Hunde richtig erziehen
Wie Sie Ihrem Hund seinen Namen beibringen und warum das so wichtig ist
Warum Namenstraining so entscheidend ist und wie Sie Fehler vermeiden, verrät Hundetrainer Holger Schüler.
Bevor im Hundetraining überhaupt ein Kommando ankommt, braucht es etwas ganz Entscheidendes: die volle Aufmerksamkeit des Hundes. Doch genau die geht im Alltag häufig verloren – meist aus einem einfachen Grund: Der Hund kennt seinen eigenen Namen nicht gut genug. Hundetrainer und Hundeerziehungsberater Holger Schüler bringt es auf den Punkt: „Einer der häufigsten Gründe, warum Hunde im Training die Aufmerksamkeit verlieren, ist, dass ihnen ihr Name nicht konsequent genug beigebracht wurde.“
Doch warum ist es so wichtig, dass Hunde auf ihren Namen hören? Und wie sorgt man dafür, dass der Name für den Vierbeiner mehr wird als nur ein Klang? Das verrät Holger Schüler im Interview mit Landtiere.de.
Warum der Name so entscheidend für das Hundetraining ist
Der Name des Hundes ist viel mehr als eine nette Anrede. Er ist das Signal, das ihm sagt: Jetzt bist du gemeint. Hör mir zu. Nur wenn der Hund auf seinen Namen zuverlässig reagiert, ist er überhaupt in der Lage, weitere Kommandos wahrzunehmen. Ob beim Rückruf, im Straßenverkehr oder bei anderen wichtigen Alltagssituationen – ohne Aufmerksamkeit funktioniert kein Training.
Doch hier liegt oft der Fehler vieler Halter: „Der Name des Hundes wird viel zu häufig zusammen mit anderen Kommandos genannt – zum Beispiel ‚Paula, hier!‘ oder ‚Paula, Sitz!‘. So lernt der Hund den Namen nicht als Aufmerksamkeits-Signal, sondern verbindet ihn mit dem nächsten Kommando. Im schlimmsten Fall ignoriert er den Namen irgendwann komplett“, erklärt Holger Schüler.
So sollte der Name eingesetzt werden
Der Name des Hundes sollte immer zuerst kommen – und erst danach das eigentliche Kommando, empfiehlt er. Wichtig ist: „Nach dem Aussprechen des Namens warten wir einen kurzen Moment und beobachten den Hund. Schaut er uns an, signalisiert er damit seine Aufmerksamkeit“. Erst dann folgt das nächste Kommando wie „Sitz“ oder „Hier“. „Wenn ich den Namen sage, möchte ich nur eins: seine Aufmerksamkeit. Mehr nicht. Und erst wenn der Hund reagiert, gibt es die nächste Anweisung“, rät Holger Schüler. „Deswegen ist es auch so wichtig, den Namen so zu trainieren, dass der Hund ihn auch wirklich wahrnimmt.“ Viele Halter neigen dazu, ihn ständig und für alles verwenden. „Wir Menschen denken meist, dass der Hund nur über den Namen alles machen soll. Je unklarer wir sind, desto unklarer arbeitet auch der Hund“.
So lernt der Hund seinen Namen zuverlässig
Um dem Hund seinen Namen richtig beizubringen, empfiehlt der Trainer die klassische Konditionierung: Man nimmt ein paar Leckerlis in die Hand, zeigt ihm das erste Leckerli, damit er weiß, dass eine Belohnung wartet. Dann wird das Leckerli zur eigenen Kinnspitze geführt, während man den Namen des Hundes sagt. Dadurch lernt er, beim Klang seines Namens automatisch den Menschen anzusehen.
Schaut der Hund einen an, folgt sofort die Belohnung. So verknüpft er seinen Namen immer wieder mit dem positiven Erlebnis der Aufmerksamkeit und der Belohnung. „Wichtig ist, dass das Training konsequent und regelmäßig stattfindet – am besten täglich mehrere kurze Einheiten. 12 bis 15 Wiederholungen am Tag mit jeweils rund drei bis fünf Leckerlis. So festigt sich das Namenstraining“, verrät Holger Schüler. Wie es genau funktioniert, zeigt er unter @hundetrainer_holger_schueler in einem Instagram-Video.
Hört das Training irgendwann auf?
Das Namenstraining sollte, laut Holger Schüler, wie alle anderen Kommandos, immer wieder aufgefrischt werden. Denn Hunde vergessen, wenn sie etwas lange nicht mehr üben. Deshalb empfiehlt er, auch bei Hunden, die ihren Namen bereits gut kennen, regelmäßig kleine Nachtrainings einzubauen. Mit seinen eigenen Hunden macht er das übrigens auch. „Wie bei Kindern, die eine Fremdsprache lernen: Nur regelmäßige Wiederholungen sorgen dafür, dass das Wissen im Kopf bleibt“, erklärt der erfahrene Hundeerziehungsberater.
Kleine Hilfestellung zum Training
- Ruhe und Konzentration schaffen: Wählen Sie eine ruhige Umgebung ohne Ablenkung.
- Namen positiv verknüpfen: Sagen Sie den Namen freundlich und klar. Sobald der Hund Sie anschaut, belohnen Sie ihn sofort mit Leckerli.
- Nicht den Namen „verbrauchen“: Sagen Sie den Namen nur, wenn Sie tatsächlich die Aufmerksamkeit des Hundes wollen – nicht ständig oder als Ermahnung.
- Ablenkungen langsam steigern: Üben Sie den Namen zunächst zu Hause, später draußen mit leichten Reizen und steigern allmählich die Ablenkung.
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Ab wann kann der Hund seinen Namen?
„Das kommt immer darauf an, wie viel und wie intensiv ich arbeite. Deswegen sage ich ja, das Namenstraining sollte locker mal drei bis vier Wochen gehen und jeden Tag Minimum zwölf bis fünfzehn Mal“, empfiehlt Holger Schüler.
Wann sollte man das Namens-Training starten?
Am besten beginnt man mit dem Namens-Training schon beim Welpen. Junge Hunde lernen sehr schnell, ihren Namen mit Aufmerksamkeit und Belohnung zu verknüpfen. Aber auch ältere Hunde können jederzeit lernen, ihren Namen sicher zu beherrschen – mit Geduld und Übung.
Ein Hund, der seinen Namen zuverlässig kennt, ist aufmerksamer, ansprechbarer und besser zu führen – im Alltag, beim Spaziergang und im Training. Der Name ist das wichtigste Kommando, das immer funktionieren sollte. Wie Holger Schüler betont: „Wenn der Hund beim Namen sofort reagiert, steht einer erfolgreichen Hundeerziehung kaum noch etwas im Wege.“
Hundetrainer und Hundeerziehungsberater Holger Schüler
Holger Schüler arbeitet seit 1990 intensiv mit Hunden und anderen Caniden. Seine Erfahrung sammelte er unter anderem in einer Wildtierauffangstation, wo er für die Betreuung von Wölfen und Füchsen zuständig war. In den folgenden Jahren war er zudem in Rettungshundestaffeln, Hundevereinen und Tierheimen aktiv.
Seit 2005 ist der Pfälzer als selbstständiger Hundeerziehungsberater und Hundetrainer tätig. Darüber hinaus ist er Ausbilder für Hundetrainer, Autor mehrerer Bücher über Hundehaltung und Hundeerziehung, gefragter Experte in Fachmagazinen und TV-Sendungen und bringt seine Erfahrungen auch in eigenen Bühnenprogrammen einem breiten Publikum näher.
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