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Streit um geplatzte Richterwahl

Vertrauenskrise: SPD richtet nach Brosius-Gersdorf-Rückzug Vorwürfe an Union – „politisches Versagen“

Brosius-Gersdorf hat ihre Kandidatur für die Richter-Wahl zurückgezogen. Nach Frieden in der Koalition sieht es dennoch nicht aus: Die SPD greift den Partner Union an.

Berlin – Rund vier Wochen nach der geplatzten Richterwahl hat die SPD-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf ihre Kandidatur zurückgezogen. Die SPD hatte nach der kurzfristig verschobenen Wahl erklärt, an ihrer Kandidatin festzuhalten: Bei den Sozialdemokraten macht sich nun Unmut breit – vor allem mit Blick auf die Union. „Dass sich Frau Brosius-Gersdorf genötigt sah, ihre Kandidatur zurückzuziehen, macht mich nicht nur tief betroffen, sondern auch wütend“, erklärt Carmen Wegge, die Sprecherin der SPD-Linken, gegenüber unserer Redaktion.

Brosius-Gersdorf zieht Kandidatur zurück: SPD richtet Vorwürfe an Union

Brosius-Gersdorf hatte am Donnerstag (7. August) über ihre Bonner Anwaltskanzlei erklärt, „nach reiflicher Überlegung“ nicht mehr für die Wahl als Richterin des Bundesverfassungsgerichts zur Verfügung zu stehen. „Mir wurde aus der CDU/CSU-Fraktion – öffentlich und nicht-öffentlich – in den letzten Wochen und Tagen sehr deutlich signalisiert, dass meine Wahl ausgeschlossen ist. Teile der CDU/CSU-Fraktion lehnen meine Wahl kategorisch ab.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

In dem Rückzug der Kandidatin fürs Verfassungsgericht sieht Wegge nun eine Bestätigung für die Wirkung einer „gezielt orchestrierte rechte Hetzkampagne“. Die Union habe sich offenbar „allzu bereitwillig von diesen Angriffen treiben lassen“. CDU und CSU wirft die Sprecherin der SPD-Linken im Bundestag vor: „Damit hat sie grundlos das Vertrauen innerhalb dieser Koalition schwer erschüttert.“

Nach Brosius-Gersdorf-Rückzug: SPD-Politikerin sieht „gefährliche Erosion des demokratischen Respekts“

Dabei gehe es nicht nur um „ein politisches Versagen“, führt Wegge aus. Man erlebe „auch eine gefährliche Erosion des demokratischen Respekts vor Sachlichkeit und vor Personen“. Mit Blick auf die Union fordert die SPD-Politikerin: „Jetzt braucht es klare und glaubwürdige Signale für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Interesse der Demokratie, des Rechtsstaats und eines respektvollen politischen Umgangs.“

Geplatzte Richterwahl: Brosius-Gersdorf möchte andere Kandidaten „schützen“

Die Wahl von Brosius-Gersdorf und zwei weiteren Nominierten für das höchste deutsche Gericht war im Juli im Bundestag kurzfristig abgesetzt worden. Teile der Unionsfraktion hatten Vorbehalte gegen die von der SPD nominierte Brosius-Gersdorf. Als Grund wurden unter anderem teils falsch dargestellte Äußerungen zum Schwangerschaftsabbruch angeführt.

Rückzug der SPD-Kandidatin für die Richterwahl: Carmen Wegge, Sprecherin der SPD-Linken, richtet Kritik an die Union. (Symbolbild)

Brosius-Gersdorf begründete ihren Rückzug nun auch mit einem drohenden „Aufschnüren des ‚Gesamtpakets‘“ für die Richterwahl. Das gefährde die beiden anderen Kandidaten für das Bundesverfassungsgericht, „die ich schützen möchte“, hieß es in der Erklärung der Potsdamer Professorin. Es müsse verhindert werden, dass sich der Koalitionsstreit wegen der Richterwahl zuspitze „und eine Entwicklung in Gang gesetzt wird, deren Auswirkungen auf die Demokratie nicht absehbar sind“.

Koalitionsstreit um geplatzte Richterwahl: SPD wird sich das „gut merken können“

Der Koalitionsstreit scheint mit dem Rückzug der Kandidatin jedoch längst nicht entschärft: Das Vertrauen innerhalb der schwarz-roten Koalition scheint tief gestört. Derzeit sieht es nicht danach aus, als würden die Sozialdemokraten den Fall so schnell vergessen. Der ehemalige Gesundheitsminister und SPD-Politiker Karl Lauterbach schrieb auf der Plattform X: „Die Kampagne der Rechtspopulisten gegen Brosius-Gersdorf war erfolgreich. Danke an die Kollegen der Union. Das wird man sich gut merken können …“

Auch Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil fordert die Union auf, den Fall Brosius-Gersdorf aufzuarbeiten: „Diejenigen, die am Ende nicht zu ihrem Wort innerhalb der Koalition gestanden haben, müssen dringend aufarbeiten, was da passiert ist“, forderte der SPD-Chef. „So ein Vorfall darf sich nicht wiederholen.“

Nach Rückzug der SPD-Kandidatin: Spahn will gemeinsame Lösung für Richterwahl finden

Unionsfraktionschef Jens Spahn will nach dem Rückzug der Richterkandidatin mit der SPD gemeinsame Lösungen finden. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte er: „Der Entscheidung von Frau Prof. Brosius-Gersdorf gilt größter Respekt.“ Auch Spahn weist darauf hin, dass es „jenseits der sachlichen Auseinandersetzung“ auch „herabsetzende und beleidigende Kritik“ gegeben habe: „Diese verurteilen wir ausdrücklich. Das habe ich ihr auch persönlich im Namen der Unionsfraktion gesagt.“

Spahn stand im Rahmen der Kritik rund um die geplatzte Richterwahl im Fokus. Grüne und Linke richten erneut deutliche Vorwürfe an den Unionsfraktionschef: „Ungeeignet“ sei er, befinden etwa die beiden Grünen-Fraktionschefinnen Britta Haßelmann und Katharina Dröge. (pav mit dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO / dts Nachrichtenagentur, IMAGO / photothek

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