Einfühlungsvermögen bei Tieren
Hieran kann man feststellen, ob ein Hund besonders mitfühlend ist
Viele Menschen, die einen Hund besitzen, sind der Ansicht, dass ihre Vierbeiner ihre Emotionen spüren. Was sagt jedoch die Wissenschaft dazu?
Empathie beschreibt die Fähigkeit, die Emotionen eines anderen Wesens zu erkennen und darauf zu reagieren. Beim Menschen gehört dieses Gefühl zur Tagesordnung, aber wie sieht es da bei den Vierbeinern aus? Zumindest haben Hundebesitzer oft den Eindruck, dass ihr Tier ihre Stimmung wahrnimmt oder sogar darauf reagiert. Auch in der Forschung wurde bereits untersucht, wie es um die Empathie von Hunden gegenüber ihren Besitzern und anderen Menschen steht.
Können Hunde Empathie empfinden?
Laut Dr. Gary Richter, einem renommierten Tierarzt aus den USA, gibt es keinen Zweifel daran, dass Hunde menschliche Emotionen wahrnehmen können. Sie reagieren auf unsere Gefühle, sei es Freude, Traurigkeit oder Stress, durch non-verbale Hinweise wie Körpersprache, Tonfall und sogar Geruch. „Jeder, der ein Haustier hat, hat das gesehen“, sagt der Tiermediziner laut dem Online-Portal Pure Wow.
Instinkt oder echte Empathie?
Die Frage, ob Hunde aus Instinkt oder echter Empathie handeln, ist komplex. Dr. Richter erklärt, dass Empathie bei Hunden nicht nur instinktiv, sondern auch eine echte emotionale Reaktion sein kann. „Es gibt Studien, die zeigen, dass Hunde physiologische und verhaltensbezogene Mechanismen haben, um Zuneigung zu zeigen und starke Bindungen zu Menschen aufzubauen“, so Dr. Richter. Diese Mechanismen könnten auch empathische Fähigkeiten umfassen.
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Empathie beim Hund durch soziale Natur
Die soziale Natur von Hunden spielt eine entscheidende Rolle bei ihrer Fähigkeit, Empathie zu zeigen. Laut Clive Wynne, Psychologieprofessor an der Arizona State University, sind Hunde äußerst soziale Wesen, die sich leicht von den Emotionen ihrer Umgebung anstecken lassen. Diese emotionale Ansteckung wird durch Hormone wie Oxytocin unterstützt, das während sozialer Interaktionen ausgeschüttet wird und das Gehirn für soziale Signale empfänglich macht.
Hunde nehmen menschliche Emotionen mit allen Sinnen wahr. Eine Studie aus dem Jahr 2018, die in der Zeitschrift Learning & Behavior erschienen ist, zeigt, dass sie auf verschiedene menschliche Gesichtsausdrücke mit Veränderung des Blicks und der Herzfrequenz reagiert haben. Aber auch auf die Körpersprache und sogar Gerüche reagieren Hunde, wie Monique Udell, Verhaltenswissenschaftlerin und Professorin für Tierwissenschaften an der Oregon State University in Corvallis laut National Geographic sagt.
Wie empathisch ist mein Hund?
Hundebesitzer können erkennen, ob ihr Hund empathisch ist, indem sie auf bestimmte Verhaltensweisen achten. Eine Studie von 2020, die in der Zeitschrift Canadian Journal of Experimental Psychology erschienen ist, zeigte, dass Hunde besonders weinenden Menschen ihre Aufmerksamkeit schenken. Sie suchten dann entweder einen intensiveren Blickkontakt oder körperliche Nähe. Auch am gestiegenen Stresshormonspiegel der Tiere zeigte sich die Reaktion auf das menschliche Verhalten. Ein empathischer Hund wird oft versuchen, in der Nähe seines Besitzers zu sein oder Trost zu spenden, sagt Dr. Richter. „Wenn man hochrechnet, wie ein nonverbaler, einfühlsamer Mensch in solchen Situationen reagieren würde, ist das in etwa dasselbe.“
Je nach Hunderasse könnte es ebenfalls Unterschiede im Maß der Empathie geben, wie Dr. Richter meint. Rassen, die speziell für eine enge Interaktion mit dem Menschen gezüchtet wurden und genetisch gesehen geselliger sind, würden höchstwahrscheinlich auch mehr Einfühlungsvermögen für andere zeigen können. „Ein durchschnittlicher Golden Retriever zum Beispiel ist ein sehr sozialer, interaktiver Hund, der wahrscheinlich sehr gut auf den emotionalen Zustand seines Besitzers reagieren kann“, so der Tierarzt.
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