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Nach Einigung im Zollkonflikt

Deutliche Kritik aus der Union an EU-Zolldeal mit Trump: „Lediglich Schadensbegrenzung“

Im Zollstreit zwischen der EU und den USA kam es zu einer Lösung. Von der Leyen zeigt und Merz sind mit dem Ergebnis zufrieden. Wirtschaftsvertreter üben Kritik.

Berlin / Washington, D.C. / Turnberry – Monatelang verhandelten Vertreterinnen und Vertreter der Europäischen Union mit US-Präsident Donald Trump über Zölle, und über weite Strecken dieser Zeit war die Verunsicherung in der EU deutlich spürbar. Am Sonntag dann trafen sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der US-Präsident in einem Golf-Resort in Turnberry an der Westküste Schottlands. Kurz vor Ende der von Trump gesetzten Frist (1. August) konnten sich von der Leyen und der Republikaner auf eine Grundsatzvereinbarung zur Entschärfung des andauernden Zollstreits zwischen den USA und Europa einigen. Trump und von der Leyen sehen in der Einigung ein positives Signal, doch einige Wirtschaftsvertreter und Unionspolitiker bewerten die Einigung etwas anders. 

„Der größte aller Deals“ – Trump kann mit Einigung im Zollstreit zufriedener sein als Europa

Im Anschluss an die Verhandlungen mit EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen trat US-Präsident Trump sichtlich zufrieden vor die Kameras internationaler Medienvertreterinnen und -vertreter. „Es wird der größte aller Deals“, zitiert mitunter das ZDF den Republikaner. Ab dem 1. August werden auf sämtliche Exportwaren aus EU-Staaten in die USA Einfuhrzölle von 15 Prozent erhoben. Davon ausgenommen sind einzig Stahl und Aluminium, für die auch weiterhin ein Zollaufschlag von massiven 50 Prozent bei Einfuhr in die USA fällig wird. Zusätzlich verspricht die EU, künftig im großen Stil für knapp 750 Milliarden Dollar Energierohstoffe wie Öl und Gas aus den USA zu beziehen und zusätzlich 600 Milliarden Dollar in den USA zu investieren.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (l.) und US-Präsident Donald Trump im schottischen Turnberry.

Zwar ist von der Leyens Einigung mit Trump eine, mit der beide Seiten leben können – die USA jedoch deutlich besser als Europa. Denn obwohl Trump der EU seine angedrohten Einfuhrzölle in Höhe von 30 Prozent im Endeffekt nicht auferlegte, sind die 15-Prozent-Einfuhrzölle für viele Waren noch fünf Prozent mehr als die 10 Prozent Einfuhrzoll, die er sowieso schon seit einigen Monaten verlangt. Die USA dagegen dürfen ihre Exportwaren zollfrei nach Europa liefern. Positiv ist für die EU allenfalls, dass die Zölle für Automobile von aktuell 27,5 Prozent auf ebenfalls 15 Prozent gesenkt werden.

Zoll-Einigung mit Trump: Von der Leyen und Merz betonen Zufriedenheit

Unterdessen rechnen Ökonominnen und Ökonomen hierzulande infolge der Exportzölle mit ökonomischen Einbußen von 0,1 bis 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), berichtet der Spiegel. Das stellt zwar keine Katastrophe dar, dürfte die allerdings ohnehin schleppende deutsche Konjunktur aber noch weiter ausbremsen. Nicht nur mit den 15-Prozent-Zöllen, sondern auch mit seiner Hartnäckigkeit bei den 50-prozentigen Einfuhrzöllen auf Aluminium und Stahl stellte der US-Präsident seine Übermacht im Zollstreit mit Europa unter Beweis. Betreffend der Zölle auf Aluminium und Stahl sagte Trump laut der Tagesschau: „Das ist eine weltweite Angelegenheit, die so bleibt, wie sie ist“.

Donald Trumps berüchtigte Handschlag-Strategie

Handschlag auf Augenhöhe – und es wird ordentlich gequetscht: US-Präsident Donald Trump begrüßt Bundeskanzler Friedrich Merz vor dem Weißen Haus.
US-Präsident Donald Trump begrüßt Bundeskanzler Friedrich Merz vor dem Weißen Haus.  © SAUL LOEB / AFP
Donald Trumps Handschlag
Berühmt, berüchtigt und bekannt: Donald Trumps Handschlag ist eines der Markenzeichen des US-Präsidenten und vereint Machtspiel und Macho-Pose. Zu spüren bekamen das schon zahlreiche Politikerinnen und Politiker auf der ganzen Welt – hier Russlands Präsident Wladimir Putin im Juli 2017 in Hamburg. © imago
Auf dem G20-Gipfel in Hamburg traf er zum Handschlag-Foto mit Putin zusammen.
Donald Trump war noch frisch im Amt und genoss die mediale Aufmerksamkeit, die ihm durch seinen überraschenden Sieg bei der US-Wahl zukam. Auf dem G20-Gipfel in Hamburg traf er zum Handschlag-Foto mit Putin zusammen. © imago
Trump, hier als junger Mann mit Ex-Präsident Ronald Reagan
Mehrere Biografen Donald Trumps beschreiben, dass ihm sein Handschlag schon immer wichtig gewesen sei. Trump, hier als junger Mann mit Ex-Präsident Ronald Reagan, soll der Meinung sein, dass ein Handschlag darüber entscheidet, wer im anschließenden Gespräch Dominanz ausstrahlt und wer nicht. © IMAGO
Donald Trumps Handschläge, hier in der Praxis mit „Miss America 2025“ Abbie Stockard
Donald Trumps Handschläge, hier in der Praxis mit „Miss America 2025“ Abbie Stockard, beschäftigen die politische Medienlandschaft seit seinem Eintritt in die politische Arena. Die Washington Post beschrieb den Präsidenten als jemand, der „unbeholfene, intensive und manchmal geradezu seltsame Händedrücke“ gebe. © imago
James Comey. Der ehemalige Direktor des FBI
imago418416130.jpg © imago
Japans ehemaliger Premierminister geriet ebenfalls in die Handschlagfalle Donald Trumps
Japans ehemaliger Premierminister geriet ebenfalls in die Handschlagfalle Donald Trumps. Bei ihrem Treffen im Oval Office im Weißen Haus packte der US-Präsident zu - und ließ nicht mehr los. Ganze 19 Sekunden soll der Handschlag zwischen Trump und Abe gedauert haben. Japans Premierminister war von Trumps Händedruck sichtlich überrascht und reagierte mit nervösem Lächeln und ungläubigem Augenrollen. © imago
Donald Trump es offenbar auch bei Neil Gorsuch
Wie schon bei Comey versuchte Donald Trump es offenbar auch bei Neil Gorsuch, den Trump während seiner ersten Amtszeit zum Obersten Richter am Supreme Court ernannte. Beim Handedrücken zog Trump den Arm Gosuchs zu sich und brachte den obersten Richter sichtbar aus dem Gleichgewicht. © imago
Donald Trump und Emmanuel Macron
Den Höhepunkt des Händeschüttelns erlebte die Welt mit Donald Trump und Emmanuel Macron. Mehrfach während ihres Treffen schüttelten der amerikanische und der französische Präsident die Hände - fast immer in absonderlicher Art.  © IMAGO/Ron Sachs
Aufeinandertreffen mit Macron
Bei den Aufeinandertreffen mit Macron, wie hier beim G7-Gipfel in Kanada, wurde besonders deutlich, dass der Handschlag für Donald Trump vor allem ein Machtspiel ist. Frankreichs Präsident aber schien darauf vorbereitet und reagierte ebenfalls mit Angriff statt Verteidigung. Auf den Bildern war zu sehen, wie er Trumps Hand mit aller Kraft drückte, bis sogar seine Knöchel weiß wurden. Trump versuchte erfolglos, Macrons Arm zu verdrehen. © Evan Vucci/afp
Emmanuel Macron und Donald Trump
Emmanuel Macron beschrieb seine Reaktion auf Donald Trumps Handschlag-Taktik im Nachgang. „Mein Händedruck mit ihm war nicht unschuldig“, so Frankreichs Präsident. Man müsse Trump „zeigen, dass wir keine kleinen Zugeständnisse machen werden, auch nicht symbolische.“ Das galt für Macron offensichtlich selbst bei dem Austausch von Begrüßungsfloskeln. © Michael Kappeler/dpa
Emmanuel Macron und Donald Trump
Über die Jahre entwickelten die Alpha-Männer Emmanuel Macron und Donald Trump dann doch noch einen zivilisierten Händedruck. Den präsentierten sie der Weltöffentlichkeit in Rom, als beide Staatschefs zur Beerdigung von Papst Franziskus zu Gast waren. „Er ist ein toller Kerl - klug, stark und hält gerne meine Hand“, beschrieb Trump Macron, der „ein sehr guter Mensch“ und ein „sehr harter Kerl“. © imago
G7-Gipfel in Kanada
Ähnlich wie bei Emmanuel Macron wurde auch der Handschlag zwischen Donald Trump Marc Trudeau zum Politikum. Kanadas Premierminister wollte wie schon Frankreichs Präsident nicht klein beigeben. Es entwickelte sich ein kurzes Handgemenge, dass Trudeau aber mit einem Lächeln quittierte. © Evan Vucci/dpa
UFC-Kommentator Joe Rogan
UFC-Kommentator Joe Rogan beschrieb in seinem Podcast „The Joe Rogan Experience“, wie er sich auf das Händeschütteln mit Donald Trump vorbereitet hätte. Der Kampfsport-Experte sagte, er habe damit gerechnet, dass ihn der US-Präsident durch einen Ruck aus dem Gleichgewicht habe bringen wollen. „Ich habe mich breiter gestellt, um eine feste Basis zu haben“, so Rogan. Der US-Präsident sei deshalb trotz mehrfacher Versuche mit seinem Trick an ihm gescheitert. © imago
Donald Trump verfügt noch über weitere Techniken, um die Begrüßungssituation
Doch Donald Trump verfügt noch über weitere Techniken, um die Begrüßungssituation für seinen Gegenüber maximal unangenehm zu gestalten. Eine davon präsentierte er 2018 in Brüssel beim Handschlag mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Als die beiden beim Nato-Gipfel aufeinandertrafen, packte Trump zu und lehnte sich mit seinem Oberkörper nach vorne. Stoltenberg reagierte mit diesem Eindringen in seinen persönlichen Raum mit dezentem Rückzug. © imago
Bundeskanzlerin Angela Merkel r CDU trifft US Praesident Donald Trump im Rahmen des G20 Gipfels
Beim Handschlag mit Altkanzlerin Angela Merkel hielt sich Donald Trump vornehm zurück. Die Bundeskanzlerin bekam beim G20-Gipfel einen eher unterkühlten Händedruck vom US-Präsidenten. © Inga Kjer/dpa
UN Generalversammlung in New York
Ganz gesittet gestaltete sich 2017 in Donald Trumps Heimatstadt New York das Händeschütteln. Bei der UN-Generalversammlung traf Trump auf António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen. © Shealah Craighead/dpa
Sprecherin der Demokraten im US-Repräsentantenhaus musste der Rede zur Lage der Nation lauschen, die Trump im Kongress hielt
Nancy Pelosi beschloss, bei ihrem Handschlag mit Donald Trump den Spieß umzudrehen. Die damalige Sprecherin der Demokraten im US-Repräsentantenhaus musste der Rede zur Lage der Nation lauschen, die Trump im Kongress hielt. Pelosi streckte ihm im Anschluss die Hand mit soviel Ablehnung entgegen, wie ein Blick und eine Geste nur ausstrahlen können. © imago
Elon Musk bei seiner Verabschiedung aus den Regierungsdiensten im Oval Office
Wer die Gunst Donald Trumps genießt, der bekommt beizeiten einen ganz speziellen Händedruck vom US-Präsidenten. Trump legt dann liebevoll seine linke Hand auf die rechte seines Gegenübers und tätschelt diese. In den Genuss dieser Geste kam Elon Musk bei seiner Verabschiedung aus den Regierungsdiensten im Oval Office. © imago
Modi bei seinem Besuch Donald Trumps im Weißen Haus.
Den doppelten Händedruck für besonders gute Freunde bekam auch Indiens Premierminister Modi bei seinem Besuch Donald Trumps im Weißen Haus. © imago
Besuch Bolsonaros in Mar-a-Lago
Zu den guten Freunden Donald Trumps gehörte auch Brasiliens ehemaliger Präsident, Jair Bolsonaro. Der hatte sich im Wahlkampf mit seinem Rechtspopulismus und Skandalen den Spitznamen „Tropen-Trump“ erarbeitet. Der US-Präsident quittierte das im März 2020 bei einem Besuch Bolsonaros in Mar-a-Lago mit dem doppelten Händedruck. © imago
Als guter Freund Donald Trumps gilt schon lange Rudy Giuliani
Als guter Freund Donald Trumps gilt schon lange Rudy Giuliani. Bei einem Treffen mit Trump im Jahr 2016 schien der ehemalige Bürgermeister New Yorks auch auf den besonderen Handschlag mit dem damaligen Kandidaten der Republikaner für das Präsidentenamt zu hoffen. Trump gönnte seinem Ex-Anwalt diese Ehre aber offenbar nicht. © imago
Vizepräsident JD Vance bekam beim Handschlag von Donald Trump
Sein Vizepräsident JD Vance bekam beim Handschlag von Donald Trump ein Augenzwinkern oben drauf. © imago
US-Präsident Trump im Nahen Osten - Katar
Bei seinem Staatsbesuch in Katar bemühte Donald Trump sich offensichtlich um Zurückhaltung. Das galt auch für seinen Händedruck, den hier der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, während eines Staatsdinners im Lusail-Palast entgegen nahm. © Alex Brandon/dpa
Keir Starmer und Donald Trump
Großbritanniens Premierminister Keir Starmer reiste vor kurzem zum Antrittsbesuch nach Washington DC. Im Weißen Haus traf er auf Donald Trump. Der Handschlag blieb folgenlos und unspektakulär. © Carl Court/dpa
Cyril Ramaphosa und Donald Trump
Auf den absonderlichen Handschlag zwischen Cyril Ramaphosa und Donald Trump im Weißen Haus folgte der Eklat im Oval Office. Trump beschuldigte den südafrikanischen Präsidenten, in seinem Land einen Völkermord an weißen Landbesitzern geschehen zu lassen. Um seine Behauptungen zu untermauern, konfrontierte der US-Präsidenten seinen Amtskollegen sogar mit gefälschten Videomaterial. © imago

Von der Leyen, die sich bezüglich der Einigung mit dem Republikaner grundlegend positiv gab, betonte auch, dass es betreffend der hiesigen Stahl- und Aluminium-Zölle eine Annäherung der EU zu den USA geben könnte: „Bei Stahl und Aluminium stehen die Europäische Union und die USA vor der gemeinsamen Herausforderung globaler Überkapazitäten. Wir werden zusammenarbeiten, um einen fairen globalen Wettbewerb zu gewährleisten und Hindernisse zwischen uns abzubauen“, betonte die EU-Kommissionspräsidentin im schottischen Turnberry vor internationalen Pressevertreterinnen und -vertretern.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begrüßte die Einigung im Zollstreit. Mit ihr sei es gelungen, „einen Handelskonflikt abzuwenden, der die exportorientierte deutsche Wirtschaft hart getroffen hätte“, wird der CDU-Politiker von der Tagesschau zitiert. Dies gelte besonders mit Blick auf die gesunkenen Zölle auf Einfuhren von Automobilen. Der Bundeskanzler betonte, es sei gut, mit der Einigung eine unnötige Eskalation in den transatlantischen Handelsbeziehungen zu vermeiden. „Die Einigkeit der Europäischen Union und die harte Arbeit der Verhandler haben sich ausgezahlt“, betonte Merz. Jedoch gelte es weiter daran zu arbeiten, die Handelsbeziehungen mit den USA zu stärken.

Vertreter der Union üben mitunter heftige Kritik an von der Leyens Zoll-Einigung mit Trump

So positiv wie von der Leyen und Merz sehen Wirtschaftsvertreter die Einigung im Zollstreit zwischen Europa und den USA jedoch bei Weitem nicht. Und auch Unionspolitiker üben mitunter heftige Kritik. Gegenüber der Bild-Zeitung äußerte auch CSU-Politiker und EVP-Abgeordneter Manfred Weber beträchtliche Bedenken an der von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen recht positiv dargestellten Einigung mit Trump. Zwar sei das Resultat des Deals besser als viele befürchtet haben mögen. Dennoch sagte Weber: „Das ist lediglich Schadensbegrenzung. Trumps Vorgehen zeigt uns, dass wir weiter an Handelsabkommen mit anderen Weltregionen arbeiten müssen. Und dass wir einen vollumfänglichen Binnenmarkt mehr denn je brauchen.”

Und auch Markus Ferber, Wirtschaftsexperte und dienstältester deutscher EU-Abgeordneter der CSU, äußerte sich gegenüber der Bild-Zeitung reichlich kritisch zur Einigung von der Leyens mit Trump: „Wenn man bedenkt, dass unser Angebot der vollständige Abbau aller Zölle war, dann ist der Deal kein großer Erfolg. 15 Prozent verteuern europäische Produkte massiv in den USA und werden insbesondere die deutsche Wirtschaft hart treffen. Auch wenn eine Nichteinigung noch teurer geworden wäre, ein guter Deal schaut anders aus.“

Dem schließt sich Daniel Caspary, Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, an. Er erklärte: „15 Prozent Zoll werden den europäischen Anbietern nicht das Genick brechen, sie verteuern jedoch europäische Produkte in den Vereinigten Staaten. Damit trifft Präsident Trump vor allem seine eigenen Verbraucher und damit seine eigenen Wähler in den USA.“ (fh)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/AP | Jacquelyn Martin

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