allerdings auf und trug den Kabinettsbeschluss mit.
Letzte Woche betonte er jedoch noch einmal gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Ich bin für die sofortige Wehrpflicht.“ Und am Freitag hieß es aus der Unionsfraktion dann, die erste Lesung des Gesetzentwurfs solle verschoben werden. Eigentlich war die Diskussion für Donnerstag angesetzt. Vor dem Hintergrund der Drohnensichtungen im Bundesgebiet hieß es aus Fraktionskreisen dann aber laut Bild: „Der Entwurf geht angesichts der aktuellen Bedrohungslage nicht weit genug.“
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Wehrpflicht-Debatte: Pistorius wirft Union Verzögerung der Wehrerfassung vor
Boris Pistorius ist über diese Querschläge der Union nicht erfreut. Laut der Nachrichtenagentur dpa sagte er dem Handelsblatt am Samstag: „Das Verhalten der Unionsfraktion ist fahrlässig, weil es möglicherweise die Einführung des neuen Wehrdienstes und damit auch die Wiedereinführung der Wehrerfassung verzögert“. Er forderte den Regierungspartner auf, „am Zeitplan festzuhalten und sich so einzubringen, wie es das parlamentarische Verfahren vorsieht“.
Laut dem Verteidigungsminister gebe es im parlamentarischen Verfahren verschiedene Möglichkeiten, vom Gesetzentwurf abweichende Haltungen einzubringen – etwa durch Änderungsanträge. Auch die Anhörung von Sachverständigen diene genau dazu, Expertise von außen einzuholen, sodass kein Argument unberücksichtigt bleibe, so Pistorius im Handelsblatt. Mit der Verschiebung des Zeitplans schade die Union auch dem Ansehen der Regierung, anstatt Vertrauen aufzubauen.
Freiwilligkeit oder Pflicht beim Wehrdienst? Das ist der Gesetzentwurf
Kernstreitpunkt zwischen der Union und dem SPD-Minister ist die Freiwilligkeit. Nach dem aktuellen Entwurf bekämen alle jungen Menschen ab dem Jahrgang 2008, die 18 Jahre alt werden, einen Fragebogen zugeschickt. Männer müssen ihn ausfüllen, für Frauen ist das freiwillig. Im Fragebogen soll auch angegeben werden, ob die 18-Jährigen Wehrdienst leisten wollen. Ab 2028 soll dann die ebenfalls für Männer verpflichtende Musterung erfolgen.
Laut Pistorius soll diese Zeit dazu dienen, die Kapazitäten der Bundeswehr für den Wehrdienst wiederaufzubauen, und einen Überblick über die Wehrfähigkeit der Bevölkerung zu bekommen. Die Bundeswehr soll regelmäßig prüfen, wieviele neue Rekrutinnen und Rekruten sie aufnehmen kann. Im Gesetzentwurf ist auch verankert, dass die Wehrpflicht wiedereingeführt werden kann, sollte sich die Bedrohungslage zuspitzen oder sich nicht genügend Freiwillige melden.
Wehrdienst: Wie viele aktive Soldaten braucht die Bundeswehr?
Aktuell hat die Bundeswehr laut der Tagesschau Kapazitäten, etwa 15.000 Menschen auszubilden. Boris Pistorius erklärte demnach im August, dass aktuell genügend Freiwillige zur Bundeswehr kommen würden, denn bis August hätten sich schon 13 000 Freiwillige gemeldet. Bis zum Ende des Jahres rechne er mit 20.000 Freiwilligen. Pistorius strebt an, bis 2035 auf 260 000 aktive Zeit- und Berufssoldaten zu kommen. Aktuell hat die Bundeswehr etwa 180.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Reserve soll von derzeit rund 100.000 auf 200.000 Soldaten aufgestockt werden. Das entspricht den NATO-Vorgaben für Deutschland.
Union glaubt nicht daran, dass Freiwilligkeit beim Wehrdienst genug ist
Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Henning Otte (CDU), sieht dabei allerdings schwarz. Er sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, zitiert von ntv, der Ansatz der Freiwilligkeit habe bislang „nicht die erhofften und erforderlichen Personalzahlen erreicht“. Er forderte, zeitnah nach der Erfassung über die Fragebögen eine Zwischenbilanz zu ziehen. „Den Luxus, erst einmal ein Jahr oder zwei abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln, dürfen wir uns nicht leisten.“
Eine schnelle Einigung in dem Fall scheint laut unwahrscheinlich. Aktuell steht die Lesung des Gesetzes noch auf der Tagesordnung des Bundestags, doch laut der Unionsfraktion soll das am Montag geändert werden. Quelle: Tagesschau, Bild am Sonntag, Bild, ntv, dpa (cdz)