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Verbrechensbekämpfung
Ärger um Palantir-Software von Trump-Freund Peter Thiel
Die Polizei kauft eine umstrittene Software ein, die sie noch gar nicht nutzen darf. In der Politik ist die US-Software Palantir umstritten.
Berlin – In der parlamentarischen Sommerpause spitzt sich die Debatte um die umstrittene Analysesoftware Palantir zu. Nachdem Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) mitgeteilt hatte, den Einsatz der Software zu prüfen, haben sich auch andere Abgeordnete zur Sache geäußert. Ihm sprang nun Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) bei.
„Menschen und Staaten, die andere wertepolitische Vorstellungen haben und ganze Länder bedrohen, nutzen zunehmend Technologie. Wir sollten ebenfalls Technologien nutzen, um unseren Staat und unsere Demokratie zu schützen“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntagsausgaben).
Hingegen sieht Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) einen Palantir-Einsatz bei deutschen Sicherheitsbehörden kritisch. Es sei zwar „wichtig, dass unsere Ermittlungsbehörden über zeitgemäße Instrumente verfügen, um schwere Straftaten aufzuklären und Gefahren abwehren zu können“, sagte sie der Süddeutschen Zeitung. Klar sei aber auch: „Es können nur solche Mittel genutzt werden, die mit rechtsstaatlichen Grundsätzen vereinbar sind.“
Koalition uneins über Einsatz von US-Software Palantir
Unionsfraktionschef Jens Spahn hatte sich im Stern bereits Anfang Juni für den Einsatz der Software ausgesprochen. Sie würde der Polizei „sehr helfen“. Verbrecher würden auch alle digitalen Möglichkeiten nutzen, argumentierte Spahn. „Der Staat sollte da im Rahmen des Rechts hinterherkommen mit seinen Fähigkeiten.“
Hintergrund
Die Palantir-Software wurde speziell für Sicherheitsbehörden entwickelt und wird von Geheimdiensten, Militär und Polizei genutzt. Die Ermittler kämpfen mit immer größeren Datenbergen. Mit „Gotham“ können Millionen Daten aus verschiedenen Quellen ausgewertet und verknüpft werden. Das Programm hat dabei nur Zugriff auf Informationen, die die Polizei ohnehin schon gesammelt hat. Viele Menschen, von denen dort Daten erfasst sind, sind aber keine Verdächtigen - sondern Zeugen, Opfer oder Auskunftspersonen.
Aus Polizeidatenbanken und Überwachungsmaterial können so automatisiert Zusammenhänge zwischen Personen, Orten und Ereignissen aufgedeckt werden. Ziel ist, die Ermittler schneller und effizienter zu machen im Kampf gegen Terroristen und andere Kriminelle. (dpa)
Chaos Computer Club sieht Palantir-Einsatz bei der Polizei kritisch
Der Chaos Computer Club warnt schon länger vor dem Einsatz der Software in Deutschland: Polizei und Politik machten sich damit „abhängig“ von Palantir, sagte Vereinssprecherin Constanze Kurz dem Deutschlandfunk. „Ich denke, das ist der falsche Weg in der modernen digitalen Welt, zumal unter dieser US-Regierung.“ Stattdessen müsse die seit vielen Jahren angestrebte eigene Software-Lösung von Bund und Ländern umgesetzt werden.
Der Konzern Palantir „unterliegt dem Wohl und Wehe der US-Gesetzgebung“, betonte Kurz. US-Präsident Donald Trump und seine Regierung griffen aber gerade auch digitale Gesetze hier in Europa an. Palantir könne seine Kooperation zudem auch einfach einstellen. „Da sollte man sich nicht in solcher Weise abhängig machen.“ Die Palantir-Software sei zudem „nicht einsehbar“ für die deutsche Polizei. So sei es zwar „technisch ausgeschlossen, dass Daten abfließen in die USA“. Doch „überprüfen lässt sich das schwer“.
Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die komplette Liste in Bildern
Auch andere Datenschützer äußerten wiederholt die Sorge, dass Polizei-Daten in die USA abfließen könnten und warnen vor einer ausufernden Sammlung und Verknüpfung von Daten und einer Gefährdung von Persönlichkeitsrechten. Die Linke in Sachsen-Anhalt nannte die Software kürzlich eine „reine Datenkrake“.
Tech-Milliardär und Trump-Freund Peter Thiel gründete Palantir 2003
Das Unternehmen Palantir wurde 2003 in den USA unter anderem von Tech-Milliardär Peter Thiel gegründet. Er ist bekannt für seine libertären und rechtskonservativen Positionen, seine Nähe zu Donald Trump und seine Kritik an liberalen Demokratien. Thiel wird daher kritisch gesehen – ebenso wie die Idee, sicherheitsrelevante Infrastruktur von US-Unternehmen abhängig zu machen. (mit dpa/afp)