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Proteste in Israel
Hunderttausende auf Tel Avivs Straßen fordern Waffenruhe in Gaza
Knapp 350.000 Menschen demonstrierten in Tel Aviv für ein Ende des Gaza-Kriegs. Netanjahus Kabinett ging bei einer Sitzung am Abend nicht auf die Forderungen ein.
Gaza/Tel Aviv – Seit nunmehr fast zwei Jahren befindet sich Israel im Krieg. Ende der Vorwoche (22. August) wurde die anhaltend dramatische humanitäre Lage im Gazastreifen offiziell zu einer Hungersnot erklärt. Auch werden dort noch immer zwanzig lebende israelische Geiseln festgehalten. Frei kommen könnten sie auf Grundlage einer Einigung über eine Waffenruhe, für den die Hamas in der Vorwoche einen Vorschlag der Vermittlerstaaten Ägypten und Katar erhielt – und offenbar zustimmte. Israels politische Führung ging auf den Vorschlag bislang nicht ein, und auch einer „Hungersnot“ in Gaza widersprach Israels Premierminister Benjamin Netanjahu bislang. Unterdessen wächst der politische Druck auf Netanjahu auch im eigenen Land auf ein neues Höchstmaß an.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
350.000 Demonstranten in Tel Aviv fordern ein Ende des Gaza-Kriegs
In Israel versammelten sich am Dienstag (26. August) Hunderttausende Menschen auf den Straßen des Landes, um sich an einem nationalen Protesttag gegen den Krieg in Gaza zu beteiligen. Die Großdemonstration ging auf eine Initiative der Geisel-Angehörigen zurück, die Premierminister Netanjahu vorwerfen, den Gaza-Krieg aus politischen Gründen zu verlängern, wie die Tagesschauhinweist. Netanjahus rechtsextrem ausgerichtete Koalitionspartner, von denen sein politisches Überleben abhängt, sprachen sich bis hierhin ausdrücklich gegen eine Waffenruhe aus.
Bei einer Demonstration in Tel Aviv versammelten sich am Dienstagabend auf dem „Platz der Geiseln“ knapp 350.000 Protestantinnen und Protestanten, wie mehrere internationale Medien – darunter die Times of Israelund die Deutsche Presse-Agentur (dpa) – berichteten. Die Demonstrantinnen und Demonstranten brachten dabei eine klare Botschaft zum Ausdruck: „Die Regierung muss das derzeit auf dem Tisch liegende Abkommen unterzeichnen. Die ganze Nation fordert ein Ende des Krieges und die Rückkehr aller Geiseln“.
Israels Bevölkerung erhöht den Druck auf die Regierung Netanjahu
Das Forum der Geisel-Angehörigen hatte den Aufruf unter das Motto „Israel steht zusammen“ gestellt, berichtet die Tagesschau. Es kam bereits tagsüber vielerorts im Land zu Demonstrationen und Straßenblockaden. Bei der Kundgebung im Zentrum von Tel Aviv sagte die Ehefrau des im Gazastreifen getöteten Yossi Sharabi der israelischen Zeitung Haaretz zufolge, es sei die richtige Entscheidung, einem umfassenden Abkommen zur Freilassung aller Geiseln zuzustimmen.
„Das ist nicht nur das, was wir, die Familien der Geiseln, fordern – es ist das, was das israelische Volk will. Es entspricht unseren Grundwerten. Die Eroberung Gazas ist das Gegenteil dieser Werte“, sagte sie.
Waffenruhe in Gaza war in Israels Kabinett am Abend offenbar kein Thema
Laut internationalen Medienberichten kam am Dienstagabend auch das israelische Kabinett zusammen. Der Times of Israel zufolge soll ein Abkommen mit der Hamas über eine Waffenruhe und die Freilassung der Geiseln dabei allerdings nicht diskutiert worden sein. Vielmehr sollen bei der Kabinettssitzung die Pläne für die nächsten Schritte der israelischen Offensive in Gaza-Stadt im Vordergrund gestanden haben.
Dem Vorschlag über eine Waffenruhe, der die Hamas in der Vorwoche zugestimmt hatte, handelt es sich Medienberichten zufolge um eine angepasste Version des zuvor bereits verhandelten Vorschlags des US-Sondergesandten Steve Witkoff. Dieser sieht eine 60-tägige Waffenruhe vor, während zunächst zehn Geiseln im Gegenzug für palästinensische Häftlinge freikommen sollen. (fh)