Energieversorgung in Gefahr
Europa in der Öl-Zange: Katar droht mit Lieferstopp
Die neuen EU-Lieferkettenrichtlinien trafen in Katar wohl auf Kritik. Nun wird ein Brief des Öl-Lieferanten öffentlich, in dem das Emirat einen möglichen Lieferstopp vorhersagt.
Doha – Der arabische Golfstaat Katar zeigte sich laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Agence France-Presse (afp) unzufrieden mit dem EU-Lieferkettengesetz. Doha fordere Änderungen an diesem, andernfalls drohe ein Ende der Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) an Europa.
Einem Bericht der Welt am Sonntag zufolge erklärte das Emirat in einem Schreiben: Die EU müsse weitere Änderungen an der Lieferkettenrichtlinie vornehmen, sonst „wird der Staat Katar und QatarEnergy ernsthaft alternative Märkte außerhalb der EU für unser LNG und andere Produkte in Betracht ziehen müssen, die ein stabileres und unternehmensfreundlicheres Geschäftsumfeld bieten“.
Brief aus Katar spricht von Lieferstopp von Öl nach Europa
Dem Medienbericht zufolge ist das Schreiben bereits im Mai dieses Jahres an mehrere EU-Regierungen versendet worden. Der Zeitung liege der an die belgische Regierung adressierte Brief vor. Auch die EU-Kommission soll den Empfang eines entsprechenden Schreibens bestätigt haben, die Bundesregierung habe hingegen auf die Vertraulichkeit der Korrespondenz mit anderen Staaten verwiesen, so der Bericht weiter.
Allerdings teilte der Abgeordnete der Union im Europaparlament, Christian Ehler, mit: „Das Schreiben der Katarer hat unser Büro in Brüssel bereits erreicht, und es wird an einer politischen Lösung innerhalb der EU gearbeitet.“ Das EU-Lieferkettengesetz soll Unternehmen dazu verpflichten, negative Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf Menschenrechte und die Umwelt auch in Drittländern zu ermitteln.
Klimaziele der EU: Katar sieht Risiko für Öl-Lieferrungen durch „offensichtliche Unstimmigkeiten und Spannungen“
Katar stieß sich insbesondere an Klimaschutzvorgaben, die „über Ziele und Absichten des Pariser Klimaschutzabkommen hinausgehen“. Der dem Klimaschutz gewidmete Artikel 22 der EU-Richtlinie enthalte „offensichtliche Unstimmigkeiten und Spannungen“ mit den in Katar geltenden Gesetzen und Standards.
Die EU missachte in ihren Richtlinien das im Pariser Klimaabkommen vereinbarte Recht jedes Staates, sich eigene Klimaschutzziele zu setzen, schrieb das Emirat weiter. Die „hohen Geldbußen, Strafen und die zivilrechtliche Haftung bei Nichteinhaltung von Artikel 22“ stellten daher ein Risiko dar, das die Fähigkeit QatarEnergys unterminiere, „weiterhin LNG und andere Produkte an die EU zu liefern“.
Katar droht mit Öl-Stopp: Richtlinien der EU kommen ins Wackeln
Neben den USA und Russland ist Katar einer der wichtigsten Flüssiggas-Lieferanten der EU. Ohne die Erdgas-Lieferungen aus Katar sind laut der Welt am Sonntag die für 2028 geplanten Gassanktionen gegen Russland nach Experteneinschätzung nicht durchzuhalten. Außerdem würden höhere Gaspreise in Europa drohen.
Die neue Lieferkettenrichtlinie der EU war im Mai 2024 verabschiedet worden. Ihre Regelungen sollten ursprünglich ab Juni 2026 greifen. Jedoch setzten sich Deutschland und andere Länder unlängst für eine Verschiebung ihrer Einführung in der Praxis ein. Die EU-Staaten verständigten sich mittlerweile zudem darauf, die Richtlinien deutlich zu lockern. (nana/afp)
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