Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Schwarz-rote Koalition

100-Tage-Bilanz: Hat die Merz-Regierung geliefert?

100 Tage Bundeskanzler Merz, 100 Tage Schwarz-Rot: Deutliche Veränderung hat Merz bis zum Sommer angekündigt. Die Arbeit der Regierung im Überblick.

Berlin – Die schwarz-rote Regierung unter Kanzler Friedrich Merz nähert sich der 100-Tage-Marke. In seiner ersten Regierungserklärung hatte Merz angekündigt: Bürgerinnen und Bürger sollen schon im Sommer spüren, dass es in Deutschland vorangehe. Nach einem holprigen Start bei der Kanzlerwahl überschatteten zuletzt vor allem öffentlich ausgetragene Debatten innerhalb der Koalition die inhaltliche Arbeit der Regierung.

Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die Komplette Liste in Bildern

Friedrich Merz
Das Kabinett Merz ist die seit dem 6. Mai 2025 amtierende Bundesregierung unter der Führung von Kanzler Friedrich Merz. Es handelt sich um die fünfte schwarz-rote Koalitionsregierung und die 17. Regierung unter Führung der Unionsparteien auf Bundesebene. © Michael Kappeler/dpa
Nina Warken
Nina Warken hat bereits Geschichte geschrieben: Als erste Frau wurde sie im Juli 2026 Chefin des Bundeskanzleramtes. Die bisherige Bundesgesundheitsministerin übernahm das Amt von Thorsten Frei – und damit die zentrale Koordinationsstelle der Regierungsarbeit.  © Christoph Soeder/dpa
Linnemann
Im Zuge des Personalumbaus hat der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Juli 2026 das Gesundheitsressort übernommen. Allerdings hat er vorab selbst Zweifel gesät, dass er wirklich der richtige Mann für den Job ist. Er wäre nach der Regierungsübernahme durch Merz gerne Arbeitsminister geworden, musste das Ressort aber der SPD überlassen. Dem Sender Phoenix hatte er im Mai 2025 zum Interesse an anderen Kabinettsposten gesagt, es sei nicht „sein Ding“, nur Minister zu sein, damit das irgendwo in Wikipedia stehe. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen.“  © Christoph Soeder/dpa
Steffen Bilger
Ebenfalls neu im Kabinett ist der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Er gilt als fachlich geeignet, ist sehr gut vernetzt, arbeitete in der schwarz-roten Koalition bislang aber vor allem im Hintergrund. Der gelernte Rechtsanwalt stammt aus Baden-Württemberg und ist ausgewiesener Verkehrsexperte: Er saß schon als frisch gebackener Bundestagsabgeordneter von 2009 bis 2013 im Verkehrsausschuss. Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Wiederwahl von Angela Merkel (CDU) 2017 war er als Vertreter der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur beteiligt. 2018 wurde er dann Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. © Marijan Murat/dpa
Sommerfest der SPD im Landkreis Verden
Und sonst? Lars Klingbeil ist als Vizekanzler weiter der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Eigentlich brennt er für die Außenpolitik und geprägt durch den familiären Hintergrund als Soldatensohn am Heeresstandort Munster für Verteidigung. Jetzt steht er dem Finanzressort vor. Für Klingbeil, der im konservativen SPD-Flügel zuhause ist, könnte es das Sprungbrett für eine Kanzlerkandidatur 2029 sein - auch wenn manchen in der Partei aufstößt, mit welcher Skrupellosigkeit er sich zuletzt seine Macht sicherte. © Focke Strangmann/dpa
Alexander Dobrindt
Innenminister ist Alexander Dobrindt. Der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag galt schon seit Wochen als gesetzt für den Posten, auf dem er die von der Union verlangte „Migrationswende“ umsetzen soll. Dobrindt war von 2009 bis 2013 CSU-Generalsekretär, danach vier Jahre Bundesverkehrsminister. Als CSU-Landesgruppenchef galt er als wesentlicher Faktor für die relativ geräuschlose Zusammenarbeit von CSU-Chef Markus Söder und Merz. © Sebastian Gollnow/dpa
Außenminister Wadephul bei der UN
Auswärtiges Amt: Johann Wadephul. Erstmals seit fast 60 Jahren führt die CDU wieder das Außenamt. Den Posten hat Merz, der im Kanzleramt maßgeblich auch die Außenpolitik mitgestalten will, nun an einen Fachpolitiker aus dem Bundestag vergeben. Wadephul kommt aus Schleswig-Holstein und ist bisher als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Er gilt als international gut vernetzt und war in den vergangenen Wochen bereits in Paris, London und Warschau, um sich mit den dortigen Außenministern zu treffen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsminister Pistorius besucht Objektschutzregiment
Verteidigungsminister Boris Pistorius war für die SPD gesetzt – schließlich ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Als er im November 2023 „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ für die Bundeswehr ausrief, legte der Niedersachse die Latte hoch. Seit der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse kann er sich über mangelnde Finanzierung nicht mehr beschweren. Der Jurist wurde in Osnabrück geboren, er arbeitete in mehreren niedersächsischen Regierungsstellen und war von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt („das schönste Amt der Welt“). In den zehn folgenden Jahren war er Innenminister von Niedersachsen. 2023 übernahm er das Verteidigungsministerium von Christine Lambrecht und gewann in kurzer Zeit die Anerkennung der Truppe und der Verbündeten. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bundeswirtschaftsministerin Reiche zu Energiekosten
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie ist Katherina Reiche. Lange galt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als wahrscheinlicher Minister – doch der sagte ab und blieb auf seinem Posten an der Spitze der Parteizentrale. Merz entschied sich dann für die frühere Umwelt- und Verkehrsstaatssekretärin Reiche aus Brandenburg. Sie ist seit vielen Jahren in der Wirtschaft und war von 2015 bis 2019 zunächst Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende war schon von 2018 bis 2021 als Staatsministerin für Digitales im Kabinett von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Bär kam 2002 zusammen mit vielen anderen jungen Christsozialen während der Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber erstmals in den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen das deutschlandweit höchste Ergebnis. © Heiko Becker/Imago
Aktionsplan Steuer- und Finanzkriminalität
Justiz: Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin begann 2000 im Bundesjustizministerium und stieg zur Referatsleiterin auf. 2008 ging sie nach Mainz: Erst in die Staatskanzlei, 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Strafrecht im Justizministerium. Hubig wurde 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war damals ihr Parteikollege Heiko Maas. Beide gerieten mit dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range aneinander: Dabei ging es um später eingestellte Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats. © Michael Kappeler/dpa
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Karin Prien – Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die in Amsterdam geborene Prien arbeitete zu Beginn ihrer Karriere als Rechtsanwältin im Bereich Wirtschafts- und Insolvenzrecht, engagierte sich aber auch früh in der Hamburger Lokalpolitik. 2011 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt, bevor sie nach Schleswig-Holstein wechselte. Im „Zukunftsteam“ des gescheiterten Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet war sie 2021 gleichfalls für den Bereich Bildung zuständig. © Jens Schicke/Imago
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bodenständig, geradlinig, klar: Als Bundestagspräsidentin hat sich Bärbel Bas einen guten Ruf erworben. Zuvor war die Duisburgerin einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie sitzt seit 2009 im Bundestag und kümmerte sich unter anderem um Gesundheitspolitik. Ihre unkomplizierte Art mag mit der Herkunft zu tun haben: Die neue Bundesministerin für Arbeit und Soziales wuchs als zweitälteste von sechs Geschwistern in materiell einfachen Verhältnissen auf. Spielen, so erzählte Bas später, musste sie als Kind draußen, weil im Kinderzimmer zu wenig Platz war. © Imago
Pressekonferenz Wildberger und Warken
Digitalisierung und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger. Merz hat ganz früh angekündigt, dass er einen Experten aus der Wirtschaft mit dem neu geschaffenen Ressort betrauen will. Nun soll der Chef der Holding der Elektronikmärkte MediaMarkt und Saturn den Posten übernehmen. Der promovierte Physiker Wildberger war von 2016 bis 2021 Vorstand der Holding des Energiekonzerns Eon und davor unter anderem in Managementpositionen bei den Telekom-Konzernen Vodafone und Deutsche Telekom. © Soeren Stache/dpa
Fortsetzung der Sommerreise von Bundesumweltminister
Umwelt und Klimaschutz: Carsten Schneider war in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz Staatsminister und Beauftragter für Ostdeutschland. Damit war er eine der profiliertesten Stimmen dieser Region und sollte vor allem für gleichwertige Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern sorgen. Schneider stammt aus Erfurt und sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Dort war er unter anderem Haushaltspolitiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Der 49 Jahre alte Bankkaufmann gilt als pragmatisch, erfahren und vielseitig einsetzbar.  © Stefan Sauer/dpa
90. Grüne Woche Berlin - Eröffnungstag
Ernährung, Landwirtschaft und Heimat: Alois Rainer. Nach dem Rückzug des zunächst vorgesehenen bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner ist der Niederbayer zum Zug kommen. Der 60 Jahre alte Metzgermeister sitzt seit 2013 im Bundestag. Schon sein gleichnamiger Vater saß 18 Jahre im Bundestag, seine Schwester ist die ehemalige Bundesbau- und Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt. © Sebastian Gollnow/dpa
Reem Alabali-Radovan
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Reem Alabali-Radovan hat eine steile politische Laufbahn hingelegt. Zuletzt war sie Integrationsbeauftragte der Ampel-Regierung. Nun folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Schwerinerin. Geboren wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie, die vor den politischen Verhältnissen im Irak floh, nach Mecklenburg-Vorpommern. Als Integrationsbeauftragte setzte sie sich unter anderem gegen Racial Profiling ein, also die verdachtsunabhängige polizeiliche Kontrolle von Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe und anderen ethnischen oder religiösen Merkmalen. Alabali-Radovan ist verheiratet mit dem Profiboxer Denis Radovan und bekam 2023 eine Tochter.  © Katharina Kausche/dpa
Verena Hubertz
Die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist eine politische Senkrechtstarterin: Verena Hubertz ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete und wurde direkt stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, zuständig unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen. Oft führte sie in der Ampel-Koalition Verhandlungen mit Politikern von Grünen und FDP, wenn es um strittige Fragen ging. Laute Töne sind nicht ihr Fall. Die Triererin und Betriebswirtin hat eine für Politiker eher ungewöhnliche Biografie. 2013 gründete sie mit einer Studienkollegin das Küchen-Start-up Kitchen Stories. Die Idee: in Videos und Schritt für Schritt zu zeigen, wie einfach Kochen sein kann.  © Kay Nietfeld/dpa
Patrick Schnieder
Bis Juli 2026 war Patrick Schnieder Bundesminister für Verkehr. Verkehr. Merz hat ihn entlassen, weil er mit seiner Amtsführung unzufrieden war – besonders bei den Dauerkrisenherden Schienennetz und Infrastruktur. Die Entlassung Schnieders nach nur gut einem Jahr im Amt stieß in der CDU teilweise auf heftige Kritik. © Sven Kaeuler/dpa
Jens Spahn
Auslöser für den Kabinettsumbau im Juli 2026 war der Rücktritt von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef. Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz nahm den Wechsel an der Fraktionsspitze zum Anlass, die CDU in Regierung und Partei neu aufzustellen. © Michael Kappeler/dpa
Thorsten Frei
Umbau auch in der Union: Thorsten Frei übernahm den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Er war bisher Kanzleramtsminister. Frei steht für eine unverwüstlich wirkende Freundlichkeit, gepaart mit geduldiger Erklärlust. Trotz seiner nach außen getragenen Sanftmütigkeit steht wr inhaltlich für Härte. Die innere Sicherheit und die Begrenzung der Migration zählen zu den Kernthemen des Innenexperten, der als Sohn eines Polizisten in Südbaden aufgewachsen ist. © Michael Kappeler/dpa
Franziska Hoppermann
Für Linnemann wurde Franziska Hoppermann als CDU-Generalsekretärin ins Amt gewählt. Die bisherige Bundesschatzmeisterin gilt als arbeitnehmernah und hat ein starkes Profil in der Frauen Union.  © Christoph Soeder/dpa
Philipp Amthor
Philipp Amthor bekam eine Schlüsselrolle bei der föderalen Zusammenarbeit. Er wurde von Merz zum neuen Staatsminister im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen ernannt, der bisherige Amtsinhaber Michael Meister musste gehen. Amthor war bisher parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium. © Christoph Soeder/dpa
Christiane Schenderlein
Christiane Schenderlein wird Nachfolgerin von Tino Sorge als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Sie war bisher Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt.  © Kay Nietfeld/dpa
Wolfram Weimer
Er bleibt Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer. Er will aber nur für eine Legislaturperiode im Amt bleiben. 2003 war er Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren „FAZ“-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group. © Georg Wendt/dpa

Wirtschaft, Verteidigung, Migration: Die Koalition aus Union und SPD hatte einiges in Aussicht gestellt – welche Versprechen konnte die Regierung einlösen? Und wie bewertet die deutsche Bevölkerung die Arbeit von Merz und seinen Ministerinnen und Ministern in den ersten 100 Tagen – geht es spürbar voran?

100 Tage Merz-Regierung: Dobrindts Migrations-Kurs

In Sachen Migration hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt gleich zu Beginn – wenige Stunden nach seinem Amtsantritt – Zurückweisungen von Migranten an Grenzen auch bei Asyl-Gesuchen beschlossen. Die Merz-Regierung setzt seither verstärkt auf Grenzkontrollen. An Deutschlands Landesgrenzen wurden seit dem 8. Mai mehr als 9.500 Menschen zurückgewiesen; darunter 474 Asylsuchende (Stand: Anfang August). Rund 14.000 Bundespolizisten sind dabei im Einsatz. Ein hoher Aufwand für wenig Wirkung – das kritisierte nicht zuletzt die Gewerkschaft der Polizei.

Für Dobrindts angekündigte „Migrationswende“ setzte die Regierung zudem den Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte für zwei Jahre aus. Kurz vor Beginn der Sommerpause stellte der Innenminister außerdem zwei weitere Bausteine seiner „Migrationswende“ im Bundestag vor: Erstmals beraten hat der Bundestag dabei über die Möglichkeit, Staaten per Rechtsverordnung als sogenannte sichere Herkunftsländer einzustufen. Einige Fachleute sehen im Migrations-Kurs der Merz-Regierung innerhalb der ersten 100 Tage im Amt vor allem Symbolpolitik.

100 Tage schwarz-rote Regierung: Friedrich Merz als „Außenkanzler“

Die Koalition der Willigen, Treffen mit Trump, Reisen nach Paris, Warschau, Rom: Schon zu Beginn der Kanzlerschaft-Merz hat sich gezeigt, dass er angesichts der Weltlage einen großen Teil seiner Arbeit der Außenpolitik widmen wird. Doch wie erfolgreich war der „Außenkanzler“ Merz in der ersten 100 Tagen? Der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder vergleicht die Leistung des Kanzlers mit Merz‘ Vorgänger.

Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte Schroeder, Merz sei in der Außenpolitik im Vergleich zu seinem SPD-Vorgänger Olaf Scholz „deutlich erfolgreicher, weil er sichtbarer ist, weil er kommunikativer ist, weil er selbst auch die Initiative ergreift“. Damit laufe der Kanzler jedoch auch Gefahr, Fehler zu machen: Der Politikwissenschaftler verweist dabei etwa auf das letztlich folgenlose „Ultimatum“ an Russlands Präsident Wladimir Putin im Ukraine-Krieg.

Beliebtheit der Merz-Regierung nach 100 Tagen: Kanzler und Minister in aktuellen Umfragen

Nach rund 100 Tagen im Amt fallen die jüngsten Zeugnisse für den Kanzler und die Regierung verhalten aus. Im jüngsten ARD-Deutschlandtrend verzeichnete Merz einen deutlichen Rückgang bei seinen persönlichen Sympathiewerten. Aktuell sind 32 Prozent mit seiner Arbeit zufrieden. 65 Prozent sind laut repräsentative Umfrage von infratest dimap mit der Arbeit des Bundeskanzlers unzufrieden.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in der aktuellen Insa-Umfrage für die Bild am Sonntag: 59 Prozent der Befragten gaben an, mit der Arbeit des Kanzlers unzufrieden zu sein – nur 30 Prozent sind demnach zufrieden. Darüber hinaus wird auch die Gesamtleistung der Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD in der aktuellen Umfrage eher schlecht bewertet: 60 Prozent zeigten sich unzufrieden. Nur 27 Prozent sind zufrieden mit der Arbeit von Schwarz-Rot; 13 Prozent machten keine Angabe.

100 Tage Merz-Regierung: Die Kehrtwende bei der Stromsteuer

Vor der Bundestagswahl hatte die Union noch versprochen, die Stromsteuer für alle deutschen Bürger abzuschaffen. Das sollte für eine Entlastung bei den Energiekosten sorgen. Im Koalitionsvertrag steht zu dieser Entlastung folgendes geschrieben: „Das wird über die Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß und die Halbierung der Netzentgelte geschehen.“ 

Jetzt ist die Regierung Merz 100 Tage lang im Amt, hat aber bei der Stromsteuer die Kehrtwende vollzogen. Fürs Erste ist sie zwar abgeschafft, aber nur für das produzierende Gewerbe und für die Land- und Forstwirtschaft. Damit hat sich die Merz-Regierung einige Kritik eingebrockt. CSU-Chef Markus Söder versuchte, zu entschärfen, und gab die Netzentgelte und die entfallende Gasumlage als ausreichende Entlastungen an.

100 Tage schwarz-rote Regierung: Innenminister Alexander Dobrindt, Finanzminister Lars Klingbeil und Bundeskanzler Friedrich Merz. (Symbolbild)

Der Konjunktur-Kanzler: Milliarden-Investitionen und Steuererleichterungen

Kanzler Merz war auch angetreten, um die schwächelnde deutsche Wirtschaft wieder anzukurbeln – bisher mit wenig Erfolg: Das BIP schrumpfte im zweiten Quartal um 0,1 Prozent und für 2025 wird nur ein Wachstum von 0,3 Prozent prognostiziert. 59 Prozent der Wirtschaftsentscheider sind laut einer Wirtschaftswoche-Umfrage unzufrieden mit Merz‘ bisheriger Leistung.

Dabei wurden unter anderem milliardenschwere Steuererleichterungen für Unternehmen beschlossen sowie die Abschaffung der Gasspeicherumlage. Maßnahmen für den Bürokratieabbau fehlen aber noch. Dafür sind die Aussichten gut: Experten erwarten durch die Milliarden-Investitionen 2026 einen Aufschwung – denn es dauert natürlich, bis die Maßnahmen der Merz-Regierung auch greifen.

Rentenpolitik in 100 Tagen Merz-Regierung: Teure Wahlversprechen eingelöst

Hier kann Merz Erfolge verbuchen: Sowohl CDU/CSU als auch SPD konnten ihre Wahlversprechen mit dem ersten Rentenpaket einlösen. Das Rentenniveau wird im neuen Rentengesetz bei 48 Prozent bis 2031 festgeschrieben und die Mütterrente ausgeweitet.

Allerdings gab es heftige Kritik von namhaften Ökonomen wegen der hohen Kosten. Für die von Merz favorisierte, geplante Aktivrente wird erst nach der Sommerpause ein Gesetzesentwurf vorgelegt. Die ersten 100 Tage gab es aber auch immer wieder Zoff zwischen den Regierungsparteien, wie eine große Rentenreform aussehen soll.

Bürgergeld nach 100 Tagen Kanzlerschaft: Merz vor langwieriger Reform mit viel Koalitionszoff

Obwohl Merz angekündigt hatte, das Bürgergeld „so schnell wie möglich“ durch eine neue Grundsicherung zu ersetzen und zweistellige Milliardenbeträge einzusparen, ist die Reform noch in weiter Ferne. Bisher wurde nur beschlossen, dass ukrainische Geflüchtete ab April 2025 niedrigere Asylbewerberleistungen statt Bürgergeld erhalten sollen, was jedoch keine nennenswerten Einsparungen bringt. Die Koalition ist beim Thema Bürgergeld zerstritten – während Merz spürbare Kürzungen fordert, lehnt die SPD Leistungskürzungen kategorisch ab.

Rubriklistenbild: © IMAGO/(c) Mike Schmidt

Kommentare