Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Vorbild für Deutschland“

Merz will große Renten-Reform – Linke fordern Blick in deutsches Nachbarland

Linken-Fraktionschef Pellmann wirft Reiche nach ihrem Renten-Vorstoß eine „Kampagne gegen den Sozialstaat“ vor. Statt eines höheren Eintrittalters hat er andere Vorschläge.

Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz stellt einen „Herbst der Sozialreformen“ in Aussicht: Dabei will sich die schwarz-rote Regierung auch das deutsche Rentensystem vornehmen. Dass das System einer grundlegenden Reform bedarf, mahnen Expertinnen und Experten bereits seit Jahren an. Für eine Rentenreform stehen verschiedene Ansätze im Raum: Rentenbeiträge oder Eintrittsalter könnten steigen, das Rentenniveau könnte sinken, auch Konzepte wie eine Frühstartrente und ein steigender Bundeszuschuss gibt es.

Renten-Reform in Deutschland: Linken-Fraktionschef wirft Union „Kampange gegen Sozialstaat“ vor

Das Renteneintrittsalter anzuheben, forderte zuletzt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Teile der CDU, SPD und Opposition halten dagegen. Sören Pellmann, Vorsitzender der Fraktion Die Linke im Bundestag, wirft Reiche gegenüber unserer Redaktion Kalkül vor: „Reiches Äußerungen sind kein Zufall, sondern Teil einer sich immer deutlicher abzeichnenden konzertierten Kampagne von Union und Arbeitgebern gegen den Sozialstaat und die Mehrheit der Menschen im Land“, so Pellmann zur Münchner Merkur von Ippen.Media.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Der Wirtschaftsministerin gehe es „nicht um Probleme im Rentensystem oder um die Wirtschaft, sondern es geht ihr knallhart um die Interessen von Reichen und Konzernen“, kritisiert Pellmann. Diese Interessen vertrete Reiche „ganz im Sinne einer Agenda Merz 2030: Rente kürzen, noch länger und entgrenzter arbeiten und radikale Kürzungen in den sozialen Sicherungssystemen“. Eine „tatsächliche Debatte über die Finanzierung des Sozialstaates“ werde eigentlich gar nicht geführt.

Linken-Fraktionschef Pellmann: „Bei der Rente sollten wir uns an Österreich orientieren“

Mit Blick auf eine Rentenreform empfiehlt Pellmann einen Blick in die Nachbarschaft: „Um Altersarmut zu bekämpfen, brauchen wir eine solidarische Mindestrente und das Rentenniveau muss wieder auf 53 Prozent angehoben werden“, erklärt der Linken-Politiker, und fordert: „Bei der Rente sollten wir uns an Österreich orientieren.“

Dem österreichischen System hält der Linken-Fraktionschef zugute, dass alle Erwerbstätigen einzahlen – „auch Beamt:innen, Abgeordnete und Selbstständige“. Weiter erklärt Pellmann, „zahlen dort die Arbeitgeber einen höheren Beitragssatz.“ Der Beitragssatz in Österreich liegt bei 22,8 Prozent: Arbeitgeber tragen 12,55 Prozent und die Beschäftigten 10,25 Prozent. In Deutschland liegt der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung bei 18,6 Prozent des Bruttolohns: Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen jeweils die Hälfte.

Linken-Fraktionschef Sören Pellmann fordert ein Rentensystem nach dem Vorbild Österreichs.

Für das Rentensystem in Deutschland, fordert Pellmann, sollten die Beitragsbemessungsgrenzen erhöht und die Beitragssätze „moderat“ angehoben werden. So könne aus Sicht des Linken-Politikers eine Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent finanziert werden. Einen Ausgleich könne die Einführung einer Bürgerversicherung bei Kranken- und Pflegeversicherung bringen – dadurch könnten „dort die Beiträge für alle sinken – mehr netto vom brutto und das ganz ohne Leistungskürzungen“, so die Rechnung des Linken-Fraktionschefs.

Rente in Österreich: Darum liegen die Leistungen deutlich über denen in Deutschland

Mit Blick auf Österreich zeigt sich, dass die Durchschnittsrente dort tatsächlich deutlich höher ist, als es in Deutschland der Fall ist. Im Jahr 2024 lag die durchschnittliche Rente in Österreich nach Angaben der Pensionsversicherung Österreich bei 2.321,40 Euro für Männer und 1.594,24 Euro für Frauen. In Deutschland bekommen die mehr als 5,5 Millionen Rentnerinnen und Rentner mit mindestens 45 Versicherungsjahren im Schnitt 1.668 Euro Rente ausgezahlt. Männer bekommen mit mindestens 45 Versicherungsjahren im bundesweiten Schnitt 1.778 Euro. Bei den Frauen liegt die ausgezahlte Rente im Schnitt bei 1.449 Euro. 

Renten in Österreich sind, anders als in Deutschland, voll steuerpflichtig. Ein weiterer Unterschied zu Deutschland: In Österreich gibt es für Seniorinnen und Senioren ein Weihnachts- und Urlaubsgeld – damit wird die Rente im Grunde 14 anstelle von 12 Mal im Jahr ausgezahlt.

Das Rentensystem in Österreich

Rentenbeiträge: Die staatliche Pension wird durch einen Beitragssatz von 22,8 Prozent finanziert. Zusätzlich trägt der österreichische Bund über die „Ausfallhaftung“ jegliches Defizit der Pensionsversicherung.

Renteneintrittsalter: Das Regelpensionsalter in Österreich beträgt für Männer 65 Jahre, für Frauen wird es schrittweise von 60 auf 65 Jahre bis 2033 angehoben.

Rentenanspruch: Für einen Pensionsanspruch sind in Österreich mindestens 15 Versicherungsjahre erforderlich, im Gegensatz zu fünf Jahren in Deutschland.

Besonderheiten: Ein wesentlicher Unterschied zu Deutschland liegt in der breiten Abdeckung: Fast alle Beschäftigungsgruppen, einschließlich Selbstständiger, sind in das System integriert. Renten werden in Österreich zudem jährlich an die Preisentwicklung angepasst, während in Deutschland eine Dynamisierung mit der Lohnentwicklung vorgesehen ist.

Dass die Rentenleistungen in Österreich deutlich über denen in Deutschland liegen, ist laut Ausführung der Deutschen Rentenversicherung vor allem auf zwei Gründe zurückzuführen: höhere Beitragssätze und Bundesmittel pro Rente. „Zudem trägt die breitere Abdeckung der Erwerbstätigenbevölkerung (inklusive der Selbstständigen) zur Finanzierung der höheren Renten in der Alpenrepublik bei.“ Rund ein Viertel des Rentenunterschieds sei aber auch auf eine günstigere demografische Ausgangslage in Österreich zurückzuführen, „die nicht unmittelbar auf Deutschland übertragen werden kann“.

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung: „Österreich kann als Vorbild bei der Rentenreform gelten“

Auch Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), erklärte laut einem epd-Bericht: „Österreich kann als Vorbild für Deutschland bei der Rentenreform gelten.“ Durch die Aufnahme von Beamten und Selbstständigen habe Österreich gezeigt, wie dieser Schritt die gesetzliche Rente stärken, das Rentenniveau deutlich steigen und die Altersarmut sinken könne. „Wichtig ist aber, dass ein deutlich höheres Rentenniveau in Österreich nur wegen höherer Beitragssätze und stärkerer steuerlicher Zuschüsse möglich ist“, führte auch Fratzscher an. (pav)

Rubriklistenbild: © Imago (Montage)

Kommentare