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„Zäsur“, „unerträglich“

Schulze und Reiter gehen mit Aiwanger nach Erding-Rede hart ins Gericht – Auch Söder wird heftig gerügt

Aiwangers Demo-Auftritt in Erding schlägt noch immer hohe Wellen. Münchens OB Reiter und Grünen-Politikerin Schulze attackieren ihn scharf.

München - Der Aufschrei nach der Rede von Hubert Aiwanger auf einer Demonstration gegen das Heizungsgesetz in Erding ist auch knapp zwei Wochen später nicht verhallt. An der Aussage des Chefs der Freien Wähler und bayerischen Vize-Ministerpräsidenten, die schweigende große Mehrheit dieses Landes müsse sich die Demokratie wieder zurückholen, gibt es weiter heftige Kritik.

Allen voran von der SPD und den Grünen. Eine heftige Attacke gegen Aiwanger, der sich inzwischen zu seinem Auftritt äußerte, gab es von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter. In Erding habe er einen Ton angeschlagen, „der von ganz, ganz weit rechts kommt“, sagte der SPD-Politiker der Süddeutschen Zeitung. Aiwangers Aussagen nannte Reiter „unerträglich“ und „unsäglich“. Er verkenne die Demokratie.

Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze spricht im Bayerischen Landtag, Hubert Aiwanger (M.) hört zu.

Dieter Reiter rügt Hubert Aiwangers „antidemokratischen Duktus“ bei Erding-Auftritt

Reiter kritisierte auch den Auftritt von Ministerpräsident Markus Söder, der ebenfalls sprach. Die führenden Vertreter des Freistaats hätten sich auf der Demo mit den zahlreichen anwesenden Rechtsextremen, Schwurblern und Klimaleugnern verbal verbunden, monierte er. Söder habe sich wenigstens von der AfD abgegrenzt, während Aiwanger die Menschen mit „antidemokratischem Duktus“ anstachelte.

Noch einen Schritt weiter ging Katharina Schulze von Bündnis90/Die Grünen. Im Bayerischen Landtag hatte die Fraktionsvorsitzende Aiwanger bereits einen „geistigen Brandstifter“ genannt und dessen Entlassung als Wirtschaftsminister gefordert. CSU und Freie Wähler lehnten ab. Jetzt legte Schulze nach. Als Verfassungsschützerin und überzeugte Demokratin müsse sie ansprechen, „wenn etwas aus dem Ruder läuft und eine Spitze des Freistaats rote Linien überschreitet“, sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Bayerns Ministerpräsidenten seit 1945

Bundeskanzler Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) und Fritz Schäffer (r, CSU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn.
28. Mai 1945 – 28. September 1945: Fritz Schäffer (r, CSU) mit Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn. © dpa
28. September 1945 – 21. Dezember 1946: Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA.
28. September 1945 – 21. Dezember 1946 (erste Amtszeit): Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA. © IMAGO/Rolf Poss
21. Dezember 1946 –
 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde.
21. Dezember 1946 – 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde. © IMAGO
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück.
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück. © IMAGO
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen.
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen. © IMAGO
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU).
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU). © IMAGO
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU).
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel, der aus Altersgründen zurücktrat, und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU). © IMAGO
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl.
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl. © Heinz Gebhardt/IMAGO
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück.
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück. © IMAGO
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück.
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück. © IMAGO/Astrid Schmidhuber
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste.
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste. © IMAGO
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand.
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand. © Sammy Minkoff/IMAGO
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch.
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch. © Charles Yunck/IMAGO
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender.
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender. © IMAGO

Kathararina Schulze: Hubert Aiwanger überschritt rote Linie - Markus Söder in der Pflicht

Aiwangers Aussagen in Erding seien eine „Zäsur“, die sie so nicht stehenlassen könne und wolle. „Ich mache mir Sorgen, wo wir als Demokratie hinsteuern. Ich möchte hier keine amerikanischen Verhältnisse mit Fox News, Fake News und Co.“, erklärte Schulze.

Auch Söder kommt in der Angelegenheit bei der 38-Jährigen nicht gut weg. Vor allem kritisiert sie dessen Schweigen. „Ich erwarte von Markus Söder, dass er zu dem Verhalten von Hubert Aiwanger konkret Stellung bezieht. Die Bürgerinnen und Bürger haben einen Anspruch zu wissen, ob die CSU weiterhin gefährlichen Populismus in der Regierung möchte“, forderte Schulze. Der Ministerpräsident habe die Aufgabe, dass in seinem Kabinett keiner demokratiefeindlich handelt. (mt)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Peter Kneffel

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