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Liberale Zukunft

Lindner gibt nach Bundestagswahl auf – was auf den Noch-FDP-Chef zukommt

Christian Lindner beendet nach dem Wahlfiasko der FDP bei der Bundestagswahl seine politische Laufbahn. Es wird nun über seine berufliche Zukunft spekuliert.

Berlin – Was macht Christian Lindner jetzt? Der FDP-Chef hat nach der Niederlage seiner Partei bei der Bundestagswahl seinen Rückzug angekündigt. „Nun scheide ich aus der aktiven Politik aus“, schrieb Lindner am späten Sonntagabend im Online-Dienst X. Doch wie es für Lindner jetzt weitergeht, steht bisher offen.

In der FDP war Lindner vor allem als begabter Rhetoriker und unangefochtener Parteichef präsent. Dass er es schon als Jugendlicher mit einer Marketingagentur zu viel Geld und noch während des Zivildienstes zu seinem ersten Porsche brachte, kam bei den Liberalen gut an. „Probleme sind nur dornige Chancen“, sagte Lindner 1997 als Schüler.

Jubel und Entsetzen: Promis und Politiker reagieren auf Bundestagswahl

Friedrich Merz Bundestagswahl
Der Sieger der Bundestagswahl 2025 ist die Union. Das wiederum bedeutet, dass der nächste Bundeskanzler wohl auf den Namen Friedrich Merz hören wird. Zahlreiche Prominente und Politiker reagierten - ganz unterschiedlich - auf den Sieg des CDU-Chefs. © Christoph Reichwein/dpa
Hollywood-Star Ralf Moeller
Hollywood-Star Ralf Moeller gehörte zu den ersten Gratulanten von Merz. Der Schauspieler bekannt aus Filmen wie Gladiator gab dem CDU-Chef auch direkt ein paar Ratschläge mit auf den Weg. © Christian Charisius/dpa
FPÖ-Chef Herbert Kickl und Viktor Orban
Keine Glückwünsche an Friedrich Merz, dafür warme Worte für die AfD, kamen nach der Bundestagswahl aus Österreich und Ungarn. FPÖ-Chef Herbert Kickl (m.) sprach von einem „riesigen Loch“, das nun in der „Brandmauer der Einheitsparteien“ klaffe. Ungarns Regierungschef Viktor Orbán (r.) wendete sich direkt an Alice Weidel und gratulierte der AfD-Spitzenkandidatin zur Verdopplung ihrer Stimmenanteile. © Tobias Steinmaurer/dpa
Schauspieler Ralf Möller unterstützte bereits im Vorfeld der Wahl den CDU-Kandidaten Friedrich Merz. Gemeinsam ließen sich der Schauspieler und der Politiker bei einer Tischlerei in Berlin ablichten.
Schauspieler Ralf Möller unterstützte bereits im Vorfeld der Wahl den CDU-Kandidaten Friedrich Merz. Gemeinsam ließen sich der Schauspieler und der Politiker bei einer Tischlerei in Berlin ablichten.  © Michael Kappeler
US-Präsident Donald Trump
Auch aus den USA trudelten Glückwünsche an Friedrich Merz ein. „Es sieht so aus, als hätte die konservative Partei in Deutschland die mit Spannung erwartete Wahl gewonnen“, schrieb Donald Trump nach der Bundestagswahl auf Truth Social. Es sei „ein großartiger Tag für Deutschland und die Vereinigten Staaten“, so der US-Präsident © John McDonnell/dpc
Elon Musk vor der Wahl für die AfD
Im Gegensatz dazu hatte sich Trumps Verbündeter Elon Musk vor der Wahl für die AfD ausgesprochen. Der Multimilliardär war sogar per Videoschalte beim Parteitag der Rechtspopulisten dabei. Nach der Wahl kommentierte Musk das gute Ergebnis der AfD bei Jung- und Erstwählern auf X mit den Worten: „Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit.“ © Hendrik Schmidt/dpa
Micky Beisenherz bei Maischberger
Micky Beisenherz hat in einer ersten Reaktion auf die Bundestagswahl das Bündnis Sahra Wagenknecht thematisiert. „BSW. Bundestag. Schön wär’s“, schrieb der Fernsehmoderator auf X, kurz nachdem die ersten Prognosen eingegangen waren, die das BSW unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde zeigten. © IMAGO/Thomas Bartilla
Aufgrund von Umfragewerten rechnet die CDU mit einem Wahlsieg. Entsprechend groß ist der Zulauf der Wahlparty.
Aufgrund von Umfragewerten rechnet die CDU mit einem Wahlsieg. Entsprechend groß ist der Zulauf der Wahlparty.  © Moritz Maier
Im Mittelpunkt der Wahlparty der CDU: Tritt der Spitzenkandidat Friedrich Merz hier als zukünftiger Kanzler auf?
Im Mittelpunkt der Wahlparty der CDU: Tritt der Spitzenkandidat Friedrich Merz hier als zukünftiger Kanzler auf? © Moritz Maier
Ines Schwerdtner, Heidi Reichinnek und Jan van Aken
Und tatsächlich: Kaum laufen die ersten Prognosen zur Bundestagswahl ein, reagieren Ines Schwerdtner, Heidi Reichinnek und Jan van Aken (Die Linke) mit ausgelassenem Jubel. © Carsten Koall/dpa
Bei ihrer Wahlparty machen sich Mitglieder der Linken bereit, den überraschenden Wiedereinzug ins Parlament zu bejubeln.
Bei ihrer Wahlparty machen sich Mitglieder der Linken bereit, den überraschenden Wiedereinzug ins Parlament zu bejubeln.  © Sophia Sichtermann
Russland kamen verhaltene Reaktionen auf die Bundestagswahl
Aus Russland kamen verhaltene Reaktionen auf die Bundestagswahl 2025. Außenminister Sergej Lawrow, hier mit seiner deutschen Amtskollegin Annalena Baerbock, blieb ebenso stumm wie Staatschef Wladimir Putin. Einzig Regierungssprecher Dimitri Peskow gab ein knappes Statement ab: „Jedes Mal [wenn es eine neue Regierung gibt], hoffen wir auf einen nüchterneren Blick auf die Realität, auf Themen von beiderseitigem Interesse und gegenseitigem Nutzen.“ © Bernd von Jutrczenka/dpa
Jan Böhmermann, hier mit dem Rundfunk Tanzorchester in der Frankfurter Jahrhunderthalle
Jan Böhmermann, hier mit dem Rundfunk Tanzorchester in der Frankfurter Jahrhunderthalle, reagierte auf Blue Sky, dem inoffiziellen Nachfolger von X (ehemals Twitter), auf die Bundestagswahl. Der Moderator beschäftigte sich dabei vor allem mit den Wahlverlierern: Sahra Wagenknechts BSW und Christian Lindners FDP. © Boris Roessler/dpa
Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens Energy und Daimler Truc
Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens Energy und Daimler Truck, reagierte verhalten auf das Ergebnis der Bundestagswahl. Der neuen Regierung, mutmaßlich unter der Führung von Friedrich Merz, stünde ein „harter Kampf“ bevor, um Deutschlands Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Das sagte der Unternehmenschef beim US-Sender CNBC. © THOMAS KIENZLE/AFP
Arnd Franz (l.), Vorstandsvorsitzender des Automobilzulieferers Mahle, hier in Stuttgart mit Vorstandskollegen Markus Kapaun
Arnd Franz (l.), Vorstandsvorsitzender des Automobilzulieferers Mahle, hier in Stuttgart mit Vorstandskollegen Markus Kapaun (r.) sieht nach der Bundestagswahl raschen Handlungsbedarf für die neue Regierung. „Aus unserer Sicht ist es wirklich an der Zeit zu handeln, und nach der gestrigen Wahl wünschen wir uns, dass sich die neue deutsche Regierung schnell zusammenfindet und dann entschlossene, sofortige Maßnahmen ergreift und auch eine lange, klare, langfristige Vision und einen Fahrplan aufstellt, um Europas Wirtschaft wirklich wieder auf Kurs zu bringen“, so der CEO im US-Fernsehsender CNBC. © Bernd Weißbrod/dpa
Rennfahrer Ralf Schumacher ist für die Union. Er wünscht sich eine „eine konservativere und realistischere Politik“ in Deutschland, sagte er gegenüber der Bild.
Rennfahrer Ralf Schumacher ist für die Union. Er wünscht sich eine „eine konservativere und realistischere Politik“ in Deutschland, sagte er gegenüber der Bild.  © Rolf Vennenbernd
Schlagerstar Roland Kaiser ist als SPD-Mitglied bekannt. „Der Sozialdemokrat ist tief in mir drin“, sagte der Sänger gegenüber der Bild.
Schlagerstar Roland Kaiser ist als SPD-Mitglied bekannt. „Der Sozialdemokrat ist tief in mir drin“, sagte der Sänger gegenüber der Bild.  © Carsten Koall
Schauspielerin Jenny Elvers sagte gegenüber der Bild, dass sie die CDU wähle. Sie appelierte dabei „an alle, wählen zu gehen“.
Schauspielerin Jenny Elvers sagte gegenüber der Bild, dass sie die CDU wähle. Sie appelierte dabei „an alle, wählen zu gehen“.  © Georg Wendt/dpa
Schauspieler und Rapper Massiv hat vor der Wahl bereits seine Unterstützung für das Bündnis Sahra Wagenknecht gegeben. Beim Thema Waffenlieferungen und Nahostkonflikt sei er genau auf einer Linie mit dem BSW, sagte er vor der Bundestagswahl.
Schauspieler und Rapper Massiv hat vor der Wahl bereits seine Unterstützung für das Bündnis Sahra Wagenknecht gegeben. Beim Thema Waffenlieferungen und Nahostkonflikt sei er genau auf einer Linie mit dem BSW, sagte er vor der Bundestagswahl.  © Jens Büttner/dpa
Fußballer Roman Weidenfeller unterstützt die Union. „Meine Stimme für Merz, damit Deutschland wieder Tabellenführer wird“, sagte er der Bild-Zeitung.
Fußballer Roman Weidenfeller unterstützt die Union. „Meine Stimme für Merz, damit Deutschland wieder Tabellenführer wird“, sagte er der Bild-Zeitung.  © IMAGO/Dennis Ewert/RHR-FOTO
Schauspieler Bruno Eyron votiert bei der Bundestagswahl 2025 für die FDP von Ex-Finanzminister Christian Lindner.
Schauspieler Bruno Eyron votiert bei der Bundestagswahl 2025 für die FDP von Ex-Finanzminister Christian Lindner.  © IMAGO/Breuel-Bild
Ex-Skispringer Sven Hannawald hat nach eigenen Angaben schon immer die Union gewählt habe. Für ihn seien CDU/CSU die Einzigen, die eine in Zukunft wieder funktionierende Wirtschaft garantieren könnten.
Ex-Skispringer Sven Hannawald hat nach eigenen Angaben schon immer die Union gewählt habe. Für ihn seien CDU/CSU die Einzigen, die eine in Zukunft wieder funktionierende Wirtschaft garantieren könnten.  © Hendrik Schmidt/dpa
Der ehemalige Trigema-Chef Wolfgang Grupp steht zur Union: „Ich wähle selbstverständlich CDU und gebe Herrn Merz meine Stimme, weil wir eine starke CDU brauchen und eine erfahrene Person, damit wir endlich wieder eine Führung haben, die unser Land gerade auch gegenüber den USA verantwortungsbewusst und mit Weitsicht führt!“
Der ehemalige Trigema-Chef Wolfgang Grupp steht zur Union: „Ich wähle selbstverständlich CDU und gebe Herrn Merz meine Stimme, weil wir eine starke CDU brauchen und eine erfahrene Person, damit wir endlich wieder eine Führung haben, die unser Land gerade auch gegenüber den USA verantwortungsbewusst und mit Weitsicht führt!“  © Bernd Weißbrod/dpa
Sänger Thomas Anders erklärt, dass er die politische Position von Friedrich Merz und der CDU unterstütze. Die Union biete seiner Meinung nach Lösungen für Deutschlands Zukunft.
Sänger Thomas Anders erklärt, dass er die politische Position von Friedrich Merz und der CDU unterstütze. Die Union biete seiner Meinung nach Lösungen für Deutschlands Zukunft.  © Thomas Frey/dpa
Schauspielerin Uschi Glas gibt ihre Stimme der Union. „In Bayern hat die CSU auch sehr viel an Innovationen auf die Beine gestellt, was ich ganz toll finde.“
Schauspielerin Uschi Glas gibt ihre Stimme der Union. „In Bayern hat die CSU auch sehr viel an Innovationen auf die Beine gestellt, was ich ganz toll finde.“ © Felix Hörhager/dpa

Christian Lindner verlässt Politik nach 25 Jahren – wegen FDP-Debakel bei Bundestagswahl

Lindner wurde nach dem ersten Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag 2013 zum Parteichef und war von 2021 bis 2024 Bundesfinanzminister. Wie es nun nach Ende seiner Polit-Karriere weitergeht? Bisher ist noch nichts Konkretes bekannt. Zunächst muss er wohl mit der öffentlichen Häme und der Tatsache auskommen, dass sein Lebenswerk aktuell ein Scherbenhaufen ist. Hochrechnungen sehen die FDP unter fünf Prozent, aller Voraussicht nach ist sie somit nicht im Bundestag vertreten.

„Die Bundestagswahl brachte eine Niederlage für die FDP, aber hoffentlich einen Neuanfang für Deutschland“, schrieb Lindner weiter. „Dafür hatte ich gekämpft.“ Er gehe nun „mit nur einem Gefühl: Dankbarkeit für fast 25 intensive, herausfordernde Jahre voller Gestaltung und Debatte.“

Wird Lindner Lobbyist? Nach FDP-Schlappe bei Bundestagswahl könnte er in die Wirtschaft gehen

Lindner ist als überzeugter Liberaler eng mit der Wirtschaft vernetzt und könnte wie viele vor ihm etwa eine Position als Berater annehmen. Selbst nach großen politischen Niederlagen und Skandalen haben Ex-Politiker noch Karrieren gemacht: CSU-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg ist etwa als Lobbyist, Unternehmensberater, Fernsehmoderator und Autor tätig; Ex-Kanzler Gerhard Schröder ist als Wirtschaftsanwalt und Lobbyist unterwegs; Hessens ehemaliger CDU-Ministerpräsident Roland Koch war im Anschluss an sein politisches Amt Vorstandsvorsitzender des deutschen Baukonzerns Bilfinger und lehrt an einer Hochschule.

Österreichs Ex-Skandalkanzler Sebastian Kurz migrierte nach seinem politischen Aus durch die Ibiza-Affäre sogar in die USA – und machte dort Karriere. Heute unterhält er als Investor und Unternehmer Büros in Abu Dhabi, Dubai und Tel Aviv-Jaffa. An Möglichkeiten scheint es Christian Lindner also trotz seiner politischen Ernüchterung nicht zu mangeln.

Christian Lindner (mitte) spricht bei der FDP-Wahlparty der Freien Demokraten (FDP) im Hans-Dietrich-Genscher-Haus. FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki (l.) und Generalsekrtär Marco Buschmann (r.) applaudieren.

An Ehrgeiz fehlt es der FDP-Ikone jedenfalls nicht. Neben seiner beruflichen Karriere erwarb er beispielsweise die Rennfahrerlizenz und den Jagdschein – in den Augen seiner Kritiker Beweise seiner Abgehobenheit. Und langweilig werden dürfte ihm nicht: Lindner und seine Ehefrau, die Journalistin Franca Lehfeldt, erwarten Ende März ihr erstes gemeinsames Kind, knapp drei Jahre nach ihrer schlagzeilenträchtigen Hochzeit auf Sylt.

Nach Bundestagswahl-Debakel tritt auch FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki zurück

Und wie geht es in der FDP weiter? Lindners Rücktritt hinterlässt ein Machtvakuum in der FDP. Auf der Wahlparty ruft er: „So oder so: Ab morgen wird die Fahne der Freien Demokraten wieder aufgerichtet.“ Wer dafür infrage kommt, ist unklar. Eventuell der bisherige FDP-Generalsekretär und Ampel-Justizminister Marco Buschmann?

Neben Lindner kündigte am Sonntag auch FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki seinen Rückzug von der Parteispitze an, wenn seine Partei an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert. „Ich werde meiner Partei sagen: Ich übernehme einen Teil der Verantwortung“, sagte Kubicki. Er sei „nicht derjenige, der die Partei in den nächsten Jahren aus dem Tal des Jammers wieder herausführt.“ (lm/afp)

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

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