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Nach langer Vorbereitungszeit
Trotz Demütigung im alten Libanon-Krieg: Israel startet neue Bodenoffensive gegen Hisbollah-Taktiken
Im Libanon-Krieg 2006 erlebte Israel eine Demütigung: Dennoch beginnt die Armee eine neue Bodenoffensive gegen die Hisbollah. Wurde aus den Fehlern gelernt?
Beirut – Bei der Bodenoffensive Israels könnten den israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) altbekannte Hisbollah-Taktiken und Herausforderungen entgegentreten. Während des zweiten Libanon-Kriegs in 2006 hatte die Hisbollah der israelischen Armee schwere Verluste zugefügt. Doch die IDF hofft jetzt, nach langer Vorbereitungszeit besser gegen die Strategie der Terrormiliz gewappnet zu sein. Dabei zeigt der aktuelle Konflikt viele Parallelen zu dem damaligen Krieg.
Nachdem bereits der Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah getötet worden ist, hat die IDF laut der Jerusalem Post zum Ziel, den Rest der Infrastruktur der Radwan-Einheit, eine offensiv ausgerichtete Spezialeinheit der Hisbollah, zu zerstören. Gleichzeitig sollen jedoch Echtzeitangriffe, die die IDF-Soldaten und Nordisrael im Jahr 2006 besonders trafen, vermieden werden.
Etwa einhundert Raketen feuerte die Hisbollah damals täglich auf Nordisrael ab. In beiden Ländern löste der Konflikt eine massive Fluchtwelle aus. Ein israelischer Regierungsbericht zum Libanon-Krieg 2006 sollte die Fehler aufarbeiten – und stellte laut Reuters eine fehlende Effizienz der Armee und Mängel in Entscheidungsprozessen fest. Die Verluste waren auf beiden Seiten hoch, auch weil die Armee nicht auf die Einsatztaktiken einer Terrormiliz so richtig vorbereitet waren. Rückblickend sei der Krieg damals eine „verlorene Gelegenheit“ gewesen, hieß es in dem Bericht.
Vergeltung für Libanon-Niederlage 2006? Hisbollah und Israel treffen erneut aufeinander
Nun nimmt Israel im Libanon einen neuen Anlauf. „Die IDF bereiteten sich 18 Jahre lang auf diesen Angriff vor, nach der Demütigung des zweiten Libanon-Kriegs 2006, als die IDF unvorbereitet auf die Art des Krieges waren, der geführt wurde“, sagte der Haaretz-Chefredakteur Aluf Benn in einer aktuellen Podcast-Folge. „Viele Jahre lang lag der Schwerpunkt des israelischen Geheimdienstes, der israelischen Übungen und der Einsatzplanung auf der Hisbollah.“
Der Libanon-Krieg 2006, der auch 33-Tage-Krieg genannt wird, bezeichnet Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah, die von Juli bis August 2006 gingen. Auch damals startete der Konflikt mit Luftangriffen im Libanon und einer von Israel verhängten Seeblockade, gefolgt von einer Bodenoffensive im Südlibanon. Der aktuellen Bodenoffensive gingen ebenfalls Luftangriffe voraus.
Hisbollah ist noch nicht besiegt – und setzte auf neue Erfolge gegen Israel durch alte Taktiken
Insbesondere die Bodenoffensive ist ein heikles Unterfangen, denn Israel begibt sich aus der Defensive mit seinen IDF in eine vulnerable Position, in der die Soldaten anfälliger für direkte Angriffe sind. Die Armee tätigte daher einige Vorkehrungen für die Vorbereitung. Laut der Jerusalem Post seien drei Divisionen bereits an der Grenze. Zudem haben seit Monaten immer wieder Einsätze in Grenznähe stattgefunden.
Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert
Kampflos aufgeben wird die Hisbollah sicherlich nicht, obwohl einer ihrer wichtigsten Männer getötet wurde. „Die Widerstandskräfte sind für eine Bodenoffensive bereit“, erklärte der Scheich Naim Qassem nach dem Tod von Nasrallah. Auch er verwies auf den Libanon-Krieg von 2006, allerdings als Beweis für die Fähigkeit der Hisbollah, den IDF zu widerstehen.
Ausmaße von Israels Bodenoffensive im Libanon unklar – Schutz im Libanon fehlt
Weiterhin sind die Soldaten umso ungeschützter, je weiter sie in den Libanon eindringen. Nahe der israelischen Grenze wäre eine schnelle Unterstützung und potenzielle Rückzugsmöglichkeiten besser gegeben. Vorerst soll es laut Angaben der IDF auf der Onlineplattform X nur „lokale und gezielte Bodenangriffe“ in libanesischen Wohnorten nahe der Grenze geben.
Die Armee machte allerdings keine Angaben zu der Länge der Offensive, sodass die genauen geplanten Ausmaße unklar sind. „Die IDF operieren weiter, um die Ziele des Krieges zu erreichen, und tun alles, was notwendig ist, um die Bürger Israels zu verteidigen und die Bürger Nordisraels in ihre Häuser zurückzubringen.“
Die Frage ist, was nach dieser Phase kommt. „Für die Rechtsextremen ist der Südlibanon wie Gaza, Dörfer sollen besetzt, zerstört und mit israelischen Siedlern ersetzt werden“, sagte Benn weiter. Auch bleibt die Frage der Unterstützung offen, denn auch der US-Präsident Biden plädierte vor dem Anfang der Bodenoffensive laut The Guardian für einen Waffenstillstand mit der Hisbollah. Dieser wurde von Israel abgelehnt.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Der Ex-CIA-Analyst Michael P. DiMino gab gegenüber dem ZDF an, dass auch „eine temporäre Pufferzone“ das Ziel der Bodenoffensive sein könnte. Dann könnten die Kurzstreckenraketen der Hisbollah das israelische Territorium nicht mehr so zuverlässig erreichen. Die Hisbollah könnte sogar geschwächt werden, so DiMino. „Doch selbst wenn die Hisbollah verschwindet, wird eine andere schiitische Miliz an ihre Stelle treten.“
Israel muss zivile Opfer vermeiden – Zivilbevölkerung leidet auf beiden Seiten
Nicht zuletzt stellt auch die Zivilbevölkerung, die bei einer Invasion ins Kreuzfeuer geraten könnte, eine Herausforderung dar. Große Teile der Zivilbevölkerung flüchteten zwar bereits oder wurden evakuiert, allerdings ist die Notfallinfrastruktur schon jetzt überlastet. Mehr als 1000 Menschen wurden in den letzten zwei Wochen getötet und die Krankenhäuser sind mit Verwundeten gefüllt.
Die Situation der Bevölkerung im Gazastreifen könnte ein Vorbote dafür sein, was auch die Zivilbevölkerung erwarten könnte. Auch beim Libanonkrieg 2006 übte die internationale Gemeinschaft nicht zuletzt wegen der hohen Zahl ziviler Opfer Druck auf Israel aus, der letzten Endes zu einem Waffenstillstand führte.
Auf der israelischen Seite der Grenze leidet die Zivilbevölkerung aktuell ebenfalls. Laut der Economic Times wurden bereits Tausende von Israelis in den nördlichen Gemeinden vertrieben. Die Hisbollah, die bereits Gegenschläge angekündigt hatte, würde vermutlich weiterhin auch auf israelischem Gebiet angreifen, sodass die dortige Bevölkerung unter dem Konflikt ebenfalls leidet. (lismah)