Bürgerversicherung
Rente in Österreich: Weshalb Rentner im Nachbarland mehr bekommen
In Österreich sind die Renten höher als in Deutschland. Ist dieses Modell vorbildlich? Welche Gemeinsamkeiten und Differenzen gibt es im Ruhestand?
Hamm – Wer in Deutschland vom Berufsleben in den Ruhestand wechselt, muss einen deutlichen Einkommensverlust hinnehmen. Wer sich allein auf die gesetzliche Rente verlässt, bekommt die Versorgungslücke zu spüren – der bisherige Lebensstandard ist häufig nicht mehr haltbar. Der Blick auf die Rente in Österreich erscheint dabei verlockend: Dort bekommen Rentner deutlich mehr.
Rente in Österreich ist höher, das Eintrittsalter ist niedriger: Vorbild für Deutschland?
Die durchschnittliche Rente liegt in Österreich bei etwa 1900 Euro im Monat. Deutsche Rentner haben im Schnitt damit 400 Euro weniger, denn hier liegt dieser bei etwa 1500 Euro. Zudem wird diese nicht nur monatlich, also zwölfmal im Jahr, ausgezahlt. Stattdessen gibt es ganze 14 Auszahlungen, also quasi Weihnachts- und Urlaubsgeld. Weiterhin erfolgen die Rentenerhöhungen auf Basis der Inflation, während es in Deutschland anhand der Lohnentwicklung angepasst wird.
Auch das Renteneintrittsalter ist in Österreich niedriger als in Deutschland. Mit 65 Jahren gehen Männer regulär in den Ruhestand, bei Frauen liegt das Alter bei 61, wird jedoch schrittweise auf 65 angehoben. In Deutschland wird der Rentenbeginn bis 2031 auf 67 Jahre hinausgezögert.
Dafür müssen Beschäftigte in Österreich jedoch höhere Abschläge auf ihre Rente hinnehmen, wenn sie früher in den Ruhestand gehen. Pro Jahr gibt es 4,2 Prozent weniger, in Deutschland sind es 3,6 Prozent. Da aber das Eintrittsalter niedriger ist, fällt der Abzug in einigen Fällen dennoch geringer aus.
In Österreich zahlen alle in die gesetzliche Rente ein – aber die Beiträge sind höher
Die Finanzierung der Rente läuft in Österreich auch über eine Umlage der Beiträge von Erwerbstätigen. Zudem gibt es Steuerzuschüsse aus dem Bundeshaushalt. Doch anders als in Deutschland zahlen nicht nur Angestellte in die gesetzliche Rente ein. Auch Beamte, Selbstständige und Abgeordnete müssen sich beteiligen. Eine getrennte Pensionskasse für Beamte gibt es nicht. Damit kann das Rentensystem auf eine breitere Einnahmenbasis zurückgreifen.
Die Rentenbeiträge sind dafür allerdings auch höher. In Deutschland liegt der Beitragssatz bei 18,6 Prozent des Bruttolohns, den sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber zur Hälfte teilen. Perspektivisch könnten die Rentenbeiträge zwar in Deutschland auf bis zu 20 Prozent 2028 steigen.
Damit würden deutsche Arbeitnehmer jedoch weiterhin weniger als Österreicher zahlen. Denn dort liegen die Beiträge für die Rentenversicherung bereits bei 22,8 Prozent. Dafür haben sie am Ende jedoch auch mehr.
Der große Renten-Ratgeber
Mit unserem umfangreichen Renten-Ratgeber erhalten Sie alle wichtigen Informationen und Tipps rund um das Thema Rente übersichtlich zusammengefasst. Jetzt kostenlos herunterladen.
Österreicher müssen länger einzahlen, um die Rente zu erhalten – und diese voll versteuern
Nicht nur sind die Beiträge in Österreich höher, die Beschäftigten müssen auch länger einzahlen, um überhaupt eine gesetzliche Rente zu bekommen. Die Mindestdauer liegt bei 15 Jahren, in Deutschland sind es dagegen nur fünf Jahre. Besonders für Frauen, die aufgrund von Kindererziehungszeiten jahrelang nicht erwerbstätig sind, ist das ein Problem.
Österreicher müssen zudem ihre gesamte Rente besteuern. Der Eingangssteuersatz liegt dabei bei 25 Prozent. In Deutschland müssen Rentner dagegen lediglich einen Teil der Rente besteuern – zumindest bisher. Denn es gilt eine Schonfrist bei der Besteuerung der Rente. Je nach Beginn muss ein anderer Teil der Rente besteuert werden. Beim Beginn des Ruhestands 2025 fallen auf 83,5 Prozent der Rente Steuern an. Der Anteil steigt um 0,5 Prozentpunkte pro Jahr – bis 2058 dann auf die gesamte Rente Steuern anfallen.
Rubriklistenbild: © Andreas Strauß/Imago