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Frankfurter-Rundschau-Interview
„Sehr beängstigende Zeiten“: Warum Trump in Grönland auf Granit beißt – und wie Europa antwortet
Donald Trump greift nach Grönland. Wie nehmen das die Menschen auf der Insel wahr? Marie-Agnes Strack-Zimmermann war dort – und schildert ihre Eindrücke.
Nuuk/München – Donald Trump will Grönland den USA einverleiben – „auf dem einen Weg, oder dem anderen“. Ein Ansinnen, das nicht nur Dänemarks Regierung aufschreckt. Wie ist die Stimmung auf der Insel? Marie-Agnes Strack-Zimmermann, mittlerweile Chefin des Sicherheits- und Verteidigungsausschusses im EU-Parlament, hat Grönland gerade fünf Tage lang mit einer Delegation von sechs Europaabgeordneten besucht.
Die FDP-Politikerin hat nicht nur Grönlands Außenministerin, Verteidigungs- und Sicherheitsexperten und Fachleute für Bodenschätze gesprochen und das Nato-Manöver „Arctic Light“ begleitet, sondern auch den Ort Ilulissat im abgelegenen Nordosten der Insel bereist. Die Frankfurter Rundschau von Ippen.Media hat als erstes Medium mit ihr über die Reise gesprochen. Sie sei „tief beeindruckt“ von der Natur und der „wunderbaren Gastfreundschaft“ der Menschen, sagt die Politikerin. Sie erklärt aber auch, warum Trumps Ansinnen auf wenig Gegenliebe stößt – und was Europa tun kann.
Dass eine Gefahr von außen droht, war in Grönland nie ein Thema – bis Trump sich geäußert hat, er wolle die Insel aus vielen Gründen kaufen. Die Menschen haben hier über Tausende von Jahren ihr Leben gelebt. Sie mussten sich ausschließlich der Natur anpassen. Feinde von außen gab es nicht. Wenn man die Welt der Eisberge erlebt, versteht man: Die Menschen dort leben von der Jagd und der Fischerei. Die Gefahren kamen ausschließlich durch die Lebens- und Wetterbedingungen. Wir können uns das außerhalb unserer Welt kaum vorstellen.
Und jetzt hat sich die Wahrnehmung geändert?
Donald Trump hat diesen Scheinwerfer auf Grönland gerichtet. Der unangekündigte Besuch von J.D. Vance und die Stippvisite Donald Trump Juniors – im Schlepptau Charlie Kirk – hat hier große Unruhe ausgelöst. Der Versuch, die Gesellschaft pro USA zu beeinflussen, läuft bereits, wie nicht anders zu erwarten, über die sozialen Netzwerke. Dort versucht man den Grönländern – besonders jungen Menschen – weiszumachen, dass sie nicht zu Dänemark gehören. Und dass die USA ein besserer Schutz für Grönland sei, als die ehemalige Kolonialmacht.
„Very frightening times“ auf Grönland: „Die Menschen wollen kein weiterer Bundesstaat der USA werden“
Verfängt das?
Die Grönländer legen vor allem Wert darauf, Grönländer zu sein. Unabhängig von Dänemark zu werden, ist in der Tat ein Thema. Aber die Menschen wissen auch, dass die dänische Unterstützung für die größte Insel der Welt, mit einer Masse von 2.2 Millionen Quadratkilometern, aber nur 57.000 Einwohnern, erforderlich ist. Und sie sind deutlich dagegen, dass die Amerikaner diese Rolle übernehmen sollten. Ich durfte erfahren, dass die Inuit Grönlands die gleiche Sprache sprechen, wie die Menschen in Alaska und in der eisigen Region Kanadas. Die Menschen hier wollen definitiv nicht ein weiterer Bundesstaat der Vereinigten Staaten werden, wie die Freunde in Alaska. Die Grönländer sprechen von „very frightening times“. Das trifft es wohl sehr gut.
Zur Geschichte gehört aber auch eine schmerzhafte koloniale Vergangenheit mit Dänemark.
Es gibt eine dunkle Vergangenheit mit Dänemark und genau daran setzt die Einflussnahme der USA an. In den sozialen Netzwerken heißt es: „Ihr löst euch von Dänemark und wir kümmern uns dann um euch.“ Die dänische Regierung hat in den vergangenen Jahren viel unternommen, um die Kolonialgeschichte aufzuarbeiten, hat in Gesundheit und Bildung investiert. Es gibt hier übrigens auch eine sehr gute Universität, die wir auch besucht haben. Ein sehr greifbares Beispiel für Veränderungen ist auch der Abriss alter Wohngebäude, die in den sechziger Jahren gebaut worden sind und durch deutlich schönere Bebauungen ersetzt werden.
Grönland ist absolut offen für Investitionen, sei es aus Europa – sei es aus den Vereinigten Staaten. Man muss aber wissen: Das sind alles Langzeitprojekte. Wer heute nach Grönland kommt, um in Minen zu investieren, der fängt nicht nur bei null an, Bergbau ist wegen der Wetterverhältnisse auch nur ein paar Monate im Jahr möglich. Gewinne erzielt man möglicherweise erst in 20 Jahren. Dann allerdings lohnt es sich sehr. Man braucht also viel Geld und einen langen Atem.
Nato-Manöver auf Grönland ohne USA
Bleibt aber die Frage: Wie reagiert man auf diese Rhetorik, auf diese Einflussnahme aus Trumps USA? Haben Sie eine Lösung?
Für uns ist wichtig, hier als Partner gesehen zu werden, mit dem man auf Augenhöhe kooperiert und dieselben Werte teilt. Die Grönländer fühlen sich aufgrund ihrer Historie weder als Europäer noch als Amerikaner, sie fühlen sich als Grönländer. Aber sie schauen Richtung Europa. Europa kann an vielen Stellen hilfreich sein. Zum Beispiel bei den Grenzkontrollen, denn wer hier aus visapflichtigen Ländern einreist, der bekommt in seinen Pass – weil dänisches Hoheitsgebiet – einen Stempel für den ganzen Schengenraum, und kann sich nach Einreise demnach unkontrolliert in ganz Europa bewegen.
Die Polizei wies darauf hin, dass sie daher Unterstützung beim Grenzschutz bräuchte. Sowohl in den Häfen, wo die Kreuzfahrtschiffe anlegen, als auch an den zwei internationalen Flughäfen. Der Tourismus entwickelt sich deutlich, wenn auch weit entfernt noch von den Massen auf dem Kontinent. Europa kann sich hier extrem gut einbringen. Das würde sehr positiv wahrgenommen werden.
Sie waren auch beim Nato-Manöver „Arctic Light“. Wenn ich es recht sehe, waren die USA nicht dabei – abgesehen davon, dass Flugzeuge an der US-Basis Pittufik gestartet sind.
Wir waren auf einem dänischen Schiff des Joint Artic Command unterwegs und sind auf ein französisches Schiff getroffen. „Arctic Light“ war das erste NATO-Manöver hier in Grönland und stieß entsprechend auf viel Beachtung. Dass die USA nicht daran teilgenommen haben, wird hier nicht weiter kommentiert. Es waren andere Nationen vor Ort, so auch Deutschland mit dem Einsatz Truppenversorger „Berlin“ – das war ein starkes Signal: „Hier verändert sich gerade was.“
Kein freundlicher Empfang für Vance – EU ohne „Absicht Grönländern ihre Insel zu klauen“
Auch in der Pressemitteilung zur Reise Ihrer Delegation taucht der Begriff USA nicht auf. Dafür sticht der Verweis auf „verlässliche und gleichgesinnte“ Partner ins Auge. Ist das ein Seitenhieb, sich von Trump abzugrenzen?
Wie müssen uns nicht reflexartig immer an anderen Ländern abarbeiten, sondern klarmachen, dass die EU in ihrer Vielfältigkeit und mit ihrem Wertekanon ein verlässlicher Partner ist. Auf Augenhöhe, unterstützend und nicht mit der Absicht, den Grönländern ihre Insel zu klauen. Da kann Europa einen Unterschied machen. Denn das Grundgefühl auf Grönland ist: „Alle sind herzlich willkommen – aber Finger weg von unserem Land“. Nicht zufällig wurde dem US-Vizepräsidenten ein freundlicher Empfang verwehrt.
Rückblick auf die ersten 100 Tage: Trump krempelt die USA um – eine Chronik
Wir sind mit offenen Armen empfangen worden. Wir hatten vorher gefragt: „Ist ein Besuch erwünscht?“ Sich selbst einzuladen, sollte man bleiben lassen. Die Antwort lautete: „mit Freuden“ und wir führten entsprechend offene Gespräche. Wir sind mit der Delegation auch nach Nordosten gereist, um einen Eindruck zu bekommen, was es bedeutet, im Eis zu leben.
Welche Eindrücke haben Sie dort gewonnen?
Dass man den Klimawandel sehr ernst nehmen sollte. Uns wurde von Fachleuten während der Fahrt durch die eisigen Fjords nahegebracht, dass an jedem Tag die Eisberge so viel Wasser an den Ozean verlieren, wie Deutschland in einem ganzen Jahr verbraucht. Damit verändert sich auch unser Ökosystem. Wir besuchten übrigens einen Ort, in dem 5.000 Menschen leben und 3.000 Schlittenhunde, so elementar ist die Jagd und das Leben dort. Ich bin wirklich tief beeindruckt von dieser eisigen Welt.(Interview: Florian Naumann)