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Regime ohne Ausweg

Angespannte Lage im Iran: Warum dem Ayatollah die Optionen ausgehen

Khameneis Unterstützerbasis bröckelt. Selbst Hochburgen rebellieren bei den Protesten gegen den obersten Führer. Dem 86-Jährigen bleiben wenig Optionen.

Teheran – Nach 35 Jahren an der Macht im Iran gehen Ali Khamenei die Optionen rasend schnell aus. Der 86-jährige oberste Führer steht vor seiner bislang ernstesten Herausforderung. Demonstrierende skandieren „Tod Khamenei“ statt des traditionellen „Tod Amerika“. Die Proteste gegen ihn sind in ihre zweite Woche eingetreten und haben sich auf 340 Orte in allen 31 Provinzen des Iran ausgebreitet.

Der iranische Machthaber Ayatollah Khamenei steht nach 35 Jahren an der Macht vor seiner größten Herausforderung durch landesweite Proteste in allen Provinzen.

Mindestens 65 Menschen sind aufgrund seiner Reaktion auf die Demonstrationen tot, und es wird erwartet, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigt. Andere Quellen sprechen von über hundert Todesopfern. Der Aufstand hat kleine, wirtschaftlich am Boden liegende Städte in den ärmsten Provinzen des Iran erfasst – Orte, die eigentlich die Unterstützerbasis des Regimes bilden sollten. Das ist ein entscheidender Unterschied zur Grünen Bewegung von 2009, die sich auf Teheran konzentrierte, und zu den Protesten von 2022, die durch den Tod der 22-jährigen Mahsa Amini ausgelöst wurden, die von der iranischen „Sittenpolizei“ zu Tode geprügelt wurde, weil sie kein Kopftuch trug.

Khamenei überträgt im Iran die Kontrolle an Revolutionsgarden: Zweifel an Loyalität der Sicherheitskräfte

Khamenei hat abweichende Meinungen stets mit brutaler Gewalt niedergeschlagen, was 2009 und 2019 erfolgreich war, als die Proteste geografisch stärker konzentriert waren. Die Menschen in der Hauptstadt und den großen Städten sind in diesem neuen Aufstand erneut wütend, doch das Ausmaß der Demonstrationen in kleinen, verarmten Städten deutet auf eine Breite der Wut hin, die nicht unterdrückt werden kann, ohne Tausende von Toten zu riskieren.

Das Regime hat unmissverständlich klargemacht, dass Demonstrierende mit Hinrichtungen oder der Drohung rechnen müssen, dass militärische Waffen gegen sie eingesetzt werden. Doch der Ayatollah hat Zweifel an der Bereitschaft von Armee und Polizei, Iraner zu ermorden. The Telegraph enthüllte am Freitag, dass er die operative Kontrolle an das fanatische Korps der Islamischen Revolutionsgarden übertragen hat, was darauf hindeutet, dass er befürchtet, die regulären Sicherheitskräfte könnten zerbrechen, wenn sie gezwungen würden, bei Massenmorden das eigene Volk niederzuschießen.

Comeback der Atomwaffen-Tests: die nukleare Bedrohung kehrt zurück

Atompilz der nuklearen Explosion bei einem Test am 24. Juni 1957 in Nevada
Sie ist der Schrecken der Moderne und galt lange Zeit als die größte Bedrohung für das Überleben der Menschheit: die Atombombe. Ihre Erfindung nahm ihren Anfang mit der Entdeckung der Kernspaltung durch Otto Hahn und Fritz Straßmann im Jahr 1938. Der erste Test einer Atomwaffe fand am 16. Juli 1946 im US-Bundesstaat New Mexico statt. Dieses Foto zeigt den ikonografischen Atompilz der nuklearen Explosion bei einem Test am 24. Juni 1957 in Nevada. © dpa
Als Vater der Atombombe gilt Dr. J. Robert Oppenheimer.
Als Vater der Atombombe gilt Dr. J. Robert Oppenheimer. Der Atomphysiker leitete das „Manhattan Project“, in dem unter höchster Geheimhaltung ein nuklearer Sprengkörper entwickelt werden sollte. Nach dem ersten erfolgreichen Test war Oppenheimer die Tragweite seiner Erfindung offenbar schnell bewusst. Das machte der Wissenschaftler mit einem aus der Bhagavad Gita, einer heiligen Schrift im Hinduismus, entliehenen Zitat deutlich: „Ich bin zum Tod geworden, der Zerstörer der Welten.“ © Imago
Die erste jemals gezündete Kernwaffe trug den Code-Namen „The Gadget“
Die erste jemals gezündete Kernwaffe trug den Code-Namen „The Gadget“ und war Teil des „Trinity Tests“, der unter Leitung Oppenheimers am 16. Juli 1945 durchgeführt wurde. In diesem Bild posiert der Atomphysiker Norris Edwin Bradbury einen Tag zuvor, am 15. Juli 1945, mit der im Bau befindlichen Bombe. Die erste Atombombe der Menschheitsgeschichte hatte eine Sprengkraft von 21 Kilotonnen TNT.  © Imago
Die Druckwelle der ersten Atombombe in der Menschheitsgeschichte war über 160 Kilometer zu spüren.
Die Druckwelle der ersten Atombombe in der Menschheitsgeschichte war über 160 Kilometer zu spüren. Die Pilzwolke erreichte eine Höhe von etwa zwölf Kilometern. Aufgrund der enormen Hitze, die durch die Atomexplosion freigesetzt wurde, schmolz der Sand in der Umgebung zu grünlichem Glas, das auch als Trinitit bezeichnet wird. Es folgen zahlreiche weitere Tests, darunter dieser am 1. März 1954 auf dem Bikini Atoll im Pazifischen Ozean. © Imago
Die Aufnahme zeigt die Explosion der ersten Atombombe im Rahmen des Trinity-Tests am 16. Juli 1945.
Die Aufnahme zeigt die Explosion der ersten Atombombe im Rahmen des Trinity-Tests am 16. Juli 1945. © Imago
Diese Aufnahme zeigt die Explosion einer Kernwaffe mit der Sprengkraft von 61 Kilotonnen am 4. Juni 1953 in Nevada.
In den Folgejahren testeten die USA munter weiter. Die Sprengkraft der Atombomben wurde dabei sukzessive erhöht. Diese Aufnahme zeigt die Explosion einer Kernwaffe mit der Sprengkraft von 61 Kilotonnen am 4. Juni 1953 in Nevada. © Imago
Soldaten zu Versuchszwecken in der unmittelbaren Nähe von Atomtests
Zu Beginn der Atomwaffenforschung in den USA ignorierte die damalige Militärführung die Gefahren, die durch die radioaktive Strahlung für Menschen in der Umgebung der Explosion entstand. Stattdessen schickte man tausende Soldaten zu Versuchszwecken in die unmittelbare Nähe der Atomtests, wie hier im Jahr 1951 im US-Bundesstaat Nevada. Die größtenteils jungen Soldaten wurden angewiesen, während der Tests die Augen mit Händen oder Ellbogen zu schützen. © imago
Abwurf einer Atombombe auf Nagasaki
Im Zweiten Weltkrieg kam es zum ersten und bislang einzigen Einsatz von Atomwaffen. Am 6. August bombardierten die USA zuerst die japanische Stadt Hiroshima mit einer Kernwaffe. Am 9. August folgte der zweite Abwurf einer Atombombe auf Nagasaki (im Bild). Den Befehl zum Abwurf gab der damalige US-Präsident Harry S. Truman. Sechs Tage nach der Bombardierung von Nagasaki gab Kaiser Hirohito die Kapitulation Japans bekannt. © Imago
Die erste Atombombe (im Bild), die jemals zum Einsatz kam und über Hiroshima detonierte, trug den Codenamen „Little Boy“
Die erste Atombombe (im Bild), die jemals zum Einsatz kam und über Hiroshima detonierte, trug den Codenamen „Little Boy“. Den Sprengkörper, der kurz darauf Nagasaki zerstörte, taufte die US-Luftwaffe auf den Namen „Fat Man“. Die Militärführung der USA wählte die Großstadt Hiroshima als erstes Ziel, weil diese von Luftangriffen bis dahin verschont geblieben war. Die Auswirkungen einer Atombombe konnten so besser eingeschätzt werden. © Imago
Frau, die mit ihrem Kind auf dem Rücken durch die Trümmer des zerstörten Nagasakis läuft.
Die Folgen der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki waren verheerend. Die Explosionen töteten laut Schätzungen etwa 100.000 Menschen sofort. An Folgeschäden starben bis Ende 1945 weitere 130.000 Menschen. In den Folgejahren starben weitere Menschen an durch die nukleare Strahlung ausgelösten Krankheiten. Japan gibt die Gesamtzahl der Todesopfer mit etwa 540.000 an. Im Bild zu sehen ist eine Frau, die mit ihrem Kind auf dem Rücken durch die Trümmer des zerstörten Nagasakis läuft. © Imago
Friedensdenkmal von Hiroshima
An den Einschlag der Atombombe in Hiroshima erinnert noch heute das dortige Friedensdenkmal. Untergebracht ist es einem 1915 erbauten Haus, das infolge der Explosion vollständig ausbrannte. Wegen des geringen Abstands von 140 Metern zum Einschlagsort der Atombombe blieben viele Gebäudestrukturen erhalten, darunter auch die charakteristische Stützkonstruktion des Kuppeldachs. © Imago
Sasaki-Denkmal
In unmittelbarer Nähe des Friedensmuseums befindet sich das Friedensdenkmal der Kinder. Es erinnert an die Schülerin Sadako Sasaki, die zur weltweit bekanntesten Hibakusha (Überlebende der Atombombenabwürfe) wurde. Sie wurde 1943 geboren, blieb zunächst unverletzt, erkrankte aber zehn Jahre später an Leukämie. Sie starb am 25. Oktober 1955 im Alter von 12 Jahren. Die von ihr gefalteten Origami-Kraniche sind zu einem Symbol der internationalen Friedensbewegung und des Widerstands gegen den Atomkrieg geworden. © Imago
Ein Bild vom 6. August 1945 zeigt das vollständig zerstörte Hiroshima und verdeutlich so die Wirkung der Atombombe.
Ein Bild vom 6. August 1945 zeigt das vollständig zerstörte Hiroshima und verdeutlicht so die Wirkung der Atombombe. © Imago
Die erste Wasserstoffbombe in der Geschichte der Menschheit
Am 31. Oktober 1952 gelang den USA der nächste Durchbruch bei der Erforschung von Massenvernichtungswaffen. Unter dem Codenamen „Ivy Mike“ wurde die erste Wasserstoffbombe in der Geschichte der Menschheit über dem Pazifik gezündet. Die Bombe setzte eine Energie von mehr als 10 Megatonnen TNT-Äquivalent frei, was der 800-fachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe entsprach. © Imago
Am 29. August 1949 führte die UdSSR einen erfolgreichen Atombombentest durch
Die USA sind bis heute die einzige Nation, die je eine Atomwaffe in einem Krieg eingesetzt hat. Sie sind aber nicht das einzige Land, das nukleare Bomben im Arsenal hat. Am 29. August 1949 führte die UdSSR einen erfolgreichen Atombombentest durch (im Bild) – und leitete damit einen nuklearen Rüstungswettlauf mit den USA ein, der die Beziehungen beider Länder die nächsten 50 Jahre bestimmen sollte. © Imago
Rakete des Typs Topol-M
Heute soll Russland über mehr als 5400 Atomsprengköpfe verfügen. Bei den jährlich stattfindenden Militärparaden in Moskau präsentiert das Land unter Machthaber Wladimir Putin immer wieder voller Stolz seine atomar bestückbaren Langstreckenraketen, so geschehen im Jahr 2010, als eine Rakete des Typs Topol-M über den roten Platz rollte. © dpa
Aufnahme zeigt einen Atomwaffentest, den die Royal Air Force am 8. November 1957 im Pazifik nahe der Weihnachtsinsel durchführte.
Am 2. Oktober 1952 wurde Großbritannien als dritte Nation der Welt zur Atommacht. Diese Aufnahme zeigt einen Atomwaffentest, den die Royal Air Force am 8. November 1957 im Pazifik nahe der Weihnachtsinsel durchführte. © Imago
Erster erfolgreicher Atomwaffentest Frankreichs nahe der Stadt Reggane in Algerien
Am 13. Februar 1960 folgte Frankreich. Die „Grande Nation“ unternahm ihren ersten erfolgreichen Atomwaffentest nahe der Stadt Reggane, die sich in Algerien befindet und von Wüste umgeben ist. Insgesamt 17 nukleare Sprengkörper zündete die französische Armee dort zu Testzwecken in den Folgejahren, davon vier oberirdisch. © Imago
die Überbleibsel der französischen Militärbasis auf einer der unbewohnten Inseln des Atolls.
Es folgten zahlreiche weitere französische Atomwaffentests, der Großteil auf dem Moruroa-Atoll im Süd-Pazifik. Von 1966 bis 1995 sollen dort insgesamt 179 Kernwaffen gezündet worden sein. Im Bild zu sehen sind die Überbleibsel der französischen Militärbasis auf einer der unbewohnten Inseln des Atolls. © AFP
Jacques Chirac, hier bei einem Treffen mit Wladimir Putin am 30. Mai 2008 in Paris
Frankreichs Präsident Jacques Chirac, hier bei einem Treffen mit Wladimir Putin am 30. Mai 2008 in Paris, geriet infolge der Atomwaffentests in den 1990er Jahren in die Kritik. Es dauerte bis ins Jahr 2008, ehe Frankreich die negativen Auswirkungen der jahrelangen Atomwaffentests auf das Mururoa-Atoll anerkannte und sich bereit erklärte, Entschädigungen für das militärische Personal und betroffene Zivilisten zu übernehmen. © AFP
chinesische Arbeiter, die über den erfolgreichen Atomwaffen-Test in der autonomen Region Xinjiang jubeln.
Am 16. Oktober 1964 wurde die Volksrepublik China Mitglied im erlauchten Kreis der Atommächte. Mithilfe von sowjetischer Technik gelang es den Wissenschaftlern der sozialistischen Diktatur, 15 Jahre nach ihrer Gründung eine eigene Kernwaffe zu entwickeln. Auf dem Bild zu sehen sind chinesische Arbeiter, die über den erfolgreichen Atomwaffen-Test in der autonomen Region Xinjiang jubeln. © Imago
indische Soldaten, die an einem Militärmanöver teilnehmen, bei dem es auch zur Zündung einer Nuklerwaffe kam.
Indien gilt seit 1974 offiziell als Atommacht. Im Bild zu sehen sind indische Soldaten, die an einem Militärmanöver teilnehmen, bei dem es auch zur Zündung einer Nuklearwaffe kam. © Imago
Atrappe der pakistanischen Atombombe
Im Jahr 1976 begann daraufhin das Atomwaffentestprogramm in Pakistan. Der erste erfolgreiche Atomwaffentest Pakistans erfolgte aber erst 1998. Seitdem gilt auch das mit Indien verfeindete Nachbarland offiziell als Atommacht. Beide Staaten streiten bis heute über die Grenzregion Kaschmir. Bei einer dortigen Demonstration im Jahr 2002 trugen Teilnehmer eine Attrappe der pakistanischen Atombombe durch die Straßen. © AFP
israelische F-15-Kampfjets
Israel gilt seit 1985 als faktische Atommacht. Offiziell ist das Nuklear-Programm des Landes aber bis heute nicht. Das Atomwaffenarsenal des Landes wird auf bis zu 200 Sprengköpfe geschätzt. Abgefeuert werden können diese unter anderem von israelischen F-15-Kampfjets (im Bild) und U-Booten der Dolphin-Klasse. © Imago
m Jahr 2005 verkündete Nordkorea, eigene Kernwaffen entwickelt zu haben.
Im Jahr 2005 verkündete Nordkorea, eigene Kernwaffen entwickelt zu haben. International traf diese Behauptung zunächst auf Skepsis. Doch kurz darauf schienen seismische Messungen die Angaben zu bestätigen. Im Jahr 2009 sollen weitere erfolgreiche Tests unternommen worden sein. Zweifelsfrei bestätigt ist das Atomwaffenprogramm Nordkoreas bis heute aber nicht. Zeitgleich entwickelte Nordkorea unter der Führung von Kim Jong-un Trägerraketen mit hoher Reichweite (im Bild). © Imago
Uran-Anreicherungsanlage in Natanz, Iran
Auch der Iran betreibt seit Jahren atomare Forschung. Laut dem Mullah-Regime geht es dabei aber nur um die zivile Nutzung der Kernenergie. Sowohl Israel als auch die mit ihm verbündeten USA bezweifeln dies und gehen davon aus, dass der Iran in Uran-Anreicherungsanlagen wir hier in Natanz auch an der Entwicklung von waffenfähigem Plutonium forscht. © Imago

Landesweite Proteste und bröckelnde Loyalität der Sicherheitskräfte: Ayatollah ideologisch gefesselt

Dies lässt ihm nur noch eine schrumpfende Zahl von Optionen, um die Proteste zu stoppen, von denen keine das Überleben des Regimes garantiert. Khamenei könnte versuchen, die Spannungen durch echte Reformen zu entschärfen. Er könnte politische Gefangene freilassen, freie Versammlungen zulassen oder sogar ein längst überfälliges Referendum über die Zukunft der Islamischen Republik ansetzen. Doch der oberste Führer ist durch seine eigene Ideologie gefesselt.

Er hat Jahrzehnte damit verbracht, die Macht um das Prinzip der velayat-e faqih (Herrschaft des Rechtsgelehrten) zu konzentrieren – die Vorstellung, dass die geistliche Herrschaft göttlich legitimiert und nicht verhandelbar ist. Ein Referendum über die Legitimität des Systems anzubieten, käme dem Eingeständnis gleich, dass es der Bestätigung durch das Volk bedarf, was die theologische Grundlage seiner Autorität untergraben würde. Jede bedeutende Konzession könnte zudem als Schwäche interpretiert werden und den Aufstand eher beschleunigen als beruhigen.

Scheinreformen und Sündenböcke funktionieren nicht mehr: Khamenei selbst im Fokus der Wut

Ein Mittelweg besteht aus kosmetischen Änderungen – der Entlassung von Masoud Pezeshkian, dem Präsidenten, oder anderer Funktionäre, der Ankündigung wirtschaftlicher Reformen, dem Versprechen von Untersuchungen zu den Tötungen – während die Machtstruktur intakt bleibt. Dies hat früher funktioniert, indem Zeit gewonnen und die Opposition gespalten wurde, weil man den Anschein erweckte, auf die Beschwerden der Demonstrierenden zu reagieren. Doch diesmal ist der oberste Führer selbst der Fokus der Wut, was es wirkungslos macht, Untergebene zum Sündenbock zu machen.

Die Proteste begannen mit Streiks von Händlern gegen den Währungszusammenbruch, der durch die Politik und die Korruption des Regimes verursacht wurde, nicht durch einzelne Politiker, die man unter den Bus werfen könnte. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass Kabinettsumbildungen die Wut besänftigen, die die Menschen auf die Straßen treibt, wo sie bereit sind, den Tod durch die Hand der Garden zu riskieren. Statt innere Spannungen zu glätten, könnte Khamenei jedoch einen Angriff im Ausland starten, um nationalistische Gefühle zu mobilisieren.

Kriegsstimmung hilft nicht: Trump droht mit Vergeltung, Demonstranten fordern Brot statt Raketen

Er könnte seine Repression als sicherheitsbedingte Kriegsmaßnahme rechtfertigen, so wie er es während des zwölf Tage dauernden Krieges zwischen Israel und dem Iran im Juni tat, der die militärische Infrastruktur des Iran schwerbeschädigte. Die Teilnahme Irans an Flottenmanövern mit Russland und China könnte darauf hindeuten, dass ein Angriff auf US-Ziele oder Israel im Bereich des Möglichen liegt. Doch die militärische Infrastruktur des Iran wurde in dem Zwölf-Tage-Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen.

Donald Trump hat außerdem unmissverständlich klargemacht, dass eine US-Vergeltung gegen den Iran verheerend wäre. Wenn Menschen wegen der Bezahlbarkeit von Brot protestieren, erscheint es unwahrscheinlich, dass patriotische Kriegsstimmung ausreicht, um die Demonstrationen zu beenden. Die Slogans der Demonstrierenden konzentrieren sich auf innenpolitische Versäumnisse – „Armut, Korruption, Inflation. Wir gehen bis zum Sturz“ – nicht auf Hass gegen Amerika oder Israel.

Auslandsabenteuer, Fluchtoptionen und nukleare Eskalation: Khamenei sieht sich als Gottes Stellvertreter

Die Aussicht, dass Khamenei wie einige gestürzte Führer wie Syriens Baschar al-Assad nach Russland flieht, ist äußerst unwahrscheinlich. Mit 86 Jahren und gesundheitlich angeschlagen ist er ideologisch dem Schutz der Islamischen Republik verpflichtet. Sein ganzes Erwachsenenleben – von der Inhaftierung unter dem Schah bis zur Rolle des obersten Führers – ist von revolutionärem Engagement geprägt.

Er begreift sich als Gottes Stellvertreter auf Erden, was ein Exil undenkbar macht. Zudem könnte Russland – verstrickt in den Ukraine-Krieg und wirtschaftlich belastet – zu dem Schluss kommen, dass die Unterstützung eines kollabierenden Regimes sich nicht lohnt. Ein entmachteter Khamenei in Moskau wäre eine Belastung, kein Vorteil. Der gefährlichste Weg, der Khamenei offensteht, ist einer, den er Berichten zufolge bereits erwogen hat: ein Wettlauf um die Entwicklung einer Atombombe.

Eskalation der Gewalt im Iran wahrscheinlichster Weg: Massenverhaftungen und Hinrichtungen drohen

Der Iran hat stets behauptet, sein Atomprogramm sei rein zivil, verfügt jedoch über die technische Fähigkeit, Uran innerhalb von Wochen auf waffenfähige Werte anzureichern, sofern Khamenei den Befehl erteilt. Diese Option birgt katastrophale Risiken. Israel hat klar gemacht, dass es militärische Schläge starten würde, um zu verhindern, dass der Iran in den Besitz von Atomwaffen gelangt, möglicherweise mit Unterstützung der USA. Nach Jahren wirtschaftlicher Misswirtschaft, Tyrannei und Fanatismus bleiben Khamenei keine guten Optionen mehr.

Der wahrscheinlichste Weg des obersten Führers bleibt eine Eskalation der Gewalt – Massenverhaftungen, Schauprozesse, Hinrichtungen und der überwältigende Einsatz von Gewalt durch die Revolutionsgarden. Doch was immer er als Nächstes tut, birgt das Risiko, sein Regime zum Einsturz zu bringen oder eine so schwere Eskalation der Gewalt auszulösen, dass sich seine Sicherheitskräfte gegeneinander wenden könnten. (Dieser Artikel von Akhtar Makoii entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Iranian Supreme Leader'S Office

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